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Von D.F. nach Baja California – der naechste Road-Trip

Posted in Adios México, baja california, mexico city, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 16. Juni 2009 by Jakob

Vater war puenktlich gelandet und hatte als erster meiner Besucher das Pech, beim Zoll sich durch die Sachen wuehlen zu lassen. Das bedeutete das Aus fuer meine heiss-ersehnte Salami aus Deutschland, weil die Mexikaner solcherlei Delikatessen direkt am Flughafen in den Muell befoerdern. Schade.

Father and son - auf dem Weg nach Baja California

Mit dem Taxi ging es zu Bernhard in die Wohnung und die kommenden Tage gab ich meinem Vater eine Tour durch D.F. von der gruensten Seite. Am Donnerstag ging es durch Coyoacán und San Angel und wir schauten in die Wohnhaeuser von Frida Kahlo, Diego Rivera und Leon Trotzky. Schon fast Standard-Programm. Am Freitag lernten wir im Castillo Chapultepec ein wenig ueber mexikanische Geschichte und genossen den schattigen Park rundherum. Am Abend assen wir leckerst beim Argentinier Bife de Chorizo zu mundendem Malbec und am Samstag hoben wir mal wieder ab.

Unser Jet auf dem Flughafen von San José del Cabo

Um kurz nach 3 stieg unsere Embraer 145, eine kleine Maschine der AeroMexico Connect, in die Luefte und brachte uns einige hundert Kilometer weiter Nordwestlich auf Baja California wieder sicher auf den kargen Wuesten-Boden. Mangels Touristen war ein Leihwagen zu einem unanstaendig guenstigem Preis schnell verhandelt und wir konnten uns bereits vom Flughafen mit einem „eigenen“ Auto wegbewegen. In den kuenstlichen Touristenhochburgen von den Los Cabos wollten wir uns nicht lang aufhalten und nahmen bereits ueber die Westkante der Halbinsel in den Abend hinein Kurs auf La Paz. Ueber eine weite, gerade Strasse fuhren wir bis in die Dunkelheit hinein, umgeben von Duerre, karger Landschaft, hohen Bergen im Osten und Kakteen.

Die MEX 19 von Los Cabos nach La Paz

Bei Dunkelheit rollten wir in Todos Santos ein, wo wir momentan immernoch sind. Nach einigem Gesuche fanden wir ein Hotel, dass uns die Reisekasse nicht auf einem Schlag pluenderte und checkten ein. Tacos standen noch auf dem naechtlichen Speiseprogramm und dann begann schon die Nacht in BC.

Gottesdienst in Todos Santos - Verstaerker zu laut gedreht

Am Sonntag schauten wir nach dem Fruehstueck in einen Gottesdienst hier im Ort vorbei, eine sehr lebhafte Veranstaltung – viel und laut wurde gesungen und mitgeklatscht, den Pfarrer konnte man allerdings kaum verstehen, weil sich der Schall der viel zu laut gedrehten Lautsprecher doppelte. Am Nachmittag entschieden wir, das Hotel noch weitere zwei Tage zu halten und das Zimmer auf eine Nummer groesser zu wechseln und dann fuhren wir ein wenig die Strecke zurueck und suchten Zugang zum Pazifik.

Die Strasse, die zum Pazifik fuehrt.

Strand von Todos Santos - zu wild fuer die Pelikane

Der war bald gefunden und den Nachmittag verbrachten wir in der prasselenden Sonne am Strand. Eine kuehle Brise liess es frisch erscheinen und das Wasser war fuer mich, nach Zipolite-Warmwasser-Pazifik und Piswarmen Golf eindeutig  zu eisig, um laenger drin zu bleiben, als zum Befeuchten.

...und endlich - am wilden, rauhen Pazifik. Mal wieder.

Den Abend verbrachten wir Fisch-essend in einem kleinen Restaurant im Zentrum von Todos Santos und heute machten wir eine rund 120km lange Tour in den noerdlichen Kuestenbereich der Stadt.

Nicht gerade ein Jeep - aber er schlaegt sich nicht schlecht.

Asphaltierte Strassen sah unser Leihwagen kaum, dafuer unendlich viel Staub, Kakteen, Sand und vertrocknete Graeser – und einmal mussten wir ihn auf einer Staubpiste zu einem wirklich einsamenn, kilometerlangen Strand auch wieder freibuddeln, weil er sich im Sand eingegraben hatte.

Krebs - zum Sterben in die Sonne gelegt - kein schlechter Ort dafuer.

Am Strassenrand der MEX 19

Am Nachmittag schauten wir an der Lagune und am Strand von Todos Santos vorbei, wo man leider nicht schwimmen kann, weil die Wellen zu hoch, zu wild und zu heftig auf den Strand knallen.

Leben in der Wueste

Und weil mir hier gerade die Zeit im Internetcafé weglaeuft, mach ich es kurz – wir wollen gleich noch was zum Abend essen und morgen ziehen wir weiter noerdlich nach La Paz. So weit – aus der Wueste!

Dicho hecho! La Casa Colonial.

Posted in Bienvenidos!, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 25. Juli 2008 by Jakob

Nachdem ich am Dienstag in Puebla gelandet war, fing für mich zunächst das Organisieren meiner Anwesenheit an. Ich wollte am Mittwoch auf jeden Fall das Hotel Centro Historico verlassen, weil: Zu laut. Zu klein. Zu dunkel. Und obendrein: Zu teuer. Okay, zentral, aber das war auch das Einzige. Ahja, und der WLAN-Zugang. 🙂 Bin also Mitwoch morgens fix in ein Café am Zócalo gestolpert und habe ein mexikanisches Frühstück zu mir genommen. Dazu eine Sol de Puebla (Örtliche Zeitung) und einen starken Kaffee. Danach wechselte ich sofort das Hotel. Ich zog in das Victoria. Klingt grandios – war aber alles andere als das. Klein, dunkel, schimmlig – wäre die kurze Beschreibung meines Zimmers. Dafür 100 Peso weniger als im Centro Historico. Aber noch zentraler. Haha. Und ruhiger. Also Schimmel hin oder her – um’s Kopfkissen meine Handtücher gewickelt und mir gesagt: „Bist halt in Lateinamerika. Also beschwer Dich nicht. Und Geld sparen willste auch noch. Na also!“

Zunächst schaute ich bei der BUAP rein und meldete mich „diciendo hola“ bei der Oficina für Internationale Beziehungen. Mit einem Mitarbeiter der Oficina ging ich dann zu den Uni-eigenen Anwälten, die mich irgendwann ins Ausländerregister von Mexiko eintragen sollen. Wenn ich alle geforderten Unterlagen beisammen hab. Bis zum 11. August bleibt mir dafür Zeit. Aber seit heute hab ich auch alles beisammen. Alvaro zeigte mir dann noch meine Fakultät – mitten im Centro Historico. Kolonialer Bau, groß, mit mehreren Patios – beeindruckend. DAS ist Uni, das ist Alma Mater, das hat Würde, ja!

Meine Suche nach Zimmern in Puebla gestaltete sich nicht sonderlich einfach. Sämtliche Nummern, die ich wählte (achso, mein Handy funzt inzwischen, musste es umständlich bei einer Hotline registrieren und bin total stolz auf mich, dass ich das ohne die Hilfe eines Mexikaners gestanden habe), nahmen nicht ab. Ich habe von der BUAP eine Liste mit Unterkünften für Studenten bekommen – zum Großteil nutzlos. Eine Dame aber nahm ab. Senora Sonia. Die Dame wollte mich am Nachmittag in der Innenstadt mit dem Auto aufsammeln und dann mit mir zur Angebotenen Wohnung fahren. Ausgemacht war 17:30 Uhr. Gegen fünf bekam ich eine SMS, dass sie sich wegen Regen (Aguacero – jeden Tag! Woher das Wasser nur kommt?) verspätet. Ich sollte doch bitte bis 6 auf sie warten. Naja, ich stand dann an der ausgemachten Strasse um 6, als der große abendliche Aguacero über der Innenstadt hereinbrach, flüchtete mich unter das Vordach einer Kirche (davon gibt es tausende in Puebla – Kirchen, Kirchen, Kirchen) und wartete dort weiter auf Senora Sonia. Viertel vor sieben fuhr ihr kleiner Chevy Corsa in rot vor. Wir fuhren 5 Minuten der Strasse folgend aus dem direkten Zentrum heraus und standen vor einem ziemlich häßlichen, blauen Gebäude. Drinnen sah’s dann ganz nett aus. Ein Zimmer in einer WG hatte sie mir angeboten – 3 Zimmer, derzeit ist nur eines belegt, Alexis aus Puerto Rico, Stundent an der BUAP. Eine Stunde palaverten wir über Möglichkeiten, Umgänglichkeiten, Respekt, Besuch, Lautstärke (als hätte ich noch nie in einer WG gewohnt – aber bitte, so wurde es wenigstens gesagt), Sauberkeit, Internet und und und… Alexis schien mir sehr sympathisch, die Wohnung sehr nah am Zentrum, aber es war die erste, die ich mir anschaute. Wir verblieben so, dass ich mich bis Ende der Woche entscheide.

Später sprang ich wieder in ein Internet-Café. Ich konnte nicht glauben, dass es keine sinnvolle Internetseite geben sollte, in der man ZImmer oder WGs in Puebla finden sollte. Und bitte, ein bißchen Google, ein bißchen Altavista und ya: CompartoDepa.com.mx! Das war genau die Seite, die ich gesucht hatte. Eine Art WG-Gesucht oder StudentenWG auf mexikanisch. Hier fand ich dann eine Menge Angebote und druckte kräftig aus.

Heute morgen wollte ich dann weitere Termine ausmachen. Gerardo hatte im Internet gleich mehrere Zimmer angeboten und wir vereinbarten einen Termin für halb 12. Ich fuhr mit einem Taxi zum Treffpunkt, blätterte 50 Peso hin und klingelte in der 16 de septiembre an einem weißen Garagentor. Davor eine laute Strasse – viel Verkehr, Busse, Camiones – kaum zu überqueren. Gerardo öffnete mir und zeigte mir das erste Zimmer. Eher ein (drücken wir es mal nett aus) Löchlein. Klein, noch nicht fertig, mit einem noch kleineren Bad, in dem man sich kaum unter der Dusche drehen könnte und einem 1m² großen irgendwas. Mit oben offen, wo man wohl rauchen könnte. Links und rechts, vorn und hinten Wände in voller Höhe. Eher nix. Dann stiegen wir in den zweiten Stock und hier zeigte sich eine freundliche, große Wohnung, mit großer Küche, viel Licht, einem modernen Bad und vier Zimmern. Dazu ein kleiner Balkon direkt am Wohnzimmer, und auf dem Dach eine Terasse mit Asador (Grill), Pflanzen, Stühlen und Tischen, und einem ziemlich beeindruckenden Blick auf den Vulkan La Malinche, der für die Dauer eines Augenblickes einen Blick auf sein schneebedecktes Dach gewährte. DAS sah mir schon eher nach was aus. Als ich so mit Gerardo plauderte, sagte er mir, dass das Zimmer in dieser Wohnung ab 1. August frei sei. So lang hatte ich nicht vor, im schäbigen, aber irgendwie netten Victoria zu verbringen. (Hab das Hotel irgendwie doch gemocht, ist mir heut so beim Durch-die-Stadt-Laufen eingefallen. Keine Ahnung warum?!) Er erzählte mir von anderen Zimmern, die er direkt im Centro Historico vermieten würde. Una Casa colonial, grande. Si le gusta a la gente extranjera…. Jaja, Koloniale Gebäude – das gefällt den meisten Ausländern. Also sprangen wir in seinen gelben Crossfox und düsten ins Zentrum.

Gerardo hatte nicht zuviel versprochen. Keine 7 Minuten Fußweg vom Zocalo entfernt, parkten wir den Wagen vor einem roten kolonialen Haus. Von außen noch nichts besonderes – also hier. Als Gerardo die Tür öffnete, offenbarte sich ein kleiner, schmaler und lang gezogener, bunt bemalter Patio, von dem links und rechts Zimmer abgingen. Pflanzen und Blumen säumten den Weg nach hinten und Gerardo zeigte mir das ein oder andere Zimmer mit meterhohen Decken. Dazu die beeindruckend großzügige Küche am Ende des Patios und zu guter Letzt: La Terraza! Auf dem Dach befindet sich ein toller Platz, teils bedeckt mit einem Sonnendach und mit Couches ausgestattet, Pflanzen an den Rändern – eine herrliche und großzügige Dachterasse. Wunderbar. Wir plauderten und plauderten und irgendwann hatte Gerardo wohl begriffen, dass ich aus meinen Hotel rauswollte. Aber auch hier sollte das Zimmer erst ab dem 1. August frei werden.

Aber Gerardo machte mir ein Angebot. Du ziehst bis dahin zu mir und meiner Mutter. Ja und hier sitz ich jetzt, in einem großzügigen, mexikanischen Haus, mit einem tollen Garten, einem riesigen Wohnzimmer und bewohne Gerardos Zimmer.

Wir fuhren direkt von der kolonialen Residenz zu ihm nach Hause, damit er das kurz mit seiner Mutter klären konnte. Kein Problem, sagte Mama, der auch die ganzen Zimmer in der Stadt gehören. Gerardo macht nur die Fitzelarbeit, zeigen, verhandeln, bewerben und und und… Direkt danach sprangen wir wieder in seinen gelben Crossfox, steuerten das Victoria an und ich sammelte die Sachen in meinem Zimmer zusammen. Danach hatte Gerardo noch dies und das zu tun, wobei ich ihn begleitete. Später kauften wir an einer Cocina economica fertiges Essen zum Mittag. Zusammen mit Mama verspeissten wir die mitgebrachten Sachen und setzten uns danach an den Vertrag. Natürlich ging ihm beim Ausdrucken die Tinte aus. Also setzten wir uns wieder in den Kampffox und düsten zu einem Auffüllshop. Keine 300 Meter entfernt – aber 8 Peso der Liter Sprit – wer Auto hat, der fährt. Bei dieser Gelegenheit shoppte ich gleich noch beim Walmart Lebensmittel für die kommenden Tage. Es ist nicht unnormal, dass Gerardo und seine Mama Leute im Haus haben. Ein Franzose lebt wohl auch zur Zeit hier – hab ihn aber noch nicht gesehen. Naja, später fuhren wir wieder zurück und machten den Rest des Vertrages fertig. Und jetzt sitz ich hier, tipp die Eindrücke ganz schnell in mein Notebook, dass auch ja nichts verloren geht, und gleich werden wir noch mal zur Casa Colonial aufbrechen.

Zwei Zimmer, die mir noch zur Option stehen, habe ich noch nicht gesehen –  und die wollen wir uns anschauen. All das erscheint mir erstmal sehr vernünftig und ich freue mich schon, auf meinen endgültigen Einzug in die Casa Colonial. Die Terasse – ein Traaaauuuuum! Ja, aber vorerst genieße ich den großzügigen Lebensstil der gehobenen (Mittel-?)Klasse Mexikos – so groß, wie das Anwesen hier ist, kann das gar nicht normal sein. Bueno, ich bin froh, dass ich mein Ziel erreicht habe, bis zum Ende der Woche eine dauerhafte Bleibe in Puebla zu finden. In diesem Sinne – todo bien!

Un‘ nu‘: Danke fürs Lesen und: Dranbleiben!

Coyoacán, Frida Kahlo y la noche de D.F.

Posted in Bienvenidos!, mexico city with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 20. Juli 2008 by Jakob

Die Strassen sind gepflastert, große Pflastersteine, immer wieder fehlt der ein oder andere. Auf dem Fußweg sieht es nicht anders aus. Nur dass hier das Pflaster, dass sich mit Steinplatten abwechselt, immer wieder auftürmt, Wellen bildet und alles andere noch als Plan liegt. Die Wurzeln der alten Bäume arbeiten unter den Steinen, heben sie an, heben sie aus. Auch die Strasse bleibt nicht verschont. Den Autos macht das nichts aus, sie rumpeln trotzdem in hohem Tempo über die Francisco Sosa, die zwischen flachen kolonialen Wohnhäusern hindurch führt.

Die breiten Kronen der großen Bäume sorgen für angenehmen Schatten, ein Viertel wie in einem Film. Das ist Coyoacán. Früher eine eigene Stadt gewesen, doch irgendwann wurde auch dieses koloniale Städtchen von der Krake D.F. geschluckt. Die Stadt frisst früher oder später jede umliegende Ortschaft – wo sollen auch 22 Millionen Menschen hin?!

Die Francisco Sosa ist wohl DIE älteste urbane Strasse in Spanisch-Amerika. Alte Häuser, bunt bemalt, teilweise aus dem 16. Jahrhundert stehen links und rechts. Es wirkt absolut entspannt. Eigentlich möchte ich jedes einzelne Haus fotografieren, so schön sind sie, so urig, so beeindruckend. Aber natürlich kann ich dass nicht. Also laufe ich einfach die Strasse hinunter zum Hidalgo (Hauptplatz), genieße den Schatten, die Ruhe (die immer dann einsetzt, wenn irgendwo am Anfang der Francisco Sosa eine Ampel auf Rot gesprungen ist), die nicht lange währt und staune.

Am Hidalgo angekommen, muss ich leider feststellen, daß die Plaza momentan unter Rekonstruktion steht. Der Park ist geschlossen, die Wege aufgerissen und man muss sich an Bauzäunen vorbei rund um den Platz schieben. Ich entscheide mich, zunächst ein Baguette zu essen und dann meinen Streifzug durch Coyoacán fortzusetzen. Mein Weg führt mich danach in die Calle Allende. Vorbei an Ständen, die jede Menge Ramsch anbieten, bin ich auf der Suche, nach dem Haus der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Der Casa Azul.

Es ist nicht schwer zu finden. Und ich entscheide mich für meinen ersten Museumsbesuch in Mexiko.Bislang hatte ich davon Abstand gehalten, weil ich mir Museen auch später noch anschauen kann, oder wenn es regnet. Aber da ich nun schon einmal vor der Casa Azul stand…. Das Haus ist beeindruckend. Groß. Lichtdurchflutet. Alt. Stellenweise Rustikal. Freundlich. Und ein entspannter Garten, besser Park, gehört zu dem Anwesen, in dem die beiden Maler Frida Kahlo und Diego Rivera einst lebten. Heute beherbergt das Haus viele Werke der Beiden, Fotografien, Briefe und andere Dokumente die aus ihrem Leben erzählen. Ich habe meinen kleinen Rundgang durch das Anwesen in Bewegtbildern festgehalten. Man muss dem heutigen Blog-Leser ja einiges bieten. Und als Medienwissenschaftler weiß ich – Multimedia es lo que cuenta!

Nach diesem Besuch wollte ich eigentlich das Haus aufsuchen, in dem Leo Trotzky ermordet wurde. Mit einem Eispickel. Wohl eher kein schöner Tod. Aber irgendwie war ich zwar in der richtigen Strassen unterwegs, fand das Haus aber nicht. Wahrscheinlich stand ich irgendwo direkt davor – aber konnte es nicht erkennen.

Nach meinen Ausflug nach Coyoacán fuhr ich wieder mit der Metro zurück in Bernhards Wohnung. Paola war schon von der Arbeit zurück und später traf auch Bernhard ein. Und was sollten wir anderes tun, als den Abend zu planen. Schließlich war Freitag.

Una noche en D.F.

Mit dem Auto starteten wir gegen Acht zu Freunden. Paola manövrierte den Honda galant durch den dicken Verkehr, nebenbei plaudernd und immer wieder kurz mit der Faust auf die Hupe, falls sich ein anderer Wagen gefährlich näherte. Und das kommt bei diesem Verkerh häufig vor.

In La Condesa parkten wir den Wagen, liefen an einer Tiendita vorbei und kauften zwei Sixpacks Indio. Mit unseren Mitbringseln unter dem Arm kamen wir in eine ziemlich große Wohnung. Xavier und Freunde warteten dort bereits auf uns. Die Wohnung gehört eigentlich Freunden von Xavier – er passt aktuell auf sie auf und macht eigentlich nieeee Party da. Claaro que si. Wir tranken ein paar Indios, plapperten über kuriose Sachen und rauchten Zigaretten. Ein Tütchen machte die Runde. Schon als wir reinkamen unterhielt sich Jungs und Mädels über absurde Themen. „Ya tuviste sexo con animales..?“ Muhahahahaahaaaa! Immer wieder seltsame Themen, Gelächter und Stories. Wir wollte weiterziehen. Es stand noch Kultur auf dem Plan.

In La Roma gibt es derzeit eine Videoinstallation in einem Café. Wir packten allesamt in inzwischen zwei Autos und starteten wieder über die nächtlichen Strassen durch die Metropole. Die Fenster nach unten, die Türen verriegelt. So macht man das hier, und das wohl irgendwann automatisch. Keiner fährt hier Auto, ohne, dass die Türen verschlossen sind. Zu groß ist die Gefahr, an einer roten Ampel ungebetenen Besuch im Auto zu bekommen und gezwungen zu werden, irgendwo hinzufahren, wohin man nicht will. Erst vor zwei Wochen hatten Bernhard und Paola eine Taxientführung über sich ergehen lassen müssen. Sie sind seitdem vorsichtiger geworden.

In La Roma angekommen dröhnte schon laut elektronische Musik aus einem Patio. Schnelle Bilder wechselten sich mit bunten Farben an einer Wand ab. Dazu gab es Mezcal und weitere Cervezitas. Gegen Mitternacht schloss die Bar und wir starteten wieder in die Nacht.

Nächstes Ziel: Die Wohnung von Umberto. Ein Arzt, der sich eine bescheidene kleine (räusper…. das war wohl das falsche Wort) gegönnt hat. Er hatte bereits Freunde zu Besuch, als wir mit Oxana, Omega, Carlos und Jorge bei ihm klingelten. Mit dem Fahrstuhl ging es in seine Wohnung. Mehr ein Loft. Riesen Wohnzimmer, wenig darin, zwei dicke Couches. Dazu eine große Küche mit einem noch größerem Kühlschrank, den wir mit mitgebrachten Indios füllten. Es wurde gequatscht, erzählt, die Wohnung bewundert und der kleine Perrito von Umberto vorgestellt. Ein kleiner Kampfhund, der momentan beim Laufen noch mehr das Umfallen verhindert. So jung ist er. Er wohnt momentan in Umbertos Kraftraum. Um 2 Uhr packten wir es auch bei Umberto. Umberto versuchte mich noch zu überreden, ich solle in D.F. studieren, weil hier viel mehr los sei. Und mi casa es tu casa und so weiter…

Auf dem Heimweg hielten wir noch kurz bei einer Taco-Bar. Fünf Blocks von unserer Wohnung entfernt. Drei Tacos del Pastor sollten den aufgekommenen Hunger bekämpfen und taten dies auch vorzüglich. Danach parkten wir den Wagen wieder im Parkhaus. Und aus. Einige Bier und der leckere Mezcal ließen uns schließlich friedlich und zufrieden schlafen.

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