Archiv für bus fahren

Tranquil.

Posted in mexico city, Viajando! with tags , , , , , , , on 18. Februar 2010 by Jakob

Früh ins Bett und lange schlafen, so klingt nicht nur Urlaub, so schaut auch derzeit mein kleiner mexikanischer Alltag aus. Es ist wunderbar. Im Allgemeinen nutze ich die Zeit, ein wenig durch altbekannte Stadtviertel zu schlendern und immer wieder bemerken, dass sich nicht viel verändert hat während meiner Abwesenheit. Kleinigkiten, ja, aber im Großen und Ganzen fühl ich mich doch hier in DF ziemlich zu Hause. Auch wenn die Metro inzwischen unverschämte 3 Peso kostet (vorher 2, Kurs 1€:18PES).

Vergangenes Wochenende konnte ich dann Enora mal ein wenig aus ihrem Praktikum loseisen, in dem sie ziemlich viel zu tun hat und wir setzten uns in einen Primera Clase-Shuttle um in DF in Richtung Bundesstaat Guanajuato zu verlassen, Ziel: San Miguel de Allende. Mein Bruder lag mir seit anderthalb Jahren in den Ohren, dass ich diesen Fleck mexikanischer Erde unbedingt besuchen müsste, mein Vater wollte es ebenso, aber mit ihm schaffte ich es nur bis Guanajuato und diesmal: Fülle ich die Lücken, die ich noch habe.

Mitten in der Nacht kamen wir in dem kleinen verträumten und kolonialen Städtchen in den Hügeln an, liefen durch die dunklen Straßen auf der Suche nach einer Herberge und fanden sie am Ende auch glücklicherweise.

Am Samstag schlenderten wir dann den ganzen Tag durch die malerischen Sträßen und Gassen der Stadt, hinauf die Hügel, hinab die Hügel, immer wieder in wunderbare kleine Lädchen voller Handwerkskunst hineinschauend genossen wir den Tag. Die Ruhe. Die Abwesenheit von Verkehr  und Stress. Die Abwesenheit von Mexico Stadt. San Miguel de Allende genießt aber nicht nur den Ruf, ein koloniales, wunderschönes und entspanntes Städtchen in den Hügeln Guanajuatos zu sein, es wir auch zuweilen abwertend als die Gringo-Hochburg Mexicos bezeichnet. Viele Amerikaner haben sich seit den 70er Jahren hier niedergelassen, viele kauften sich die damals kurz vor dem Verfall stehenden kolonialen Häuser, Haciendas und städtische Gebäude und möbelten sie für vergleichsweise wenig Geld wieder auf, um hier ihren Lebensabend, oder ihre Künstlerlaufbahn zuverbringen. So hört man auf den Strassen auch viel Englisch, es sind wenige Backpacker unterwegs, der Tourismus ist gehobener und älter. Und den Preisen in den Lädchen ist anzumerken, dass die Zielgruppe ein volles Portemonaie hat.

Und was sicherlich den schlechten Ruf begünstigt, sind Läden, in denen man gar icht erst mit mexikanischer Währung zu tun haben möchte, sondern gleich darauf hinweist, dass alle Preise sich slebstverständlich in US$ verstünden. Auch für uns Grund genug gewesen, solche Läden gar nicht erst zu betreten. Aber lassen wir diese Randerscheinung, denn das Städtchen bleibt bei allem malerisch – und ohne das Geld seiner neuen Einwohner ginge es ihm andererseits sicherlich auch nicht so gut.

Nach einem leckeren Frühstück gaben wir der Entspannung den Rest und suchten die Thermalquellen, die unweit San Miguels in den Hügeln liegen, auf und genossen den halben Tag im warmen Wasser liegend.

Am frühen Abend kehrten wir zum Busbahnhof zurück und fuhren mit dem letzten Bus zurück in die Stadt der Hektik, der verstopften Strassen und der überfüllten Metros.

Seitdem geht Enora wieder ihrem Pratikum und ich meinen Erinnerungstouren nach, lese viel und warte jetzt darauf, dass die Sonne wieder rauskommt. Seit gestern regnet es hier und da macht es nicht wirklich Spaß, in Mexico spazieren zu gehen. Deshalb hatte ich mit Lula (argentinische Mitbewohnerin aus der famosen 15 in Puebla) unseren geplanten Spaziergang in Chapultepec kurzerhand in einen Museumbesuch umgewandelt. Das MUAC (Museo Universitario Arte Contemporáneo) stand auf dem Plan, ein erst kürzlich eröffnetes Museum auf dem Gelände der UNAM, dass allerdings vielleicht doch noch besser ein wenig mit der Eröffnung gewartet hätte – bislang stehen zwei Ausstellungsräume zur Verfügung, es wird noch gehämmert, geklopft und gemalert, während in den Räumlichkeiten eine etwas dürftige Videoinstallation zu sehen ist. Aber gut, wenn es einmal wirklich fertig ist, lohnt sich der Besuch bestimmt. Immerhin hatten sie bei unserem Besuch nur einen Bruchteil des Eintrittsgeldes genommen. Fair enough.

Morgen geht es mal wieder nach Puebla. Ein weiteres Revival unserer Wg steht ins Haus. Bei einer unserer ehemaligen Mitbewohnerinnen sind wir zur Parrillada eingeladen – Grillen, Feiern, Trinken – und dann zieh ich weiter ans Meer – an meinen lugar favorito!

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An’s Meer

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 11. März 2009 by Jakob

Wie ja schon im letzten Artikel ins kalte Deutschland angedroht, bin ich tatsächlich am Donnerstag in den Nachtbus gesprungen. Über eine elend lange Fahrt, auf der mir die brutal zufallende Busklotür auch noch den kleinen Finger einklemmte (Ihr wollt gar nicht an den Pazifik, ist alles nur Leiden, Schmerzen und Autsch!), kam ich endlich am Freitag gegen Mittag in Pochutla an, wo bereits meine zwei deutschen Reisenden, Norman und Sally, mit einem Schild in der Hand mit meinem Namen darauf auf mich warteten.

Sicht aufs Meer - von unserer Hütte ausWir sprangen geschwind auf den nächsten Pick Up und ließen uns durch die Mittagshitze die letzten 20 Kilometer hinunter nach Zipolite an den Pazifik bringen. Zielgerichtet, weil ja schon mal dagewesen, steuerte ich das Lo Cosmico an, ein malerisches Hostel mit kleinen Palmenhütten zu unvernünftig günstigen Preisen. Wir checkten ein, nahmen ein Hüttchen mit Meerblick und ca. 30 m bis zum Strand und wechselten sofort auf Kurz. Ich hatte nicht mit einer so langen Fahrt gerechnet und somit war ich obendrein hungrig. Wir einigten uns auf ein kurzen Sprung in den 26 Grad kühlen Pazifik, plantschten in den eher ungewöhnlich ruhigen Wellen und Sally bekam eine Antwort auf ihre Frage, die sie am Abend zuvor eher retorisch an Normi stellte: Kommt der Jagger nur jetzt für ein Badewochende an den Pazifik? Jepp – nur für ein Badewochenende – aber in paradiesischer Umgebung! Es war nun keine Frage mehr. Nachdem wir ausgiebig das Wasser getestet und festgestellt, dass es doch gar nicht so frisch war, suchten wir nach einem Restaurant, um den Hunger zu bekämpfen. Wir wurden nach einem „Stadtrundgang“ durch das Straßendorf (100m Länge) Zipolite recht schnell fündig und setzten uns in den Freisitz einer wirklich guten Pizzeria – der 7 de Diciembre. Hier verspeisten wir die leckersten Pizzen Mexicos, die obendrein auch noch von einem Mexikaner gebacken wurden und genossen den Abend. Die milde Luft. Und das Gefühl, keine Termine und nichts weiter zu tun zu haben. Mit ein paar (in meinen Augen zu wenigen) Mojitos verabschiedeten wir den Tag in einer Strandbar und schlichen uns in unsere Palmenhütte. Den Rückweg hatten wir über den Strand zurückgelegt.

Am Samstag klingelte kein Wecker, trotzdem blieben wir nicht ewig in den Federn. Gestärkt mit einem Frühstück gingen wir die paar Meter zum Strand und genossen das Plantschen in den Wellen.

Blick auf den paradiesischen Strand von MazunteSpaeter wollten wir herausfinden, wie es denn mit einer Waal- Beobachtungs-Tour ausschaut und machten uns auf den Weg in das uebernaechste Stranddoerfchen Mazunte. Dort hatte ich mit Enora im Dezember eine ziemlich gute Tour gebucht und auch eine Menge Wale, Delphine, Schildkroeten und Flugrochen gesehen.

Also steuerten wir den Strand in Mazunte an, sprangen ins Wasser, wieder raus und liefen in das RLa Ventanillaestaurant von Carmelo, bei dem ich das letzte Mal die Tour gebucht hatte. Er zeigte sich erfreut, dass ich mit neuen Leuten kam, wir machten die Tour fuer Sonntag Morgen um 8 Uhr klar und zogen an den naechsten Nachbarstrand, La Ventanilla. La Ventanilla, was nichts anderes heisst, als das Fensterchen, verdankt ihren Namen einer Felsformation, die auf der linken Seite des Strandes an den Felsen aus dem Wasser ragt, und einem Fensterchen aus Felsgestein dominiert wird.

Mangroven hinter dem Strand von La VentanillaUnser Ziel hier: Eine Bootstour durch die hinter dem Strand liegenden Mangroven-Suempfe. Wir fanden recht schnell jemanden, der uns eine solche Tour anbot, wir legten die Schwimmwesten an (die wohl mehr als Beissschutz vor den Krokodilen dienen, als uns beim Schwimmen unterstuetzen sollten) und stiegen in ein langes Boetchen. Mit uns an Bord war eine mexikanische Familie und die zwei Bootsjungs, die uns durch das Gebiet ruderten. Kaum hundert Meter unterwegs, entdeckten die beiden Chicos auch schon das erste Krokodil, dass seinen kaltbluetigen Koerper in der warmen Nachmittagssonne am Ufer an den Baeumen auf Temperaturen brachte. Nachdem es sich vom Schlagen eines Fliflops auf die Wasseroberflaeche voellig unbeeindruckt zeigte, zog einer der Jungs ein blutiges Stueck Fischfleisch durch das Wasser. Wir waren ungefaehr 10 Meter entfernt – und das wirkt. Das Krokodil liess sich ruhig rueckwaerts ins Wasser gleiten und steuerte auf unser Boot zu. „Keine Haende ins Wasser!“, lautete der Befehl unserer Jungen und das Kroko schwamm dicht an uns heran, stiess mit dem Kopf an unser Boot und beobachtete uns aus den Mr. Kroko zeigt Zähne - Photo: Norman DöhlertAugen, die neben einem wirklich furchteregenden Maul mit scharfen Zaehnen aus dem Wasser illerten. Die Laenge des gefraesigem Monstrums wurde uns eindrucksvoll klar, denn ungefaehr ein Meter hinter dem Kopf ragte ein zackiger Rückenkamm aus dem Wasser, der sich bis zum Schwanz ausdehnte. Rund 3 Meter war das Reptil lang – ein kleines Krokodil, stellte einer unserer (erfahrenen oder schlicht leichtsinnigen) Bootsjungen fest. Er warf nun dem Krokodil ein/zwei Fichfilets aufs Maul, und das Monster schnappt blitzschnell zu, gewährte uns einen kurzen Blick in seinen tiefen Rachen und auf die weiteren Messerscharfen Zähne und schlang die nicht wirklich kleinen Fischstücke herunter.

Ich hatte mich inzwischen von meinem Platz im Boot erhoben – die Bootswand trennte mich keinen halben Meter von diesem respekteinflößendem Tier und mit einem schnellen Schnapper hätte ich wahrscheinlich mindestens einen Arm weniger gehabt. Wenn es gut gekommen wäre. Ich stand also im Boot, und beobachtete die Fütterungszeremonie aus dem Stand. Weil mich das erste Schnappen nach dem Fisch doch ordentlich beeindruckt hatte, hatte ich ganz vergessen, auch auf den Auslöser der Kamera in meiner Hand zu drücken. Es lief mir anderes durch den Kopf.

Palmen und ein Vogel - in der Nähe von La VentanillaAls wolle er uns zeigen, wie ungefährlich diese wirklich niedlichen Tierchen seien, nahm der Jüngere der beiden Bootsjungen sein Ruder und drückte das Tier mit dem Ruder auf die Schnauze und eben jene samt Krokodilskopf unter Wasser. Ich bin mir sicher, dass das nur gut ging, weil Mr. Kroko einen verdammt guten Tag hatte. Ich an seiner Stelle hätte mir das Früchtchen von Bootsjungen geschnappt und ihm eine Lektion erteilt, dass er kuenftig den ordnungsgemäßen Abstand hält – sollte er nocheinmal dazu kommen, ein Ruder in den Arm zu nehmen.

Nachdem wir also unsere etwas zu nahe Krokodilbegegnung ohne Verluste hinter uns gebracht hatten, ruderten uns die zwei Jungs weiter in die Mangroven hinein. Mr. Kroko hatte inzwischen Gefallen an uns gefunden und schwamm unserem Boot seelenruhig hinterher – wahrscheinlich in der Hoffnung, dass noch jemand auf die Idee käme und sich im Wasser erfrischen wolle.

Wir nahmen einen Wasserweg, der durch die Mangroven immer enger Rote Mangroven - färben das Wasser schwarzwurde und sahen große, weiße Vögel an uns vorbeiziehen. Das Wasser war schwarz – gefärbt von den Wurzeln der roten Mangroven, die von den Ästen in das Wasser hängen und dort ihre Flüssigkeit an das Wasser abgeben. Wir machten hinter einem Termitennest halt und die Jungs meinten, wir könnten hier ein wenig auf den roten Mangroven herumklettern. Sally und ich ließen sich nicht lange bitten und zack waren wir raus aus dem Boot und standen auf den zerbrechlich wirkenden, aber ultraharten Wurzeln der Mangroven.

Später ließen wir uns weiter durch die Mangrovensümpfe rudern, sahen eine Süßwasserschildkröte, die sich den Panzer in der Sonne wärmte und zogen, mit Kroko im Schlepptau zurück zur Einstiegsstelle.

Mr. Kroko war ein wenig langsamer, als unsere Ruderjungs und so konnten wir uns sicher wieder an Land begeben. Wir schlenderten über den Strand Jakob, Sally und Normi auf Tour durch die Mangrovenschließlich wieder zurück und am Ausgang des Strandes hielt uns nocheinmal einer der Männer, die die Mangroventouren anbieten, an. Er hielt einen Magneten in der Hand und fragte uns, ob wir wüssten, warum der Strand hier so schwarz sei?! Wir verneinten und er ließ seinen Magneten in den Sand fallen. Blitzschnell sog der Magnet all die schwarzen Sandteilchen auf sich, sah nun aus, wie ein Stachelschwein und der Mann meinte: „Alles Metall.“ Fasziniert säuberten wir den Magneten und versuchten es selbst, und schau an – auch bei uns funktionierte es (Video guggen!). Wir zogen zurück nach Zipolite mit der Frage im Kopf: Warum machen die mit einem Mega-Magneten nicht einfach den Strand weiß?!

Punta Cometa - Am frühen Morgen vom Strand von Mazunte aus fotografiertAm Sonntag ging es früh raus. Wir steuerten zielstrebig unser Nachbardorf Mazunte an und begaben uns zum Treffpunkt mit Carmelo für die Waal-Tour. Die zwei weiteren Passagiere kamen nicht, also verscherbelte uns Carmelo an die Tour seiner Nachbarn und wir fuhren mit anderen Leuten aufs Meer. Zunächst ging es um Punta Cometa herum in Richtung Ventanilla und dort erblickten wir die ersten Schildkröten. Es waren bedeutend weniger, als bei meiner letzten Tour im Dezember. Danach steuerten wir das abgestürzte Flugzeugwrack am Strand von Ventanilla an, über das ich jetzt schon die dritte Story erfahren durfte (Einig sind sich alle, dass es 2005 Schildkröte im Pazifik vor La Escobillaabstürzte und wahrscheinlich zu Narcotrafikanten gehörte.). Danach begaben wir uns auf die Suche nach Walhaien, die sich ein wenig rar machten. Schließlich entdeckten wir zwei auf der gesamten Tour, sahen sie mehr aus der Ferne, und wenn mir mit tösendem Motoremlärm auf die Stellen zu fuhren, an denen sie gerade aufgetaucht waren, waren sie auch schon wieder weg. Ich hätte da als Waal auch kein Bock dauf!

Obligatorisch sprang noch einer unserer GuidesVogel entspannt auf dem Panzer einer Schildkröte ins Wasser, schnappte sich eine Schildkröte und ließ uns mit dem recht hilflosem Panzertier posieren. Ich sparte mir das Posieren, nutzte den Aufenthalt im Wasser, mich von der brennenden Hitze auf dem Boot zu erfrischen und mit einem Schnorchelögang in eher trüben Gewässern beendeten wir die Tour. Normi und Sally hatte es trotzdem gefallen und ich war froh, dass das so war.

Am Nachmittag liehen wir uns noch in San Augustinillo ein paar Boogie-Boards aus und versuchten eine Stunde lang, die Wellen herunterzureiten – was zuweilen auch mit mörderischem Spaß gelang.

Der Abend war für den Sonnenuntergang in Punta Cometa reserviert, der südlichste Punkt der Küste von Oaxaca. Wir genossen bei einem mitgebrachten Bierchen, wie die Sonne erst als roter Feuerball das Meer berüherte und dann recht schnell in den Fluten am Horizont verschwand.

Aufgeschreckte Vögel verlassen ihren "Kack"-Felsen der durch sie blendend weiß geworden istAm Montag frühstückten wir ein letztes Mal in einem Restaurant am Strand und machten uns auf den Rückweg. Um 12 Uhr stiegen wir in einen Van in Pochutla und ließen uns über die kurvenreiche Gebirgsstrecke sechs Stunden lang zurück nach Oaxaca Stadt fahren. Dort angekommen, suchten wir ein Hotel für Norman und Sally, fanden recht schnell ein preiswert und zentral Gelegenes und genossen das abendliche Treiben, Musik und Tanz auf dem Zócalo, während wir zu Abend aßen.

Ich machte mich kurz darauf in einem Taxi auf zum Busbahnhof, sprang in meinen Direktbus nach Puebla und kam schließlich gegen ein Uhr morgens wieder in Puebla an. Norman und Sally hatte ich in Oaxaca zurückgelassen, sie wollten sich gestern noch Monte Albán anschauen und Oaxaca noch ein wenig genießen, was sich ja auch in jedem Falle lohnt.

Gestern ging ich dann mal wieder in die Uni und freute mich, dass ich, dank Frühling am Pazifik - so schaut das aus, wenn alles zu blühen anfängtmeiner wirklich vorausschauenden Stundenplanung, für meinen Kurzurlaub keinen Tag blau machen musste. Heute schob ich mich dann morgens vergebens in die Uni. Erst war der Prof, der mir außergewöhnlicherweise in einer nächtlichen Mail (Privileg eines deutschen Austauschstudentens) noch zugesichert hatte, dass er sein Seminar geben würde, nicht zum Seminar erschienen, und dann ließen mich auch noch meine mexikanischen Studienkollegen sitzen, mit denen ich eigentlich an einer Gruppenarbeit feilen wollte. Egal, somit hatte ich Zeit, diesen Artikel zu schreiben und jetzt noch gleich ein Mittagsschläfchen zu halten, bevor Normi und Sally in Puebla am Abend wieder einreiten.

PS: Wer meine Bilder und Videos mag, kann mich gern mit einer kleinen Spende beim Kauf einer neuen Kamera unterstützen. Meiner Kamera hat das feuchte mexikanische Klima einen Linsenpilz (ja, gibts wirklich) versorgt, der nun für häßliche Flecken in den Photos sorgt und nicht zu bereinigen ist, weil er auf den Innenlinsen sitzt und sich stetig ausbreitet. Also muss ich mich nach einer neuen Knipse umschauen. Und das bei meinem schmalem Austauschstudentenbudget…

Weihnachten am Lago de Atitlán, Guatemala

Posted in Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 25. Dezember 2008 by Jakob

Ich habe es geschafft. Ich bin am Lago de Atitlán in Guatemala angekommen. Und das mit einer zweitaegigen Anreise von San Cristóbal de las Casas aus. Man haette das mit einer durchgebuchten Tour auch an einem Tag machen koennen, aber ich hatte mich fuer die eigene Faust entschieden.

AVulkane am Lago Atitlánlso war ich zunaechst nach Comitán gefahren und hatte dort gestern morgen einen Van zur Grenze nach Ciudad Cuauthémoc genommen. Der Name ist laecherlich, denn die „Ciudad“ besteht aus einer Strasse und Haeusern, die man an zwei Haenden abzaehlen kann. Hier erledigte ich mit einer gelangweilten Grenzbeamtin mein Check-Out aus México, liess mir meinen Pass und mein mexikanisches Migrationsdokument stempeln und schwang mich in ein orangenes Taxi, dass mich zur vier Kilometeter weiter gelegenen guatemaltekischen Grenze bringen sollte.

Der Grenzposten ist ein Fleckchen Erde, dem der Herr wenig Schoenheit gegoennt hat. Oder zumindest wussten es die Menschen, die sich in dieser dreckigen Haeuser-Ansammlung und Verkaufsstaende-Gewirr recht ordentlich zu zerstoeren. Denn Landschaft herum ist beeindrucken. Gruene Huegel und Berge in runden Formen ragen aus der Landschaft, die Vegetation scheint reichhaltig mit Bananen-Stauden, Palmen und Pinien.

Kaffeestrauch in GuatemalaNachdem ich in Guatemala eingecheckt hatte, tauschte ich ein paar Peso bei einem fliegenden Haendler (ich bin sicher, er hat gut Profit gemacht – aber ich wollte noch nicht nach dem offiziellen Kurs nachschauen, um mich nicht zu sehr zu aergern). Dann musste ich meinen Weitertransport organisieren. Das war schnell erledigt. Ein Junge bot mir einen Busshuttle direkt nach Panajachel am Lago Atitlán an und ich sagte zu. Der Preis stieg zwar urploetzlich, als ich schliesslich den Fahrer des Sprinters traf, aber immerhin liess ich mich nicht ganz auf seinen Preis ein, sondern einigte mich auf etwas dazwischen.  Dann ging es fuenf Stunden mit dem Sprinter durch die Sierra. Wunderbare Berge und Taeler um uns herum, gruen, gruen gruen, jungfraeuliche Selva saeumte den Weg hinab zum Lago de Atitlán.

Am Abend kam ich an und suchte mir ein Hotel, dass wenigstens nicht ganz so teuer war. Dann schaute ich mich ein wenig in Panajachel um und checkte die Gottesdienstzeiten fuer die Heilige Nacht. 22 Uhr stand auf dem Plan. Nach einem Abendessen, dass so naja und einem Weihnachtsessen eher weniger angemessen war, machte ich mich auf ins Zentrum zur Kirche. Der Gottesdienst hatte wenig festliches, die Lesungen waren bekannt und trotzdem der Pfarrer in seiner Predigt eigentlich nichts wirklich eigenes verkuendete, bekam er danach eine Minute Applaus. Ich klatschte nicht. Begleitet wurde der Gottesdienst von einer Art Band, die auf Keybord, Schlagzeug und Gitarren seichte spanische Weihnachtslieder dudelte. Erst beim Auszug gabs das einzige mir bekannte Lied in spanischer Version: Kommt lasset uns anbeten. Ansonsten fand ich die Weihnachtslieder eher mehr so geht so.

Haus in Santa Cruz del LagoIch stapfte schliesslich in mein Hostel und wollte mir dort zu meinem Buechlein (ich les gerade die Briefe in die chinesische Vergangenheit, danke Kaethe, ich finds echt cool!) ein Gallo (guatemaltek. Bier) goennen. Ich kaufte mir ein voellig ueberteuertes Flaeschchen (0.33l fuer 1.50 €) in einer Tienda (auf die ueberzogenen guatemaltekischen Preise komm ich am Ende des Artikels noch einmal) und schluerfte es, waehrend ich las. Allerdings hatte ich nicht lang meine Ruhe, denn die Guatemalteken scheinen Weihnachten mit Silvester zu verwechseln. Stille Nacht, heilige Nacht? Nix da, schon am Abend hatte es ueberall ungeheuer laut geknallt und um Mitternacht brach dann ueberall auf den Strassen Feuerwerk aus. Ich habe in die Feuerwerkskoerper nach eigener Begutachtung an Strassenstanden hier wenig Vertrauen – sie sehen aus wie selbstgestopfte, verstaerkte Klo-Papprollen, die an Aeste und Zweige getapt sind. Auch die Knallkoerper haben eine Wucht, dass einem glatt die Ohren wegfliegen – in Europa wuerden sie bestimmt bereits unter „Sprengstoff“ oder „verbotene Substanzen“ fallen. Hier hantierten Kleinkinder gleichermassen wie Erwachsene mit den Feuerwerkskoerpern und alle schienen kraeftig Spass am Taubwerden zu haben. Ich zog mich, nachdem ich meine Ohren genug geschadet hatte, schnell wieder auf mein Zimmer zurueck.

Heute goennte ich mir dann schliesslich ein weihnachtliches Ausschlafen und nach einem (voellig ueberteuert und unterqualifizierten) Fruehstueck am See, machte ich mich mit einer Lancha auf dem Weg, den See ein wenig naeher zu erkunden. Zunaechst liess ich mich in Santa Cruz absetzen, einem kleinem Doerfchen am Steilhang hoch ueber dem See, gegenueber der Vulkane. In den Gaesschen fuehlte ich mich eher wie in Bolivien oder Nepal, so einfach waren die Behausungen aus getrockneten Lehmziegeln mit ihren Wellblechdaechern. Am Nachmittag sprang ich dann wieder auf eine Lancha und liess mich nach San Pedro schippern. Ein kleiner Zwischenfall am Bootssteg in einem kleinen Dorf hatte uns ein wenig Zeit gekostet. Ein Verrueckter (oder Besoffener) hatte sich bei Abfahrt vom Steg aus ans Boot gekrallt und war daraufhin ins Wasser geplumpst. Das gab am Steg grosses Gezeter (oder Hallo, ich war mich nicht ganz sicher) und wir brauchten 10 Minuten um den Typen wieder aus dem Wasser zu fischen. Und das obwohl wir nur anderthalb Meter vom Steg entfernt waren. Entweder konnte er nicht schwimmen, oder er wollte es nicht. Auf jeden Fall hatten ihn zwei Maenner vor am Boot hochgezogen, es aber offenbar nicht schaffen koennen, ihn an Bord zu holen (was wahrscheinlich auch nicht gewollt war). Am Steg setzten sie ihn dann schliesslich ab und bei unserer neuerlichen Abfahrt wollte er sich wieder festkrallen – diesmal allerdings ohne Erfolg und ohne Wasserplumpsen. Wir konnten entkommen.

Waeschewaschen im Lago - San PedroAm Nachmittag lief ich am Fusse des Vulkans San Pedro in der gleichnamigen Stadt am See ein und stellte schnell fest: Voellig touristisch, ueberteuert und auch nicht besonders schoen. Nach einigen Erkundungen in den Strassen. schlenderte ich zu einem Café und genoss guatemaltekischen Kaffee, der ganz lecker war.

Gegen vier sprang ich in eine Lancha und schipperte binnen einer Stunde wieder ans gegenueberliegende Ufer nach Panajachel zurueck.

Und nun noch ein Wort zu den Preisen in Guatemala. Ich wollte den Artikel nicht mit meinem Groll vergiften und hab es mir von daher fuer den Schluss aufgehoben. Insgesamt muss ich sagen, fuehle ich mich wirklich besonders wohl hier. Seitdem ich in Guatemala bin, wird mir von allen Seiten das Geld aus der Tasche gezogen. Jeder, der ein Geschaeft wittert, zieht Dich ueber den Tisch. Es scheint unmoeglich, ein faires Geschaeft zu machen (mein Hostel nehm ich aus, den Preis find ich fair und angemessen – und mein Bett hat ein weiches, bequemes Kopfkissen, was eine Seltenheit in diesen Breiten ist). An der Grenze tauschte mir der fliegende Haendler Pesos 2:1 – aber die Preise blieben die gleichen, wie in México. In Panajachel bezahlt man 15 Quétzales fuer ein kleines Bierchen in einer kleinen Tienda – das ist unverschaemt (1,50 Eur). Die Lanchas, die kreuz und quer ueber den See jagen, haben spezielle Tarife fuer Auslaender. Fuer eine Seequerung zahlen Einheimische 5 Quétzal – Touristen werden, weil weiss und deswegen reich, mit dem dreifachen bis fuenffachen Preis belangt. Ohne Ausnahme. Wenn Du protestiert, wirst Du nicht mitgenommen. Und so zieht sich das in Guatemala bei den lokalen Bussen weiter: Touristen, oder besser Weisse, zahlen grundsaetzlich den doppelten bis Bootssteg in Panajachel am Abenddreiffachen Preis. Das macht weder Spass, noch das Land attraktiv. Fragt man weshalb, erfaehrt man ein: Weil das so ist. Oder: Weil Du Auslaender bist. Fuer mich ist das purer Rassismus und Nepp und raubt einem wirklich jede Laune, sich in diesem Land wohlzufuehlen. Das ist sehr schade, denn die Landschaft ist wunderbar, und die Menschen, die keine Moeglichkeit haben, Touristen abzuziehen sind sehr sehr freundlich. In Santa Cruz, dem Doerfchen, dass ich heute zu allererst besucht hatte, wurde ich von jedem und jeder, egal ob Alte oder Kleinkinder mit einem freundlichen ¡Hola! und einem Laecheln begruesst. Das war wirklich schoen, hatte ich ja bereits den Eindruck gewonnen, dass Weisse hier grundsaetzlich nur als Geldesel gesehen werden.

Aber so weit dazu. Und so spiele ich bereits mit dem Gedanken, mich in Baelde schon wieder aus Guatemala zu verabschieden. Eigentlich wollte ich ein paar Tage hier am See verbringen, aber mit der hier vorherrschenden Geschaeftsart kann ich mir das auf Dauer einfach nicht leisten. Ich muss hier das doppelte Tagesbudget aufbringen, dass ich in México beim Reisen lasse – und dies, bei minderer Qualitaet, eben nur, weil ich weiss bin.

PS: Neue Fotos auch in den Streams bei Flickr. Klick in die Seitenleiste.

Einheitsfeier, Manu Chao und die UDAL

Posted in Festejando!, mexico city, puebla, uni, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 9. Oktober 2008 by Jakob

Nachdem ich hier schon seit einer Woche nichts mehr hab von mir hören lassen, will ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir aus Puebla geben.

Nachdem wir ausführlich die Nationalfeiertage Mexicos und Chiles gefeiert hatten, stand am Freitag die Deutsche Einheit zur Feier an. Eine kleine Deutschlandfahne hatte unsere Küche geschmückt und am Abend wollten wir in eine Bar gehen, in der es angeblich deutsches Bier geben sollte. Hach was hatte ich mich auf ein echtes Pils oder ein wunderbar schmackhaftes Weißbier gefreut und dann wurde ich schließlich doch enttäuscht. Die Bar, nicht weit von unserer Quince entfernt und unter belgischer Flagge betrieben, hatte alle internationalen Biere im Angebot, außer: genau! Das Deutsche war aus. Und schon seit zwei Wochen nicht mehr geliefert worden. Also mussten wir notgedrungen belgisches und holländisches Bier trinken, welches aber immernoch bedeutend mehr Geschmack hatte, als das flüssig-wässrige Sol oder Indio.

Später zog ich mit Viviana, Agostina und Enora weiter in eine kleine Bar im Zentrum. Dort wechselten sich ungefähr zehn junge Musiker an den verschiedensten Instrumenten ab. Einen Musiker hatten wir bereits in der Bar kennengelernt, in der wir den chilenischen Nationalfeiertag gefeiert hatten. Und weil er, Leon, uns nicht wiedererkannte, lud er uns später, als die Bar schließen wollte, zu sich nach Hause ein, um dort weiterzufeiern. Also packten sich alle Musiker und wir in diverse Taxen und wir fuhren ein paar Blocks durch die Nacht zu Leons Wohnung. Eines großzügiges Apartment in einem kolonialen Haus, mindestens 100 Quadratmeter, kaum Möbel, aber jede Menge Platz für Gäste, Party und Feiern. Nach einer Weile trafen die letzten Gäste ein und brachten Sixpacks mit, die der Spontanparty die Trockenheit rauben sollten. In der Runde wurde weiter munter die Gitarre rumgereicht, einer nach dem anderen gab teils selbstkomponierte Stücke und Lieder zum Besten und die Feier dauerte ungeplanterweise bis weit in den Morgen hinein.

Das machte uns dann am Samstag das Aufstehen nicht leicht. Wir wollten am Vormittag nach DF durchstarten, um dort am Abend bei Manu Chao vor der Bühne zu stehen. Müde machten sich Enora und ich auf den Weg zum CAPU (Busbahnhof) und schnappten uns den nächsten Service nach DF. Gegen 2 kamen wir an und schlugen uns mit der Metro nach Condesa durch. Dort wohnt eine Freundin von Enora, mit der sie in Frankreich zusammen studiert hat, und sie sollte unsere Gastgeberin für die kommende Nacht werden. Dort warteten bereits die Freundin und zwei weitere Französinnen auf unser Ankommen, damit wir gemeinsam in Richtung Foro Sol (Konzertstadium in DF, dass eigens für große Konzerte gebaut wurde, heute aber auch für Baseball genutzt wird) starten wollten. Es gesellten sich weitere 5 Franzosen zu uns und wir starteten noch in ein anderes Viertel, um dort auf noch mehr Konzertgänger zu stoßen. In einer Wohnung tranken wir einen Schluck und machten uns dann in Hordenstärke auf den Weg ins Foro Sol. Kaum angekommen, zog eine schwarze Wand auf. Punkt 18 Uhr brach dann einer der heftigsten Gewitterstürme los, den ich bislang hier in Mexico erlebt habe. Es schüttete aus Fässern, Bindfäden wurden zu Seilen oder gar zu Tauen, Blitze zuckten rund um das Stadion und schlugen immer wieder in der Nähe ein. Wir hatten uns an die Seiten unter das Dach eines Hamburgerstand geflüchtet und warteten dort auf das nicht absehbare Ende des Unwetters. Schon fast in den Glauben, dass das Konzert bei diesem Wetter abgesagt werden würde, stieg dann doch um 8 Uhr die Vorband auf die Bühne und fing an, den durchweichten Fanaticos, die trotz Blitzen und Regen vor der Bühne ausgeharrt hatten, einzuheizen. Für uns hatte es nach wie vor noch zu sehr geregnet, um sich der Bühne weiter zu nähern und so fädelten wir uns erst mit dem Auftritt von Manu selbst in die Massen ein. Durchweicht und in der Kälte der Nacht wurden dann doch unsere Erwartungen ein wenig enttäuscht und gegen Mitternacht machten wir uns wieder auf den Heimweg.

Am Sonntag bummelten wir dann nicht lang in DF herum und machten uns recht bald auf den Rückweg nach Puebla, wo uns die Sonne hell strahlend erwartete. Na bitte, es geht doch.

Am Montag war ich dann mal wieder als assistierender Dozent in der UDAL. Die UDAL ist die Universidad de América Latina und sitzt unweit der Quince. Einer meiner Kommilitonen hatte mich vor Wochen bereits gefragt, ob ich seinem Bruder, der Deutsch-Prof an der UDAL ist, nicht ein wenig zur Hand gehen könnte. Ich hatte zugesagt und seitdem bereits zwei Mal in seinen Kursen den Unterricht geschmissen. Am Montag wurde ich dann zunächst mit Studenten aus dem 1. Semester konfrontiert, die kaum ein Wort auf Deutsch sprachen. Der Sinn war hier mehr, dass sie so früh wie möglich mal mit einem Muttersprachler in Kontakt kommen, ein wenig Deutsch hören können und sich dann mit mir über Deutschland und alles Mögliche unterhalten können. Nach einer Stunde stand der übliche Fototermin mit vorrangig weiblichen Studentinnen an, die gern ein Foto mit „dem Deutschen“ haben wollten. In der darauffolgenden Stunde gesellten sich Stundenten aus dem dritten Semester dazu und die Runde erhöhte sich auf rund 50 Personen. Paco, der Prof, hatte sich weitesgehend zurückgezogen und sich darauf verlassen, dass ich den Unterricht schmeiße. Die Jungs und Mädels aus dem Dritten hatten dann auch ein paar mehr Worte drauf und ich hielt die Stunde komplett auf Deutsch. Fragte nach Vorurteilen, musste die Deutschen erneut gegen das (in Mexico erstaunlicherweise) allgegenwärtige Rassismusvorurteil verteidigen, Fragen zu Oktoberfest und Nazideutschland, aber auch zu Ausbildung und Austauschmöglichkeiten beantworten. Danach stand erneut der obligatorische Fototermin an und ich machte mich auf den Weg in meine Uni, um dort Seminare zu hören.

An der UDAL werde ich in Zukunft öfter sein und dort mit den Studenten ein wenig Deutsch praktizieren. Der Kontakt, der Paco so verdammt wichtig ist, scheint auch seine Berechtigung zu haben. Die Stundenten haben kaum die Möglichkeit, mit Deutschen zu sprechen, kennen kaum Ausländer und sind auch nicht gerade die Engagiertesten, wenn es darum geht, sich deutsche Medien beispielsweise im Internet zu suchen. Allerdings schien ihnen bislang die Stunden mit mir gefallen zu haben und ich stelle fest, dass es den Jungs und Mädels jedes Mal ein wenig leichter fällt, Hemmungen abzulegen und zu sprechen. Die wichtigsten Fragen für die weiblichen Studentinnen fehlten bislang zumindest noch nie: Bist Du solo? Suchst Du eine Freundin? Wier findest Du die mexikanischen Frauen? Wobei ich bei der letzten Frage immernoch an einer charmant-diplomatischen Antwort feile… 🙂

Schnaps… ähm Tequilaidee!

Posted in Bienvenidos!, El Golfo, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 25. August 2008 by Jakob

Nachdem vergangene Woche so langsam die Uni so richtig begonnen hat, Professoren und Studenten wahlweise mit bis zu einer Stunde Verspätung kamen, beginnt in unserem Häuschen, der Quinze, so langsam das richtige Leben.

Seit einer Woche sind wir Jenga-Professionelle. Als wir feststellten, dass wir leider über gar keine Spiele verfügen würden, entschieden wir kurzer Hand, einen Einkaufsbummel mit der WG zu machen, um ein Spiel zu kaufen. (Bild links: Nestor und Agostina im Jenga-Fieber) Für 50 Peso kauften wir einem kleinen Mädchen in der Stadt eine Jenga-Kopie ab und seitdem ist das Aktivität Nummero 1 in unserer Küche. Abend für Abend wurden Jenga-Meisterschaften in unserer WG ausgetragen, und seit Donnerstag natürlich nicht ohne Tequila.

Das Wochenende begann dann absolut ruhig. Nach meinem Seminar über die mexikanische Revolution (Ich muss nicht erwähnen, dass der Kurs, der 12 Uhr beginnen sollte, um ein Uhr erst einsetzte – ich war bis Viertel vor eins der Einzige und der Profe meinte: „Dann warten wir eben noch ein bißchen…“) wurde erstmal auf der Terasse entspannt. Unsere neuen argentinischen Mitbewohner leisteten Gesellschaft und erzählten über ihre wahnsinnig interessanten Wurzeln, woher ihre Großeltern, Eltern und und und stammen. Was für eine mezcla! Am Abend trödelten so langsam alle von Arbeit oder Studium ein und wir überlegten, was wir in der Nacht machen könnten. Schnell war die Idee geboren, dass die gesamte WG ausgeht. Allerdings ist das in Puebla nicht so einfach, weil die Party in einer Nachbarstadt, in Cholula, stattfindet. Nachdem wir wieder in der Küche Jenga-spielend überlegten, was zu tun sei, (Bild rechts: v.l.n.r. Nestor, Paulina, Pedro, Viviana, Jakobo und Enora beim Jenga-Spiel) krsitallisierte sich heraus, dass wir einfach ein Taxi nehmen und dann Cholula unsicher machen würden. Zu Acht, was in Deutschland natürlich ein klarer Fall für 2 Taxen oder zumindest eine Großraumtaxe wäre, bestiegen wir ein(!) kleines Taxi und düsten über die nächtliche Autobahn nach Cholula. Dort schauten wir in mehrere Bars rein, den ein oder andereen Club und feierten bis in den frühen Morgen. Wie der Zufall es wollte, lief mir in Cholula in einem Club Roberto über den Weg. Roberto hatte ich in Puerto Escondido am Pazifik kennengelernt und wir feierten unser zufälliges Wiedersehen. Die Party setzte sich später in unserer Küche fort bis gegen 5 so langsam alle Richtung Waagerechte verschwanden. Übrig blieben Enora und ich und wir schnappten uns den Rest des Tequilas, ein großes Wasser und quatschten in die ersten Sonnenstrahlen hinein auf dem Dach.

Mit der Sonne und dem Tequila (der sicher ein wenig Mitschuld an jener Locura trug), kam uns ein Idee. Wie genial es jetzt wäre, am Meer zu sein, durchs Wasser zu schlendern, den Sand unter den Füßen zu haben und in den Wellen zu schwimmen. (Bild links: Playa Mocambo, Veracruz, Golfo) Es brauchte nicht viel und wir stellten die essentielle Frage: Por qué no nos vamos? Ahorita? Bueno – vamonos! Binnen zehn Minuten warfen wir ein paar Sachen in unsere Rucksäcke, schnappten uns vor dem Haus ein Taxi und düsten, mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, zum Terminal de los Autobuses. Dort schnappten wir uns den nächsten Langstreckenbus in Richtung Veracruz und ließen uns in Richtung Golfküste schaukeln. Knapp fünf Stunden später, gegen 5, erreichten wir Veracruz. Als wir aus dem Bus ausstiegen, bließ uns zunächst ein Schwall warmer und feuchter Luft fast zurück in den Bus. Wir waren angekommen und das Wetter fühlte sich tropisch an. Mit Hunger im Bauch suchten wir uns einen Colectivo, der uns zum nächsten Playa bringen würde. Im Süden der Stadt erreichten wir Playa Mocambo und stellten fest, dass die Playas in Veracruz wirklich nicht schön sind. Egal, wir waren am Meer! Der Hunger trieb uns in ein piekfein-aussehendes Restaurant, wo die Preise diese Erscheinung unterstrichen. Aber wir hatten keine Wahl, Restaurants waren rar. Ganz im Gegensatz zu den Preisen war das Essen dann alles andere als zufriedenstellend. Egal. (Bild rechts: PLaya de Chachalacas) Mit dem nächsten Collectivo düsten wir wieder ins Zentrum von Veracruz. Wir wollten nicht unbedingt in der Stadt bleiben und uns lieber einen kleinen ruhigeren Strand suchen. Also fragten wir in der Tourist-Informacion nach, die sich als wenig hilfreich herausstellte. Mit dem Lonley-Planet in der Hand, der sich ebenfalls als nicht gerade hilfreich erwies, entschieden wir uns in blaue hinein nach Norden zu fahren, nach Chachalacas. Ein pueblito mit Strand, dass ist alles, was wir wussten. In der Nacht kamen wir in der Nachbarstadt Cardel an, schnappten uns mangels Collectivos (der letzte war wohl um 9 Uhr gefahren) ein Taxi und ließen uns nach Chachalacas bringen. (A qué parte quieren irse? No sabemos – a Chachalacas. Centro… – Kommunikation mit dem Taxifahrer). Der Taxifahrer ließ und schließlich an einer Strassenecke im Ort heraus und wir schlenderten durch die Nacht, noch nicht so richtig wissend, wohin. Einziges Ziel: La Playa y el mar! Schließlich fanden wir, was wir suchten, bezogen ein kleines Hotel und machten uns mit einem Cerveza Sol auf an den Strand. Clarop que si, dass wir noch ins Wasser mussten und so plantschten wir eine halbe Ewigkeit in der Nacht im warmen Golf von Mexiko. Was für eine Locura – aber sehr sehr fein! Gestern dann gingen wir den Tag an, als müssten wir nicht wirklich zurück nach Puebla. (Bild links: Enora am Golfo) Wir suchten uns einen ruhigen Strandabschnitt, das Wasser war hier bedeutend sauberer, als in Veracruz, und aalten und verbrannten uns gehörig. Erst am Abend kam uns die Idee, dass wir wieder zurück müssten, und wir für unser Abenteuer nun mal nicht viel Zeit geplant hatten. Mit einem Combi düsten wir durchgeschwitzt zurück nach Cardel, schnappten uns einen vollgepackten Bus nach Veracruz und erreichten dort gerade so den 8-Uhr-Bus zurück nach Puebla. Gegen Mitternacht standen wir wieder im Patio der Quinze und waren ziemlich stolz auf uns, dass wir diese verrückte Idee durhcgezogen hatten. In der Küche rechnete noch Nestor an Studienaufgaben. Er wirkte ziemlicj erleichtert, als er uns in der Tür entdeckte. Die WG hatte uns wohl vermisst und sich ein wenig Sorgen gemacht, weil wir einfach über den Morgen verschwunden waren. Aber als wir heute von unserem Spontan-Trip erzählten, meinten alle bloß, wir seien ganz schön verrückt. Bueno, ich hab heute zum Glück erst spät Uni, aber das ist in genau zehn Minuten. Also werd ich hier jetzt mal Schluss machen und mich auf den Weg in die Uni machen. Ich hoffe, Euch allen anderen in allen anderen Teilen der Welt gehts ähnlich gut, wie mir. Saludos y hasta la próxomima!

Al Pacífico… und ein unglaubliches Treffen.

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Mit Cola und Zwieback sitz ich vor meinem Notebook und versuche ein wenig den Magen zu beruhigen. So langsam scheint das auch zu klappen. Irgendwas hab ich mir gestern am Pazifik noch als Andenken eingesteckt. Und so konnte ich mich um so glücklicher schätzen, dass ich mit dem besten aller Nachtbusse von Puerto Escondido zurückfuhr. Einer, der ordentliche Toiletten hatte. Was bei anhaltenden Magenkrämpfchen schon wirklich was wert war. Aber der Reihe nach. Und bevor sich gleich wieder jemand Sorgen macht: Es ist nur der Magen – der bekommt sich schon wieder ein…

🙂

Am Mittwoch war ich letztendlich mit Martin in den Bus gestiegen. Es war erst gegen Abend Einer geworden, weil unsere Wäsche noch trocknen musste. Dann ging es knapp 5 Stunden nach Süden und am späten Abend fuhren wir in Oaxaca ein.

Oaxaca ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und zum einen wegen des örtlichen Kunsthandwerkes, zum anderen wegen des nahe gelegenem Zeremonialzentrums Monte Albán (Bild links: Teil Monte Albáns) bekannt. Monte Albán war eine der ältesten Städte Mesoamerikas und einst lebten hier 200.000 Menschen. Heute ist das auf dem „weißen Berg“ gelegene Zeremonialzentrum ein Anziehungspunkt – und wohl eine der beeindruckendsten Pyramidenanlagen in Mexiko. Im Reiseführer hatte die gesamte Anlage ein wenig trist und trocken gewirkt, aber wir hatten offenkundig Glück (Vergleicht mal mit den Bildern bei Wikipedia – Link etwas weiter oben…).

Nach dem Aufstehen am Donnerstag (zugegeben nicht sooo früh) machten wir uns auf den Weg durch die Innenstadt Oaxacas (es ist müsig, zu erwähnen, dass diese natürlich auch auf der UNESCO-Welterbeliste steht – ebenso wie Monte Albán und eine Hand voll anderer Sehenswürdig- und Beeindruckenswürdigkeiten). Wir sprangen an einem Hotel in einen großen amerikanischen Van, der uns hinauf zur Anlage bringen sollte. Am Parkplatz wurden wir rausgeworfen und sollten in drei Stunden wieder abgeholt werden. Ich hatte anfangs geglaubt, dass wir niemals so viel Zeit auf dieser Anlage verbringen würden – am Ende erwies es sich allerdings als gerade so ausreichend. Wenn nicht zu kurz. Die gesamte Anlage zeigte sich uns in einem saftigen grün. Pyramiden, Tempel, Überreste von Sonnenuhren und Kalender zogen uns auf dem künstlich planierten Berg mit seinem ebenso nicht weniger beeindruckenen Panorama in seinen Bann. Um einen wenigstens kleinen Eindruck von der Größe der Anlage zu bekommen, habe ich ein kleines Panorama-Video (58 sek.) gedreht. Weitere photographische Eindrücke gibts auch in der flickr-Diashow hier als Teil der Mexico-Impressionen.

Nachdem wir wieder zurück in Oaxaca waren, verbrachten wir den Abend auf dem Zócalo. Eigentlich hatten wir uns nur für ein kleines Bierchen niedergelassen, dann aber doch so die Stimmung auf diesem wunderbaren Hauptplatz genossen, dass wir einfach eine halbe Ewigkeit sitzen blieben und das Personal sich wohl schon bald wunderte, ob wir denn je wieder gehen würden…

Der Nachtbus drängte uns dann zum Verlassen unseres entspannten Plätzchens in Oaxaca. Wir hatten nur einen Tag für das Städtchen geplant – im Nachhinein wären auch 2 oder 3 nicht zu viel gewesen – es hätte noch viel zu tun gegeben. Aber: Der Pazifik rief!

Also wieder 9 Stunden in Bussitze gedrückt und am nächsten Morgen in noch grünerer Landschaft aufgewacht. Gegen Acht erreichten wir dann unseren Zielort – Puerto Escondido. Ein kleines Städtchen, ein Surferparadies mit einer der längsten Wellen der Welt (da von meinen Lesern hier ja kaum einer surft, muss ich das wohl erwähnen – ich wusste es vorher auch nicht), viele Hostels, ein langer Strand und – baden verboten

🙂

Nunja, dass sollte uns den Spaß nicht nehmen. Es war Freitag Morgen und ein langes Wochenende lag vor uns. Wir hatten uns vorher natürlich keine Bleibe rausgesucht und ließen uns von einem Mädel am Terminal OCC (Busbahnhof) einen Flyer in die Hand drücken – El Barco del Armor – Más que un hostal… Die Preise klangen gut, die Ausstattung ebenso und es sollte direkt in der Nähe des Strandabschnittes sein, an dem man eben doch baden konnte. „Schwimmen verboten“ heißt in Mexiko ja noch lange nicht, dass man nicht ins Wasser darf. Also schnappten wir uns ein Taxi, dass uns weit in die Peripherie Pto. Escondidos fuhr und an besagtem Hostal ‚rauswarf. Ich brauchte keine 30 Sekunden und keinen Blick ins Hostel zu werfen, um zu entscheiden: Hier bleiben wir nicht – zu weit ab vom Schuss.

Also schlurften wir an den Strand und stapften durch den heißen Sand wieder in Richtung Stadt. Irgendwann fing dann wieder ein bißchen mehr Zivilisation an und wir fanden die Casa Bastin. Ein kleines familiengeführtes Hotel mit Apartements – einen feinen und warmen Pool und dem Surfer Miquele (17 Jahre, sonnengebleichtes, blondes lockiges Haar) – der schlicht und ergreifend alles und jeden in Pto. Escondido kannte. Wenn man was wissen musste – musste man ihn fragen – und man bekam den gewünschten Tipp.

Nachdem wir eingecheckt hatten gönnten wir uns ein Frühstück und den Rest des Tages verbrachten wir am Strand. Badender Weise. Schwimmen war auf Grund der hohen Wellen wirklich nicht drin und zu nahe sollte man ihnen auch nicht kommen, wenn sie brechen. Teils auf 5 Meter bäumen sie sich auf, saugen massenweise Sand vom Grund herauf und wirbeln dann alles was sich ihnen in den Weg stellt wie in einem Zementmischer durch die Gegend. Einmal hineingeraten, vergißt man schnell, wo oben und wo unten ist – man wartet einfach nur, dass die Gewalt nachlässt. Ein Mega-Wellenspaß – und nicht ganz ungefährlich.

Die Sonne brannte erbarmungslos und so war auch der einzige Ort, an dem man sich aufhalten konnte, entweder der Pazifik (mit vielleicht 27 Grad) oder der Pool (mit vielleicht 28 Grad Wassertemperatur).

In unserem Nachbar-Apartement weilten drei Jungs aus Puebla. Oder besser: Zwei aus Puebla und einer, der zwar Mexikaner war und in Puebla noch sein zu Hause hatte, aber seit Jahren in Kanada arbeitete – Roberto, der sich auch in der komfortablen Lage befand, eine kanadische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Die acht  Jahre Kanada hatten auch schon sein Spanisch lädiert – ein Gringo-Akzent, und das als Mexikaner – schon fast eine Strafe. Die beiden anderen, David und Richy (auch Bob Marley genannt), machten den ganzen Tag nichts. N I C H T S. Na gut, morgens einen Joint, Mittags Zeug organisieren, rauchen, husten, chillen, Schlafen. An den Strand gehen. Rauchen. Schlafen. Roberto hatte kein Bock darauf (was ich gut nachvollziehen konnte) und wir boten ihm an, sich uns anzuschließen und so verbrachten wir die ganze Zeit eigentlich zu Dritt.

Samstag stiegen wir alle auf die Body-Boards und ließen uns stundenlang von den Wellen hin- und herwirbeln – genossen Schussfahrten auf brechenden Wellen und versuchten, uns nicht allzusehr die Haut zu verbrennen. Abends genossen wir Cocktails in der Bar Fly mit Roberto und ließen die Nacht in einer Tanz-Strand-Bar mit Feuerspektakel ausklingen. Leider mit dem Ergebnis einer offenen Lippe bei Roberto. Ein offenbar zu betrunkener Surfer hatte sich durch irgendetwas provoziert gefühlt und einfach mal draufgehauen – kein schönes Ende für einen schönen Abend – aber glücklicherweise war kein Doktor von Nöten. Jaja, das Temperament, der Alkohol, die Hitze und lateinamerikanisches Blut – da fliegt schon mal schnell eine Faust.

Am Sonntag entschied ich dann spontan, doch erst am Montag Abend die Küste zu velassen und dies erwies sich als gut. Ein Tag mehr Pool, Strand, schlafen, Entspannen, Nichtstun…. Mein Busticket für den Montag-Nachtbus schon in der Tasche bekam ich dann das Angebot, mit den Nachbarjungs wieder nach Puebla zu düsen – aber das Ticket für den Bus war zu teuer und die Jungs wollten irgendwo noch bei einem Dorf mit Zauberpilzen vorbei – also blieb ich bei Bus. Hinzukam, dass mich am Montag dann traf, was Martin seit Sonntag plagte – der Magen machte schlapp. Martin hatte es ein wenig heftiger erwischt – Montag mit ein wenig Fieber, hatte ich ein Erste-Hilfe-Set in der Farmacia gekauft und Electrolyte-Lösung. Martin wollte ohnehin noch an der Küste bleiben und so buchte er noch eine Nacht länger in unserem Doppelzimmer. Er wird dann weiter vom Pazifik in die Karibik fahren und dann wieder nach Puebla kommen – der Weg über Puebla wäre für ihn unsinnig gewesen.

Ich setzte mich am Nachmittag in ein Taxi und ließ mich zum Terminal bringen. Dort angekommen, kaufte ich mir eine große Flasche Wasser und Kekse und hatte zum Dritten mal in relativ kurzer Zeit eine unglaubliche Begegnung. Ein blondes Mädel saß, als ich ins Terminal kam, auf einer Bank und lächelte kurz. Nachdem ich mir ein Wasser gekauft hatte, kaufte sie sich ebenso eines und kam danach auf mich zu und fragte mich: „Sorry, where are you from?“ Ich antwortete knapp und kurz: „Germany!“ Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter und sie fragte weiter: „Jakob?“ Ich: „Ähhmmm, ja! Nee, oder?!!?!“ – vor mir stand Alex. Sie hatte vor ungefähr zwei Jahren bei mir in Bonn übernachtet. Ich hatte sie als Gast über den Hospitalityclub bei mir aufgenommen. Sie war damals auf einer Konferenz in Bonn und hatte sich auch kurz vor Mexico noch einmal via Mail gemeldet. Sie wollte auf die AIDS-Konferenz nach D.F. und wir hatten dann aber nicht noch einmal Kontakt. Und plötzlich, mitten im nirgendwo an der Pazifikküste steht sie vor mir. Unglaublich. Ich wollte eigentlich einen Tag früher fahren, so wären wir uns nie begegnet und sie hatte sich gerade einmal eine halbe Stunde zur Weiterfahrt aufgehalten – wahnsinn, was der Zufall so alles kann …. Ja, wir freuten uns und konnten gar nicht so richtig glauben, dass wir uns jetzt sooo wiedergesehen hatten. Nach unserer kurzen Begegnung trennten sich wieder unsere Wege und ich ließ mich mit Magen über 16 Stunden zurück nach Puebla schaukeln.

Oder besser schütteln. Die Strassenverhältnisse schienen so schlecht, dass ich mir zeitweise wie auf der Ladefläche eines LKWs vorkam, der viel zu schnell über eine Schotterpiste raste. Nur der weiche Sitz federte das Ruckeln ein wenig ab. Heute wollte ich nun eigentlich endlich meine Tramites Migartorios machen – aber mein Magen hat mir zunächst Ruhe verordnet. Morgen ist auch noch ein Tag. Und wie sagt man so schön hier: Mañana, mañana! Und so brachte ich es heute außer vom Busbahnhof nur noch kurz zum Super – Kamillentee, Cola und Zwieback kaufen und auf Besserung hoffen. Der Kurztripp zum Pazifik war es dennoch wert. Aber das nächste Mal flieg ich. Hab grad gesehen, dass ich für das gleiche Geld (wie mein Busticket) von Puerto Escondido auch hättte zurückfliegen können. 16 Stunden Schaukel-Rumpel-Ersparniss – naja, danach ist man immer schlauer.

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