Al norte – la última vez: Magische Orte
Nun ist unsere kleine Nordtour auch schon wieder fast zu Ende, und ich nutze den schlechten Zustand meiner Beine, hier in Guanjuato wenigstens ein wenig Euch an meiner Reise teilhaben zu lassen.
Am Samstag nachmittag sin
d wir 5 Stunden mit dem Bus heraus aus DF gefahren und am Abend in San Luis Potosí (SLP) eingerollt, wo wir uns schnell ein Hotel und etwas zu Beissen suchten. Wir hatten die Stadt nur als Zwischenstopp ueber Nacht vorgesehen, sahen aber noch bei einem kleinem naechtlichem Spaziergang, dass sich auch ein laengerer Aufenthalt gelohnt haette. Grosse Plaetze, liebevoll und praechtig sanierte Kirchen, grosse Gebaeude von ehemaligen Einkaufszentren und Banken verwiesen auf die reiche Silbergeschichte der Stadt, die bedeutend schoener, als ihr Ruf ist. Bernahrd hatte noch gemeint, mich wuerde eine Art Chihuahua erwarten – aber das traf absolut nicht zu. Kein Vergleich die beiden Staedte.
Doch schon am naechsten Morgen nach dem Fruehstueck packten wir wieder unsere kleinen Rucksaecke zusammen und machten uns mit dem naechsten Bus auf nach Matehuala – Zwischenstopp, um nach Real de Catorce zu kommen. Am Nachmittag und nach einer 25 Kilometer Holperstrecke ueber Feldsteinpflaster hinauf auf knapp 2800m erreichten wir den Ogarrío-Tunnel – ein alter in Fels geschlagenene
r, 2,5 km langer Tunnel, durch den man das Pueblo Mágico Real de Catorce erreicht. Noch vor dem Tunnel wurden wir von unserem Reisebus auf einen kleinen Stadtbus umgeladen, weil der Grosse nicht durch den Tunnel passt, und der Kleine brauchte dann auch gute fuenf Minuten, um den abenteuerlichen, nicht belueftenten und kaum beleuchteten Tunnel zu druchqueren und uns am Ortseingang von Real de Catorce auszuspucken.
Real ist nicht nur „Pueblo Mágico“ vom Namen her, es ist wirklich magisch, diese kleine Stadt in den kargen Bergen, die einst eine reiche Silberstadt mit 40.000 Einwohnern war, und heute nur nochh 1.500 Seelen beherbergt. Rund um das Staedtchen und auch im Staedtchen zeugen mehr eingefallene Gebaeude, alte Haeuser, Grundmauern aus Lehm und Stroh von der einstigen Groesse der Stadt, die vor rund 100 Jahren nahezu fluchtartig verlassen wurde, als
die Minen aufhoerten, reich zu sprudeln. In der Umgebung sind ueberall die Ueberreste alter Minen und Schaechte im Berg zu erkennen, und nur wenige Gebaeude wurden wieder richtig hergerichtet und dienen heute als Hotels oder Restaurants in Real de Catorce. Denn der Tourismus ist die einzige Einkommensquelle, die heute das Doerfchen nach seiner Wiederbelebung hat. Viele Kuenstler und Ruhesuchende haben sich heute hier niedergelassen, sich alte Gemaeuer gekauft und sie versucht, vor dem kompletten Verfall zu retten. Die Stadt hat Cárisma, auch wenn sie fast an allen Enden zusammenfaellt – eine lebendige Geisterstadtatmosphaere.
Wir suchten das gesamte Dorf und jede noch stehe
n gebliebene Mauer nach einem Hotel ab und am Ende von Real standen wir vor dem Rincón del Pintor – einem kleinen netten Hotelchen mit Blick über die Innenstadt.
Wir kauften uns ein Bierchen in der dazugehörigen Tiendita und genossen den Ausblick bei einem Indio.
Weil sich seit der Ankunft meine Füße nicht gut anfühlten, sah ich davon ab, noch auf eine weitere Entdeckungstour durch den Ort zu gehen und bestellte mir im Hotel stattdessen einen Eimer, damit ich mir ein Fußbad machen konnte. Seitdem ich aus dem Bus ausgestiegen war, konnte ich kaum auftreten und bewegte mich nur noch wie ein Opa fort, ständig nach irgendwas stützenden suchend.
Am Montag raffte ich dann trotzdem all meine Kräfte zusam
men, biß die Zähne zusammen und machte mich doch mit Vater auf eine kleine Entdeckungs-Wandertour rund um Real de Catorce. Ein alter, seit Ewigkeiten gepflasterter Weg führte uns oberhalb des Ogarrío- Tunnels nach oben in die Berge aus Real heraus, vorbei an weiteren alten Gemäuern, die meist unbewohnt wirkten, aber doch häufig noch jemanden beherbergten udn schlägelten uns immer weiter nach oben in die Höhe. Die wenigen, unbewohnt ausschauenden, aber denoch bewohnten Gemäuer, die wir aus der Entfernung oder in der Nähe passierten, schauten aus, als seien sie vor Jahren verlassen worden, aber dann fing auf einm
al doch hinter einer Mauer ein Esel an zu brüllen und man sah noch irgendwo einen Wäscheleine oder andere Anzeichen eines (oder mehrerer) Bewohner in der Nähe.
Nach einer knappen Stunde erreichten wir auf dem Bergrücken, inzwischen auf vielleicht 3.000m eine alte Kupfer-Hacienda, die man bereits von unten aus Real heraus sehen konnte. Auch hier hatten inzwischen Kakteen und andere Sträucher und Büsche die Oberhand über die alten Gemäuer gewonnen und der Wind blies durch die alten Tor- und Fensterbögen, die wieder den Blick auf Real de Catorce freigaben. Die Dächer mussten schon lange vor uns verschwunden sein, aber die Mauern und einige Bögen hatten den widrigen Witterungsbedingungen über Jahrzehnte Stand gehalten.
Schon bald tauchte hinter der alten Kupferhacienda das Pueblo Fantasma, das Geisterdorf, auf. Auf der anderen Seite lag es am Hang und wir konnten es so eine Weile aus der Entfernung vom Wege aus betrachten, während wir uns auf unserem Weg ihm immer weiter näherten.
Auch hier waren nur noch Grundmauern ste
hengeblieben, eine alte Kirchenruine markierte immernoch die Ortsmitte und herum standen weitere Mauern, die auf teils große Gebäude anno dunnemals schließen ließen. Von hieraus konnte man Real nun nicht mehr sehen und wir schlichen uns durch die Ruinen und wunderten uns und bewunderten, wie die Natur sich Stück für Stück ein einst besiedeltes Stück Erde zurückholte. Und so alt, das muss man dazu sagen, waren auch diese Sachen noch nicht, vielleicht ein Jahrhundert ist vergangen, seitdem hier niemand mehr wohnte.
Auf dem Rückweg holte uns wieder ein kleiner R
egenschauer ein, der uns bereits am Anfang des Aufstiegs ein Wegbegleiter gewesen ist und wir beschleunigten so unseren Schritt nach unten und standen bald wieder in Real , wo wir einen kleinen Mittagsimbiss zu uns nahmen. Am Nachmittag spazierten wir noch in eine andere Talrichtun aus Real heraus und erkundeten noch eine andere alte Kupfermine, die uns gegenüber am Berghang von unserem Hotel aus schon aufgefallen war.
Auch hier das gleiche Bild: Nur noch Grundmauern, die Fenster von alten
Balken vom dem Einstürzen abgehalten und zwei alte Schächte, die noch immer offen und geheimnisvoll weit und dunkel in den Berg hineinreichten.
Ich war über den Tag mit meinen Füßen ganz gut zu recht gekommen und je weiter wir liefen, desto besser ging es auch. Aber als wir am Dienstag Real in der Morgendämmerung und im Nebel verließen, meldeten sie sich wieder und verschafften sich schmerzlich Gehör.
Nach mehreren Stunden Busfahrt und einigen Malen Umsteigen (ein Direktbus von Matehuala nach Guanajuato war uns leider nicht geg
eben) kamen wir in der Spätnachmittagssonne im wunderschönen Bergstädtchen Guanajuato an. Italienisches Flair – dachten wir nahezu synchron. Kleine Plätzchen, viele Restaurants und Cafés mit Biergärten, enge, schmale Strassen und Gassen, bunte, alte Häuser und das Ganze in einem engen Tal gelegen, dass sich die Häuser an den steilen Hängen bis hoch nach oben an die Berge bunt schmiegten. Überflüssig zu erwähnen, dass Guanajuato Weltkulturerbe ist – schätze ich mal. Das Städtchen ist nur über Tunnel (kennen wir ja schon) zu erreichen, die offenkundig teilweise aus ihrer Silbervergangenheit herrühren und einem im engen Gewirr von Gassen und Sträßlein im Zentrum ans Tageslicht bringen.
Wir hatten uns von einem viel zu geschwätzigem Jungen am Busbahnhof ein
günstiges Hotel empfehlen lassen und checkten in eben jenem im Zentrum ein. Sein Preis ließ einen besseren Standart erwarten, als es dann schließlich gab, aber vielleicht hatten sich auch Preis und Qualität über die Jahre auseinandergelebt – ein Phänomen, dass man hier in einigen alten Hotels/Pensionen oder Posadas häufiger antrifft.
Meine Füße hatten mich inzwischen fast komplett aus dem Entdeckungsspiel genommen und nach einem kleinen Spaziergang zu einem Restaurant hatte ich mich bereits wieder zurück ins Hotel gezogen, weil ich beim besten Willen nicht mehr auftreten konnte. Vater hatte die Stadt also allein zu
durchqueren, während ich mich einfach nur ins Bett legte, und hoffte, dass dieser unerklärliche Schmerz in meinen Fersen nachließ.
Heute morgen dann aber, hatte der Schmerz immer noch nicht nachgelassen und ich beschloss, nach dem Frühstück einen Arzt aufzusuchen. Vater hatte ich auf weitere Entdeckungsspaziergänge durch das malerische Guanjuato geschickt, während ich mich von einer jungen Ärztin untersuchen ließ, die meinte, dass meine Sehnen ein wenig entzündet seien und ich am Besten die nächsten 5 bis 7 Tage NICHTS machte. Ich schlürfte über ein Internetcafe wieder in ein Hotel, rieb mir meine Füße mit dem frisch gekauftem Gel ein, schmiss mir eine Tablette ein und wartete, dass Vater vom Stadtrundgang wiederkam.
Am frühen Nachmittag verließen wir Guanajuato wieder mit dem Bus und fuhren 5 Stunden zurück nach DF, wo wir am Abend wieder bei Bernhard und Paola eincheckten.
3. Juli 2009 um 03:44
Gute Besserung!