Bosque Chapultepec und ein Franzose

Es ist wahnsinnig grün hier in D.F., und wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht, würde man es wahrscheinlich gar nicht glauben. Auch ich hatte mit Mexico City eher einen Moloch assoziiert, aber ich lag doch mächtig daneben. Claro que si, die Stadt ist wirklich grande, laut und ein wenig Dunstverhangen, aber dennoch gibt es hier unglaublich viele Bäume.

Mein Weg führte mich heute in den Bosque Chapultepec, eine Art Stadtwald, über dem ein Castillo drohnt – das Castillo Chapultepec. Der Park ist beeindruckend groß, eine wirkliche Lunge für die Stadt. Es gibt mehrere Seen, claro que si que son artificiales, die eine bestechend grüne Wasserfarbe haben, und einen Zoo. Es scheint sich bei dem Park um ein beliebtes Ausflugsziel zu handeln. Er ist nicht wirklich außerhalb, eher mittendrin und bietet einen Raum zum Atmen – das ist schon kaum vorstellbar hier in dieser Stadt.

An allen Ecken und Enden gibt es Stände. Die einen bieten jede Menge Schund und Plunder an, andere handwerkliche Sachen, wieder andere Refrescos, Cigarillos, Tacos, Jugos und noch viel mehr.

Nach dem ich eine Weile um den See gelaufen war, wollte ich mich eigentlich an den “Aufstieg” zum Castillo wagen, aber der Hunger lenkte mich doch erstmal in die kleine “Restaurant-Meile”. Eine Ansammlung von Buden, an denen man Ricas Hamburguesas, Ricos Tacos, Quesadillas und andere Spezialitäten zum sofortigen Verzehr erwerben kann. Ich ließ mich von der zweite Senora für ihren kleinen Freisitz anwerben, bestellte eine Hamburguesa und einen Jugo fresco de Naranja. Also O-Saft für den Herren, por favor. :-) Nachdem ich mich ein wenig gestärkt hatte, suchte ich den Weg zum Castillo und bahnte ihn mir nach oben. Dabei beobachtete ich immer wieder Eltern, die ihre Kinder an der Leine hatten. Wirkte ein wenig seltsam – aber das schien da völlig normal zu sein.

Oben dann wartete ein malerisches Schlösschen, dass nicht nur eine bunte Parkanlage mit vielen Blumen umgibt, sondern zusätzlich ein historisches Museum beherbergt. Ich muss zugeben, dass ich mich auch heute noch nicht so richtig auf Museumbesuche einlassen wollte, genoss also die Schlossinnenräume, machte zahlreiche Fotos und parlierte mit Enrique (der mich ansprach, als ich einen Schmetterling fotografierte) über das Fotografieren. Er empfahl mir einen Ort mit tausenden von Schmetterlingen, den ich mir unbedingt ansehen müsste, und ich konnte mir den Namen leider nicht merken. Aber Paola kennt diesen Ort auch und zeigt ihn mir auf der Landkarte.

Achso, weil wir schon grad bei Paola sind. Hier ein kleiner Eindruck von den Beiden, die mir momentan mexikanisches Asyl gewähren.

Links sehen wir Paola und rechts meinen alten Bolivien-Freund Bernhard.

Aber wieder zurück nach Chapultepec. Ich schaute mich also in den Gärten um, schoss Fotos und genoss das Wetter. Am Schluss genoß ich gerade die Aussicht, als mich Joan-Louis ansprach. Ein Franzose, der hier in Mexico gearbeitet hat und gerade seinen letzten Monat hier verbringt und dann zurück nach Frankreich geht. Es war mein Fehler, dass ich auf einmal auf Französisch wechselte und es fiel mir schwer, ihn wieder auf Spanisch zurückzubringen, was mir doch bedeutend leichter fällt. Wir stiegen gemeinsam ab und erzählte mir einiges über D.F.

Wir redeten in einem Mix aus Spanisch und Französisch und ich wunderte mich teilweise über mich selbst, wie ich auf einmal mich Dinge in Franzöisch erzählen hörte. War ein witziger Sprachmix und wir wechselten stetig hin und her. Joan hat wohl eine bestimmte Passion für Astrologie und er wunderte sich ein wenig, dass ich zwar mein Sternzeichen, nicht aber meinen Aszendente kannte. Naja, er wollte ihn jetzt herausfinden. Irgendwie schien ich aber nicht allzu uninteressiert und er erzählte mir von einem Freund von ihm, der Deutscher sei, hier in D.F. leben würde und Classes de Astrología gäbe. NAja, auf jeden Fall hat der wohl gerade mal wieder ein Buch herausgebracht und das wollte er mir dann noch in einer Libreria zeigen. Nach einigem Suchen fand es der Buchhändler auch und ich durfte es bewundern. Nach einem gemeinsamen Bierchen trennten sich dann unsere Wege – ich wollte eigentlich noch nach Coyoacan – aber als ich da ankam setzte gerade der abendliche Regenguss ein. Also machte ich mich auf den Rückweg nach Barranca del Muerto und verlief mich noch kurz. Also ich verlief mich nicht wirklich, war aber irgendwie so in Gedanken, dass ich an meiner Strasse vorbei lief und mein kleines Mißgeschick erst drei Blocks später bemerkte. Egal, ich lie den Weg zurück und kam auch zu Hause an. Coyoacán muss ich mir wohl morgen anschauen. Es gibt so viel zu tun hier. Es ist unglaublich. Und auch so viel zu erzählen, ich hoffe, das wird Euch nicht zuviel. Aber das nimmt mit der Zeit sicher ein wenig ab. Das sind wohl die ersten Eindrücke, die unbedingt rausmüssen, und die ich erzählen muss. Und es freut mich, wenn ich sie mit Euch teilen kann.

In diesem Sinne – durchhalten und dranbleiben ;-)

2 Antworten zu “Bosque Chapultepec und ein Franzose”

  1. katharina Sagt:

    hey jakob,
    geniesse das lesen deiner blogs sehr, danke fuers teilhaben lassen an deinen eindruecken und erlebnissen! freu mich sehr auf mehr eintraege :o )
    und waehrend du in mexico schwitzt, haben wir die wintervorder in zwei tagen ausgepackt und es mit unmengen eis gefeiert, weil ab morgen der bonner waschküchensommer wiederkommt – aber mit ventilator ist alles zu ertragen ;o)
    lg, katharina

  2. Jessica Sagt:

    Hallo Jakob,
    lese heute zum ersten Mal in deinem Blog und bin beeindruckt über das was du gerade erlebst, während hier der ganz normale Steppenwolf “Wahnsinn” seinen gewöhnlichen Lauf des “Sommerferien Geschäfts” nimmt.
    Schön, das man da ein bischen bei dir und deinen Erlebnissen teilhaben kann.
    Besonnders beeindruckt und sogar ein bischen neidisch war ich auf deinen Besuch in Coyacan (iss das richtig geschrieben, egal ;-) ) ….da ich eine große Verehrerrin Frida Kahlos bin und mich insofern total über das schöne Filmchen gefreut habe. Vielen Dank!
    Jessica

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