No pasa mucho…

Nachdem ich aus dem Wochenende aus D.F. wiedergekommen bin, ist hier wohl eine der ruhigsten Wochen überhaupt ins Land gegangen. Am Mittwoch war mein Prof trotz freitäglicher Beteuerungen nicht zum Unterricht gekommen, am Freitag das Gleiche noch einmal. (Photo: Luciana Ghiotto – Auf dem Weg zum Markt -> für weitere Bildbeschreibungen einfach mit der Maus auf das Bild gehen…)

In der Zwischenzeit hatte sich allerdings ein neuer Besucher angekündigt, und so traf ich am Freitag dann auf dem Zócalo in Puebla Andres, den Bruder von Gerdis einer guten Freundin von mir in Bonn. Er hat in Mexico seine 8 Monate “around the world” gestartet, und wollte nun einmal ein Wochenende abseits seiner Gastfamilie in Mexico City verbingen. Also hatte er mir eine Mail geschrieben und angefragt, ob er nach Puebla kommen könnte und am Freitag war er dann da.

Am Samstag machte sich die halbe WG auf den Weg zu einer kleinen Feria – einem Markt im Stadtzentrum auf dem es Pflanzen, Handwerkskunst und andere Dinge zu kaufen und zu bestaunen gibt. Wir suchten alle irgendwas für unsere Zimmer. Enora wollte Lampen kaufen, ich Pflanzen, Luciana wer-weiß-was und Agostina wollte mal schauen… Fast den ganzen Nachmittag schlenderten wir über den doch recht übersichtlichen Markt. Andres verliebte sich in eine Lucha-Libre-Maske und schlug letztendlich zu. Ich persönlich schlug bei Pflanzen zu und habe mein Zimmer nun endlich ein wenig grüner gemacht. Eine kleine Chilli-Pflanze mit gelben Schoten und eine Blume mit orangenen, großen Blüten zieren jetzt mein Fensterbrett und eine große Palme, die über meinen Bauchnabel hinaus reicht steht nun auf dem Zimmerboden unter meiner (ebenfalls neuen) Mexico-Karte. Am Abend dann stand ein Großprojekt auf dem Plan. Pizza für alle! Nach einigen meiner Kochexzesse hatte meine WG mich dazu verpflichtet, doch einmal etwas für alle zu machen und so hatten wir zuletzt verabredet, dass die WG die Zutaten kauft und ich dann federführend was draus mache. Am Ende lief es auf Pizza hinaus und Luciana und ich machten uns auf den Weg zum Super, um die Zutaten zu finden und zu kaufen. Dass es wirklich schwierig werden könnte, Hefe zu kaufen, hatte ich anfangs schon befürchtet, aber meine Bedenken dann doch wieder (zu Unrecht) verworfen. Aber es gibt nun einmal keine Hefe in einem mexikanischen Supermarkt. Weder in der Backabteilung, noch bei den Mehlsorten und Backmischungen, noch in der Kühltruhe. Also wollten wir auf Fertigmischung für Pizzaboden zurückgreifen. Ebenso Fehlanzeige. Also mussten wir notgedrungen auf fertige Pizzaböden zurückgreifen, was mich nicht so richtig glücklich machte. Als wir dann alles beisammen hatten, schnippelten und belegten Andres, Luciana und ich um die Wette. Acht Pizzen schoben wir später nach und nach in den Ofen und die ganze WG genoss den Schmaus einige Stunden lang. Am Ebde des leckeren Pizza-Mahles folgte dann eine Session PENDEJO. PENDEJO, dass ist ein Kartenspiel, bei dem man, wenn man verliert immer einen Buchstaben mehr des Wortes PENDEJO auf die Stirn geschrieben bekommt. PENDEJO steht in Mexico, gelinde gesagt, für Trottel – man darf es sich aber durchaus ein wenig derber vorstellen. Die anderen dürfen immer nur mit denjenigen reden, die genauso viele Buchstaben auf der Stirn haben, wie sie selbst. Brechen sie die Regel und sprechen mit einm Mitspieler, der mehr Buchstaben, als sie, auf der Stirn hat, ziehen sie mit diesem Mitspieler gleich und bekommen die gleiche Anzahl an Buchstaben auf die Stirn. Kleine Nebensache: Bei jeder Runde, die man verliert, muss man natürlich ein Glas Tequila leeren. Por supuesto – sonst wär’s ja auch nich mexikanisch. Später setzten wir dann die WG ins Taxi und rollten noch ein wenig auf die nächtliche Partypiste Pueblas.

Trotz kurzer Nacht schafften wir es dann aber amSonntag doch recht temprano aus den Federn. Ich wollte mit Andres noch auf jeden Fall nach Cholula, damit er wenigstens noch einen Touristen-Hot-Spot in der Nähe von Puebla mitnehmen konnte. Am Ende fuhren wir zu Dritt nach Cholula und so kam auch Enora das erste Mal zu einem Tagesbesuch nach Cholula.

Seit Montag geschieht in der BUAP mal wieder nicht viel. Irgendein Kongress ist wohl wie aus dem Nichts ins historische Seminar geplatzte und es fällt mal wieder massenweise Unterricht aus. Da aber kein Prof vorher bekannt gibt, ob er unterrichten wird, oder nicht, wackel’ ich derzeit immer brav in die Uni, um dann in den meisten Fällen festzustellen, dass es mal wieder keinen Unterricht gibt. Also eigentlich alles wie immer. Zumindest an der BUAP. Und dies weckt doch in mir so langsam den Wunsch, hier nicht mit sinnlosen Uniausflügen meine Zeit zu verschwenden, sondern lieber auf Reisen zu gehen. Es wird Zeit….

Achja, ein was Spannendes passierte dann doch noch am Sonntagabend: Ein Projektionsspektakel über die Geschichte Pueblas projiziert auf die Fassade der Kathedrale. Die Photos dazu hier:

PS: Achja, und für alle, die sich über den Herbst in Deutschland aufregen: Ich fühl mit Euch – wir haben momentan jeden Tag mindestens zwei Stunden Regen und Temperaturen unter 20 Grad (jaahaaa – und das in Mexico) – noch ein Grund, mal wieder aus Puebla rauszukommen…

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