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Mexikanische Grippe: Vida normal!

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Für alle, die schon geglaubt haben, hier würde kein Artikel mehr erscheinen, weil ich hustend und fiebrig im Bett läge: Nein, es geht mir gut. Es geht uns allen immer noch gut und so wird das hoffentlich auch bleiben.

Nachdem wir ja am Ende der Woche den Viren-Panik-Nachrichten-Zenit erreicht hatten, flauen auch hier die Winde der Aufregung wieder ein wenig ab. Auch, wenn die Influenza doch dazu geführt hat, dass Enora bereits die Koffer packt und bald wieder, ein wenig früher als geplant, nach Hause abreist.

Deshalb hab ich das Wochenende auch fern von Computer und der Stadt verbracht und bin mit ihr noch einmal in den Parque Nacional La Malintzi gefahren, um mit ihr noch einmal den Aufstieg zu wagen und ihn auch fast perfekt zu machen. Am Samstag Abend sind wir aus Puebla raus und sind aufs Land, nach Apizaco gefahren und dort – schau an – lief das Leben doch bedeutend lebendiger, als es in den vergangenen Tagen in Puebla der Fall war. Nur vereinzelt Menschen mit Cubrebocas, also Mundschutz, die Tacostände auf den Strassen in Betrieb und viele Menschen auf den Strassen.

Wir quartierten uns in ein günstiges Hotel ein und brachen am Sonntag früh zeitig auf, um den Malinche (4460m) in Angriff zu nehmen. Für mich bereits das dritte Mal. Das erste Mal war ich allein heraufgerannt, das zweite Mal hatte ich meine WG, oder zumindest einen kleinen Teil davon, bis auf die Spitze geführt und weil Enora eben das letzte Mal frühzeitig abbrechen musste, wollten wir es jetzt noch einmal in Ruhe versuchen. Und das taten wir dann auch am Sonntag.

Nach einem Frühstück mit Quesadillas führte uns der Weg zunächst sanft bergauf, bis es nach einer guten Stunde etwas steiler wurde. Aber je steiler es wurde, desto besser kamen wir mit dem Laufen und mit dem Atmen auf der Höhe zurecht.Wir machten viele Pausen und suchten uns für das schwierigste Stück einen längeren, sanfteren Aufstieg, der uns allerdings auch mehr Zeit kostete. Und so entschieden wir uns dann doch, angesichts aufziehender, dunkler Wolken und fortgeschrittener Zeit, den Aufstieg keine 200m unter dem Gipfel auf dem Grat abzubrechen, die Aussicht noch ein wenig zu genießen und umzukehren. Nach genau zwei Stunden erreichten wir wieder den Ausgangspunkt und erreichten geradeso den letzten Collectivo zurück nach Apizaco. Dort setzten wir uns in den nächsten Bus nach Puebla und schliefen die Nacht wie Könige. Was Frischluft und Körperertüchtigung nicht alles auslösen können…

Heute dann ging es für Enora ans Packen. Auf ihrem Bett stapeln sich ihre Sachen und sie muss entscheiden, was sie mit zurücknehmen möchte, und was sie dalassen kann/sollte. Und das tut sie nun seit dem Morgen.

Morgen hat sie ihren letzten Tag in Puebla und am Mittwoch Morgen geht es für sie direkt von Puebla aus heimwärts. Schade und traurig, aber für sie wohl die sinnvollste Entscheidung.

Ab Donnerstag soll das Uni-Leben wieder normal weitergehen – viel bleibt nicht -ich habe Donnerstag eine Veranstaltung und dann nocheinmal in der kommenden Woche vier Tage – und dann war es das mit dem akademischen Aufenthalt in Mexiko. Mir selbst bleiben dann noch zwei Monate in Mexiko, in denen ich hoffentlich noch mindestens drei Besucher durchs Land führen kann.

Die Grippesituation scheint sich stabilisiert zu haben und auch die Nachrichtenlage wird zunehmendst besser. Viele Menschen zeigen inzwischen Ermüdungserscheinungen mit den Cubrebocas und so verschwinden auch sie schon wieder aus dem Straßenbild. Scheint also alles ein einwöchiger Albtraum gewesen zu sein. Hoffentlich.

Am Wochenende hatte ich eifrig Korrespondenz mit meinen alten Kollegen vom Radio. Ich habe mehrere Interviews zur Situation vor Ort gegeben und ich muss sagen, dass vieles von dem, was ich berichtet habe, schon gar nicht mehr so akut zutrifft. Die Lage ist, wie schon gesagt, deutlich ruhiger, als am Freitag, als ich die Interviews gab, und wir sind alle vorsichtig optimistisch. Trotz allem gibt es hier zwei weitere Interviews zum Nachhören.

1: RADIO PSR – Themen die Sachsen bewegen

2: MDR Sputnik 360 Grad

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La Malintzi – oder wie ich meine WG in die Berge zog

Posted in Gipfelsturm, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. Januar 2009 by Jakob
La Malinche Gipfelsturm der Erste (Okt. 2008 ) mit Hinweisen zum Aufstieg

La Malinche - diesmal mit SchneeEs ist nun schon das zweite Mal für mich gewesen, dass ich den Gipfelsturm auf La Malinche (4.461m) gewagt und geschafft habe. Allerdings war ich diesmal nicht allein unterwegs.

Nach unserer kleinen Sauf-Idee am vergangenen Wochenende mit meiner ehemaligen chilenischen Mitbewohnerin und Enora, haben wir es am Sonntag dann tatsächlich geschafft, die halbe 15 zu aktivieren und zu einem zweitägigen Ausflug auf La Malinche zu überzeugen. Ein gute Idee war das allemal, sind doch fast alle Mitbewohner nun neu und so bot sich damit auch eine feine Gelegenheit, sich außerhalb des Hauses kennenzulernen.

Taehla, Pedro, Agos)Ich hatte am Nachmittag schnell im Centro Vacacional La Malintzi angerufen und nachgefragt, ob sie freie Hütten hätten – und yesss – sie hatten! Das Centro Vacacional ist auf gut 3.000m Höhe und am Eingang des Nationalparks gelegen und hat eine Menge Hütten auf einem wirklich gutem Standart, die sich vor allem für einen Besuch in der Gruppe anbieten. Denn die kleinsten haben 6 Betten und die größeren 9 – und die besser ausgerüsteten verfügen sogar über eine komplett eingerichtete Küche.

Also schlurften wir mit unseren Rucksäcken zum Micro und schnappten uns am CAPU den nächsten Bus nach Apizaco. Ich hatte eigentlich am frühen Nachmittag losziehen wollen, um mit den Jungs und Mädels noch ein wenig über das Ferienkzentrum am Abend zu laufen, aber wie es nun mal so mit spontanen Ideen ist, braucht man eine Menge Zeit, alle davon zu überzeugen, dass es sich um eine gute Idee handelt und so kamen wir erst gegen vier in die Spur.

Ich und Pedro beim Kamin entfachenIm Dunkeln erreichten wir schließlich die Hütten und die nette Dame in der Rezeption hatte sich glücklicherweise meinen Namen behalten. Wir nahmen einen günstige Hütte ohne Küche und machten uns auf zum Abendessen in ein kleines „Restaurant“, dass am Eingang des Ferienzentrums Quesadillas und Tacos anbietet. In der angeschlossenen Tienda erstanden wir dann noch ein paar Cervezitas und Feuerholz und machten uns schließlich auf den Rückweg in die Hütte. Pedro, mein neuer kolumbianischer Mitbewohner und ich kümmerten uns um den Kamin und später spielten wir alle bei einem gemütlichem Knäckerchen en Brettspiel, dass wir gerade erstanden hatten.

Jakob M alias McGyver - Würfelschnitzereien im FeuerAls das keinen Spaß mehr machte, brachte ich der Runde Lügenmäxchen bei. Doch bevor wir hier zur Tat schreiten konnten, verwandelte ich mich in McGyver, zog mein Schweizer Messer heraus und schnitzte in relativ kurzer Zeit einen zweiten Würfel aus dem Feuerholz und brannte ihn mit der glühenden Messerspitze Augen ein.

Gegen Mitternacht war unser Feuerholz aufgebraucht und wir alle schlupften in die Betten. Vom Plan, den Sonnenaufgang auf La Malinche mit der Truppe zu erleben, war ich bereits vorher abgerückt, weil wir nicht über genügend Taschenlampen für einen nächtlichen Aufstieg verfügten und außerdem fast alle, außer mir, noch nie einen Berg dieser Höhe erkraxelt hatten.

Pedro, Romasn, Agostina, Enora, Taehla und meiner im Vordergrund am Start zur BesteigungAlso klingelte der Wecker um 6 Uhr und um 7 Uhr machten wir uns auf den Weg. Leider hatten wir bereits nach einer knappen Stunde die ersten Verluste zu beklagen. Agostina hatte bereits in der Nacht Probleme mit dem Herz, wovon ich nichts wusste, was sie aber dann im Aufstieg mitteilte. Enora machte ebenso die Höhe zu schaffen, und die beiden entschieden (gegen ihren Ehrgeiz), umzudrehen und nicht mit aufzusteigen. Ich zog weiter mit Taehla (neue dt. Mitbewohnerin), Roman (neuer dt. Mitbewohner) und Pedro. Der Weg war steil, wie das letzte Mal, und wir stiegen gemächlich und langsam der Spitze entgegen. Im steilsten Part außerhalb der Baumgrenze, kamen wir nicht besonders schnell voran, weil wir immer wieder Verschnaufpausen einlegten. Ständige Begleiter - die drei Hunde vom Ferienzentrum wagten den Aufstieg mit uns bis knapp unter die SpitzeDieser Part kam mir bei diesem Aufstieg wesentlich einfacher, als bei meinem ersten Aufstieg vor, weil der Untergrund nicht mehr weich und sandig, sondern leicht feucht bis gefroren war. Ach ja – da war noch was. Das letzte Mal bin ich im Oktober rauf, dass war knapp nach dem Ende der Regensaison in Mexico und der Aufstieg war frei. Diesmal hatte man uns gewarnt, der Aufstieg könnte kompliziert werden, weil La Malinche schneebedeckt sei. Ich hatte also damit gerechnet, bereits unter der Spitze umzukehren, falls es die Konditionen nicht zulassen sollten. Ich muss dazu sagen, dass ich mir dessen auch relativ sicher war, waren doch meine Mitstreiter in Sneakern und Chucks unterwegs – nicht gerade das richtige Schuhwerk, für diese Regionen.

Das Ziel vor Augen - die Spitze in 4.461mAber wir versuchten es und kämpften uns immer weiter nach oben. Auf rund 4.200m kamen wir in den Schnee, aber es war nicht besonders viel. Das Vorankommen war weder beeinflusst noch beeinträchtigt dadurch. Auf dem Sattel ließen wi Taehla zurück, weil sie an ihre Grenzen gelangt war und die restlichen 200 Höhenmeter nicht mehr kämpfen wollte. Dennoch war es eine reife und beachtliche Leistung – war es für sie mehr oder minder der erste Alpin-Ausflug in ihrem Leben. Dank intensiver Mittagssonne fiel es ihr auch nicht schwer, siech auf dem Sattel auszuruhen und dort auf unsere Stolz ragt der höchtse Berg Mexicos, Citlaltépetl (5.700m), hinter La Malinche hervorWiederkehr zu warten. Mit Pedro und Roman erreichte ich schließlich den risikoreichsten Part des Aufstiegs. Es galt knapp 100 Höhenmeter auf Felsen mehr kletternd zurückzulegen – und diese waren zudem dann doch vereist und teils schneebedeckt. Doch in aller Ruhe meisterten wir auch diesen Teil und feierten nach 6,5 Stunden Aufstieg endlich den Gipfelerfolg auf der SPitze. Es hatte sich gelohnt: Die beiden Jungs waren überglücklich, sich von mir letztendlich doch für das Abenteuer begeistert haben zu lassen, hätten sie den Montag doch eigentlich in der Uni verbringen sollen. Aber ich hatte versprochen, dass sie es nicht bereuen würden, wenn sie die Uni gegen La Malinche eintauschen würden. Und auch für mich hatte sich der zweite Gipfelsturm aufs Neue gelohnt: Die Aussicht hätte besser nicht sein können, im Gegensatz zu meinem ersten Aufstieg, kein Wölkchen am Himmel und eine Sicht auf alle hohen Vulkane Méxcios. Genial – atemberaubend – beeindruckend!

Geschafft - Roman, ich und Pedro auf der SpitzeNach einer halben Stunde Gipfelknipserei, ohh und ahh-Rufen und „impressionante“-sagen machten wir uns an den Abstieg. Der Kletterpart stellte sich als glatt und unbequem heraus, aber ohne Stress und mit viel Ruhe bahnten wir uns unseren Weg nach unten. Auf dem Sattel sammelten wir Taehla ein, die sich bei einem Mittagsschläfchen einen Sonnenbrand eingefangen hatte und wir rutschten die nächsten hundert Höhenmeter halb gleitend, halb absteigend über die Sandpiste nach unten. Nach zwei Stunden hatten wir schließlich wieder das Centro Vacacional erreicht.

In der Sonne weckte ich Agostina und Enora, die den Tag an der Sonne verbracht hatten. Gemeinsam stopften wir uns alle erneut Quesadillas rein und wollten auf den Bus zurück warten. Während wir aßen, sprach uns ein Guide an, der den Tag ebenso an La Malinche verbracht hatte und bot uns, ins Gespräch gekommen, an, uns in seinem Van mit nach Puebla zu nehmen. Nach einer Runde Ablehnen-aus-Höflichkeit sagten wir zu und er brachte uns an die Stadtgrenze von Puebla heran, weil er weiter nach DF fuhr.

Aussicht auf Popocatépetl und Ixtacihuatl von La Malinche ausAlles in allem waren wir am Abend wohl alle ordentlich geschafft und nach einem leckeren Essen, einem Bierchen und einer heißen Dusche fiel ich schließlich friedlich in mein Bettchen.

Auch den anderen hatte unserer Gipfesturm sehr gut gefallen, wenngleich Agostina und Enora ein wenig traurig-enttäuscht waren, dass sie nicht mit hatten aufsteigen können. Aber ich sag: Es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein.

Ein Wort zu meinen Füßen: Beim vorangegangenen Aufstieg hatte ich mir in meinen Raichles an den Hacken ordentliche Blasen gelaufen, die mich dann eine weitere Woche nervten. Ich hatte dies diesmal versucht, mit den guten Compeed-Pflaster zu verhindern und davor noch nicht so recht an ihre Wirkung geglaubt: Und ich muss sagen: Geile Schei*e! Ich hatte nicht den Ansatz einer Blase an meinen Füßen und fühlte mich schon am Dienstag wieder bereit, in meine Wanderschuhe zu steigen. Eine geniale Erfindung, diese Compeed-Pflaster! Das musste noch gesagt werden, eben weil es gut ist. Ich habe diese Pflaster ja zuvor in unserem Trekkingladen in Bonn verkauft, und immer gesagt, dass sie genial sind, weil es die Kollegen behaupteten. Jetzt weiß ich: Sie hatten recht und ich habe beim Verkauf nie gelogen 🙂 !

PS: Dieser Artikel wurde (leider) nicht von Compeed finanziert. 😦

La Malinche – auf 4.461m in 3 Stunden

Posted in Gipfelsturm, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 26. Oktober 2008 by Jakob

Zwei kleine Hinweise zum Artikel: Eine Kurzinfo zur Malinche-Besteigung am Schluss des Artikels. Den zusätzlichen Podcast vom Aufstieg gibt es nicht mehr, da der mp3-Anbieter von der von Bord gegangen ist. Sorry (05.11.2013).

Es war an der Zeit. Rundherum um Puebla Vulkane, Berge, Felsen. Ausreichend Terrain mit Austob-Potential für mich. Eigentlich. Doch das war bislang nicht möglich, denn das Wetter hat mich mit seiner verlängerten Regenzeit an Gipfelstürmen in Mexiko gehindert. Aber nachdem bereits die vergangene Woche mehr Sonne als Regen zu bieten hatte, hatte ich mir vorgenommen, eines der ersten Sonnenwochenenden für meine erste kleine Gipfelbesteigung zu nutzen. Also hatte ich meine Wanderschuh, die nach Siebengebirge, Ahrtal und Steinerberg bislang eher wenig Alpines unter die Sohlen bekommen hatten, am Freitag aus meiner Tasche gezogen und meine Sachen für den Samstag zurechtgelegt. Außerdem hatte ich mich in der Touristinfo erkundigt, wie man wohl am Besten von Puebla aus an La Malinche, den fünfthöchsten Berg Mexikos, herankommt. Und so schien meinem Bergmarsch für Samstag nichts mehr im Wege zu stehen.

Am Samstag Morgen klingelte dann bei mir um halb 7 der Wecker. Ab unter die Dusche, Brötchen geschmiert und Proviant verstaut und ich machte mich auf den Weg zum zentralen Busterminal in Puebla, dem CAPU. Dort wollte mich der nächste Bus erst um 9 Uhr nach Apizaco bringen, was ärgerlich war, weil es mich unnötig Zeit kostete, am CAPU zu warten. Apizaco liegt im Norden Pueblas im Bundesstaat Tlaxcala (Karte) und an der Nordwestflanke von La Malinche. Von dort aus schnappte ich mir dann einen Colectivo, der mich, nachdem er seine Endstelle in Teacalco erreicht hatte, für 80 Peso mit einer Extra-Tour an den Eingang des Parque Nacional La Malintzi brachte. Der ganze Transfer zum Parkeingang hätte auch für 15 Peso drin sein können, allerdings hatte ich den regulären Colectivo knapp verpasst und wäre sonst erst um 12 oder gar halb 1 in Apizaco weggekommen. Und da ich nicht wusste, wie viel Zeit mich der Aufstieg kosten würde, entschied ich mich für den Deal mit dem Colectivo-Fahrer für 80 Peso.

Um 11:30 Uhr stand ich dann schließlich am Eingang Centro Vacacional La Malintzi auf 3.000 Metern (andere Quellen sprechen von 3.300m), von wo aus der Aufstieg beginnt. Karte oder Ähnliches hatte ich nicht im Gepäck – gibt es auch gar nicht. Zumindest nicht, daß ich wüsste, denn ich hatte bereits seit Wochen in Puebla danach gesucht, mich in Trekkingläden (ohh Mann, ob man die wirklich so nennen darf – Ausrüstung und Tips lieber von zu Hause mitbringen) durchgefragt, Kartenshops (so überhaupt vorhanden) durchwühlt und die Touristinfo (Die beim Thema Wandern eher verwundert schaute, als Informationen zu haben) auf den Kopf gestellt.

Ich fragte also kurz am Nationalparkeingang, wo es denn zur Spitze ginge, geradeaus wurde mir gehießen, und ich setzte mich in Marsch. Kein Mensch war weit und breit zu sehen, lediglich ein bißchen Vogelgezwitscher und angenehm beruhigende Waldgeräusche. Ah ja: Und mein Atem. Ich merkte doch, dass ich schon über 3.000 Metern war. Im Schatten verfolgte ich den langsam ansteigenden Waldweg, der noch zu Anfang immer wieder eine (offenbar) Versorgungsstrasse (Wofür eigentlich – es gibt hinter dem Centro Vacacional meines Wissens nichts mehr) kreuzte, bis er sie verließ. An dieser Stelle wies ein Schild darauf hin, daß man ab hier den Aufstieg nach 14 Uhr nicht mehr wagen sollte – ich passierte das Schild kurz nach 12 – musste mir also keine Sorgen machen.

 

Das kommende Stück wurde dann doch ein wenig steiler. Noch immer im Schatten der Nadelbäume ging der Weg zumeist geradewegs bergauf und das kostete dann doch ganz schön viel Puste, so daß ich Viertel vor Eins die erste kleine Pause einlegte. Ich hatte inzwischen zwei kleine Wandergruppen passiert – war also doch nicht ganz allein unterwegs.

Mit Brötchen, Würstchen, Ei, Apfel und Banane, Kinderschokolade und Schokoriegel im Magen setzte ich bald meinen Weg fort und erreichte kurz nach Ein Uhr die Baumgrenze und konnte so erstmalig auf meinem Weg nach oben die Malinche erblicken. Die letzten paar hundrt Höhenmeter präsentierten sich grau-grün, karg und staubig und auf den letzten Metern felsig.

 

Der Weg, der auch hier leider nicht, wie in den Alpen gewohnt, serpentinenartig sondern geradlinig nach oben führte, setzte sich schon unangenehm steil fort. Allerdings war die Neigung nicht das Einzige herausfordernde, sondern vielmehr der weiche, sandig-schottrige Untergrund, der jeden Schritt erschwerte, weil ich immer wieder einen Schritt nach vorn oder oben machte, um dann wieder einen halben zurückzurutschen. Eine Stunde brachte ich auf diesem Abschnitt zu, und hier kamen mir bereits die ersten Gipfelstürmer entgegen, die bereits im Abstieg waren. Um kurz vor zwei erreichte ich den Sattel, der La Malinche mit einer tiefer gelegenen Spitze, dem Píco de Aguila, verbindet.

 

Ich weiß leider nicht, auf welcher Höhe ich mich zu diesem Zeitpunkt befand, aber es müssten um die 4.200 Meter gewesen sein. So langsam wurde es auch frisch und auf der Südseite hatten sich dicke Wolken an die Hänge von La Malinche gelegt. So blieb mir eine Aussicht auf meine Interims-Heimatstadt Puebla und die beiden beeindruckenden Vulkane Popocatepetl (5.462m) und Ixtaccíhuatl (5.286m) leider verwehrt. Im Nordosten allerdings ragte der Citlaltépetl oder einfacher für europäische Zungen: Píco de Orizaba aus den Wolken und zeigte seine schneebedeckte Spitze. Der Citlaltépetl ist der höchste Vulkan und Berg Méxicos mit 5.700m und in seine Richtung war die Sicht ausgezeichnet.

Vom Sattel aus wurde der Weg zur Spitze vor allem steinig, aber dafür nicht mehr ganz so steil. Über ein wenig Geröll und vor allem recht viele Felsen und ein paar letzten Metern leichter Kletterei hatte ich schließlich die Spitze auf 4.461 Metern erreicht.

 

Gipfelkreuz? Schien es mal gegeben zu haben, ein paar Metallinstallationen am Boden wiesen darauf hin, aber inzwischen wohl nicht mehr. Ein Gipfelbuch? Ebenso Fehlanzeige. Auf den letzten steinigen Metern waren mir ein paar Absteiger entgegengekommen (zum Großteil „Grüß Gott“-Deutsche) und sie schienen dei letzten auf dem Gipfel gewesen zu sein, und so konnte ich ganz allein die Spitze und die Aussicht rundherum genießen.

Video: Gipfelpanorama von La Malinche aus gefilmt

Allerdings war es inzwischen frisch geworden und Fleecejacke und Gorejacke waren dann doch nicht umsonst in die Höhe geschleppt worden. Ein paar Handschuhe wären auch ein ratsames Utensil gewesen – aber mit solcher Frische hatte ich nicht gerechnet. Und naja, fürs nächste Mal weiß ich Bescheid. Nach einer knappen halben Stunde, die Wolken waren bereits auf der Südseite bis an die Spitze geklettert und vereinzelt hatte es Schneeflocken gegeben, erstürmten noch drei Mexikaner mittleren Alters den Gipfel und ich entschied mich zum Abstieg.

 

Wie immer stimmte mal wieder die Weisheit meines Vaters (Bergab gehts schneller als zu Fuß!) und so machte ich den Weg bis zum Verlassen des Malinche-Rückens in weniger als 20 Minuten. Von dort aus ging es auf dem weich-schottrig-staubigen-steilen Weg zur Baumgrenze weiter und der Untergrund unterstützte den Abstieg und durch kontrolliertes Rutsch-Laufen kam ich auch hier schneller voran, als ich dachte.

 

Allerdings forderte dieser Turboabstieg heute ein wenig sein Tribut, und ich kann ihn in meinen Oberschenkeln und vor allem in meinen Knien spüren.

 

Unterwegs blieb ich immer wieder kurz stehen, machte Fotos, genoß die Aussicht ein letztes Mal, bevor sich der Weg wieder in den Nadelbäumen nach unten fortsetzte und erreichte auch bald die ersten Absteiger wieder, die mir noch während meines Aufstiegs begegnet waren. Und weil es eben bergab und allein immer schneller geht, hatte ich bis zum Nationalparkeingang schließlich alle wieder eingeholt und überholt, die ich am Berg gesehen hatte und nach gut 5 Stunden hatte ich den Malinche rauf-und-runter bezwungen. Glücklich und zufrieden gönnte ich mir ein kleines Cerveza Indio und schnappte mir den letzten Colectivo um 17 Uhr zurück nach Apizaco. Dort setzte ich mich dann in den nächsten Bus zurück nach Puebla und am Abend kehrte ich schließlich nach insgesamt 11einhalb Stunden Ausflug wieder in die Quince zurück.

 

Meine Füße dankten es mir, als ich sie endlich von den Raichles befreite und ich muss nach ihrem ersten wirklich zählenden Einsatz eine gemischte Bilanz meiner Wanderschuhe ziehen. Bergauf hatte ich mir an beiden Fersen Druckstellen gelaufen (und hatte doch die Blasenpflaster nicht zum Einsatz kommen lassen), die an besonders steilen Stellen besonders auf sich aufmerksam machten. Im Abstieg allerdings war ich vollends zufrieden. Der fester Sitz um die Knöchel und auch die tolle Trittsicherheit durch das knackige Profil der Sohlen, vor allem auf dem steilen weich-schottrigen Abschnitt, ermöglichten mir, den Berg schon fast herunterzurennen.

Alles in allem war ich am Ende sehr zufrieden, muss nur dauerhaft das Fersendruckstellen-Problem irgendwie in den Griff bekommen (vielleicht müssen sich auch nur meine Füße an die Schuh noch richtig gewöhnen) und fiel recht geschafft ins Bett.

Für alle, die Infos zur Malinche-Besteigung suchen und im Internet bislang mit den Infos nicht glücklich geworden sind:

Kurz-Info La Malinche-Besteigung von Puebla aus:

  • Bus: Direktbus vom CAPU aus nach Apizaco, 1h (Verdes – Tickte: 28 PES)
  • Colectivo: Ca. 5 Blocks weiter in Richtung Zentrum auf der selben Strasse, auf der sich auch das Verdes-Terminal befindet, fahren alle Colectivos in die Region ab, auch die zu La Malinche Nationalpark, ca. 20 Min (15 PES) – Achtung: Die Colectivos fahren nur alle 1 bis 1,5h – notfalls ein Taxi nehmen (ca. 120 PES), oder den Colectivo-Deal machen, den ich gemacht hatte (siehe Artikel)
  • Wanderweg: (Aufstieg offiziell: 4,5 h, Abstieg ofiziell: 2,5 h) Das Centro Vacacional rechts liegen lassen und am Nationalparkeingang einfach weiter geradeaus zwischen zwei Läden („Restaurant“-Hütten) hindurch den Waldweg nehmen. Dann immer dem breiten, erdigen Wanderweg folgen. Ein paar wenige Nationalparkschilder (3 oder so) säumen den Weg, ansonsten gibt es keine Markierung. Der Weg zur Spitze ist aber denoch nicht zu verfehlen.
  • Proviant: Genug zu Trinken (mindestens 3 Liter – meine waren auf der Spitze aufgebraucht, hatte aber noch weitere Getränke dabei) mitnehmen – Hütten oder Tiendas gibts auf dem Aufstiegspfad keine. Früchte, Schoki und anderes Essen sollte auch dabei sein.
  • Sonstige Ausrüstung: Warmer Pullover (Fleece), Regenjacke (gegen Wind und Nässe auf der Spitze) sollten dabei sein, Handschuh würd ich inzwischen ebenso für die Spitze und die ersten Meter des Abstiegs empfehlen, festes Schuhwerk – knöchelhohe Wanderschuhe sind dringend geraten, weil man auf dem steilen felsigen, sowie schottrigen Abstieg sich schnell verstauchen kann, Sonnencreme, Sonnenbrille und ya – ciao und auffi gehts! Suerte bei der Besteigung.
  • Weitere Besteigungs-Berichte auf Spanisch hier.
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