Coyoacán, Frida Kahlo y la noche de D.F.
Veröffentlicht in Bienvenido!, Nicht kategorisiert Mit Tagsauto, besuchen, border cafe, cafe, casa azul, cerveza, coyoacan, d.f., diego rivera, entspannt, feiern, freunde, frida kahlo, indio, installation, kolonial, mexico, mexico city, mexio, mezcal, nacht, nachtleben, nightlife, sicherheit, taxi-entführung, vj bei 20. Juli 2008 von jamueDie Strassen sind gepflastert, große Pflastersteine, immer wieder fehlt der ein oder andere. Auf dem Fußweg sieht es nicht anders aus. Nur dass hier das Pflaster, dass sich mit Steinplatten abwechselt, immer wieder auftürmt, Wellen bildet und alles andere noch als Plan liegt. Die Wurzeln der alten Bäume arbeiten unter den Steinen, heben sie an, heben sie aus. Auch die Strasse bleibt nicht verschont. Den Autos macht das nichts aus, sie rumpeln trotzdem in hohem Tempo über die Francisco Sosa, die zwischen flachen kolonialen Wohnhäusern hindurch führt.
Die breiten Kronen der großen Bäume sorgen für angenehmen Schatten, ein Viertel wie in einem Film. Das ist Coyoacán. Früher eine eigene Stadt gewesen, doch irgendwann wurde auch dieses koloniale Städtchen von der Krake D.F. geschluckt. Die Stadt frisst früher oder später jede umliegende Ortschaft - wo sollen auch 22 Millionen Menschen hin?!
Die Francisco Sosa ist wohl DIE älteste urbane Strasse in Spanisch-Amerika. Alte Häuser, bunt bemalt, teilweise aus dem 16. Jahrhundert stehen links und rechts. Es wirkt absolut entspannt. Eigentlich möchte ich jedes einzelne Haus fotografieren, so schön sind sie, so urig, so beeindruckend. Aber natürlich kann ich dass nicht. Also laufe ich einfach die Strasse hinunter zum Hidalgo (Hauptplatz), genieße den Schatten, die Ruhe (die immer dann einsetzt, wenn irgendwo am Anfang der Francisco Sosa eine Ampel auf Rot gesprungen ist), die nicht lange währt und staune.
Am Hidalgo angekommen, muss ich leider feststellen, daß die Plaza momentan unter Rekonstruktion steht. Der Park ist geschlossen, die Wege aufgerissen und man muss sich an Bauzäunen vorbei rund um den Platz schieben. Ich entscheide mich, zunächst ein Baguette zu essen und dann meinen Streifzug durch Coyoacán fortzusetzen. Mein Weg führt mich danach in die Calle Allende. Vorbei an Ständen, die jede Menge Ramsch anbieten, bin ich auf der Suche, nach dem Haus der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Der Casa Azul.

Es ist nicht schwer zu finden. Und ich entscheide mich für meinen ersten Museumsbesuch in Mexiko.Bislang hatte ich davon Abstand gehalten, weil ich mir Museen auch später noch anschauen kann, oder wenn es regnet. Aber da ich nun schon einmal vor der Casa Azul stand…. Das Haus ist beeindruckend. Groß. Lichtdurchflutet. Alt. Stellenweise Rustikal. Freundlich. Und ein entspannter Garten, besser Park, gehört zu dem Anwesen, in dem die beiden Maler Frida Kahlo und Diego Rivera einst lebten. Heute beherbergt das Haus viele Werke der Beiden, Fotografien, Briefe und andere Dokumente die aus ihrem Leben erzählen. Ich habe meinen kleinen Rundgang durch das Anwesen in Bewegtbildern festgehalten. Man muss dem heutigen Blog-Leser ja einiges bieten. Und als Medienwissenschaftler weiß ich - Multimedia es lo que cuenta!
Nach diesem Besuch wollte ich eigentlich das Haus aufsuchen, in dem Leo Trotzky ermordet wurde. Mit einem Eispickel. Wohl eher kein schöner Tod. Aber irgendwie war ich zwar in der richtigen Strassen unterwegs, fand das Haus aber nicht. Wahrscheinlich stand ich irgendwo direkt davor - aber konnte es nicht erkennen.
Nach meinen Ausflug nach Coyoacán fuhr ich wieder mit der Metro zurück in Bernhards Wohnung. Paola war schon von der Arbeit zurück und später traf auch Bernhard ein. Und was sollten wir anderes tun, als den Abend zu planen. Schließlich war Freitag.
Una noche en D.F.
Mit dem Auto starteten wir gegen Acht zu Freunden. Paola manövrierte den Honda galant durch den dicken Verkehr, nebenbei plaudernd und immer wieder kurz mit der Faust auf die Hupe, falls sich ein anderer Wagen gefährlich näherte. Und das kommt bei diesem Verkerh häufig vor.
In La Condesa parkten wir den Wagen, liefen an einer Tiendita vorbei und kauften zwei Sixpacks Indio. Mit unseren Mitbringseln unter dem Arm kamen wir in eine ziemlich große Wohnung. Xavier und Freunde warteten dort bereits auf uns. Die Wohnung gehört eigentlich Freunden von Xavier - er passt aktuell auf sie auf und macht eigentlich nieeee Party da. Claaro que si. Wir tranken ein paar Indios, plapperten über kuriose Sachen und rauchten Zigaretten. Ein Tütchen machte die Runde. Schon als wir reinkamen unterhielt sich Jungs und Mädels über absurde Themen. “Ya teniste sexo con animales..?” Muhahahahaahaaaa! Immer wieder seltsame Themen, Gelächter und Stories. Wir wollte weiterziehen. Es stand noch Kultur auf dem Plan.
In La Roma gibt es derzeit eine Videoinstallation in einem Café. Wir packten allesamt in inzwischen zwei Autos und starteten wieder über die nächtlichen Strassen durch die Metropole. Die Fenster nach unten, die Türen verriegelt. So macht man das hier, und das wohl irgendwann automatisch. Keiner fährt hier Auto, ohne, dass die Türen verschlossen sind. Zu groß ist die Gefahr, an einer roten Ampel ungebetenen Besuch im Auto zu bekommen und gezwungen zu werden, irgendwo hinzufahren, wohin man nicht will. Erst vor zwei Wochen hatten Bernhard und Paola eine Taxientführung über sich ergehen lassen müssen. Sie sind seitdem vorsichtiger geworden.
In La Roma angekommen dröhnte schon laut elektronische Musik aus einem Patio. Schnelle Bilder wechslten sich mit bunten Farben an einer Wand ab. Dazu gab es Mezcal und weitere Cervezitas. Gegen Mitternacht schloss die Bar und wir starteten wieder in die Nacht.
Nächstes Ziel: Die Wohnung von Umberto. Ein Arzt, der sich eine bescheidene kleine (räusper…. das war wohl das falsche Wort) gegönnt hat. Er hatte bereits Freunde zu Besuch, als wir mit Oxana, Omega, Carlos und Jorge bei ihm klingelten. Mit dem Fahrstuhl ging es in seine Wohnung. Mehr ein Loft. Riesen Wohnzimmer, wenig darin, zwei dicke Couches. Dazu eine große Küche mit einem noch größerem Kühlschrank, den wir mit mitgebrachten Indios füllten. Es wurde gequatscht, erzählt, die Wohnung bewundert und der kleine Perrito von Umberto vorgestellt. Ein kleiner Kampfhund, der momentan beim Laufen noch mehr das Umfallen verhindert. So jung ist er. Er wohnt momentan in Umbertos Kraftraum. Um 2 Uhr packten wir es auch bei Umberto. Umberto versuchte mich noch zu überreden, ich solle in D.F. studieren, weil hier viel mehr los sei. Und mi casa es tu casa und so weiter…
Auf dem Heimweg hielten wir noch kurz bei einer Taco-Bar. Fünf Blocks von unserer Wohnung entfernt. Drei Tacos del Pastor sollten den aufgekommenen Hunger bekämpfen und taten dies auch vorzüglich. Danach parkten wir den Wagen wieder im Parkhaus. Und aus. Einige Bier und der leckere Mezcal ließen uns schließlich friedlich und zufrieden schlafen.




