Eine spezielle Behandlung – zu Besuch beim Schamanen

Veröffentlicht in Adios México, Viajando!, mexico city, puebla mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , am 5. Juli 2009 von jamue

Ich war also in DF mit ziemlich ramponierten Fuessen angekommen und hatte noch am Abend mich mit Berhard und Paola ueber mein kleines Problemchen unterhalten. Zwar taten meine Fuesse dank des Arztbesuchs am Vormittag nicht mehr weh, aber okay waren sie auch noch nicht. Ich wusste, dass die Beiden sich bei Problemchen jeglicher gesundheitlicher Art haeufig von einem Freund, einem 70jaehrigen Schamanen helfen lassen, und Paola schlug auch gleich vor, dass ich mich am naechsten Morgen gleich beim ihm auf die Pritsche legen sollte.

Also entschieden wir, unseren Reiseplan um einen Tag nach hinten zu verschieben und ich einen Wellness-Tag beim Schamanen einzulegen. Am naechsten Morgen machte mir Paola einen Termin bei Ibán fest und fuhr mich auf dem Weg zu ihrer Arbeit bei ihm vorbei.

Ein grauhaariger, aelterer, aber im Gesichtsausdruck Kindgebliebener Mann empfing uns freundlich in seinem Haus, dass an den Berghaengen oberhalb von DF liegt, und Paola uebergab mich in seine Haende. Ibán war gerade von einem Spaziergang mit seinem spnaischen Freund Ramón wiedergekehrt und fuehrte mich nach oben, ueber eine schmale Wendeltreppe in ein kleines Zimmer unter dem Dach, in dem es ein wenig unaufgeraeumt wirkte und Raeucherstaebchen einen mystischen Duft verbreiteten. Dei Sicht von diesem Zimmer aus ueber die Millionenmetropole war trotz tief haengenden Regenwolken beeindruckend.

Wir nahmen auf zwei Holzbaenken an den Waenden Platz, Ibán setzte sich mir gegenueber und bat mich, meine Haende zu oeffnen und ihm meine Handflaechen zuzuwenden. Sogleich meinte er: Du bist viel gereist in Deinem Leben – viele Geschichten hast Du erlebt. Er begann mir aus meinem Leben zu erzaehlen, sprach darueber, was mein Sinn auf der Welt sei, was mich in meiner Zukunft erwarten wuerde und was ich tun sollte. Schreiben, meinte er, solle ich, vor allem ueber Sexualitaet um festgefahrene Ansichten der Menschen zu aendern. Es koennte also nur eine Frage der Zeit sein, bis das Karma Sutra oder eine neue Version von Feuchtgebiete von Jakob Mueller auf dem Ladentisch landen :-) .

Nachdem er mir aus den Haenden gelesen hatte, legten mich die beiden auf einen laenglichen Holztisch, der nur mit einem Laken bedeckt war und begannen mich zu massieren. Ibán widmete sich meinem Kopf, den Schultern, meinem Bauch und meinem Ruecken, waehrend mir Ramón die Beine und die Fuesse massierte. Eine viertel Stunde lag ich so da und liess mich durchkneten, und Ibán attestierte mir beste Gesundheit: Este chico no tiene nada!, sagte er.

In einem Ritual reinigten mich die Beiden mit ein paar Spritzern Wasser und gemeinsam schlugen wir danach auf eine Bongo ein, um unsere Wuensche und Traeume in die Sphaeren zu schicken. Ramón und ich trommelten im Takt auf die Bongo ein, waehrend Ibán mit einem Stoeckchen helle Toene mit einem Metallschuesselchen erzeugte.

Danach war ich bereit, fuer eine weiter Massage und das anschliessende Temazcal. Mit Ramón ging ich in den unteren Bereich des Hauses und waehrend er das Temazcal vorbereitete, bat er mich, mich meiner Kleindung zu entledigen und mich auf einer Liege vor dem Temazcal hinzulegen. Ich tat, wie mir geheissen, und er deckte mich mit drei Lagen Decken zu, und schwang die Decke immer nur dort zurueck, wo er gerade massierte. Es folgte eine Ewigkeit Massage. Zunaechst auf dem Ruecken liegend die Fuesse und die Beine, jedes selbstverstaendlich fuer sich, dann ein Arm nach dem anderen, die Haende, das Gesicht, der Kopf, die Brust und  der Bauch. Nach einer gefuehlten Stunde drehte ich mich auf den Bauch und die Prozedur begann von neuem und endete nach einer weiteren wunderbaren Ewigkeit. Das Temazcal, dass an sich wie eine Sauna mit Heilkraeutern vorstellen darf (aber nur in diesem Fall – die traditionelle Form findet auch in einem speziellen Temazcal-Gebaeude statt), hatte seine Temperatur erreicht und ich setzte mich in die kleine Kammer, die stark nach gesunden Kraeutern roch. Wenn mir zu heiss wurde, wechselte ich ueber eine kleine Verbindungstuer in die benachbarte Eisdusche und brachte das Blut in meinem Koerper ordentlich zum zirkulieren. Mehrere Mal wechselte ich zwischen Hitze- und Kaeltekammer hin und her, und als ich genug hatte, legte ich mich in der Wohnung in ein Bett, wurde erneut mit  mehreren Lagen Decken warm eingewickelt und sollte weiter entspannen, so lang ich mich eben wohlfuehlen wuerde.

Und so verliess ich das Haus des Schamanen Ibáns nach gut vier Stunden erst wieder und fuehlte mich wie neu geboren. Eine spezielle Fussbehandlung hatte er mir zwar nicht gegeben, aber das war auch nicht die Idee. Er meinte, dass etwas in meinem Koerper ins Ungleichgewicht geraten sei, was sich nun an den Fuessen reflektiere, und mit seiner Behalndlung versuche er, den Koerper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, dass er selbst wieder die Kraefte entwickeln koenne, um sich selbst zu kurieren – eine sehr generalistische Behandlung – aber gut – fuer ein doch so spezielles Problemchen.

Seitdem, aber das koennte auch mit dem Arztbesuch zusammenhaengen, will ich troz allem einraeumen, geht es meinen Fuessen besser, wenn auch nach wie vor noch nicht perfekt, aber die Schmerzen sind weg.

Und so fuhr ich vorgester mit Vater weiter nach Puebla, holte in meiner Uni meine Noten ab, traf mich mit meiner gerade wieder eingereisten chilenischen Mitbewohnerin Agostina und feierte mit ihr und zwei drei anderen Freunden in der Nacht wiedersehen und Abschied.

Gestern Nachmittag reiste ich dann bereits nach Oaxaca weiter, wo ich mit Vater noch bis morgen bleiben werde, und mich auch hier, so langsam. von einer meiner Liebliengsstaedte in Mexiko verabschieden werde.

Al norte – la última vez: Magische Orte

Veröffentlicht in Adios México, Viajando! mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , am 1. Juli 2009 von jamue

Nun ist unsere kleine Nordtour auch schon wieder fast zu Ende, und ich nutze den schlechten Zustand meiner Beine, hier in Guanjuato wenigstens ein wenig Euch an meiner Reise teilhaben zu lassen.

Am Samstag nachmittag sinS1055253d wir 5 Stunden mit dem Bus heraus aus DF gefahren und am Abend in San Luis Potosí (SLP) eingerollt, wo wir uns schnell ein Hotel und etwas zu Beissen suchten. Wir hatten die Stadt nur als Zwischenstopp ueber Nacht vorgesehen, sahen aber noch bei einem kleinem naechtlichem Spaziergang, dass sich auch ein laengerer Aufenthalt gelohnt haette. Grosse Plaetze, liebevoll und praechtig sanierte Kirchen, grosse Gebaeude von ehemaligen Einkaufszentren und Banken verwiesen auf die reiche Silbergeschichte der Stadt, die bedeutend schoener, als ihr Ruf ist. Bernahrd hatte noch gemeint, mich wuerde eine Art Chihuahua erwarten – aber das traf absolut nicht zu. Kein Vergleich die beiden Staedte.

Doch schon am naechsten Morgen nach dem Fruehstueck packten wir wieder unsere kleinen Rucksaecke zusammen und machten uns mit dem naechsten Bus auf nach Matehuala – Zwischenstopp, um nach Real de Catorce zu kommen. Am Nachmittag und nach einer 25 Kilometer Holperstrecke ueber Feldsteinpflaster hinauf auf knapp 2800m erreichten wir den Ogarrío-Tunnel – ein alter in Fels geschlageneneDer Ogarrío-Tunnel nach Real de Catorcer, 2,5 km langer Tunnel, durch den man das Pueblo Mágico Real de Catorce erreicht. Noch vor dem Tunnel wurden wir von unserem Reisebus auf einen kleinen Stadtbus umgeladen, weil der Grosse nicht durch den Tunnel passt, und der Kleine brauchte dann auch gute fuenf Minuten, um den abenteuerlichen, nicht belueftenten und kaum beleuchteten Tunnel zu druchqueren und uns am Ortseingang von Real de Catorce auszuspucken.

Real ist nicht nur “Pueblo Mágico” vom Namen her, es ist wirklich magisch, diese kleine Stadt in den kargen Bergen, die einst eine reiche Silberstadt mit 40.000 Einwohnern war, und heute nur nochh 1.500 Seelen beherbergt. Rund um das Staedtchen und auch im Staedtchen zeugen mehr eingefallene Gebaeude, alte Haeuser, Grundmauern aus Lehm und Stroh von der einstigen Groesse der Stadt, die vor rund 100 Jahren nahezu fluchtartig verlassen wurde, als Eine Straße in Real de 14die Minen aufhoerten, reich zu sprudeln. In der Umgebung sind ueberall die Ueberreste alter Minen und Schaechte im Berg zu erkennen, und nur wenige Gebaeude wurden wieder richtig hergerichtet und dienen heute als Hotels oder Restaurants in Real de Catorce. Denn der Tourismus ist die einzige Einkommensquelle, die heute das Doerfchen nach seiner Wiederbelebung hat. Viele Kuenstler und Ruhesuchende haben sich heute hier niedergelassen, sich alte Gemaeuer gekauft und sie versucht, vor dem kompletten Verfall zu retten. Die Stadt hat Cárisma, auch wenn sie fast an allen Enden zusammenfaellt – eine lebendige Geisterstadtatmosphaere.

Wir suchten das gesamte Dorf und jede noch steheReal de Catorce Panorama-Ansichtn gebliebene Mauer nach einem Hotel ab und am Ende von Real standen wir vor dem Rincón del Pintor – einem kleinen netten Hotelchen mit Blick über die Innenstadt.

Wir kauften uns ein Bierchen in der dazugehörigen Tiendita und genossen den Ausblick bei einem Indio.

Weil sich seit der Ankunft meine Füße nicht gut anfühlten, sah ich davon ab, noch auf eine weitere Entdeckungstour durch den Ort zu gehen und bestellte mir im Hotel stattdessen einen Eimer, damit ich mir ein Fußbad machen konnte. Seitdem ich aus dem Bus ausgestiegen war, konnte ich kaum auftreten und bewegte mich nur noch wie ein Opa fort, ständig nach irgendwas stützenden suchend.

Am Montag raffte ich dann trotzdem all meine Kräfte zusamWarten auf Kundschaft - vor den Souvernirläden in R d 14men, biß die Zähne zusammen und machte mich doch mit Vater auf eine kleine Entdeckungs-Wandertour rund um Real de Catorce. Ein alter, seit Ewigkeiten gepflasterter Weg führte uns oberhalb des Ogarrío- Tunnels nach oben in die Berge aus Real heraus, vorbei an weiteren alten Gemäuern, die meist unbewohnt wirkten, aber doch häufig noch jemanden beherbergten udn schlägelten uns immer weiter nach oben in die Höhe. Die wenigen, unbewohnt ausschauenden, aber denoch bewohnten Gemäuer, die wir aus der Entfernung oder in der Nähe passierten, schauten aus, als seien sie vor Jahren verlassen worden, aber dann fing auf einmDie Willys - sie waren mit die ersten Geländewagen in Real de 14al doch hinter einer Mauer ein Esel an zu brüllen und man sah noch irgendwo einen Wäscheleine oder andere Anzeichen eines (oder mehrerer) Bewohner in der Nähe.

Nach einer knappen Stunde erreichten wir auf dem Bergrücken, inzwischen auf vielleicht 3.000m eine alte Kupfer-Hacienda, die man bereits von unten aus Real heraus sehen konnte. Auch hier hatten inzwischen Kakteen und andere Sträucher und Büsche die Oberhand über die alten Gemäuer gewonnen und der Wind blies durch die alten Tor- und Fensterbögen, die wieder den Blick auf Real de Catorce freigaben. Die Dächer mussten schon lange vor uns verschwunden sein, aber die Mauern und einige Bögen hatten den widrigen Witterungsbedingungen über Jahrzehnte Stand gehalten.

Schon bald tauchte hinter der alten Kupferhacienda das Pueblo Fantasma, das Geisterdorf, auf. Auf der anderen Seite lag es am Hang und wir konnten es so eine Weile aus der Entfernung vom Wege aus betrachten, während wir uns auf unserem Weg ihm immer weiter näherten.

Auch hier waren nur noch Grundmauern stePueblo Fantasma - das Geisterdorf oberhalb von Realhengeblieben, eine alte Kirchenruine markierte immernoch die Ortsmitte und herum standen weitere Mauern, die auf teils große Gebäude anno dunnemals schließen ließen. Von hieraus konnte man Real nun nicht mehr sehen und wir schlichen uns durch die Ruinen und wunderten uns und bewunderten, wie die Natur sich Stück für Stück ein einst besiedeltes Stück Erde zurückholte. Und so alt, das muss man dazu sagen, waren auch diese Sachen noch nicht, vielleicht ein Jahrhundert ist vergangen, seitdem hier niemand mehr wohnte.

Auf dem Rückweg holte uns wieder ein kleiner RReal de Catorce - eine weitere Panoramaansichtegenschauer ein, der uns bereits am Anfang des Aufstiegs ein Wegbegleiter gewesen ist und wir beschleunigten so unseren Schritt nach unten und standen bald wieder in Real , wo wir einen kleinen Mittagsimbiss zu uns nahmen. Am Nachmittag spazierten wir noch in eine andere Talrichtun aus Real heraus und erkundeten noch eine andere alte Kupfermine, die uns gegenüber am Berghang von unserem Hotel aus schon aufgefallen war.

Auch hier das gleiche Bild: Nur noch Grundmauern, die Fenster von alten Eingang in den Berg - alte Silbermine in Real de CatorceBalken vom dem Einstürzen abgehalten und zwei alte Schächte, die noch immer offen und geheimnisvoll weit und dunkel in den Berg hineinreichten.

Ich war über den Tag mit meinen Füßen ganz gut zu recht gekommen und je weiter wir liefen, desto besser ging es auch. Aber als wir am Dienstag Real in der Morgendämmerung und im Nebel verließen, meldeten sie sich wieder und verschafften sich schmerzlich Gehör.

Nach mehreren Stunden Busfahrt und einigen Malen Umsteigen (ein Direktbus von Matehuala nach Guanajuato war uns leider nicht gegWarten auf den Bus - hinaus aus dem Pueblo Mágicoeben) kamen wir in der Spätnachmittagssonne im wunderschönen Bergstädtchen Guanajuato an. Italienisches Flair – dachten wir nahezu synchron. Kleine Plätzchen, viele Restaurants und Cafés mit Biergärten, enge, schmale Strassen und Gassen, bunte, alte Häuser und das Ganze in einem engen Tal gelegen, dass sich die Häuser an den steilen Hängen bis hoch nach oben an die Berge bunt schmiegten. Überflüssig zu erwähnen, dass Guanajuato Weltkulturerbe ist – schätze ich mal. Das Städtchen ist nur über Tunnel (kennen wir ja schon) zu erreichen, die offenkundig teilweise aus ihrer Silbervergangenheit herrühren und einem im engen Gewirr von Gassen und Sträßlein im Zentrum ans Tageslicht bringen.

Wir hatten uns von einem viel zu geschwätzigem Jungen am Busbahnhof ein Eine Placita in Guanajuato - "italienisches Flair"günstiges Hotel empfehlen lassen und checkten in eben jenem im Zentrum ein. Sein Preis ließ einen besseren Standart erwarten, als es dann schließlich gab, aber vielleicht hatten sich auch Preis und Qualität über die Jahre auseinandergelebt – ein Phänomen, dass man hier in einigen alten Hotels/Pensionen oder Posadas häufiger antrifft.

Meine Füße hatten mich inzwischen fast komplett aus dem Entdeckungsspiel genommen und nach einem kleinen Spaziergang zu einem Restaurant hatte ich mich bereits wieder zurück ins Hotel gezogen, weil ich beim besten Willen nicht mehr auftreten konnte. Vater hatte die Stadt also allein zu La Basilica in Guanajuatodurchqueren, während ich mich einfach nur ins Bett legte, und hoffte, dass dieser unerklärliche Schmerz in meinen Fersen nachließ.

Heute morgen dann aber, hatte der Schmerz immer noch nicht nachgelassen und ich beschloss, nach dem Frühstück einen Arzt aufzusuchen. Vater hatte ich auf weitere Entdeckungsspaziergänge durch das malerische Guanjuato geschickt, während ich mich von einer jungen Ärztin untersuchen ließ, die meinte, dass meine Sehnen ein wenig entzündet seien und ich am Besten die nächsten 5 bis 7 Tage NICHTS machte. Ich schlürfte über ein Internetcafe wieder in ein Hotel, rieb mir meine Füße mit dem frisch gekauftem Gel ein, schmiss mir eine Tablette ein und wartete, dass Vater vom Stadtrundgang wiederkam.

Am frühen Nachmittag verließen wir Guanajuato wieder mit dem Bus und fuhren 5 Stunden zurück nach DF, wo wir am Abend wieder bei Bernhard und Paola eincheckten.

Eine Kupferstadt wie im wilden Westen

Veröffentlicht in Adios México, Viajando!, baja california, mexico city, pacifico mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , am 27. Juni 2009 von jamue

Das Rathaus von Sta. RosalíaHolzhäuser, nicht mehr als zwei Etagen, eine große alte Kupferfabrik, die Sonne tief über den Bergen, die Santa Rosalía umgeben und eine staubig-heiße Luft. 40 Grad im Schatten und das am frühen Abend – wir sind also an unserem nördlichsten Punkt unserer Baja-Rundreise angekommen. Nach unserem kleinen Stelldichein mit den lokalen Rabauken von der Policia fanden wir nach einigem Suchen doch ein recht nettes Hotel und es stellte sich rasch heraus, dass es kaum mehr als zwei Restaurants gibt. Wir verbrachten den Abend in Ruhe, ich schrieb den vorhergehenden Artikel und am nächsten Morgen machten wir uns ein letztes Mal auf, weiter nach Norden, um unsere vorletzte Jesuiten-Mision zu sehen, die wir noch auf dem Plan hatten.

Los Bomberos - im Zeitalter der Kupferminen hängen geblieben

Am Vormittag stiegen wir ins Auto und bewegten uns recht schnell wieder weg vom Golf ins Halbinselinnere und kamen nach einer guten Stunde weiter in einem kleinem Dorf an, dass einen schattigen Zócalo hatte und Eine andere Perspektive auf San Ignaciodemgegenüber San Ignacio stand. Wir blieben einige Zeit in dem Dörfchen , sahen uns die alte Mission (in meinen anderen Artikeln findet man die spanische Schreibweise mit einem “s” – war also kein Fehler) an und aßen einen Salat in einem Restaurantito gegenüber. Auf der Rückfahrt durchquerten qir erneut die karge Landschaft, aber machten einen kleinen Abstecher zum Vulkan Las Tres Virgenes, an den wir aber letztendlich doch nicht wirklich herankonnten. Unser Weg in die Wildnis endete an einer Hütte, die gerade für Öko-Tourismus aufgebaut wurde und die beiden Verantwortlichen schienen doch sehr erfreut über unseren unerwarteten Besuch und erklärten uns das Projekt.

Las Tres Virgenes - Vulkan nördlich von Sta. Rosalía

Am Abend schlenderten wir noch einmal durch das kleine Wild-West-Städtchen mit seiner von Gustav Eifel konzipierten Kirche und machten ein paar Fotos, bevor wir uns zur Ruhe betteten.

Und dann stand schon die Rückfahrt unserer Rundreise ins Haus. Über 1200 Kilometer hatten wir bereits auf dem Tacho, als wir uns am Dienstag morgen zu einem reinen Fahrtag aufmachten. La Paz sollte das Ziel erneut sein – 630 Kilometer durch karge Wüstenlandschaft, und vorher noch einen Badestopp in einer der einsamen Strände des warmen Golfes nahe Loreto.

Der Zahn der Zeit nagt an San Luis GonzagaAm frühen Abend kamen wir durch Ciudad Constitución und wenige Kilometer später jagten wir den kleinen Aveo noch einmal 80 Kilometer Off-Road durch die Wüste, Richtung unserer letzten Mision: San Luis Gonzaga. Ein kleines Kirchlein, daneben noch ein Gebäude, in dem das Dach halb heruntergekommen war, und ansonsten noch drei weitere Häuser zeugten davon, dass dieser Siedlungsort mitten in der Pampa wohl auch schon einmal bessere Zeiten und vor allem Leben gesehen hatte.

Wir fuhren zurück zur großen MEX 1 und spulten die letzten 160 Kilometer nach La Paz ab und checkten dort im Hotel Yeneka ein – ein Hotel, dass man auf jeden Fall weiterempfehlen kann. Nachdem man durch einen kleinen Durchgang die Rezeption hinter sich läßt, steht man in einem kleinen Patio, in dem sich die Sammlerleidenschaft des Besitzers widerspiegelt. An den Wänden hängen alte Pfluggeräte, Hammer, Eisenketten, Töpfe, Pfannen, Schöpfkellen, Pferdegeschirr, Öllampen und sogar ein altes Auto, wohl aus den 20er oder 30 Jahren. Zwischen dem ganzen “Schrott” befinden sich die Eingänge zu den 20 großzügigen Zimmern, die einfach gehalten, aber nett eingerichtet sind.

Das alte Auto neben unserem Zimmereingang im Yeneka

Am Mittwoch fuhren wir dann auch aus La Paz raus und nahmen die Ostroute nach Los Cabos. In San Antonio, einem verschlafenem Nest, dass früher wohl im Silberbergbau blühte, heute aber weitesgehend vergessen wurde, aßen wir eine unverschämt teure Pizza und tranken dazu völlig überpreiste Cola aus Dosen – und zogen weiter, über einen letzten Meeresstopp in Los Barriles nach San José del Cabo.

Ein Kaktus - mal im Close-Up

Ich hatte ein völlig vom Tourismus umgestülptes Örtchen an der Südspitze Baja Californias erwartet, wurde aber positiv enttäuscht. Der Tourismus hatte sich wohl mehr in Cabo San Lucas, rund 30 Kilometer weiter, breit gemacht und dort seine unschönen Hotelkomplex-Auswüchse getrieben. In San José war ein kleines, nettes, historisches Zentrum übergelieben, ein kleines Kirchlein am Hauptplatz und die idyllische Optik des Platzes wurde lediglich durch ein überproportioniertes Krieger-Helden-Denkmal am Ende des Platzes gestört.

Wir checkten in ein kleines, unerwartet (für diese Breiten) günstiges Hotelchen ein und aßen lecker zu Abend.

Unsere 737 in SJCAm Donnerstag versuchten wir noch einmal das Meer zu sehen, aber unser versuch an den Strand zu fahren, endete in einer Sackgasse, die vor einem noch im entstehen befindlichen Hotel-Resort-Komplex endete. Also tankten wir unseren kleinen Kampf-Aveo noch ein letztes mal voll und fuhren ihn völlig verstaubt bei der Mietwagenfirma wieder vor. Trotz des Drecks waren die zufrieden mit dem Wagen und chauffierten uns die paar hundert Meter weiter zum Flughafen, wo wir später mit einer 737 in Richtung DF wieder abhoben.

Am Abend checkten wir wieder bei Bernhard und Paola ein und gestern gestaltete sich dann der Tag für mich ruhig. Vater hatte ich ins Anthropologische Museum geschickt, um in Ruhe die Planung der nächsten Wochen machen zu können und am Abend traf ich mich noch einmal mit einer meiner ehemaligen Puebla-15-Mitbewohnerinnen und machte mit ihr Party auf einer Fiesta in der Innenstadt.

So, heute, es ist schon wieder spät, aber mein Rucksack schon wieder gepackt, geht unsere Tour weiter, zunächst noch einmal in den Norden für ein paar Tage, bevor wir uns zur finalen Süd-Tournee in Richtung Oaxaca, Chiapas und Karibik aufmachen. Soweit – mein Bus wartet. Dran bleiben!

Cabeza y madre de las misiones…

Veröffentlicht in Adios México, Viajando!, baja california mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , am 21. Juni 2009 von jamue

Am Freitag morgen zogen wir schliesslich wieder aus unserem kleinem, einfachen Hotel in La Paz aus, packten unsere Rucksaecke wieder in den Kofferraum unseres kleinen Chevy Aveo und machten uns nach einem Fruehstueck am Malecon auf den Weg, Kurs Richtung Norden. 350 Kilometer weiter wollten wir am Abend in Loreto einlaufen, der aeltesten Misionsstadt und aeltesten Siedlungsstaette auf Baja California.

Raus aus La Paz - Kurs auf Loreto

Zunaechst gibg es heraus in karge, weite, kakteendurchsetzte Landschaft, einige hundert Kilometer fast nur gerade aus. Vor dem Verlassen La Paz’ hatte ich leider davon abgesehen, den Tank wieder aufzufuellen und so kam die Nadel auf menschenleerer Strecke doch bedrohlich dem “Leer” nahe, als endlich ein Restaurant-Stopp nahte, an dem wir nach Benzin fragten. Der Wirt hatte gluecklicherweise ein wenig Treibstoff da und fuellte uns zwei Kanister in unseren Tank. Wir waren vorerst gerettet und schworen, nicht wieder ungetankt loszufahren. Mein Fehler, Vater hatte vorher noch gemeint, wir sollten was in den Tank lassen und ich hatte es auf spaeter verschieben wollen.

Eine PEMEX-Tankstelle - aus vergangenen Zeiten

Aber dann kam eben doch fast 200 Kilometer keine Tankstelle mehr. An einer fuhren wir vorbei, sie hatte Jahre zuvor dicht gemacht. Eine andere befand sich in Bau – wohl schon seit zwei Jahren, wie uns der Benzin-Retter-Wirt erklaerte.

Mit frischem Benzin im Tank rollten wir weiter auf der Piste, die Landschaft lebensfeindlich karg, kein bisschen Wasser weit und breit in Sicht, an Schatten ebenso wenig zu denken. Kein Ort, um leeren Tankes zu verweilen.

Ciudad Constitución - die Hauptattraktion: Der Weg raus.

Wir durchkreuzten die staubige Piste von Ciudad Constitución und beschlossen, dem Waal-Beobachtungs-Mekka San Carlos am Pazifik einen Besuch abzustatten. Es war uns klar, dass keine Saison ist, aber wir wollten die Bucht dennoch sehen und wir wurden entsprechend bestrafft. Denn der Lonely Planet sagt: Ausserhalb der Waal-Saison gibt es in San Carlos nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Und dem war dann auch nichts hinzuzufuegen. Ein verschlafenes Nest, ueberall geschlossene Agenturen, die zur Saison Waal-Touren anbienten, Wind fegte ueber den leicht herunter gekommenen Hauptplatz und an einem Supermarkt wartete man vergeblich auf Kundschaft – aber man verkaufte uns wenigstens eine Cola.

Ein Waal-Skelett ist alles, was San Carlos derzeit zu bieten hat

Knapp 100 Kilometer durch die Kakteen-Wueste hatte uns diese Erfahrung gekostet – und danach wussten wir: Der Lonely hatte recht. Nicht einmal ein kleines Restaurant war in dem Nest auszumachen, drei vier Ruinen und abgewrackte Palapas-Bars deuteten auf bessere Zeiten hin und wir machten uns schleunigst auf den Rueckweg und auf unsere Zielstrecke in Richtung Loreto.

In Ciudad Insurgentes, ein ebenso staubiges Strassen-Kaff, bogen wir rechts der MEX 1 folgend in Richtung Golf ab und fuhren in die wohl bisher spektakulaerste Landschaft, die an unserem Auto vorbeiziehen durfte.

Wie im wilden Westen - die Berge am Golf, vor Loreto

Nach 40 Kilometern erreichten wir die felsigen Berge, die uns noch vom Golf trennten, und von nun an kamen wir nur noch schleppend voran. Nicht, weil es die Strassensituation nicht anders zugelassen haettes, denn vielmehr weil wir staendig neue, beeindruckende Blicke auf die schroffen Felsen geboten bekamen, die mal Canyon-artig, mal wir Tafelberge in der Landschaft standen, und wir die Kameras kaum mehr wegzustecken wagten.

Der Blick zurueck - Berge, Felsen, Berge...

Fotostopp hinter Fotostopp schlichen wir uns nun der Golfkueste und damit auch Loreto naeher und erreichten in der Daemmerung die aelteste Mision, Cabeza y Madre de las Misiones de las Californias, Loreto.

Loreto ist einer der aeltesten nachgewiesenen menschlichen Siedlungspunkte Californiens und seine Geschichte reicht ueber 12.000 Jahre zurueck. Aber auch in der Neuzeit spielte der Ort mit der ersten gegruendeten Jesuiten-Mision 1697 eine bedeutende Rolle in den Californias, weil von hier aus weitere Misionen aufgebaut wurden und sich die Jesuiten und spaeter die Dominikaner und Franziskaner dieses kargen Landstriches und der Eingeborenen bemaechtigten. Direkt gegenueber der Mision checkten wir in einem wunderbaren und fuer hiesige Preiskonditionen guenstiges Hotel ein und genossen die Sonne hinter den Bergen in der Ferne untergehen. Der Himmel faerbte sich ueber den Felsen goldgelb und ging in ein reines, klares blau nach oben hin ueber.

Die Mision von LoretoGestern dann stand wieder ein kleiner Off-Road-Tag fuer unseren kleinen Sportwagen an, und wir fuhren am Morgen in Richtung Mision San Francisco Javier – eine alte Mision die mitten in den Felsen und Bergen im Hinterland Loretos liegt. Die ersten 16 Kilometer bekamen wir noch Asphalt unter die Raeder, bevor uns der Weg weiter auf Schotter, Staub und Sand fuehrte.

Die Landschaft so beeindruckend wie am Vorabend, nur, dass wir nun mittendrin waren. Ausgetrocknete Flussbetten, abgemagerte Kuehe, die am Wegesgrand “grasten” und immer wieder nur duerre Straeucher und Buesche ohne Blaetter, vor allem aber immer wieder die gerade in die Hoehe geschossenen Kakteen. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir eine kleine Oase am Ende der Schotterpiste. Die Strassen der kleinen Siedlung waren frisch gepflastert, es sah geleckt und sauber aus, wie in einem Kurort.

Kakteen am Wegesrand

Mangos, Mangos, Mangos

Hier waren wir angekommen, an der Mision San Francisco Javier. Am Ende der Hauptstrasse des Dorfes, die keine 200 Meter lang war, stand die alte, aus Naturstein gemauerte Misionskirche, vor einem felsigem Hintergrund, inmitten einer kleinen Oase an einem kleinen Baechlein, der sogar noch zu dieser Jahreszeit ein kleines Rinnsal aufwies.

Misión Francisco Javier

Rundherum standen Mangobaeume in voller Frucht und wir erkundeten in Ruhe die Mision und das wenige-Seelen-Dorf. Auch hier waren kaum Menschen unterwegs, vereinzelt zwei drei mexikanische Familien auf Samstags-Ausflug – sonst aber kein Mensch. Der Ort schien zu schlafen. Und man hatte den Eindruck, er wolle auch nie geweckt werden.

Rueckweg ueber die Staubpiste...

..und immernoch: beeindruckende Landschaft.

Auf dem Rueckweg machten wir die ueblichen Fotostopps und bauten so den Tripp von 70 Kilometern doch zu einer vollwertigen Tagestour aus.

Heute morgen verabschiedeten wir uns dann wieder von Loreto und steuerten weiter nach Norden. Die Kuestenstrasse bot abwechselnd immer wieder spektakulaere Berg- und Felspanoramen und dann wieder Blicke auf
das zarte Blau glitzerndem Wassers, dass auf weissem Korallensand in kleinen Buchten sanft hin und her wiegte. Diesem Anblick konnten auch wir nicht lang wiederstehen und machten eine laengere Badepause in einer der paradiesischen Buchten, bevor wir weiter durch Mulegé nach Santa Rosalía fuhren.

Baden in einer idyllischen, ruhigen Golfbucht - Erfrischung in 40 Grad Hitze

Kaum in der Stadt angekommen, war ich suchend auf dem Seitenstreifen langsam hergefahren, hatte neben einem Tope mich an einem Auto ein wenig vorbeigeschoben und schon schnappte die Polizeifalle zu.

Ein Pick-Up der uns entgegengekommen war, wendete unsanft hinter uns, machte das Horn an und folgte uns. Als er so nah war, dass ich sicher war, dass seine Aufregung uns galt, hielt ich an und wartete darauf, was man uns vorzuwerfen hatte. 80 Dollar war die liebliche Forderung der beiden Polizisten, die kaum aelter als ich waren, fuer angebliches Ueberholen auf dem Seitenstreifen. Vater wusste gar nicht so recht, was die Jungs wollten, aber mir war klar – hier kommen wir jetzt nur mit Schmieren raus. Ich bot 200 Peso ohne Quittung an, aber der Bad-Guy-Part der beiden Polizisten draengte nervoes zu mehr. Wir “einigten” uns auf 300 Pesos ohne Quittung und waren die beiden wieder los. Willkommen in Santa Rosalía dachte ich mir, und: Willkommen in México – so laeuft das eben hier. Und ich kann nicht sagen, ich haette es nicht gewusst….