Tranquilo no más!
Nun gut, wenn die Uni eben nicht so richtig will, dann muss man eben andere Sachen machen. Am Donnerstag war mein einziges Seminar, dass ich Donnerstags habe, ausgefallen. Der Profe hatte wohl andere Sachen zu tun, teilten mir meine Kommillitonen mit, als ich mit halbstündiger Verspätung (was hier vollkommen unter Pünktlichkeit fällt) in die Uni kam. Okay, ich war also einmal mehr sinnlos in die Uni gelaufen – aber die BUAP ist wohl bekannt für solcherlei Fälle. Also bin ich wieder nach Hause und habe auf dem Dach entspannt. Später bin ich dann mit Néstor und Enora aus meiner WG in ein Taxi gesprungen und wir sind auf die Piste in Cholula gezogen. Dort trafen wir Freunde von Néstor und später noch Paulina aus unserer WG und zogen weiter mit ihnen um die Häuser.
Allerdings trennten sich Enora und ich von der Gruppe, als wir gegen 3 in einen Club gehen wollten und der Einlaß ein etwas sehr seltsames T-Shirt trug. Ein rotes Band verlief quer über sein Shirt und endete in einem Hakenkreuz. Auf dem roten Untergrund stand: „Just because it’s cool!“ – ein bißchen viel für unseren Geschmack. Ich fragte den Typen, ob er wisse, was sein T-Shirt zu bedeuten hätte und ob er eine Ahnung hätte, woher das Hakenkreuz stamme. Er hatte von Nichts eine Ahnung. Und er erklärte mir, dass das T-Shirt einfach „cool“ sei.
Nun, Enora und ich versuchten ihm ein wenig klar zu machen, was das Hakenkreuz symbolisiere und wir zogen mehr und mehr die Aufmerksamkeit auf uns. (Photo: Einlass-Junge mit Hakenkreuz-Shirt „Just because it’s cool“) Andere Jungs vom Einlaß kamen zu uns und fragten uns, warum wir ein Problem damit hätten. Ein ganz Schlauer vermutete, dass wir wahrscheinlich aus Deutschland kämen und deswegen ein wenig „fest“ in dieser Thematik seien. Als zumindest ich bejahte, lachte er nur und meinte, dass das doch nichts Schlimmes sei. Nun ja, sagen wir mal so, die Jungs interessierten sich zwar dafür, warum uns das Hakenkreuz störe, aber verstanden auch nach der Erklärung, dass es für Millionen Tote, für Völkermord, Rassismus und für eines der schlimmsten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte stünde, nicht, dass es uns schlicht abstieß, in diesen Club zu gehen. Wir blieben konsequent und schnappten uns ein Taxi zurück nach Puebla. Bleibt mir nur anzufügen, dass es in Mexico nichts unnormales ist, dass Jugendliche das Hakenkreuz als Symbol für Rebellion oder Coolheit tragen – in D.F. hatte zuerst Stände gesehen, an denen Hakenkreuze an Ketten verkauft wurden – für mich ein wenig schockierend – und um so schlimmer, dass sie nicht wissen, was es eigentlich bedeutet.
Am Freitag dann, mein zweistündiges Seminar hatte eine ermüdende halbe Stunde gedauert, gingen wir dann mit der gesamten WG aus. Eine Cantina stand auf dem Plan. Cantinas, das sind ziemlich große Orte, wo man am frühen Abend isst, später gibt es Livemusik und Clubmusik im Wechsel. Wir tanzten so ziemlich die gesamte Nacht durch und kamen erst am frühen Morgen zurück in die Quinze.
(La fiesta con la Quinze – Photos: Enora M., Luciana Ghiotto y otros…)
Der Samstag folgte dann mit Regen. Den ganzen Tag. Ein klassischer Fall für’s Bett. Nach spätem Aufstehen und ein bißchen Einkaufen gehen stand nicht viel mehr auf der Liste. Der Abend verlief dann ähnlich ruhig und heute folgte dann ein wahrer Sonn-Tag in Puebla. Lecker Frühstück mit frischen Saft (hatte ich schon erwähnt, dass eine der ersten Sachen, die ich mir gekauft habe, eine Saftmaschine war?! – Geile schei**! Und Naranjas, also Apfelsinen, kosten hier 1 Euro drei Kilo!), Eiern und Cafecito – was will man mehr an einem Sonntag morgen…
Am Nachmittag machten sich dann Enora, Luciana und ich auf den Weg in die Stadt. Eigentlich hatten wir einen Mercado gesucht, aber leider nicht gefunden. Stattdessen spazierten wir durch die Strassen, schauten uns den Paseo Bravo an (ein Boulevard mit einem breiten Grünstreifen, wie ein Park in der Mitte), spazierten zur Avenida Juárez und kehrten in ein nettes, an Hundertwasser erinnerndes, Restaurant ein und ließen es uns bei Garnelen und Ceviche gut gehen.
(Paseo del Domingo)
Jetzt stehen so langsam ein paar Vorbereitungen für die Uni auf dem Plan und mal schauen, was die nächste Woche so bringt… Uni? Oder Ausfall? Oder Verspätung? Bueno lo que sea… asi se pasa la vida mexicana…
Dieser Eintrag wurde am 1. September 2008 um 04:51 erstellt und unter Festejando!, puebla, uni mit Tags ausfall, ausgehen, bar, buap, cholula, club, fiesta, frühstücken, genießen, hakenkreuz, hakenkreuz-shirt, juarez, leben, mariscos, mexico, noche, paseo bravo, puebla, quinze, spazieren, tranquilo, uni, verspätung, wg abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.




1. September 2008 um 20:30
hola guapo!
jaja, scheint ganz schoen anstregend zu sein, das uni-leben in mechiko!!!
herzallerliebste gruesse aus dem heissen suedspanien (angenehme 34 grad heut) rueber uebern atlantik
hasta luego