La Malinche Gipfelsturm der Erste (Okt. 2008 ) mit Hinweisen zum Aufstieg
Es ist nun schon das zweite Mal für mich gewesen, dass ich den Gipfelsturm auf La Malinche (4.461m) gewagt und geschafft habe. Allerdings war ich diesmal nicht allein unterwegs.
Nach unserer kleinen Sauf-Idee am vergangenen Wochenende mit meiner ehemaligen chilenischen Mitbewohnerin und Enora, haben wir es am Sonntag dann tatsächlich geschafft, die halbe 15 zu aktivieren und zu einem zweitägigen Ausflug auf La Malinche zu überzeugen. Ein gute Idee war das allemal, sind doch fast alle Mitbewohner nun neu und so bot sich damit auch eine feine Gelegenheit, sich außerhalb des Hauses kennenzulernen.
Ich hatte am Nachmittag schnell im Centro Vacacional La Malintzi angerufen und nachgefragt, ob sie freie Hütten hätten – und yesss – sie hatten! Das Centro Vacacional ist auf gut 3.000m Höhe und am Eingang des Nationalparks gelegen und hat eine Menge Hütten auf einem wirklich gutem Standart, die sich vor allem für einen Besuch in der Gruppe anbieten. Denn die kleinsten haben 6 Betten und die größeren 9 – und die besser ausgerüsteten verfügen sogar über eine komplett eingerichtete Küche.
Also schlurften wir mit unseren Rucksäcken zum Micro und schnappten uns am CAPU den nächsten Bus nach Apizaco. Ich hatte eigentlich am frühen Nachmittag losziehen wollen, um mit den Jungs und Mädels noch ein wenig über das Ferienkzentrum am Abend zu laufen, aber wie es nun mal so mit spontanen Ideen ist, braucht man eine Menge Zeit, alle davon zu überzeugen, dass es sich um eine gute Idee handelt und so kamen wir erst gegen vier in die Spur.
Im Dunkeln erreichten wir schließlich die Hütten und die nette Dame in der Rezeption hatte sich glücklicherweise meinen Namen behalten. Wir nahmen einen günstige Hütte ohne Küche und machten uns auf zum Abendessen in ein kleines „Restaurant“, dass am Eingang des Ferienzentrums Quesadillas und Tacos anbietet. In der angeschlossenen Tienda erstanden wir dann noch ein paar Cervezitas und Feuerholz und machten uns schließlich auf den Rückweg in die Hütte. Pedro, mein neuer kolumbianischer Mitbewohner und ich kümmerten uns um den Kamin und später spielten wir alle bei einem gemütlichem Knäckerchen en Brettspiel, dass wir gerade erstanden hatten.
Als das keinen Spaß mehr machte, brachte ich der Runde Lügenmäxchen bei. Doch bevor wir hier zur Tat schreiten konnten, verwandelte ich mich in McGyver, zog mein Schweizer Messer heraus und schnitzte in relativ kurzer Zeit einen zweiten Würfel aus dem Feuerholz und brannte ihn mit der glühenden Messerspitze Augen ein.
Gegen Mitternacht war unser Feuerholz aufgebraucht und wir alle schlupften in die Betten. Vom Plan, den Sonnenaufgang auf La Malinche mit der Truppe zu erleben, war ich bereits vorher abgerückt, weil wir nicht über genügend Taschenlampen für einen nächtlichen Aufstieg verfügten und außerdem fast alle, außer mir, noch nie einen Berg dieser Höhe erkraxelt hatten.
Also klingelte der Wecker um 6 Uhr und um 7 Uhr machten wir uns auf den Weg. Leider hatten wir bereits nach einer knappen Stunde die ersten Verluste zu beklagen. Agostina hatte bereits in der Nacht Probleme mit dem Herz, wovon ich nichts wusste, was sie aber dann im Aufstieg mitteilte. Enora machte ebenso die Höhe zu schaffen, und die beiden entschieden (gegen ihren Ehrgeiz), umzudrehen und nicht mit aufzusteigen. Ich zog weiter mit Taehla (neue dt. Mitbewohnerin), Roman (neuer dt. Mitbewohner) und Pedro. Der Weg war steil, wie das letzte Mal, und wir stiegen gemächlich und langsam der Spitze entgegen. Im steilsten Part außerhalb der Baumgrenze, kamen wir nicht besonders schnell voran, weil wir immer wieder Verschnaufpausen einlegten.
Dieser Part kam mir bei diesem Aufstieg wesentlich einfacher, als bei meinem ersten Aufstieg vor, weil der Untergrund nicht mehr weich und sandig, sondern leicht feucht bis gefroren war. Ach ja – da war noch was. Das letzte Mal bin ich im Oktober rauf, dass war knapp nach dem Ende der Regensaison in Mexico und der Aufstieg war frei. Diesmal hatte man uns gewarnt, der Aufstieg könnte kompliziert werden, weil La Malinche schneebedeckt sei. Ich hatte also damit gerechnet, bereits unter der Spitze umzukehren, falls es die Konditionen nicht zulassen sollten. Ich muss dazu sagen, dass ich mir dessen auch relativ sicher war, waren doch meine Mitstreiter in Sneakern und Chucks unterwegs – nicht gerade das richtige Schuhwerk, für diese Regionen.
Aber wir versuchten es und kämpften uns immer weiter nach oben. Auf rund 4.200m kamen wir in den Schnee, aber es war nicht besonders viel. Das Vorankommen war weder beeinflusst noch beeinträchtigt dadurch. Auf dem Sattel ließen wi Taehla zurück, weil sie an ihre Grenzen gelangt war und die restlichen 200 Höhenmeter nicht mehr kämpfen wollte. Dennoch war es eine reife und beachtliche Leistung – war es für sie mehr oder minder der erste Alpin-Ausflug in ihrem Leben. Dank intensiver Mittagssonne fiel es ihr auch nicht schwer, siech auf dem Sattel auszuruhen und dort auf unsere
Wiederkehr zu warten. Mit Pedro und Roman erreichte ich schließlich den risikoreichsten Part des Aufstiegs. Es galt knapp 100 Höhenmeter auf Felsen mehr kletternd zurückzulegen – und diese waren zudem dann doch vereist und teils schneebedeckt. Doch in aller Ruhe meisterten wir auch diesen Teil und feierten nach 6,5 Stunden Aufstieg endlich den Gipfelerfolg auf der SPitze. Es hatte sich gelohnt: Die beiden Jungs waren überglücklich, sich von mir letztendlich doch für das Abenteuer begeistert haben zu lassen, hätten sie den Montag doch eigentlich in der Uni verbringen sollen. Aber ich hatte versprochen, dass sie es nicht bereuen würden, wenn sie die Uni gegen La Malinche eintauschen würden. Und auch für mich hatte sich der zweite Gipfelsturm aufs Neue gelohnt: Die Aussicht hätte besser nicht sein können, im Gegensatz zu meinem ersten Aufstieg, kein Wölkchen am Himmel und eine Sicht auf alle hohen Vulkane Méxcios. Genial – atemberaubend – beeindruckend!
Nach einer halben Stunde Gipfelknipserei, ohh und ahh-Rufen und „impressionante“-sagen machten wir uns an den Abstieg. Der Kletterpart stellte sich als glatt und unbequem heraus, aber ohne Stress und mit viel Ruhe bahnten wir uns unseren Weg nach unten. Auf dem Sattel sammelten wir Taehla ein, die sich bei einem Mittagsschläfchen einen Sonnenbrand eingefangen hatte und wir rutschten die nächsten hundert Höhenmeter halb gleitend, halb absteigend über die Sandpiste nach unten. Nach zwei Stunden hatten wir schließlich wieder das Centro Vacacional erreicht.
In der Sonne weckte ich Agostina und Enora, die den Tag an der Sonne verbracht hatten. Gemeinsam stopften wir uns alle erneut Quesadillas rein und wollten auf den Bus zurück warten. Während wir aßen, sprach uns ein Guide an, der den Tag ebenso an La Malinche verbracht hatte und bot uns, ins Gespräch gekommen, an, uns in seinem Van mit nach Puebla zu nehmen. Nach einer Runde Ablehnen-aus-Höflichkeit sagten wir zu und er brachte uns an die Stadtgrenze von Puebla heran, weil er weiter nach DF fuhr.
Alles in allem waren wir am Abend wohl alle ordentlich geschafft und nach einem leckeren Essen, einem Bierchen und einer heißen Dusche fiel ich schließlich friedlich in mein Bettchen.
Auch den anderen hatte unserer Gipfesturm sehr gut gefallen, wenngleich Agostina und Enora ein wenig traurig-enttäuscht waren, dass sie nicht mit hatten aufsteigen können. Aber ich sag: Es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein.
Ein Wort zu meinen Füßen: Beim vorangegangenen Aufstieg hatte ich mir in meinen Raichles an den Hacken ordentliche Blasen gelaufen, die mich dann eine weitere Woche nervten. Ich hatte dies diesmal versucht, mit den guten Compeed-Pflaster zu verhindern und davor noch nicht so recht an ihre Wirkung geglaubt: Und ich muss sagen: Geile Schei*e! Ich hatte nicht den Ansatz einer Blase an meinen Füßen und fühlte mich schon am Dienstag wieder bereit, in meine Wanderschuhe zu steigen. Eine geniale Erfindung, diese Compeed-Pflaster! Das musste noch gesagt werden, eben weil es gut ist. Ich habe diese Pflaster ja zuvor in unserem Trekkingladen in Bonn verkauft, und immer gesagt, dass sie genial sind, weil es die Kollegen behaupteten. Jetzt weiß ich: Sie hatten recht und ich habe beim Verkauf nie gelogen
!
PS: Dieser Artikel wurde (leider) nicht von Compeed finanziert.