Langes Wochenende…en el DF.

Am Freitag sollte ich noch um 12 Uhr einen Kurs haben und danach sollte das lange Wochenende mit der Fiesta Patria zum Abschluss starten. Mit Fabian, der in Costa Rica studiert hatte, schlenderte ich einmal mehr vergebens in die BUAP und erfuhr, dass kein Seminar stattfindet, weil wir nicht so viele seien und außerdem ein paar unserer Kommilitonen lieber Fußball spielen wollten. Pues – so isses in México.

Wieder zurück in der Quince packten wir unsere Sachen und fuhren zu Dritt zum CAPU (Busbahnhof) in Puebla. Fabian wollte weiter in Richtung Oaxaca und Enora und ich schnappten uns den nächsten Bus nach DF. Gegen Neun trafen wir in San Angel in der neuen Wohnung von Bernhard und Paola ein und verbrachten den Abend bei dem ein oder anderen Bierchen und Tequila (Darf nich fehlen in Mexico) quatschend.

Am Samstag wollten Enora und ich auf den Kunsthandwerksmarkt in San Angel schauen und das taten wir dann auch nach dem Aufstehen. Unzählige Stände mit Gemälden, Bildern, Kunsthandwerk, Skulpturen und Ramsch schauten wir uns an und am Nachmittag starteten wir mit Bernhard ans Estadio Olimpico 1968. Nebenan gibt es einen Felsen und den wollten wir erklimmen. Bernhard war auch zuvor nie dagewesen und wir mussten feststellen, dass die Wand zwar nicht hoch, aber dafür ordenlich glatt und nur mit wenigen Griffen ausgestattet war. Trotz allem suchten wir uns zwei Routen und schafften schlussendlich den Aufstieg.

Traditionell (schon fast mit Bernhard und Paola) gings am Abend zum Argentinier und wir speisten lecker Bife de Chorizo und Bife Argentino. Für den Sonntag hatten wir uns Tula de Allende vorgenommen. Tula liegt rund 70 Kilometer nördlich von DF und war zwischen dem 10. und 12. Jh einst das kulturelle Zentrum der Tolteken. Heute zeugt eine Pyramide mit mehreren fünf Meter hohen Kriegerstatuen von der vergangenen Kultur und wir hatten Glück, da Sonntags der Eintritt frei ist. Für Mexikaner und mexikanische Stundeten. Pufff. Der Gratis-Eintritt sorgte allerdings dafür, dass das Gelände recht überlaufen war und wenig Ruhe zu finden war, die Ruinen wirklich zu genießen.

Nach den Ruinen starteten wir in die Stadt Tula de Allende, die an sich nicht viel zu bieten hat. Uns trieb der Hunger ins Zentrum und wir suchten auf dem Markt einen Stand, an dem wir das traditionelle Barbacoa (typisch für Tula und den Bundesstaat Hidalgo) serviert bekämen. Barbacoa wird an sich mit Barbecue übersetzt, aht damit allerdings nix wirklich zu tun. Es handelt sich un Mexiko dabei eher um die traditionelle Fleischzubereitung in einem Erdloch, wo das Lamm-Fleisch mehrere Stunden lang in Bananenblätter gewickelt gegart wird. (Mehr zu Barbacoa und Zubereitung hier und ein Bild hier.) Wir fanden schließlich, was wir suchten und spachtelten kräftig Schafsfleisch in Tortillas. Mein Favorit unter den mexikanischen Speisen wird Barbacoa wohl nie werden -aber man darf sich der traditionellen Landesküche ja nicht verweigern.

Später kehrten wir nach DF zurück und ließen den Tag ruhig ausklingen. Zwei DVDs, selbstverständlich Kopien vom Händler um die Ecke für ein paar Peso sorgten dann später für ausreichend Müdigkeit.

Montag musste Bernhard dann leider arbeiten und so schauten Enora und ich uns ein wenig in Coyoacán um und fuhren später mit Paola in den Süden DF’s nach Xochimilco. Xochimilco ist für seine Kanäle und schwimmenden Gärten bekannt und bedeutet übersetzt eigentlich „Ort an dem die Blumen wachsen“. Wir entschieden uns für eine einstündige Bootstour durch die Kanäle und hatten leider mit dem Wetter nicht so richtig Glück. Der Himmel dunkel und Wolkenverhangen, aber glücklicherweise kein Regen.

Für den Abend waren wir im Haus von Paolas Eltern eingeladen. Wieder einmal stand traditionelle mexikanische Küche auf dem Programm. Es sollte Pozole geben, ein traditionelles Essen am Vorabend des mexikanischen Unabhängigkeitstages. Pozole ist eine Art Eintopf, der allerdings eine stundenlange Vorbereitung benötigt. Ein Spezieller Mais mit sehr großen Körnern wird gemeinsam mit Rindfleisch in einer Brühe gekocht. Papa, es würde Dir schmecken. Nach ungefähr 5 Stunden ist der Mais weich und die Pozole kann serviert werden. Wir trafen gegen 6 halb 7 im Haus der Eltern in Xochimilco ein und der Vater servierte uns zunächst einen (oder zwei oder drei?) Willkommenstequila. Als dann schließlich Bernhard eintraf konnte das Abendessen starten.

Pozole wird in Schalen serviert. Dann fügt man ein wenig grünen Blattsalat hinzu, Zwiebel und kleingeschnittene Radieschen und schließlich Chili und Limonen. Mama Paola machte es uns vor, wie man wirklich Pozole isst, und wir durften dann fehlerfrei nachahmen.

Das Abendessen dauerte mehrere Stunden und mündete in einer politischen Diskussion. Bernhard und Papa Paola diskutierten über gerechte Löhne und die gerechte Verteilung von Ressourcen, über Bolivien, Kuba und Chavez….

Gegen elf, wir hatten nicht vor, den Grito auf dem Zocalo in DF live zu erleben, versammelten wir uns im Obergeschoss des Hauses vor dem Fernseher und schauten uns den Grito de Dolores von Präsident Calderon im Fernsehen an. Das mexikanische Fernsehen machte eine Megasause aus dem Unabhängigkeitsfest und ich fing nach einer Weile an, mich ein wenig zu langweilen. Glücklicherweise kamen wir aber schnell auf die Idee, uns die Feuerwerke vom Dach aus anzuschauen und so hatten wir eine perfekte Sicht über die Stadt und konnten unzählige Feuerwerke beobachten. In der selben Nacht starteten wir noch zu einer Party in La Condeza. Auf einem Dach eines Hochhauses hatten Freunde von Paola und Bernhard ein Fest gegeben und wir genossen die nächtliche Dachparty.

Gestern dann packten wir am Mittag unsere Sachen zusammen und Enora und ich machten uns auf den Weg ins Zentrum von DF. Enora wollte sich noch mit einer Freundin aus Frankreich treffen und so trafen wir am Zocalo auf ein Grüppchen von drei Französinnen, mit denen wir zu Mittag aßen. Später gings auf den Torre Latino und nach der Aussicht über die Stadt trieb uns der einsetzende Regen zurück nach Puebla. In der Nacht kamen wir wieder in der Quince an und ich hatte noch Hausaufgaben für heute zu erledigen. Allerdings umsonst. Denn als ich heute in die Uni ging, war von meinem Prof, der noch am Freitag auf meine Nachfrage hin beteuerte, dass wir Mittwoch auf jeden Fall Unterricht hätten, keine Spur. Zuverlässigkeit ist eben keine mexikanische Erfindung. Wenigstens mein Prof für das 4-Uhr-Seminar kam ausgeschlafen zum Unterricht und so hatte ich heute auch nicht allzuviel in der BUAP zu tun.

Sonst? Es ist kalt geworden, und es regnet. Zuviel. Ist eben nicht alles Sonnenschein, Strand, braun werden und Strand in Mexico. So, das war jetzt für all jene, die sich immer beschweren, dass hier das Wetter zu schön sei.

Photos: 1: Enora und ich in San Angel; 2: Carlo Aguilar y Linares auf dem Markt von San Angel – die gleiche Skulptur hat er für mit dem Kopf von und für Bill Clinton gemacht – sie steht inzwischen im Weißen Haus; 3: Verkäufer indianischer „Spielzeuge“ in San Angel; 4: Meinereiner an der Wand am Estadio Olimpico (Photo: Enora); 5: Steinerne Krieger in Tula de Allende; 6: Bernhard und Paola auf der Morgenstern-Pyramide in Tula; 6: Embarcadero in Xochimilco; 7: En casa von Paolas Eltern; 8: Nächtliche Sicht von der Partydachterasse über DF

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