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Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

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Unterwegs auf Tierra Chiapaneca & in der Riviera Maya

Posted in Adios México, Caribe, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 13. Juli 2009 by Jakob

Nun bin ich während des Südtrips gar nicht mehr zu weiteren Einträgen hier gekommBeschmierte Wände in Oaxaca - noch immer viel Ärger um die Politik im Staateen, aber das will ich jetzt, von DF aus, nachholen und mich dabei auch gewohnt kurz fassen.

🙂

Alle Orte, die auf unserer Route standen, hatte ich ja bereits schon einmal zuvor bereist, und so war es auch für mich ein wahres Heimspiel, mich vom Süden und den schönen Landschaften in Chiapas und später in Quintana Roo zu verabschieden.

Nachdem ich mit Vater am Sonntag Oaxaca angeschaut und den Arból de Tule besucht hatte, ging es am Montag noch einmal auf Monte Albán, wo die Landschaft dank Regenzeit schon wieder in saftigem Grün steht und nichts mehr vom Grau der Regenzeit zu finden war. Einige Stunden hielten wir uns auf dem „Weißen Berg“ der Zapoteken auf und am Abend traf ich mich noch am Zócalo mit Néstor, meinEin kleiner Junge in Oaxacaem alten Mitbewohner aus Puebla, der gerade von seinen Eltern zum Hausarrest nach Hause, nach Oaxaca gerufen worden war. Néstor hatte es mit ein paar Pillen ein wenig übertrieben, so daß seine Eltern in großer Sorge waren, und sein Studium in Puebla vorerst unterbrachen und ihn unter ständige Beobachtung im Hause stellten. Er selbst lebt damit ganz gut, findet sein Leben grad ein wenig langweilig, weil er nicht ausgehen und gewohnt Party machen kann, konzentriert sich aber dafür auf Schwimmen und Gitarrenunterricht.

Noch in der Nacht stiegen wir in einen Nachtbus nach San Cristóbal de las Casas, wo wir am Dienstag Morgen ankamen. San Cris - bunt und schön. Das ist Chiapas!Vater hatte den Berge der Sierra am Anfang der Fahrt nicht gut getan und er musste intensive Bekanntschaft mit dem Klo schließen, während sich der Bus heraus aus Oaxaca, vorbei am Istmus hinein nach Chiapas bewegte.

Schnell war in San Cris (mehr hier und hier) ein Hotel gefunden und wir verbrachten den Tag mit ausgiebigem Shopping auf dem wunderbar buntem Markt vor Santo Domingo. Mitbringsel füllten die Taschen, kleine und größere Sachen machten später unsere Rucksäcke doch um Einiges schwerer.

Für den Mittwoch hatten wir einen Ausflug in den SumDer Wasserfall Arból de navidad im Sumidero-Canyonidero-Canyon geplant und der begann mit viel Regen am Morgen, und am Bootsanleger mussten wir das gröbste zunächst abwarten, bevor wir unter einer dicken Wolkenschicht in den bis zu 1000m hohen und über 100 Meter tiefen (Wassertiefe) Canyon hineinschippern konnten. Glücklicherweise hatte es der Regengott weiterhin verschont und so blieb der Tag zwar Wolkenverhangen aber wenigstens trocken. Bis zum frühen Abend. Da wollte ich Vater noch das kleine, wunderschön urige Dorf San Juan Chamula zeigen, doch kaum dort angekommen, überraschte uns die nächste Dusche, so dass wir unsere Visite auf die alte Kirche beschränkten, in  der indianischer Glaube und Katholizismus im Reinform auf einanderprallen.

Donnerstag ging es mit einer Tagestour weiter zu den Tzeltal-Kinder in San Juan Chamulanächsten Ruinen. Über Agua Azul und Misol-Ha (Wasserfall) fuhren wir am Nachmittag in Palenque ein und schnupperten zunächst für zwei kurze Stunden in die Ruinen herein. Allerdings kürzte ein ausgewachsener Regenschauer unseren Besuch ab, so daß wir uns auf den Freitag mit einem Tagesbesuch verlegten und dann bei bestem Wetter die alte Maya-Städte erleben konnten.

Mit dem Nachtbus ging es an den Ort des große Finales. Tulúm! Karibik. Meer. Türkisblaues (ich hatte es schon lang nicht mehr erwähnt) Wasser. Was kann besser sein, um sich von México zu verabschieden, als sich ein so phantastischs Fleckchen dieses riesiegen Landes Der Palast mit Wachturm in Palenquezu suchen. Aber auch hier ließ der Regen nicht lang auf sich warten.

Am Samstag Morgen rollten wir an der Karibik ein, schnappten uns ein Taxi zum Strand und hatten binnen kürzester Zeit eine Hütte 15 Meter von der Wasserkante gemietet. Durch die Ritzen im Holz konnte man das türkisblau des Meeres sehen und die Wellen rauschten an den Strand.

Wir zogen bald los, Kurs am Strand entlang auf die RuiAussicht aus unserer malerischen Karibik-Hüttenen der Mayas zu. Es ist wohl eine der am malerischsten gelegenen archeologischen Städten Méxicos – unten der Strand, das blaue, wunderbar warme Wasser, und auf grauen Felsen ragen die alten Ruinen der Maya-Hafenstadt Tulúm in die Höhe.

Über dem karibischen Meer hatte sich bei Ankunft an den Ruinen bereits ein kapitales Unwetter zusammengebraut, so dass wir nach einer knappen Stunde auf dem Gelände bereits in einem strömenden und vom Meer her peitschendem Regenguss standen und Zuflucht an Mauern suchen mussten.

Als das Unwetter auch nach einer Stunde nVater und Sohn vor dem Unwetter in der Karibikicht abbrechen wollte und immernoch kräftig Wolken vom Meer aus auf die Halbinsel Yúcatan zujagten, beschlossen wir, die Ruinen für heute Ruinen sein zu lassen und machten uns auf dem Weg in unsere Hütte, in der bereits auch Pfützchen standen, weil die Ritzen im Holz eben nicht nur einen phantastischen Blick aufs Meer freigaben, sondern auch groß genug waren, um den waagerecht vom Meer kommenden Regen ins Innere zu treiben. Als sich das Wetter ein wenig beruhigte, setzten wir uns mit einem Bier in der Hand auf unseren Meerblick-Balkon und versuchten mit Taschenmessern eine Kokosnuss zu öffnen, was auch gelang. Aber mein Schweizer Messer seine Spitze kostete.Einfach genießen!

Gestern dann hatten wir noch den ganzen Tag am Meer zum Genießen. Vater war noch einmal zu den Ruinen von Tulúm geschlendert und ich gab mich mit dem warmen karibischem Meer zufrieden und aalte mich noch einmal in der Sonne, wohlwissend, dass ich soetwas in Deutschland wohl nicht so schnell wieder haben werde.

Am späten Nachmittag nahmen wir mit Colectivos Kurs auf Cancún und um 22Uhr stiegen wir in unsere Maschine, die uns am frühen heutigen Morgen wieder in DF ausspuckte.

Heute schaffte ich es dann doch, Vater noch das Zentrum von México zu zeigen und jetzt geht es wol gleich mit Bernhard und Paola zum Abschiedsessen – und zwar zum Argentinier. So ist das.

…das Paradies verlassen

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. April 2009 by Jakob

Es gibt auf der Welt bislang genau zwei Orte, an denen ich, vorausgesetzt ich hätte das nötige Kleingeld, mir eine kleine Hütte (Wahlweise auch Hacienda – je nach Klingelbeutel) als Zweitwohnsitz hinsetzen würde: Vilcabamba in Ecuador der Berge und des angenehmen Klimas wegen und Zipolite, des Pazifiks, seiner Buchten und  der Ruhe wegen. Es sind zwei traumhafte Orte auf diesem Teil der Erde, und Zipolite ist wohl der definitv beste Ort Mexikos.

Punta Cometa - Sonneruntergang am südlichsten Punkt Oaxacas

Den Rest der Osterwoche verbachten wir mit Lesen, Schwimmen, Sonnen, Ausruhen (ich) und Arbeiten (Enora). Jeden Tag Meer, jeden Tag aufstehen, wenn man aufwacht, und ins Bett gehen, wenn man müde ist – der Tagesablauf nur von der Helligkeit des Tages abhängig.

La Ventanilla bei Sonnenuntergang - von Punta Cometa aus gesehen

Ich las und vertiefte mich weiter in das Barcelona der 1920er Jahre und tauchte erneut ab auf den Friedhof der vergessenen Bücher. Meine langen Lesephasen unterbrach ich lediglich für einen ausgedehnten Strandspaziergang, zum Schwimmen oder zum Essen. Carlos Ruiz Záfon zieht mich mal wieder in seinen Bann.

Echse auf einem Zweig - auf einem meiner Spaziergänge

Allerdings haben wir uns nicht nur im Umkreis von 30 Metern um unsere Hütte aufgehalten. Am Mittwoch Abend fuhren wir mit dem Collectivo nach Ventanilla um die Ecke, um uns dort eine „Liberación de Tortugas“ – also eine Schildkrötenfreilassung anzuschauen. Am frühen Abend und an einigen Tagen der Woche setzt das ansässige Schildkrötenschutz-Team Baby-Schildkröten aus und wer möchte, kann dabei behilflich sein und dabei zuschauen, wie die kleinen bepanzerten Tierchen, die kaum die Größe einer Zigarettenschachtel haben, in die Freiheit schlürfen.

Ich mit einer der kleinen Panzertierchen

Bei Sonnenuntergang werden sie an einem abgelegenen Strand in Reichweite der Wellen ausgesetzt und schleifen sich dann nach und nach in Richtung Pazifik. Mit ihrer Größe sind sie noch völlig der Gewalt des Meeres ausgesetzt, dass sich die kleinen Schildkröten Welle für Welle einverleibt, und wo sie lernen müssen, allein zu überleben.

...auf dem Weg in die Freiheit

Bei unserer Freilassung gewöhnten sich ungefähr 30 kleine Baby-Schildkröten an die Naturgewalten. Allerdings überleben nur die wenigsten von ihnen, weil Pelikane und Möven nur darauf warten, die wehrlosen Geschöpfe zu verspeisen. Nachdem Mazunte über Jahrzehnte das Zentrum der mexikanischen Schildkrötenjagd war, was seit Anfang der 90er Jahre verboten ist, haben sie nur noch natürliche Feinde – die ihnen allerdings das Leben und Überleben schwer genug machen. Dennoch müssen sie sich so früh wie möglich an die Freiheit gewöhnen, wenn sie lange in Freiheit leben wollen. Und so entscheiden das Schicksal, die Wellen und die Möwen und die Pelikane, welche der Schildkröten schließlich durchkommen.

Sonnenuntergang über dem Pazifik

Am Sonntag gönnte sich dann Enora einen komplett freien Tag und wir fuhren nach Huatulco, was in Mexiko als Öko-Urlaubsparadies mit ruhigen und jungfräulichen Stränden gepriesen wird. Doch wir mussten mal wieder feststellen, dass wie so oft in Mexiko, zwischen Werbung und Wirklichkeit eine kleine Schlucht klafft, etwa in der Größe des Landes. Das einst als Natur-Urlaubsparadies konzipierte Örtchen mit seinen Buchten hat nichts, aber auch gar nichts von dem, was es verspricht. Hotelklötzer säumen die Buchten, überall Neubauten, die meisten im Rohbau wieder fallen gelassen und nur wenig Ruhe. Also waren wir froh, dass wir die Woche doch in Zipolite verbracht und nicht, um mal etwas Neues zu machen, uns von der Werbung für Huatulco den Blick vernebeln ließen.

Pt. Angél - der nächstgrößere Ort neben Zipolite

Am Montag, nach einer guten Woche Ruhe und Entspannen, packten wir dann am frühen Vormittag unsere Rucksäcke zusammen und machten uns mit einem Van auf den Weg zurück nach Oaxaca. Unser Fahrer war so sehr die Ruhe selbst, dass wir leider 8 statt wie geplant 5 Stunden bis Oaxaca brauchten und wir so einen Zwangsstopp in der Stadt einlegen mussten. Wir quartierten uns erneut im Chocolate ein, einem Hotel, deren Besitzer sich dem Herstellen traditioneller Chocolate Oaxaceña widmen und in dem es stets nach dem frisch gemalenem, braunem, süßen Pulver riecht. Die Zimmer sind einfach und günstig und wir entschieden uns für eine verkürzte Nachtruhe.

am Meer - Kleinod in Bahía del Camarón

Bereits um 5 Uhr saßen wir am gestrigen Morgen dann schon wieder im Bus nach Puebla, durchquerten die Sierra mit ihren hohen, felsigen Bergen und ihren schroffen Tälern und kamen am Vormittag wieder in Puebla an.

Zurück im Tal von OaxacaMorgensonne über den Bergen in Richtung Puebla

Heute war ich dann bereits schon wieder in der Uni und mein Prof bemerkte auch schon, dass uns nur noch wenige Seminare bis zum Ende des Semesters blieben – und entschied, ab sofort ein wenig den Plan abzuarbeiten. Dass wir das schaffen, wage ich zu bezweifeln, hinken wir doch zu sehr hinterher – aber sei es drum – mir geht es gut und den letzten Wochen mexikanischer Uni sehe ich entspannt entgegen – folgt doch dann der wohl längste Sommer meiner Studienzeit – Mai bis Oktober – wirklich frei.

Dschungel-Palaeste, See-Festungen, tiefblaues Wasser und tropisceh Temperaturen

Posted in Caribe, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 8. Januar 2009 by Jakob

Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich mal wieder Zeit und Muse gefunden habe, hier mal wieder etwas zu schreiben. Und die Gefahr im seltenen Schreiben liegt darin, dass die Artikel, je seltener, um so ausfuehrlicher ausfallen. Aber gut, was solls.

Palenque - tief in der SelvaJetzt sind schon wieder fuenf Tag vergangen, und es sind fuenf Tage, in denen wir so unglaublich viel Neues zu Gesicht bekommen haben. Ich dachte, ich wuerde eines Tages muede werden, mir staendig neue Ruinen, Pyramiden und Palaeste anzuschauen, aber die, die man hier in México an den verschiedensten Stellen vorfindet, stehen in so unterschiedlichen Landschaften und haben so unterschiedliche Bauweisen, beeindruckende Ausmasse und geniale Settings, dass es einfach nicht langweilig wird.

Am Samstag Morgen war Enora (uebrraschenderweise) puenktlich aus Puebla gekommen und wir suchten uns zunaechst eine bessere Bleibe, als das schaebige Loechlein, in dem ich die Nacht verbracht hatte. Nachdem wir was gefunden hatten, gefruehstueckt und in wenig gebummelt waren, machten wir uns auf den weg in den Dschungel zu den Maya-Ruinen von Palenque. Riesenblaetter im DschungelWeil wir gluecklicherweise unter die Kategorie „mexikanische Studenten“ fallen, geniessen wir das grosse Glueck, saemtliche archeologische Staetten in México, seien sie noch so touristisch, kostenlos besuchen zu koennen. Das ist uebrigens in meinen Augen der groesste Vorteil meines Auslandsstudium bislang, was das reine Studium angeht.

Wir betraten die Ruinen durch den Haupteingang, bahnten uns den Weg durch dschungelartige Wege, mit grossen und hohen Baeumen, von denen Lianen herunterhaengen, und erreichten den Hauptplatz der alten Maya-Stadt. Die geamte Ausstrahlung dieser Ruinen erinnerte mich zunaechst an Angkor in Kambodscha: Dschungel, uberwucherte Ruinen, Palaeste und Tempel – aber es ist dennoch anders.

Hauptplatz PalenqueDer Hauptplatz ist umgeben von hohen Pyramiden, die auf dem oberen Plateau zumeist einen Tempel beherbergen. Weite und steile Treppen fuehren nach oben und hat man sich einmal den Weg nach oben gebahnt, hat einen weiten Blick ueber den umliegenden Dschungel, ueber das vergangene Reich der Maya und man kann sich lebhaft vorstellen, wie dieses Reich gerade von Palenque aus regiert und dominiert wurde. Palenque stammt der Legende nach aus knapp 1000 vor Christus und erlebte seine Bluetezeit in 8. bis 10 Jahrhundert, bevor es mit dem allgemeinen Kollaps der Mayas seinen Untergang fand. Der Kollaps der Maya ist bis heute kaum erklaerbar und heftig umstritten und erscheint um so fragwuerdiger, wenn man die elaborierten, kunstvollen und maechtigen Bauwerke dieser Zivilisation besucht. Sie strahlen nach wie vor etwas mysthisches aus. Palenque ist einmal mehr ein Beweis dafuer, dass man nach Monte Albán, Teotihuacán, Mitla und Yagul, Tula de Allende und Cholula eben noch laengst nicht alles dieser reichhaltigen Zivilisationen Méxicos gesehen hat, und dass man immernoch immer wieder auf Neue ueberrascht und beeindruckt werden kann. Leider waren wir erst am Nachmittag an den Ruinen angekommen und wurden schon nach anderthalb Stunden von den Ruinenaufsehern wieder rausgeschmissen, aber da wir ja Studenten sind, sind wir zwei Tage spaeter einfach noch einmal hin und haben uns den Rest der Staette, diesmal von einer anderen, noch viel verwachseneren Seite, angeschaut. Ein zweites Mal in den gleichen Ruinen und erneut ein voellig neuer Eindruck. Palenque ist grossartig. Nicht die Stadt von heute (die kann man in der Tourismuspfeife rauchen!), aber die alte erhabene Metropole der Mayas.

Aguas AzulAm Tag darauf hatten wir uns von zivilisierten Attraktionen wieder einmal mehr den Naturattraktionen zugewendet und waren mit einer Tour nach Misol-Ha, einem hohen und wunderbaren Wasserfall, unter dem man durchlaufen kann, und Aguas Azul gefahren. Aguas Azul war definitiv DIE Attraktion des Tages. Aguas Azul, das ist ein Fluss, der sich seinen Weg durch die Selva bahnt, von Wasserfall zu Wasserfall springt, mal gemaechlich weiterfliesst, bevor er sich immer wieder in natuerlichen Pools ausruht. Das Wasser ist unglaublich blau und tuerkis, es ist erfrischend kuehl und wir haben uns ausgiebig an der Erfrischung erfreut.

In der Nacht zum Dienstag haben wir uns dann schlussendlich auf den Weg nach Yucatán und in die Karibik gemacht. Der Nachtbustrip durch Chiapas war gekennzeichnet von Militaer-Checkpoints alle 10 Kilometer und so kamen wir mit dem Bus anfangs nicht wirklich voran.

Dschungel um PalenqueDiese Checkpoints fuehren einem ausserdem immerwieder die gespannte Situation in México vor Augen. Schwerstbewaffnete Militaers, behangen mit Maschinenpistolen und mit ihren amerikanischen Militaerjeeps stehen an den Seiten, schauen boese, und auf dem Dach des Jeeps liegt ein Soldat schussbereit hinter einem Maschinengewehr. NIcht die angenehmste Reiseatmospaehre. Aber die offizielle mexikanische Version lautet ja immer: No pasa nada. Mexico gehts gut. Das Gegenteil an Gefuehlen ist der Fall, vor allem, wenn man durch Chiapas reist. Der Bundesstaat ist seit dem Aufstand der Zapatisten 1994 unter Subcomandante Marcos foermlich abgefuellt worden, mit mexikanischem Militaer. Die politische Situation ist und bleibt angespannt und der Dialog zwischen Aufstaendischen in CHiapas und Regierung in DF sieht so aus, dass die Zapatisten die Waffen niedergelegt haben, Rfeormvorschlaege zur Verbesserung der Lage der indigenen Bevoelkerung in Chiapas gemacht haben und die Bundesregierung als Antwort Militaer und Repression gesandt hat. Auch in Palenque durften wir in der nacht schlendernd die kleinen Angst-Mac-Manoever des Militaers miterleben: Gegen Mitteracht kreuzte ein Mliitaerkonvoi, bis an die Zaehne bewaffnet und mit eben jenen Maschinengewehren auf den Daechern der Militaer-Hummer durch die Stadt. Schnell ruppig, finster blickend. Sicherheitsgefuehl vermitteln sieht in meiner Vorstellung anders aus. UNd scheint auch gar nicht die Intention. In solchen Situationen unterscheidet sich México wohl kaum von anderen herkoemmlichenKrisengebieten auf der politischen Landkarte. Aber soweit zu diesem Exkurs.

Disfrutando Caribe!Wir waren nach Tulúm gekommen und wollten uns eine Cabaña am Strand in der Naehe der alten Maya-Ruinen suchen und wurden sofort mit karibischen Preisen konfrontiert. Hatten wir bislang pro Nacht zwischen 200 und 300 Peso bezahlt, kamen hier die aermlichsten Versionen von Cabañas (ohne Bett, und ohne Haengematte) schon 500 bis 600 Pesos. Wir hatten Glueck und fanden einen vergleichsweise nette mit Bett fuer 500 und genossen den ersten Tag am Meer. Weisser Sand, tuerkisblaues Wasser: Es stimmt, es ist faszinierend! Und noch viel mehr bei Mondschein in der Nacht. Da schaut der Strand wie unter einer Schneedecke aus. Der Sand reflektiert das Mondlicht so beeindruckend, dass ich mich beinahe im deutschen Winter gefuehlt haette. Waer da nicht dieser Temperaturunterschied von 40 oder mehr Grad gewesen waere. (Hab grad aus Leipzig gehoert, dass es dort der zweite Tag unter -20 war…. also sind wir sogar 50 Grad waermer hier…)

Templo de Frescos - TulúmTulúm wollten wir auf Grund ueberhoehter Preise nach einer Nacht wieder verlassen. Allerdings nicht, bevor wir uns die faszinierenden Palaeste der Maya, die direkt ueber dem tuerkisblauen Wasser herausragen, angeschaut haben. Tulúm hatte seine Bluete im 13. und 14. Jahrhundert und war seiner Zeit die groesste Stadt af Yucatán. Bis heute stehen die alten Stadtmauern, durch die man hereinkommt und die die Palaeste und Tempel schuetzten.  Der Ort – einmal mehr – komplett anders. Ruinen auf Felsen, ueber weissem Strand und tuerkisblauem Wasser. Herrlich. Die Maya hatten ein gutes Auge fuer nette Plaetze, kann man da nur sagen. Auch hier durften wir wieder studentisch-kostenlos flanieren gehen und spaeter schnappten wir uns einen Colectivo nach Playa del Carmen. Hier sind wir seit gestern Abend und der Vorteil ist, weil groesser, gibt es eine groessere Auswahl an auch guenstigeren Herbergen. Wenngleich man jeden Verlgeich mit der Pazifikkueste unterlassen sollte. Die Karibik kostet definitiv das Doppelte. Und das liegt wohl auch daran, dass wir uns hier nur wenige Kilometer suedlich einer der Tulúm vom Meer aus gesehenbekanntesten Touri-Spots weltweit aufhalten: Cancún. Diese Stadt werden wir uns wohl nur fuer einen Tagesausflug goennen. Und am Montag von dort zurueckfliegen. Ja! Fliegen! Wir hatten das grosse Glueck, einen Flug von Cancún nach DF zu finden, der uns fuer rund 50 Dollar guenstiger wieder in die poblanische Heimat befoertdert, als der regulaere Bus. Und das auch noch in 20 Stunden weniger. Wenn das nichts ist. Alsdenn, ich zerfliess im Internetcafe und muss wieder an die Luft, an den Strand, in den Sand.

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