Al Pacífico… und ein unglaubliches Treffen.

Mit Cola und Zwieback sitz ich vor meinem Notebook und versuche ein wenig den Magen zu beruhigen. So langsam scheint das auch zu klappen. Irgendwas hab ich mir gestern am Pazifik noch als Andenken eingesteckt. Und so konnte ich mich um so glücklicher schätzen, dass ich mit dem besten aller Nachtbusse von Puerto Escondido zurückfuhr. Einer, der ordentliche Toiletten hatte. Was bei anhaltenden Magenkrämpfchen schon wirklich was wert war. Aber der Reihe nach. Und bevor sich gleich wieder jemand Sorgen macht: Es ist nur der Magen – der bekommt sich schon wieder ein…

:-)

Am Mittwoch war ich letztendlich mit Martin in den Bus gestiegen. Es war erst gegen Abend Einer geworden, weil unsere Wäsche noch trocknen musste. Dann ging es knapp 5 Stunden nach Süden und am späten Abend fuhren wir in Oaxaca ein.

Oaxaca ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und zum einen wegen des örtlichen Kunsthandwerkes, zum anderen wegen des nahe gelegenem Zeremonialzentrums Monte Albán (Bild links: Teil Monte Albáns) bekannt. Monte Albán war eine der ältesten Städte Mesoamerikas und einst lebten hier 200.000 Menschen. Heute ist das auf dem „weißen Berg“ gelegene Zeremonialzentrum ein Anziehungspunkt – und wohl eine der beeindruckendsten Pyramidenanlagen in Mexiko. Im Reiseführer hatte die gesamte Anlage ein wenig trist und trocken gewirkt, aber wir hatten offenkundig Glück (Vergleicht mal mit den Bildern bei Wikipedia – Link etwas weiter oben…).

Nach dem Aufstehen am Donnerstag (zugegeben nicht sooo früh) machten wir uns auf den Weg durch die Innenstadt Oaxacas (es ist müsig, zu erwähnen, dass diese natürlich auch auf der UNESCO-Welterbeliste steht – ebenso wie Monte Albán und eine Hand voll anderer Sehenswürdig- und Beeindruckenswürdigkeiten). Wir sprangen an einem Hotel in einen großen amerikanischen Van, der uns hinauf zur Anlage bringen sollte. Am Parkplatz wurden wir rausgeworfen und sollten in drei Stunden wieder abgeholt werden. Ich hatte anfangs geglaubt, dass wir niemals so viel Zeit auf dieser Anlage verbringen würden – am Ende erwies es sich allerdings als gerade so ausreichend. Wenn nicht zu kurz. Die gesamte Anlage zeigte sich uns in einem saftigen grün. Pyramiden, Tempel, Überreste von Sonnenuhren und Kalender zogen uns auf dem künstlich planierten Berg mit seinem ebenso nicht weniger beeindruckenen Panorama in seinen Bann. Um einen wenigstens kleinen Eindruck von der Größe der Anlage zu bekommen, habe ich ein kleines Panorama-Video (58 sek.) gedreht. Weitere photographische Eindrücke gibts auch in der flickr-Diashow hier als Teil der Mexico-Impressionen.

Nachdem wir wieder zurück in Oaxaca waren, verbrachten wir den Abend auf dem Zócalo. Eigentlich hatten wir uns nur für ein kleines Bierchen niedergelassen, dann aber doch so die Stimmung auf diesem wunderbaren Hauptplatz genossen, dass wir einfach eine halbe Ewigkeit sitzen blieben und das Personal sich wohl schon bald wunderte, ob wir denn je wieder gehen würden…

Der Nachtbus drängte uns dann zum Verlassen unseres entspannten Plätzchens in Oaxaca. Wir hatten nur einen Tag für das Städtchen geplant – im Nachhinein wären auch 2 oder 3 nicht zu viel gewesen – es hätte noch viel zu tun gegeben. Aber: Der Pazifik rief!

Also wieder 9 Stunden in Bussitze gedrückt und am nächsten Morgen in noch grünerer Landschaft aufgewacht. Gegen Acht erreichten wir dann unseren Zielort – Puerto Escondido. Ein kleines Städtchen, ein Surferparadies mit einer der längsten Wellen der Welt (da von meinen Lesern hier ja kaum einer surft, muss ich das wohl erwähnen – ich wusste es vorher auch nicht), viele Hostels, ein langer Strand und – baden verboten

:-)

Nunja, dass sollte uns den Spaß nicht nehmen. Es war Freitag Morgen und ein langes Wochenende lag vor uns. Wir hatten uns vorher natürlich keine Bleibe rausgesucht und ließen uns von einem Mädel am Terminal OCC (Busbahnhof) einen Flyer in die Hand drücken – El Barco del Armor – Más que un hostal… Die Preise klangen gut, die Ausstattung ebenso und es sollte direkt in der Nähe des Strandabschnittes sein, an dem man eben doch baden konnte. „Schwimmen verboten“ heißt in Mexiko ja noch lange nicht, dass man nicht ins Wasser darf. Also schnappten wir uns ein Taxi, dass uns weit in die Peripherie Pto. Escondidos fuhr und an besagtem Hostal ‘rauswarf. Ich brauchte keine 30 Sekunden und keinen Blick ins Hostel zu werfen, um zu entscheiden: Hier bleiben wir nicht – zu weit ab vom Schuss.

Also schlurften wir an den Strand und stapften durch den heißen Sand wieder in Richtung Stadt. Irgendwann fing dann wieder ein bißchen mehr Zivilisation an und wir fanden die Casa Bastin. Ein kleines familiengeführtes Hotel mit Apartements – einen feinen und warmen Pool und dem Surfer Miquele (17 Jahre, sonnengebleichtes, blondes lockiges Haar) – der schlicht und ergreifend alles und jeden in Pto. Escondido kannte. Wenn man was wissen musste – musste man ihn fragen – und man bekam den gewünschten Tipp.

Nachdem wir eingecheckt hatten gönnten wir uns ein Frühstück und den Rest des Tages verbrachten wir am Strand. Badender Weise. Schwimmen war auf Grund der hohen Wellen wirklich nicht drin und zu nahe sollte man ihnen auch nicht kommen, wenn sie brechen. Teils auf 5 Meter bäumen sie sich auf, saugen massenweise Sand vom Grund herauf und wirbeln dann alles was sich ihnen in den Weg stellt wie in einem Zementmischer durch die Gegend. Einmal hineingeraten, vergißt man schnell, wo oben und wo unten ist – man wartet einfach nur, dass die Gewalt nachlässt. Ein Mega-Wellenspaß – und nicht ganz ungefährlich.

Die Sonne brannte erbarmungslos und so war auch der einzige Ort, an dem man sich aufhalten konnte, entweder der Pazifik (mit vielleicht 27 Grad) oder der Pool (mit vielleicht 28 Grad Wassertemperatur).

In unserem Nachbar-Apartement weilten drei Jungs aus Puebla. Oder besser: Zwei aus Puebla und einer, der zwar Mexikaner war und in Puebla noch sein zu Hause hatte, aber seit Jahren in Kanada arbeitete – Roberto, der sich auch in der komfortablen Lage befand, eine kanadische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Die acht  Jahre Kanada hatten auch schon sein Spanisch lädiert – ein Gringo-Akzent, und das als Mexikaner – schon fast eine Strafe. Die beiden anderen, David und Richy (auch Bob Marley genannt), machten den ganzen Tag nichts. N I C H T S. Na gut, morgens einen Joint, Mittags Zeug organisieren, rauchen, husten, chillen, Schlafen. An den Strand gehen. Rauchen. Schlafen. Roberto hatte kein Bock darauf (was ich gut nachvollziehen konnte) und wir boten ihm an, sich uns anzuschließen und so verbrachten wir die ganze Zeit eigentlich zu Dritt.

Samstag stiegen wir alle auf die Body-Boards und ließen uns stundenlang von den Wellen hin- und herwirbeln – genossen Schussfahrten auf brechenden Wellen und versuchten, uns nicht allzusehr die Haut zu verbrennen. Abends genossen wir Cocktails in der Bar Fly mit Roberto und ließen die Nacht in einer Tanz-Strand-Bar mit Feuerspektakel ausklingen. Leider mit dem Ergebnis einer offenen Lippe bei Roberto. Ein offenbar zu betrunkener Surfer hatte sich durch irgendetwas provoziert gefühlt und einfach mal draufgehauen – kein schönes Ende für einen schönen Abend – aber glücklicherweise war kein Doktor von Nöten. Jaja, das Temperament, der Alkohol, die Hitze und lateinamerikanisches Blut – da fliegt schon mal schnell eine Faust.

Am Sonntag entschied ich dann spontan, doch erst am Montag Abend die Küste zu velassen und dies erwies sich als gut. Ein Tag mehr Pool, Strand, schlafen, Entspannen, Nichtstun…. Mein Busticket für den Montag-Nachtbus schon in der Tasche bekam ich dann das Angebot, mit den Nachbarjungs wieder nach Puebla zu düsen – aber das Ticket für den Bus war zu teuer und die Jungs wollten irgendwo noch bei einem Dorf mit Zauberpilzen vorbei – also blieb ich bei Bus. Hinzukam, dass mich am Montag dann traf, was Martin seit Sonntag plagte – der Magen machte schlapp. Martin hatte es ein wenig heftiger erwischt – Montag mit ein wenig Fieber, hatte ich ein Erste-Hilfe-Set in der Farmacia gekauft und Electrolyte-Lösung. Martin wollte ohnehin noch an der Küste bleiben und so buchte er noch eine Nacht länger in unserem Doppelzimmer. Er wird dann weiter vom Pazifik in die Karibik fahren und dann wieder nach Puebla kommen – der Weg über Puebla wäre für ihn unsinnig gewesen.

Ich setzte mich am Nachmittag in ein Taxi und ließ mich zum Terminal bringen. Dort angekommen, kaufte ich mir eine große Flasche Wasser und Kekse und hatte zum Dritten mal in relativ kurzer Zeit eine unglaubliche Begegnung. Ein blondes Mädel saß, als ich ins Terminal kam, auf einer Bank und lächelte kurz. Nachdem ich mir ein Wasser gekauft hatte, kaufte sie sich ebenso eines und kam danach auf mich zu und fragte mich: „Sorry, where are you from?“ Ich antwortete knapp und kurz: „Germany!“ Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter und sie fragte weiter: „Jakob?“ Ich: „Ähhmmm, ja! Nee, oder?!!?!“ – vor mir stand Alex. Sie hatte vor ungefähr zwei Jahren bei mir in Bonn übernachtet. Ich hatte sie als Gast über den Hospitalityclub bei mir aufgenommen. Sie war damals auf einer Konferenz in Bonn und hatte sich auch kurz vor Mexico noch einmal via Mail gemeldet. Sie wollte auf die AIDS-Konferenz nach D.F. und wir hatten dann aber nicht noch einmal Kontakt. Und plötzlich, mitten im nirgendwo an der Pazifikküste steht sie vor mir. Unglaublich. Ich wollte eigentlich einen Tag früher fahren, so wären wir uns nie begegnet und sie hatte sich gerade einmal eine halbe Stunde zur Weiterfahrt aufgehalten – wahnsinn, was der Zufall so alles kann …. Ja, wir freuten uns und konnten gar nicht so richtig glauben, dass wir uns jetzt sooo wiedergesehen hatten. Nach unserer kurzen Begegnung trennten sich wieder unsere Wege und ich ließ mich mit Magen über 16 Stunden zurück nach Puebla schaukeln.

Oder besser schütteln. Die Strassenverhältnisse schienen so schlecht, dass ich mir zeitweise wie auf der Ladefläche eines LKWs vorkam, der viel zu schnell über eine Schotterpiste raste. Nur der weiche Sitz federte das Ruckeln ein wenig ab. Heute wollte ich nun eigentlich endlich meine Tramites Migartorios machen – aber mein Magen hat mir zunächst Ruhe verordnet. Morgen ist auch noch ein Tag. Und wie sagt man so schön hier: Mañana, mañana! Und so brachte ich es heute außer vom Busbahnhof nur noch kurz zum Super – Kamillentee, Cola und Zwieback kaufen und auf Besserung hoffen. Der Kurztripp zum Pazifik war es dennoch wert. Aber das nächste Mal flieg ich. Hab grad gesehen, dass ich für das gleiche Geld (wie mein Busticket) von Puerto Escondido auch hättte zurückfliegen können. 16 Stunden Schaukel-Rumpel-Ersparniss – naja, danach ist man immer schlauer.

5 Antworten zu “Al Pacífico… und ein unglaubliches Treffen.”

  1. Was heißt hier ‘kaum einer surft’. Muß mich wohl mal outen. Ist zwar schon ne Weile her, aber ich bin schon mit Board auf’m Dach in die Schule (puh, ist das jetzt wirklich schon 24 Jahre her?) gefahren. Da war der Weg zum Wasser kürzer…. :-)

    Also her mit den aktuellen Wellen und Wasserberichten!

    Jörg

  2. Aktuelle Wind-, Wetter-, und Wellenwerte? Plus ein paar posig-beeindruckende Bilder von Surfern in den Wellen?
    Haga click aqui:
    http://magicseaweed.com/Puerto-Escondido-Surf-Report/340/weekSummary/europe/

    …Wo bist Du denn zur Schule gegangen, dass es sich lohnte, das Board aufs Auto zu schnallen?

    BG aus PUE
    JKB

  3. katharina Sagt:

    und ich bin auch surferin, jawoll ja!
    ich bin damals statt in die uni an den strand gegangen…
    damals… in bali… zwar nicht vor 24 aber vor 6 jahren!
    übrig sind davon nur noch die muschelkettchen…
    also, genug surfer unter deinen bloglesern?
    :o )

  4. [...] Oaxaca angekommen checkte ich mal wieder im Magic Hostel ein. Hier war ich bereits mit Martin im August abgestiegen – basic but friendly, waere eine kurze und treffende Beshreibung. Nach einem Stadtspaziergang durch [...]

  5. [...] nach wie vor etwas mysthisches aus. Palenque ist einmal mehr ein Beweis dafuer, dass man nach Monte Albán, Teotihuacán, Mitla und Yagul, Tula de Allende und Cholula eben noch laengst nicht alles dieser [...]

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