Nordmexico-Trip 1 – Los Mochis-Creel
So, nach über einer Woche komme ich nun endlich dazu, auch hier einen längeren Bericht über unsere Tour mit Norman, Sally und Enora im Norden Mexicos zu verfassen. Unsere Reise startete, wie ich schon im vergangenen Artikel angekündigt hatte, mit Enora und mir auf den Weg nach DF, wo wir gegen 6 unsere beiden deutschen Gäste erwarteten. Nachdem die beiden bereits unfreiwillig in Madrid 24 Stunden hängen geblieben waren, erwarteten wir sie zunächst pünktlich am Aeropuerto Internacional in Mexico Stadt. Aber als der Flieger aufsetzen sollte, verschwand er erstmal von den Bildschirmen. Seltsam, keine Verspätung, einfach weg. Enora suchte einen Iberia-Schalter auf, um mehr Infos zu bekommen, und nach einer halben Stunde war er wieder auf dem Bildschirm und wurde mit 2 Stunden Verspätung erwartet. Also landeten die Beiden letzten
dlich um halb 8 und wir konnten sie eine halbe Stunde später in Empfang nehmen.
Wir zogen dann mit der Metro in die Stadt, Kurs auf Katinkas WG, eine ehemalige Mitbewohnerin aus der 15 in Puebla, die uns für die Nacht beherbergen wollte. Die WG hat 9 Mitbewohner und bekam im Laufe des Abends noch mindestens 20 Besucher/Freunde hinzu und so kamen wir erst recht spät zur Ruhe. Aber letztendlich sogar in einem einzelnen Zimmer für uns vier.
Am Samstag klingelte dann schon um 6 Uhr der Wecker und wir verließen die noch ruhig-liegende Wohnung im Morgengrauen. Am Flughafen checkten wir bei Interjet ein und frühstückten noch ein wenig. Dann ging es pünktlich um neun Uhr in die Luft und wir schwebten über den Nevado de Toluca (4650m) in Richtung Norden nach Sinaloa an den Pazifik. In Los Mochis landeten wir auf einem klitzekleinen Flughafen und die Landschaft hatte sich bemerkbar verändert: Wüste, grau, kaum Bäume, karge Berge am Horizont und einige Felder, die offenkundig den Luxus der Bewässerung genießen durften und von daher in saftigem grün standen.
Wir sprangen in ein völlig überteuertes Taxis, dass gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit war, vom Flughafen in die Stadt zu kommen. Ein leider weit verbreitetes Phänomen in Mexico, dass die Taxislobby in vielen Städten zu verhindern wusste, dass es öffentlichen Nahverkehr zu Busbahnhöfen oder Flughäfen gibt, die irgendwo in der Pampa sind, und Touristen und Passagiere die willkürlich festgelegten Preise bezahlen müssen, wenn sie denn nicht stundenland laufen wollen.
Los Mochis hatte an sich nicht viel zu bieten, wir checkten in ein Hotel im Stile der 70er Jahre ein und machten uns auf Erkundungstour zum Bahnhof und später nach Topolobampo an die Pazifikküste, um das Meer zu sehen. Der Bahnhof lag ruhig und verlassen in der Staubwüste außerhalb der Stadt und ein einzelner Sicherheitsmann bewachte den Eingang der Bahnhofshalle, die nur früh am Morgen, wenn der CHEPE startet (CHEPE= CH-P= Chihuahua al Pacifico-Zug) und spät abends, wenn die beiden Züge aus Chihuahua (Primera Clase und Segunda Clase) eintreffen Leben eingehaucht bekommt.
Also schossen wir ein/zwei Bilder und fuhren mit dem nächsten Bus an den Pazifik, der mich zunächst mit seinem grauem Strand und flachem, wellenlosem Wasser an den mexikanischen Golf erinnerte. Dort, wo ausschließlich mexikanische Familien vereinzelt herumschlenderten, aßen wir und spazierten ein wenig am Strand entlang, bevor wir wieder am Abend nach Los Mochis fuhren und früh ins Bett fielen. Denn am nächsten Morgen sollte es schon wieder früh losggehen.
Der Trip Teil 1 in einer Dia-Show
5:30 Uhr standen wir am Sonntag Morgen auf, und schnappten uns den nächsten Colectivo zur Estación. Dort hatte der Erste-Klasse-Zug Los Mochis bereits noch in der Dunkelheit verlassen und wir stellten uns mit ausschließlich mexikanischen Passagieren, die mit ihren Cowboy-Hüten original zur Landschaft passten, in die Schlange, um unsere Tickets für den heiß-ersehnten Zugtrip vom Pacifico nach Chihuahua a
m Schalter zu kaufen.
Als der Uhrzeiger sich bedrohlich der Abfahrtszeit näherte (7 Uhr), schickte die Ticketschalter-CHEPE-Fahrkarten-Verkaufsfrau uns weg und meinte, wir sollten die Tickets im Zug kaufen. Sie hatte ohnehin für den Verkauf eines einzelnen Tickets jeweils mindestens 3 bis 5 Minuten gebraucht, und so schien diese Lösung auch sicherer, als mit ihr das eher langwierige Geschäft abzuschließen.
Also stiegen wir in einen der grün-rot angestrichenen Waggons und ließen uns vom Schaffner einen Platz zuteilen. Inzwischen schob sich die Sonne über den Rand des Horizontes, und als diese sich vom Rand des Horizontes löste und die ersten Sonnenstrahlen flach über das Land schickte, setzte sich unsere Lokomotive lärmend in Bewegung. Und es ging los.
Langsam zog das flache Land an uns vorbei, die Morgensonne tauchte es in ein warmes, rötliches Licht, und die Strecke führte uns zunächst durch Felder. Langsam schob sich der CHEPE durch das Land, und
wir hatten zunächst das Gefühl, dass man nebenher laufen könnte. Ich begann hier und da, neben den selbstverständlichen Digibildern, Videos aufzunehmen, weil ich in Kürze gern ein Video hier einstellen möchte, dass die Fahrt komplett von Los Mochis bis Creel bebildern soll.
Der Zug bestand aus fünf Waggons, die rot bepolsterte, weiche und angenutzte Sitze hatten und mit einer Klimaanlage auf frische Temperaturen heruntergekühlt wurden. Zwischen den Waggons waren die jeweiligen Türen zweigeteilt, und den oberen Teil konnte man aufmachen. Und so konnte man während der Fahrt fast das Gefühl bekommen, draussen zu stehen. Ein Bistro-Wagen teilte den Zug in genau zwei Hälften, und auf einem karierten A4-Blatt standen handschriftlich die Öffnungszeiten, mit einem Tesa an die Wand über die Bar geklebt. Der Bar-Mann schwatzte bevorzugt mit den Schaffnern und mit den Sicherheitsleuten, die mit Maschinengewehren auf dem Rücken sich
wahleise wichtig machten, oder faulenzend für ein abschreckendes Bild sorgten. Einer jener schwer-bewaffneten Gesellen kam recht bald zu uns und fragte, woher wir kämen, wohin wir führen und was wir so trieben. Allerdings mehr aus persönlichem Interesse, als aus Sicherheitsaspekten heraus, und außerdem, wie wir später mitbekamen, um uns bereits ein Hotel in Creel aufzuschwatzen, in dem er angeblich vor einiger Zeit mit seiner Familie ein paar tolle Tage verbracht hätte. Als später weiteres Zugpersonal mit den gleichen Visitenkarten bei uns auftauchte, schien uns die Familien-Urlaubsgeschichte nicht mehr glaubwürdig. Wir entschieden uns, dieses Hotel auf jeden Fall zu meiden und die Verkaufsstrategie, die wahrscheinlich ein findiger Hotelbesitzer mit dem CHEPE-Personal abgekatert hatte, nicht zu unterstützen.
Nach wenigen Stunden Fahrt veränderte sich allmählich die Landschaft, die an unserem Fenster vorbeizog. Die Felder wurden weniger, bis sie ganz verschwanden und das Land wurde karger. Gelbes, verbranntes Gras und Bäume ohne Blätter zogen draussen vorbei, dazwischen immer wieder Kakteen und die Berge begannen sich zunehmend weiter in die Höhe zu recken. Häufig gekrönt von schroffen Felsen, auf denen ebenso wenig wuchs.
Je weiter wir in die Sierra mit dem Zug eindrangen und uns Höhenmeter um Höhenmeter langsam schnaufend nach oben arbeiteten, um so spektakulärer wu
rde das, was an uns vorbeizog. Die Berge wurden höher und höher, die Strecke schlängelte sich schmal durch die Landschaft, mal eng an den Hang einer Schlucht gepresst, mal über atemberaubend hohe Brücken, die uns einen Blick in Wasser gefüllte Täler ermöglichten, bevor wir mit dem Zug in den nächsten Tunnel eintauchten.
Am Nachmittag hatte sich die Landschaft gänzlich in die Kulisse eines Westerns oder Indianerfilms verwandelt. Die Schluchten wurden schroffer,
enger und tiefer, die Felsformationen standen schnurgerade und wie Wände in der Landschaft. Ausgetrocknete Flußbetten durchzogen kleine, zart bewaldete, aber trockene Täler und hier und da hatte die Zivilisation ihre Spuren in Form von einfachen Holzhäusern oder urigen Ranches hinterlassen.
Gegen 4 rollten wir in Divisadero ein. Divisadero – das ist DER Aussichtspunkt für die Barranca del Cobre – die Kupferschlucht. Keine 1
00 Meter vom Bahnhof, der von Verkaufsständen mit Essen und Handwerkskunst der Tarahumara überflutet ist, steht man am Rande der Schlucht und blickt in 1800 Meter in die Tiefe in das weit verzweigte Schluchtensystem, das die beiden Flüsse Otero und Urique über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben haben. Der Canyon ist über 50 Kilometer lang und gilt als einer der größten Nordamerikas – größer, tiefer und länger als der Grand Canyon. Der Blick schweift über die kilometerweite Schlucht bis er am anderen Ende wieder auf schroffe Felsen trifft und dort die Schlucht mit den Bergen der Sierra Madre Occidental wieder Eins wird. Die Abendsonne ließ die Luft diesig erscheinen und man konnte zuweilen nicht bis zum Boden schauen. Ein faszinierendes Panorama, dass sich dort vor uns erschloß.
Leider blieb uns bei diesem kurzem Zwischenstopp nicht viel Zeit, den Blick zu genießen, und wir schossen nur erste Fotos, um am Montag Nachmittag mit Ruhe zurückzukehren.
Bald setzte sich unser Zug wieder in Bewegung und eine Stunde später kamen wir in Creel an. Die “Stadt” erinnerte mich zunächst an San Carlos de Bariloche in den Anden Argentiniens. Häuser einer Bergstadt, spitze Dächer, holzverkleidet. Klein und beschaulich zieht sich der Ort an den Schienen des 1907 eingeweihten CHEPE entlang.
Wir schafften es, den Hotelhäschern zu entkommen und suchten uns ein kleines Hotel im Zentrum auf eigene Faust. Nach einem ausgiebigem Abendessen, in einem Restaurant, dass in der nächtlichen Frische glücklicherweise über einen entfachten Kamin verfügte, fielen wir in unsere Betten. Reisen kann anstrengend sein.
Und lesen auch. Und Blogschreiben ebenso. Deshalb mache ich hier fürs Erste Schluss und reiche morgen den zweiten Teil der Reise nach. Bis dahin, buenas noches!
PSs:
PS: Bald folgt auch das CHEPE-Video. Ich brauch nur die Zeit, es zu schneiden.
PPS: Stefan, Maike, Jonas, Gunnar: Was ein geiles Geschenk! Ich war den Tränen nahe. Ich freu mich, Euch wiederzusehen – und mit Euch auf dem Kreuzberg oder dem Anleger ein Bierchen zu genießen! Kriegt auch gleich noch ne Mail.
PPPS: Mehr Bilder zum ersten Teil der Nordmexiko-Reise gibts hier!
PPPPS: Normi hat seit heute sein eigenes Zwitschergewitter zur Mütterberuhigung auf der Reise ohne mich. Wo? Hier in der rechten Seitenleiste unter meinem Twittergewitter und hier komplett.
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Dieser Eintrag wurde am 28. Februar 2009 um 00:52 erstellt und unter mexico city, pacifico, Viajando! mit den Tags aeropuerto, bahnhof, barranca del cobre, berge, Bilder, chepe, chihuahua, chihuahua al pacifico, copper canyon, creel, divisadero, eisenbahn, felsen, fliegen, flughafen, fotos, interjet, karg, kupferschlucht, landschaft, los mochis, mexico, mexiko, mexiko stadt, nevado de toluca, nordmexiko, pacifico, pazifik, Reise, reisen, schlucht, schroff, sierra madre, sinaloa, spektakuläre zugfahrt, tarahumara, taxi, tren, verspätung, wüste, zug, zugfahren, zugpersonal abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.


2. März 2009 um 04:12
Juhu Normi und Sally – ich hab´Euch gesehen und freu´mich über Eure Erlebnisse und die schönen Bilder! Genießt die Zeit und seid lieb gegrüßt!!! Mum
2. März 2009 um 13:39
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3. März 2009 um 19:10
Dann hat sichs ja gelohnt =) Drück dich und genieß weiterhin deine Zeit gaaaaaanz doll!