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Cabeza y madre de las misiones…

Posted in Adios México, baja california, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 21. Juni 2009 by Jakob

Am Freitag morgen zogen wir schliesslich wieder aus unserem kleinem, einfachen Hotel in La Paz aus, packten unsere Rucksaecke wieder in den Kofferraum unseres kleinen Chevy Aveo und machten uns nach einem Fruehstueck am Malecon auf den Weg, Kurs Richtung Norden. 350 Kilometer weiter wollten wir am Abend in Loreto einlaufen, der aeltesten Misionsstadt und aeltesten Siedlungsstaette auf Baja California.

Raus aus La Paz - Kurs auf Loreto

Zunaechst gibg es heraus in karge, weite, kakteendurchsetzte Landschaft, einige hundert Kilometer fast nur gerade aus. Vor dem Verlassen La Paz‘ hatte ich leider davon abgesehen, den Tank wieder aufzufuellen und so kam die Nadel auf menschenleerer Strecke doch bedrohlich dem „Leer“ nahe, als endlich ein Restaurant-Stopp nahte, an dem wir nach Benzin fragten. Der Wirt hatte gluecklicherweise ein wenig Treibstoff da und fuellte uns zwei Kanister in unseren Tank. Wir waren vorerst gerettet und schworen, nicht wieder ungetankt loszufahren. Mein Fehler, Vater hatte vorher noch gemeint, wir sollten was in den Tank lassen und ich hatte es auf spaeter verschieben wollen.

Eine PEMEX-Tankstelle - aus vergangenen Zeiten

Aber dann kam eben doch fast 200 Kilometer keine Tankstelle mehr. An einer fuhren wir vorbei, sie hatte Jahre zuvor dicht gemacht. Eine andere befand sich in Bau – wohl schon seit zwei Jahren, wie uns der Benzin-Retter-Wirt erklaerte.

Mit frischem Benzin im Tank rollten wir weiter auf der Piste, die Landschaft lebensfeindlich karg, kein bisschen Wasser weit und breit in Sicht, an Schatten ebenso wenig zu denken. Kein Ort, um leeren Tankes zu verweilen.

Ciudad Constitución - die Hauptattraktion: Der Weg raus.

Wir durchkreuzten die staubige Piste von Ciudad Constitución und beschlossen, dem Waal-Beobachtungs-Mekka San Carlos am Pazifik einen Besuch abzustatten. Es war uns klar, dass keine Saison ist, aber wir wollten die Bucht dennoch sehen und wir wurden entsprechend bestrafft. Denn der Lonely Planet sagt: Ausserhalb der Waal-Saison gibt es in San Carlos nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Und dem war dann auch nichts hinzuzufuegen. Ein verschlafenes Nest, ueberall geschlossene Agenturen, die zur Saison Waal-Touren anbienten, Wind fegte ueber den leicht herunter gekommenen Hauptplatz und an einem Supermarkt wartete man vergeblich auf Kundschaft – aber man verkaufte uns wenigstens eine Cola.

Ein Waal-Skelett ist alles, was San Carlos derzeit zu bieten hat

Knapp 100 Kilometer durch die Kakteen-Wueste hatte uns diese Erfahrung gekostet – und danach wussten wir: Der Lonely hatte recht. Nicht einmal ein kleines Restaurant war in dem Nest auszumachen, drei vier Ruinen und abgewrackte Palapas-Bars deuteten auf bessere Zeiten hin und wir machten uns schleunigst auf den Rueckweg und auf unsere Zielstrecke in Richtung Loreto.

In Ciudad Insurgentes, ein ebenso staubiges Strassen-Kaff, bogen wir rechts der MEX 1 folgend in Richtung Golf ab und fuhren in die wohl bisher spektakulaerste Landschaft, die an unserem Auto vorbeiziehen durfte.

Wie im wilden Westen - die Berge am Golf, vor Loreto

Nach 40 Kilometern erreichten wir die felsigen Berge, die uns noch vom Golf trennten, und von nun an kamen wir nur noch schleppend voran. Nicht, weil es die Strassensituation nicht anders zugelassen haettes, denn vielmehr weil wir staendig neue, beeindruckende Blicke auf die schroffen Felsen geboten bekamen, die mal Canyon-artig, mal wir Tafelberge in der Landschaft standen, und wir die Kameras kaum mehr wegzustecken wagten.

Der Blick zurueck - Berge, Felsen, Berge...

Fotostopp hinter Fotostopp schlichen wir uns nun der Golfkueste und damit auch Loreto naeher und erreichten in der Daemmerung die aelteste Mision, Cabeza y Madre de las Misiones de las Californias, Loreto.

Loreto ist einer der aeltesten nachgewiesenen menschlichen Siedlungspunkte Californiens und seine Geschichte reicht ueber 12.000 Jahre zurueck. Aber auch in der Neuzeit spielte der Ort mit der ersten gegruendeten Jesuiten-Mision 1697 eine bedeutende Rolle in den Californias, weil von hier aus weitere Misionen aufgebaut wurden und sich die Jesuiten und spaeter die Dominikaner und Franziskaner dieses kargen Landstriches und der Eingeborenen bemaechtigten. Direkt gegenueber der Mision checkten wir in einem wunderbaren und fuer hiesige Preiskonditionen guenstiges Hotel ein und genossen die Sonne hinter den Bergen in der Ferne untergehen. Der Himmel faerbte sich ueber den Felsen goldgelb und ging in ein reines, klares blau nach oben hin ueber.

Die Mision von LoretoGestern dann stand wieder ein kleiner Off-Road-Tag fuer unseren kleinen Sportwagen an, und wir fuhren am Morgen in Richtung Mision San Francisco Javier – eine alte Mision die mitten in den Felsen und Bergen im Hinterland Loretos liegt. Die ersten 16 Kilometer bekamen wir noch Asphalt unter die Raeder, bevor uns der Weg weiter auf Schotter, Staub und Sand fuehrte.

Die Landschaft so beeindruckend wie am Vorabend, nur, dass wir nun mittendrin waren. Ausgetrocknete Flussbetten, abgemagerte Kuehe, die am Wegesgrand „grasten“ und immer wieder nur duerre Straeucher und Buesche ohne Blaetter, vor allem aber immer wieder die gerade in die Hoehe geschossenen Kakteen. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir eine kleine Oase am Ende der Schotterpiste. Die Strassen der kleinen Siedlung waren frisch gepflastert, es sah geleckt und sauber aus, wie in einem Kurort.

Kakteen am Wegesrand

Mangos, Mangos, Mangos

Hier waren wir angekommen, an der Mision San Francisco Javier. Am Ende der Hauptstrasse des Dorfes, die keine 200 Meter lang war, stand die alte, aus Naturstein gemauerte Misionskirche, vor einem felsigem Hintergrund, inmitten einer kleinen Oase an einem kleinen Baechlein, der sogar noch zu dieser Jahreszeit ein kleines Rinnsal aufwies.

Misión Francisco Javier

Rundherum standen Mangobaeume in voller Frucht und wir erkundeten in Ruhe die Mision und das wenige-Seelen-Dorf. Auch hier waren kaum Menschen unterwegs, vereinzelt zwei drei mexikanische Familien auf Samstags-Ausflug – sonst aber kein Mensch. Der Ort schien zu schlafen. Und man hatte den Eindruck, er wolle auch nie geweckt werden.

Rueckweg ueber die Staubpiste...

..und immernoch: beeindruckende Landschaft.

Auf dem Rueckweg machten wir die ueblichen Fotostopps und bauten so den Tripp von 70 Kilometern doch zu einer vollwertigen Tagestour aus.

Heute morgen verabschiedeten wir uns dann wieder von Loreto und steuerten weiter nach Norden. Die Kuestenstrasse bot abwechselnd immer wieder spektakulaere Berg- und Felspanoramen und dann wieder Blicke auf
das zarte Blau glitzerndem Wassers, dass auf weissem Korallensand in kleinen Buchten sanft hin und her wiegte. Diesem Anblick konnten auch wir nicht lang wiederstehen und machten eine laengere Badepause in einer der paradiesischen Buchten, bevor wir weiter durch Mulegé nach Santa Rosalía fuhren.

Baden in einer idyllischen, ruhigen Golfbucht - Erfrischung in 40 Grad Hitze

Kaum in der Stadt angekommen, war ich suchend auf dem Seitenstreifen langsam hergefahren, hatte neben einem Tope mich an einem Auto ein wenig vorbeigeschoben und schon schnappte die Polizeifalle zu.

Ein Pick-Up der uns entgegengekommen war, wendete unsanft hinter uns, machte das Horn an und folgte uns. Als er so nah war, dass ich sicher war, dass seine Aufregung uns galt, hielt ich an und wartete darauf, was man uns vorzuwerfen hatte. 80 Dollar war die liebliche Forderung der beiden Polizisten, die kaum aelter als ich waren, fuer angebliches Ueberholen auf dem Seitenstreifen. Vater wusste gar nicht so recht, was die Jungs wollten, aber mir war klar – hier kommen wir jetzt nur mit Schmieren raus. Ich bot 200 Peso ohne Quittung an, aber der Bad-Guy-Part der beiden Polizisten draengte nervoes zu mehr. Wir „einigten“ uns auf 300 Pesos ohne Quittung und waren die beiden wieder los. Willkommen in Santa Rosalía dachte ich mir, und: Willkommen in México – so laeuft das eben hier. Und ich kann nicht sagen, ich haette es nicht gewusst….

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