México, DF – una semana de locura

Der Bahnsteig ist brechend voll, nur noch in der Mitte kann man sich zu einer Stelle durchschieben, von wo aus man in die Metro einsteigen möchte. Oder besser: Von wo aus man in die Metro reingepresst werden möchte. Ich bin in Pantitlan, eine Metro-Endstelle am Ostende von DF und auf dem morgendlichem Heimweg vom Aeropuerto Internacional Benito Juárez, wo ich gerade Daniel wieder in einen Flieger über New York nach Frankfurt gesetzt habe.

Eine Metro fährt ein, und die menschliche Masse auf dem engen und völlig überfüllten Bahnsteig kommt in Bewegung. Ich lasse mich in Richtung eine der aufgehenden Türen schieben, komme so stark ins Gedrängel, daß ich selbst nun nicht mehr über Richtungsänderungen bestimmen kann, hoffe, Metro in DF - hier in einer leeren Stationdass ich nicht nur an die Wand der Metro neben der Tür gedrückt werde, schiebe ein wenig nach links und komme in den Strudel, der sich wie eine einzige zusammenhängende Masse ins Innere der Metro ergießt. Drinnen schiebt es weiter – nun von außen – alle wollen irgendwie mit – aber auch der Metro-Waggon hat nur eine begrenzte Größe. Als die Glocke zum Türen schließen schellt, bin ich erleichtert, wenn auch sich der Druck von allen Seiten nicht ändert. Eine Alte neben mir fordert mich auf, meine Arme aus meinen Hosentaschen zu nehmen und sie nach oben über die Köpfe zu halten, damit sie besser stehen kann. Ich kann nicht, weil ich sie unter dem Druck der anderen Passagiere nicht bewegen kann. Und ich will nicht, weil man so viel Druck auf allen Körperstellen hat, dass wer auch immer nur wollte mir mit Leichtigkeit meine Geldbörse aus meiner Hosentaschen rauben könnte, und ich es nicht annäherungsweise mitbekommen würde. Nach anderthalb Stunden Stoßzeit-U-Bahn-Fahren und im festen Glauben, dass Sardinen in ihrer Büchse alle Freiheit der Welt haben, komme ich endlich wieder in San Angél an – in der Wohnung von Bernhard und Paola, wo ich am Morgen noch mit einem Taxi in Richtung Flughafen gestartet bin; Morgens Metro fahren in einer 20 Millionen Stadt, wo das Ticket 2 Peso kostet, eine Erfahrung, die ich allerdings kein zweites Mal brauch.

Ich bin durchgeschwitzt und brauch eine Dusche.

IDaniel und ich vor der Batman-Achterbahn. Photo: Una Mexicana.ch war seit Mittwoch Abend mit Daniel bei Bernahrd eingezogen und wir wollten seine letzte Woche hier im Großraum DF verbringen. Eine Woche DF, das klingt viel – aber an Langeweile ist nicht zu denken. Nachdem wir in Veracruz ein wenig Kultur und Geschichte gemacht haben, hatten wir es am Donnerstag auf Spaß und Spielerei abgesehen. Wir fuchsten uns in den Westen der Stadt zum Six Flags Freizeitpark und sparten mit einer leeren Cola-Flasche in der Hand einhundert Peso beim Eintritt. Seltsame Promotions, die Six Flags ab und zu drauf hat.

Den ganzen Tag jagten wir über steile und kurvige Achterbahnen, gaben uns aus über 60 Metern im freien Fall der Schwerkraft hin und ließen uns mit weit über 100 kmh über hölzerne und stählerne Schienen schießen. Adrenalin war garantiert und Spaß – ja den hatten wir auch. Vor allem bei einer Achterbahn, die uns erst vorwärts zwei Loopings passieren ließ und uns dann auf eine Rampe schoß, um von dort aus die gesamte Fahrt noch einmal rückwärts zu erleben. Es war großartig.

Auf dem Torre LatinoamericanaUnd so stand für Freitag dann an, ein wenig die Stadt kennenzulernen und ein wenig auf Streifzug durch das historische Zentrum von Mexiko Stadt zu wandern. Wir hatten Glück mit dem Wetter und der Sicht – auf dem Torre Latino präsentierte sich uns in großer Entfernung der schneebedeckte Gipfel des Ixtazíhuatl, der bis dahin sich vor Daniel erfolgreich versteckt hatte und die vergangenen Wochen sich in Wolken gehüllt hatte.

Ein Besuch im Präsidentenpalast war dann auch für mich wieder ein neuer Punkt – und ein lohnenswerter.

Der Präsidentenpalast von DF

Der Innenhof des Palacio Nacional ist gesäumt von unbeschreiblich großen Murales, als Wandbildern, die Diego Rivera in den 40er Jahren dort an die Wände brachte. Im kommunistischen Stil sind Marx und Engels allerorten präsent und die gesamte Art zu Malen,Die Geschichte Mexikos als Mural von Diego Rivera im Präsidentenpalast. erinnerte mich sehr an die Bilder in meiner Fibel in meinen ersten zwei Schuljahren, als es noch Pioniere gab, aber ich nicht zu ihnen gehörte. Für Daniel wurde seine gesamte Reise damit schon fast zur Themenreise, hatte er noch wneige Tage zuvor Rivera-Murales im Rockefeller Centre in New York bestaunen dürfen. Am Abend trafen wir uns mit Bernhard auf ein Freitag-Abend-Bier und gemeinsam beschlossen wir den Tag ganz mexikanisch in der Arena México bei einem Lucha Libre-Kampf.

Samstag hatten wir dann wieder die Natur auf den Plan gehoben. Der Nevado de Toluca ist der 4. höchste Berg/Vulkan Méxicos und liegt rund 80 Kilometer westlich voMexiko Sttadt. Am Kraterrand des Nevado - auf knapp 4700mBernhard war, ähnlich wie wir beide, noch nie auf der Spitze dieses Berges, der einen beeindruckenden Krater mit zwei Lagunen in seiner Mitte hat und so schnappten wir uns das Auto und fuhren nach Toluca. So richtig sportlich wurde es allerdings kaum. Denn der Nevado de Toluca ist auch der einzige Drive-in-Vulkan Mexikos. Bis auf eine Höhe von rund 4.000m kann man das Auto über eine Schotterpiste in die Höhe treiben und bis zum Kraterrand bleiben dann noch 2 Kilometer Fußweg. Die Aussicht trotz allem – grandios. Wir schleppten uns noch ein wenig höher aIm Espacio Escultorico in der UNAM - Bernhard, ich und Danielm Kraterran und genossen eine Sicht, die viele Kilometer rund um den Vulkan herum reichte. Am Abend machten wir noch einen Rundgang durch die UNAM – die Universitätsstadt und in der Nacht ging es dann mit Freunden auf Piste.

Und so starteten wir auch am Sonntag nur gemächlich in den Tag und Daniel und ich begaben uns erneut auf die Spuren Frida Kahlos und Diego Riveras und machten einen Sonntag-Nachmittag-Spaziergang durch Coyoacan und das Haus der beiden Maler. Autogrammjäger in der Casa Azul ließen uns kurz Casa Azul mit Jeep von Metallica-Drummeraufhorchen und dann erfuhren wir, dass der Drummer von Metallica neben uns auch gerade eine  Tour durch die Casa Azul machte. Wir hätten ihn im Leben nicht erkannt – aber das war auch egal. Viel Auflauf gab es trotz allem nicht, aber somit erklärte sich uns, warum so viele Besucher mit Metallica-Shirts durch den Garten des Hauses scharwenzelten.

Um das DF-Programm komplett zu machen, stand am Montag dann noch eine der beeindruckendsten (für mich beim 50. Mal schon nicht mehr ganz so) archeologischen Stätten Méxicos auf dem Plan. Mit einem Bus starteten wir recht früh nach Teotihuacan im Norden der Stadt und jagten mehrere Stunden Pyramiden in praller Sonne rauf und runter. Mit ordentlicher Bräune in Gesicht und an Beinen fuhren wir zurück in die Metropole, stellten fest, dass der größte Park, Chapultepec, leider schon um 16 Uhr seine Pforten schließt und am Abend machte sich Daniel ans Packen.

Ich und Daniel auf der Piramide del Sol über den Resten von Teotihuacan

Um fünf Uhr schrillte dann gestern morgen der Wecker und für Daniel endete seine USA-Mexiko-Reise und ich denke, für zwei einhalb Wochen hatte er doch einen ganz guten Überblick bekommen.

Ich selbst habe dann gestern einen ruhigen Tag verbracht, werde heute noch ein wenig weiter Reispläne ausarbeiten und am Abend meinen alten Herren in Empfang nehmen, der den krönenden Abschluss meines Besuchermarathons darstellen wird. Wenn der Vater mit dem Sohne…. wir beide werden dann am Samstag wieder in die Luft gehen und nach Californien fliegen und zwei Wochen auf der Halbinsel zwischen Golf und Pazifik neue Ecken entdecken. Aber damit dies auch ein lohnenswerter Aufenthalt wird, muss ich jetzt mal schnell die Optionen durchschauen und auch noch den Flug bezahlen gehen.

In diesem Sinne – yo sigo viajando, a partir de hoy con mi papito – sigamos decubriendo México!

Eine Antwort zu “México, DF – una semana de locura”

  1. Ja, ja…pero no olvidéis a los restos del mundo, que no pueden viajar…
    „Ojos que no ven, corazon, que no siente!“ Oder: „Je höher der Kirchturm…“
    Lagrimas ;-(

    Bin gespannt, wie’s im blog weitergeht, etwa „Der alte Mann und das Meer“?
    Auf alle Fälle zunächst schöne Entdeckungen am Pazifik!

    LG von LG

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