Was für ein Regen! Lluviando en Puebla.

Ich bin da. Ja. Angekommen, an meinem eigentlichen Ziel: Puebla. Oder schöner noch: Angelópolis. Heute vormittag habe ich bei Bernhard und Paola meine Sachen gepackt und bin dann mit einem Taxi zum TAPO, dem Busterminal im Norden von D.F., gefahren. Vorher hatte ich bei den beiden noch den Abwasch gemacht, mir einen leckeren O-Saft frisch gepresst und noch die ein oder andere Mail geschrieben.

Dann jagte ich mit dem Taxi quer über die Stadtautobahn in den Norden. Eine halbe Stunde benötigten wir bei frünachmittaglichem Verkehr über die vierspurigen Trassen und mein Chofer entließ mich dann am Eingang vom Terminal. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er mich über das Ohr gehauen hatte. Auf meine Frage vor der Fahrt, was die Fahrt zum TAPO kosten würde, sagte er mir 110 Peso. Kam mir schon viel vor, aber er verwies mich darauf, ich könne ja auch in der Oficina nachfragen. Geschenkt. Trotz allem schaltete er das Taximeter ein und siehe da, am TAPO standen da 58 Peso. Er verlangte trotzdem die angekündigten 110. Keine Ahnung, was das sollte, aber gut. Schließlich bin ich hier ja der reiche Tourist, und den kann man ab und zu einmal über das Ohr hauen, oder einfach das Doppelte abziehen. Vielleicht bin ich aber auch zu mißtrauisch und es gibt irgendwelche besonderen Tarife zum TAPO, von denen ich nichts weiß, und das Taximeter wurde nur eingeschaltet, damit ich das System ja nicht blicke und verwirrt meinen Weg fortsetze.

Am TAPO lief ich direkt zum Ticketschalter und kaufte mir ein Ticket 1. Klasse nach Puebla. Das sind 10 Peso mehr, als der normale Servicio – dafür aber mit mehr Platz, Komfort und überhaupt…

Der Bus quälte sich eine halbe Stunde durch die vollen Trassen D.F.s. Teils nur im Schneckentempo kamen wir auf der vierspurigen Ausfallstrasse voran, bis sich endlich der Verkehr lichtete und wir an Fahrt gewannen. Dann hatten wir das Stadtgebiet verlassen und es ging durch grüne Landschaft hinauf in die Berge. Der Blick schweifte am Horizont zu Gipfeln und Vulkanen, wobei ich mir mehr vorstellen musste, als ich sehen konnte. Wolken hingen tief und dunkel über dem Land und die Sicht war damit eingeschränkt. Später sorgten die Wolken für feuchte Strassen, nur ein bißchen regnete es während der Fahrt.

Nach 2 Stunden erreichte der Bus das Terminal de los Autobuses in Puebla. An einer Boleteria für offizielle Taxis kaufte ich mir ein Ticket und sprang in den nächsten Wagen. Im Internet hatte ich mir ein Hostel rausgesucht, aber als mich das Taxi davor ausspuckte, musste ich feststellen, dass sie keine Zimmer frei hatten. Und Dormitorio – lo siento – mit meinem Gepäck: Nein Danke. Will meine Sachen noch ein wenig behalten. Das Mädel an der Rezeption war nicht wirklich hilfreich, als ich sie nach weiteren Hostales fragte: Siga caminando – hay muchos acá! Was so viel heißen sollte, wie: Du brauchst kein Tipp – es gibt hier an jeder Ecke ein Hostel. Naja, aber immer dann, wenn man mal wirklich eins braucht, liegt keines auf dem Weg. Nach einer halben Stunde gut bepackt durch viel zu volle Strassen fand ich endlich eines: Hotel Centro Historico. Ich hatte keine Lust mehr, mit meinen Sachen durch das Gewühl der Leute zu laufen und checkte ein. Das Zimmer ist so lala, aber es gibt WLAN – naja, wenigstens kann ich mir den Abend mit Bloggen versüßen.

Nach dem ich mein Zimmer bezogen hatte, wollte ich mich ein wenig mit dem Centrum bekannt machen. Ein paar Blocks runter liegt der Zócalo und ich lief directamente dahin. An einer Plaza Celullar kaufte ich mir einen Mobilfunkchip, der bis jetzt noch nicht so richtig funktionieren will. Wär auch zu schön.

Als ich dann aus dem Geschäft kam, hatten sich die Wolken über Puebla zum Tanze versammelt. Mit einem Mal schoss es aus allen Rohren. Ein Regen, von dem Filmemacher nur träumen können und wenn sie einen solchen nachmachen wollten, müssten sie alle Löschfahrzeuge der Stadt Köln zusammentrommeln. Es goss in Bindfäden, Tonnenweise fiel Wasser vom Himmel, binnen Minuten standen Strassen unter Wasser, das Wasser schoss den Rinnstein entlang, Menschen flüchteten sich zu hauf unter Vordächer. Wer sich nicht binnen Sekunden rettete, ward klitschnass. Blitze zuckten über der Innenstadt, Donner, Groll. Ich drehte meine Runde unter den Vordächern der kolonialen Gebäude rund um den Zocalo und verweigerte mich den plötzlich und in Massen auftauchenden Regenschirmverkäufern (PARAGUAS – solo 20 Pesos…!!). Der Blick auf die Kathedrale von Puebla aus der Trockenheit heraus ließ mich erstmals begreifen, warum Wasserspeier an Dächern, Wasserspeier heissen: Mit einem enormen Druck presste sich das Wasser aus diesen Figuren heraus, dass es Meterweit sprühte. Die Treppe vor der Kathedrale war inzwischen zu einem Wasserfall geworden – was für ein göttlicher Regen. Einer, der wirklich den Namen Aguacero verdient. Beeindruckend – Chapeau!

Ich hatte mir die (Regen)-Zeit in einem Hamburgerschuppen verkürzt und verstand ab sofort, warum es so viele fette Mexikaner gibt. Das ist jetzt nicht bös gemeint; Es entspricht einfach nur den Fakten meiner Beobachtung. Was den Körperumfang angeht, gibt es offenbar nur schmale, kleine mexikanische Kinder. Aber das wird ihnen schön beim Burger-Schuppen ausgetrieben. Ganze Familien, von der Oma bis zum Baby, werden hier mit literweise Cola, fettigen Pommes und kalorienreichen Burgern abgespeist. Burger, Cola, Burger, Pommes, Burger, Cola – fett, fettiger am fettigsten – naja, und so sehen viele eben auch aus. Lo siento mis amigos mejicanos – pero así es.

Nach einer halben Stunde kam die Sonne wieder raus, der Regen hatte noch nicht aufgehört. Ich beschloss, mir ein Corona zu besorgen, und mich auf den Heimweg zu begeben.

Jetzt habe ich noch die Liste mit den angebotenen Unterkünften für Studenten gecheckt und dabei festgestellt, dass das mit dem mobil Telefonieren doch leider noch nicht so klappt, wie es soll. Egal, dann werde ich eben morgen weitersehen.

Handy checken, Alojamientos anrufen, anschauen und bei der BUAP “Hallo” sagen und für irgendwelche Trámites Migratorios Geld bezahlen, dafür, dass ich registriert bin. Así es – mi vida por el momento en Puebla.

PS: Vielen lieben Dank für die lieben Kommentare und die Blumen im digitalen Format zu meinem Blog. Es freut mich sehr, wenn es Euch Spaß macht, meine Erlebnisse zu lesen und wenn Euch die Texte gefallen. Und im Allgemeinen nach Deutschland: Der Sommer kommt schon wieder – nicht neidisch sein, hier regnets auch schon wieder…

5 Antworten zu “Was für ein Regen! Lluviando en Puebla.”

  1. Joi, der Sommer ist heute schon angekommen. Danke für die Hilfe :-)
    Mann bei deinen Zocalo Runden werde ich ganz nostalgisch und hätte gute Lust mal wieder loszuziehen. Die Zocalos fanden unsere Kids auch immer besonders spannend. Die Menschen, Tauben, Verkäufer, Trubel, Lärm, Ballons……..
    So, die Sonne kommt raus, ich muss den Grill vorbereiten.
    Tschö
    Jörg

  2. Soooo – seit zwei Tagen zurück aus den USA, hatte ich heute endlich mal Zeit und Gelegenheit, mich durch alle Deine aktuellen Einträge zu lesen. Habs natürlich genossen und freue mich, dass Du offenbar Spaß hast an Mexiko!! Ich selbst mach mich erstmal dran, die letzten 3,5 Wochen im US-Südwesten und in NYC zu verdauen – war nämlich klasse. Bin auf alles weitere hier auf dieser Seite gespannt. Herzliche Grüße übern Atlantik! Daniel

  3. Ciao Daniel,
    schoen, von Dir zu lesen! Was hast Du denn in den Staaten gemacht? Hattest Du mir davon erzaehlt?
    Ja dann leb Dich mal gut wieder ein und bleib dran – denn hier bleibt es spannend. Organsier mich grad ein wenig und hab mich heute in meiner uni vorstellig gemacht. Jetzt brauch ich nur noch ein Zimmer…
    Aber auch das wird schon.
    Hab in anderthalb Stunden die erste Besichtigung…

    Also, Gruesse zurueck ueber den Atlantik,
    Jakob

  4. hey don jaxx!

    na das mit dem regen is hier bei mir nich wirklich thema…aber dafuer gibts hier grade buschfeuer en masse..und da ich gerade dabei bin mich durch die verkohlten ueberreste meiner sachen zu wurschteln, faellt mir ein: DER PULLI LEBT..ich hatte ihn zum glueck mit in katherine und so konnte er dem feuer nichyt zum opfer fallen..

    lasses dir jut gehen und lass mal ne runde schkaibn oder so ;)

    mit neusten nachrichten aus darwin(oz) zurueck ins studio :D

    bg der constantin

  5. Henning Sagt:

    Hi Jaxxon,
    also Deine Fahrten sind ja immer sehr abenteuerlich. Bin immer wieder sehr gut durch Deine Reiseberiche unterhalten. Sehr schön bildliche und lebendige Beschreibungen Deiner Bekanntschaften, Eindrücke und Beobachtungen.
    Muß schon sagen, daß auch ich ein wenig neidig werden könnten, zumal ich gerade auch noch Dienst schieben muß und daran nun so gar nix romantisch und abenteuerlich ist (außer vielleicht die Eltern manchmal das zweitere :-) ).

    Nun gut viel Spaß weiterhin und weiter so…..

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