Archiv für cholula

Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

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Taxi durch die Nacht

Posted in puebla with tags , , , , , , , , on 26. April 2009 by Jakob

Es war gegen Mitternacht, als wir in der Nähe unserer Wohnung ein Taxi stoppten, und uns auf den Weg nach Cholula machen wollten. Simon, ein schweizer Freund, den ich in Pt. Escondido kennengelernt hatte war nach Puebla gekommen und nun bei mir zu Besuch. Und da La Jornada de México eine Sternschnuppennacht für den 23. April angekündigt hatten, wollten wir der Lichtverchmutzung der Großstadt entfliehen und im nahegelegenen Cholula nach Sternschnuppen ausschau halten.

Wir hatten uns erst spät auf den Weg gemacht, weil den ganzen Abend über Wolken den Himmel bedeckten und fleckenweise die Sicht auf die Sterne freigaben. Soweit man sie überhaupt im Himmel über Puebla erkennen konnte.

Unser Taxifahrer war ein chavito, ein jovencito. Arme und Hände wie ein 16jähriger, das Gesicht noch mit jungenhaften Zügen. Zum Lokalpreis von 60 Peso sollte er uns nach Cholula bringen und er nahm schließlich an.

Am Haupteingang zur Pyramide setzte er uns ab. Es war inzwischen halb eins, und um uns das Warten auf Sternschnuppen zu versüßen, kauften wir noch schnell im Oxxo an der Ecke ein Sixpack Indio. Schon während des Aufstiegs aufd ie Pyramide wurde uns rasch klar – wir waren nicht weit weg genug von Puebla gekommen. Der Himmel strahlte immernoch von den Lichtern der beiden Städte Puebla und Cholula und entgegen meiner Erwartungen war sogar der Aufstieg zur Kirche auf der Pyramide beleuchtet.Als ob dies nicht schon genug gewesen wäre, zogen zudem wieder leichte Wolkenschleier auf, die endgültig unseren Plan zunichte machten.

Wir setzten uns auf eine Wiese, liessen die Blicke über das Tal und über die flimmernden Lichter der beiden Städte schweifen und genossen dabei das mitgebrachte Indio. Eine knappe Stunde später rief ich unseren jungen Taxifahrer Cesar wieder an. Er meinte, er würde uns wieder abholen, wenn ich ihm eine halbe Stunde vorher Bescheid geben würde. Und das klappte auch. Als wir den Eingang der Pyramide erreichten, rollte er gerade mit seinem Wage vor. Es war inzwischen 2 Uhr morgens geworden. Und seine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit blieb dann leider auch das letzte Erfreuliche dieser nächtlichen Heimfahrt.

Kaum hatte César den Wagen zum Stehen gebracht, erklärte er uns, er müsse nur kurz Kühlwasser nachfüllen, sein Motor sei heiß gelaufen. Er schüttete 5 Liter Wasser ins Kühlsystem und das fauchte und spukte wie ein isländischer Geysir. Nach weiteren fünf Litern beruhigte sich der Motor und wir starteten los und schlichen uns mit dem Taxi, dass es wohl lang nicht mehr machen würde, auf die Autopista nach Puebla. Aber schon kurz nach dem Ortsausgang Cholula fuhr Cesar wieder an die Seite. In einem Club versuchte er erneut Wasser zu bekommen und schüttete kräftig nach. Nach 10 Minuten bogen wir wieder auf die Autopista und überholten alsbald einen Pick-Up der Verkehrspolizei. Wenige Minuten später fuhr der auf der linken Spur auf unsere Höhe, leuchtete uns an, setzte sich hinter uns, gab per Hup-Sirene uns ein Zeichen, anzuhalten.

César fuhr den Wagen an die Seite und stieg aus dem Taxi, um mit den Polizisten zu reden. Nicht wirklich unüblich, dass man nachts von der Polizei angehalten wird. Und normalerweise machen das die Polizisten, um sich durch irgendeine Dummheit des Autofahrers ein zusätzliches Taschengeld zu verdienen. Der Autofahrer zahlt meist anstandslos und ohne Quittung und kann nach wenigen Minuten weiterfahren. Einige Scheinchen leichter. Nicht so diesmal.

Unser Chofer blieb länger bei den Polizisten, als erwartet. Nach fünf Minuten kam er wieder zu uns zurück und fragte mich, ob er mit meinem Handy seinen Chef anrufen könnte. Er habe keinen Führerschein dabei. Angeblich wurde der ihm bei einem Überfall wenige Tage zuvor abgenommen.

Ich gab ihm mein Handy und er verschwand wieder zu den Polizisten. Nach weiteren guten fünf Minuten hörten wir erneut das Polizeihorn. Nein, die Polizisten hätten sich nicht aus ihrem PickUp herausbewegen können, um mit uns zu kommunizieren. Man muss schon klar machen, wer die Waffen hat.

Wir ignorierten das erste Hupen, beim zweiten ahnten wir allerdings, dass sie nun auch was von uns wollten. Ich stieg also aus und ging zum Polizei-Pickup, in dem die beiden dicken Polizisten saßen. „Buenas noches! Was ist los?“, fragte ich und der Polizist erklärte mir ohne Umschweife, wir müssten aus dem Taxi aussteigen und uns ein Neues suchen. Er müsse das Taxi konfizieren und den Fahrer mitnehmen. Ich hielt das für keine gute Idee. Wir standen schließlich auf der Autobahn zwischen Cholula und Puebla. Nachts. Um 3 Uhr. Ich bemerkte also, dass, falls es dem Polizisten noch nicht aufgefallen sei, wir mitten in der Nacht auf der Autobahn stünden, und ich von daher nicht gedenke, das Taxi zu verlassen, um dann mitten im Nirgendwo darauf zuhoffen, dass uns ein Taxi mitnimmt. Ein gefundenes Fressen obendrein für Gelegenheitsräuber – drei Weisse auf der Autobahn. Nachts. Um 3 Uhr.

Meine Einwände schienen dem Polizisten zwar nicht ganz einzuleuchten, aber man dazu sagen, dass mexikanische Polizisten ja auch nicht dafür bezahlt werden, für Sicherheit zu sorgen. Sie sind das eigentliche Risiko. Ein neues Taxi könnten sie uns selbstverständlich nicht rufen, dass sei schließlich nicht ihr Job, wurde ein weiterer meiner Vorschläge abgeschmettert.

Am Ende genehmigten die Polizisten hererweichenderweise, dass unser Taxifahrer uns noch bis an den Stadteingang von Puebla fahren dürfte, wir aber dort unverzüglich das Taxi zu verlassen hätten und er ihnen folgen müsste.

Ich ging also zurück zum Taxi und unterrichtete Enora und Simon über die Situation und der Taxifahrer fuhr uns schließlich bis nach Puebla. An den Eingang, zur ersten Ampelkreuzung. Hier verließen wir seinen Wagen, ohne zu zahlen, und hofften auf ein neues Taxi. Es kamen auch sogleich drei vorbei, die allerdings ihren Vorteil aus der Situation ziehen wollten und uns horrende Preise nannten. Es wäre schließlich schwierig, um diese Zeit ein Taxi zu finden, wies uns einer der Halsabschneider dezent auf unsere Situation hin, und ich knallte ihm die Tür zu. Fluchend.

Wenig später hielten wir uns dann ein weiteres Taxi an. Der Fahrer mit klassischer Verbrechervisage. Fragt mich nicht, wie so eine aussieht, aber das war, was ich dachte, als ich die Beifahrertür öffnete, um mit ihm über den Preis zu reden. „50 Peso.“, sagte er – und ich dachte: ‚DAS ist jetzt aber zu billig!‘, wollte bereits sagen:“ Wir zahlen 60, aber Du fährst uns auch wirklich da hin, wo wir wollten“, brachte aber schließlich nur ein „muy bien“ heraus und wir stiegen ein. Wider meiner Erwartungen brachte er uns wirklich dahin, wo wir hinwollten und als wir das Taxi verließen, meinte Enora zu mir, dass sie genau das gleiche gedacht hatte, als wir einstiegen.

Nach schließlich knapp zwei Stunden Taxi-Odysee kamen wir dann am frühen Morgen wieder zu Haus an. Sicher. Und eine neue Erfahrung reicher. „Die Polizei, Dein Freund und Helfer.“ – kein Satz, den man auf Mexiko anwenden könnte.

PS: Diesen Artikel habe ich bei bester Gesundheit und frei von Grippeviren verfaßt. Der Konsum dieses Artikel stellt kein Risiko dar.

No pasa mucho…

Posted in puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 25. September 2008 by Jakob

Nachdem ich aus dem Wochenende aus D.F. wiedergekommen bin, ist hier wohl eine der ruhigsten Wochen überhaupt ins Land gegangen. Am Mittwoch war mein Prof trotz freitäglicher Beteuerungen nicht zum Unterricht gekommen, am Freitag das Gleiche noch einmal. (Photo: Luciana Ghiotto – Auf dem Weg zum Markt -> für weitere Bildbeschreibungen einfach mit der Maus auf das Bild gehen…)

In der Zwischenzeit hatte sich allerdings ein neuer Besucher angekündigt, und so traf ich am Freitag dann auf dem Zócalo in Puebla Andres, den Bruder von Gerdis einer guten Freundin von mir in Bonn. Er hat in Mexico seine 8 Monate „around the world“ gestartet, und wollte nun einmal ein Wochenende abseits seiner Gastfamilie in Mexico City verbingen. Also hatte er mir eine Mail geschrieben und angefragt, ob er nach Puebla kommen könnte und am Freitag war er dann da.

Am Samstag machte sich die halbe WG auf den Weg zu einer kleinen Feria – einem Markt im Stadtzentrum auf dem es Pflanzen, Handwerkskunst und andere Dinge zu kaufen und zu bestaunen gibt. Wir suchten alle irgendwas für unsere Zimmer. Enora wollte Lampen kaufen, ich Pflanzen, Luciana wer-weiß-was und Agostina wollte mal schauen… Fast den ganzen Nachmittag schlenderten wir über den doch recht übersichtlichen Markt. Andres verliebte sich in eine Lucha-Libre-Maske und schlug letztendlich zu. Ich persönlich schlug bei Pflanzen zu und habe mein Zimmer nun endlich ein wenig grüner gemacht. Eine kleine Chilli-Pflanze mit gelben Schoten und eine Blume mit orangenen, großen Blüten zieren jetzt mein Fensterbrett und eine große Palme, die über meinen Bauchnabel hinaus reicht steht nun auf dem Zimmerboden unter meiner (ebenfalls neuen) Mexico-Karte. Am Abend dann stand ein Großprojekt auf dem Plan. Pizza für alle! Nach einigen meiner Kochexzesse hatte meine WG mich dazu verpflichtet, doch einmal etwas für alle zu machen und so hatten wir zuletzt verabredet, dass die WG die Zutaten kauft und ich dann federführend was draus mache. Am Ende lief es auf Pizza hinaus und Luciana und ich machten uns auf den Weg zum Super, um die Zutaten zu finden und zu kaufen. Dass es wirklich schwierig werden könnte, Hefe zu kaufen, hatte ich anfangs schon befürchtet, aber meine Bedenken dann doch wieder (zu Unrecht) verworfen. Aber es gibt nun einmal keine Hefe in einem mexikanischen Supermarkt. Weder in der Backabteilung, noch bei den Mehlsorten und Backmischungen, noch in der Kühltruhe. Also wollten wir auf Fertigmischung für Pizzaboden zurückgreifen. Ebenso Fehlanzeige. Also mussten wir notgedrungen auf fertige Pizzaböden zurückgreifen, was mich nicht so richtig glücklich machte. Als wir dann alles beisammen hatten, schnippelten und belegten Andres, Luciana und ich um die Wette. Acht Pizzen schoben wir später nach und nach in den Ofen und die ganze WG genoss den Schmaus einige Stunden lang. Am Ebde des leckeren Pizza-Mahles folgte dann eine Session PENDEJO. PENDEJO, dass ist ein Kartenspiel, bei dem man, wenn man verliert immer einen Buchstaben mehr des Wortes PENDEJO auf die Stirn geschrieben bekommt. PENDEJO steht in Mexico, gelinde gesagt, für Trottel – man darf es sich aber durchaus ein wenig derber vorstellen. Die anderen dürfen immer nur mit denjenigen reden, die genauso viele Buchstaben auf der Stirn haben, wie sie selbst. Brechen sie die Regel und sprechen mit einm Mitspieler, der mehr Buchstaben, als sie, auf der Stirn hat, ziehen sie mit diesem Mitspieler gleich und bekommen die gleiche Anzahl an Buchstaben auf die Stirn. Kleine Nebensache: Bei jeder Runde, die man verliert, muss man natürlich ein Glas Tequila leeren. Por supuesto – sonst wär’s ja auch nich mexikanisch. Später setzten wir dann die WG ins Taxi und rollten noch ein wenig auf die nächtliche Partypiste Pueblas.

Trotz kurzer Nacht schafften wir es dann aber amSonntag doch recht temprano aus den Federn. Ich wollte mit Andres noch auf jeden Fall nach Cholula, damit er wenigstens noch einen Touristen-Hot-Spot in der Nähe von Puebla mitnehmen konnte. Am Ende fuhren wir zu Dritt nach Cholula und so kam auch Enora das erste Mal zu einem Tagesbesuch nach Cholula.

Seit Montag geschieht in der BUAP mal wieder nicht viel. Irgendein Kongress ist wohl wie aus dem Nichts ins historische Seminar geplatzte und es fällt mal wieder massenweise Unterricht aus. Da aber kein Prof vorher bekannt gibt, ob er unterrichten wird, oder nicht, wackel‘ ich derzeit immer brav in die Uni, um dann in den meisten Fällen festzustellen, dass es mal wieder keinen Unterricht gibt. Also eigentlich alles wie immer. Zumindest an der BUAP. Und dies weckt doch in mir so langsam den Wunsch, hier nicht mit sinnlosen Uniausflügen meine Zeit zu verschwenden, sondern lieber auf Reisen zu gehen. Es wird Zeit….

Achja, ein was Spannendes passierte dann doch noch am Sonntagabend: Ein Projektionsspektakel über die Geschichte Pueblas projiziert auf die Fassade der Kathedrale. Die Photos dazu hier:

PS: Achja, und für alle, die sich über den Herbst in Deutschland aufregen: Ich fühl mit Euch – wir haben momentan jeden Tag mindestens zwei Stunden Regen und Temperaturen unter 20 Grad (jaahaaa – und das in Mexico) – noch ein Grund, mal wieder aus Puebla rauszukommen…

Tranquilo no más!

Posted in Festejando!, puebla, uni with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 1. September 2008 by Jakob

Nun gut, wenn die Uni eben nicht so richtig will, dann muss man eben andere Sachen machen. Am Donnerstag war mein einziges Seminar, dass ich Donnerstags habe, ausgefallen. Der Profe hatte wohl andere Sachen zu tun, teilten mir meine Kommillitonen mit, als ich mit halbstündiger Verspätung (was hier vollkommen unter Pünktlichkeit fällt) in die Uni kam. Okay, ich war also einmal mehr sinnlos in die Uni gelaufen – aber die BUAP ist wohl bekannt für solcherlei Fälle. Also bin ich wieder nach Hause und habe auf dem Dach entspannt. Später bin ich dann mit Néstor und Enora aus meiner WG in ein Taxi gesprungen und wir sind auf die Piste in Cholula gezogen. Dort trafen wir Freunde von Néstor und später noch Paulina aus unserer WG und zogen weiter mit ihnen um die Häuser.

Allerdings trennten sich Enora und ich von der Gruppe, als wir gegen 3 in einen Club gehen wollten und der Einlaß ein etwas sehr seltsames T-Shirt trug. Ein rotes Band verlief quer über sein Shirt und endete in einem Hakenkreuz. Auf dem roten Untergrund stand: „Just because it’s cool!“ – ein bißchen viel für unseren Geschmack. Ich fragte den Typen, ob er wisse, was sein T-Shirt zu bedeuten hätte und ob er eine Ahnung hätte, woher das Hakenkreuz stamme. Er hatte von Nichts eine Ahnung. Und er erklärte mir, dass das T-Shirt einfach „cool“ sei. Nun, Enora und ich versuchten ihm ein wenig klar zu machen, was das Hakenkreuz symbolisiere und wir zogen mehr und mehr die Aufmerksamkeit auf uns. (Photo: Einlass-Junge mit Hakenkreuz-Shirt „Just because it’s cool“) Andere Jungs vom Einlaß kamen zu uns und fragten uns, warum wir ein Problem damit hätten. Ein ganz Schlauer vermutete, dass wir wahrscheinlich aus Deutschland kämen und deswegen ein wenig „fest“ in dieser Thematik seien. Als zumindest ich bejahte, lachte er nur und meinte, dass das doch nichts Schlimmes sei. Nun ja, sagen wir mal so, die Jungs interessierten sich zwar dafür, warum uns das Hakenkreuz störe, aber verstanden auch nach der Erklärung, dass es für Millionen Tote, für Völkermord, Rassismus und für eines der schlimmsten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte stünde, nicht, dass es uns schlicht abstieß, in diesen Club zu gehen. Wir blieben konsequent und schnappten uns ein Taxi zurück nach Puebla. Bleibt mir nur anzufügen, dass es in Mexico nichts unnormales ist, dass Jugendliche das Hakenkreuz als Symbol für Rebellion oder Coolheit tragen – in D.F. hatte zuerst Stände gesehen, an denen Hakenkreuze an Ketten verkauft wurden – für mich ein wenig schockierend – und um so schlimmer, dass sie nicht wissen, was es eigentlich bedeutet.

Am Freitag dann, mein zweistündiges Seminar hatte eine ermüdende halbe Stunde gedauert, gingen wir dann mit der gesamten WG aus. Eine Cantina stand auf dem Plan. Cantinas, das sind ziemlich große Orte, wo man am frühen Abend isst, später gibt es Livemusik und Clubmusik im Wechsel. Wir tanzten so ziemlich die gesamte Nacht durch und kamen erst am frühen Morgen zurück in die Quinze.

(La fiesta con la Quinze – Photos: Enora M., Luciana Ghiotto y otros…)

Der Samstag folgte dann mit Regen. Den ganzen Tag. Ein klassischer Fall für’s Bett. Nach spätem Aufstehen und ein bißchen Einkaufen gehen stand nicht viel mehr auf der Liste. Der Abend verlief dann ähnlich ruhig und heute folgte dann ein wahrer Sonn-Tag in Puebla. Lecker Frühstück mit frischen Saft (hatte ich schon erwähnt, dass eine der ersten Sachen, die ich mir gekauft habe, eine Saftmaschine war?! – Geile schei**! Und Naranjas, also Apfelsinen, kosten hier 1 Euro drei Kilo!), Eiern und Cafecito – was will man mehr an einem Sonntag morgen…

Am Nachmittag machten sich dann Enora, Luciana und ich auf den Weg in die Stadt. Eigentlich hatten wir einen Mercado gesucht, aber leider nicht gefunden. Stattdessen spazierten wir durch die Strassen, schauten uns den Paseo Bravo an (ein Boulevard mit einem breiten Grünstreifen, wie ein Park in der Mitte), spazierten zur Avenida Juárez und kehrten in ein nettes, an Hundertwasser erinnerndes, Restaurant ein und ließen es uns bei Garnelen und Ceviche gut gehen.

(Paseo del Domingo)

Jetzt stehen so langsam ein paar Vorbereitungen für die Uni auf dem Plan und mal schauen, was die nächste Woche so bringt… Uni? Oder Ausfall? Oder Verspätung? Bueno lo que sea… asi se pasa la vida mexicana…

Bloggisches – editorial, quasi.

Posted in am Rande with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 28. Juli 2008 by Jakob

Ich hab heute (ist ja Sonntag, und was sollte ich anderes tun) den Artikel von gestern noch einmal layoutmäßig überarbeitet – einige Bilder waren sehr unvorteilhaft in der Darstellung und außerdem habe ich ein Video der Voladores hinzugefügt.

Video. Womit ich eigentlich schon beim Thema „zusätzliche Medienangebot“ von El Mejicano wäre. Ich sammle sämtliche Videos, die ich hier in Mexico aufnehme, auf einer untergeordneten Seite auf diesem Blog. Unter „Seiten“ befindet sich ab sofort die Kategorie „Bewegte-Bilder“. Also falls man später nochmal ein Video anschauen möchte, aber den Artikel nicht umständlich (obwohl das auch recht einfach ist) suchen möchte, dann klickt man dahin.

Photos. Da ich in meinen Artikeln leider nicht übermäßig viele Photos unterbringen kann, und sie in der Darstellung auch meist recht klein geraten, habe ich auch hier zusätzliche Möglichkeiten eingebaut. Eine Auswahl von Bildern, in voller Größe und Qualität, befindet sich in Form von Dia-Shows bei Flickr. Diese Dia-Shows sind auch direkt verlinkt. Rechts in der Kategorie „…mehr Mexico!“. Nach dem Klicken bitte F11 drücken – dann switcht der Browser in den Vollbildmodus und man kann die Bilder in wirklich voller Größe geniessen. Klickt man mit der Maus auf das „i“ in der Mitte des Bildes, bekommt man kurze Beschreibungen dazugereicht. Ich empfehle ein Glas Wein dazu.

Sonstiges. Habe unter „Seiten“ noch eine Seite eingerichtet, auf der ich mal in der Schnelle alles zusammengeschrieben habe, was man so beachten muss, falls man mal in Mexico studieren möchte. „Mexico-Start-Tipps“ heißt die Seite und man findet dort den ein oder anderen, wie ich finde hilfreichen, Hinweis für Planung und Ausführung etwaiger Mexiko-Pläne.

Zusätzlich gibts die wichtigsten Links, die man in Mexico gebrauchen könnte in der Kategorie „…Mexi-Links“, von WG-Suche, über Bustickets bis hin zur Botschaft.

Ja, soweit zum editorialen Teil heute. Bei Fragen – fragen! Merci und weitermachen.

(PUHHH, na das war ja heut mal kurz?! Keine Sorge, der nächste Erlebniseintrag kommt bestimmt….:-) )

El Sol de Cholula.

Posted in Bienvenidos!, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 27. Juli 2008 by Jakob

(Bild: Aguacero in Puebla) Der Vermieter, Dein Freund und Helfer. Irgendwie komisch – seit zwei Tagen wohne ich jetzt bei Gerardo und seiner Mama. Okay, daran ist jetzt nichts wirklich komisch, wenn man in Deutschland auch einfach so für die Zeit, bis die angemietete Wohnung frei ist, beim Vermieter einziehen würde. Aber wir sind eben nicht in Deutschland. Der Jakob und ich. Also ich.

Allerdings fühle ich mich bei den beiden wirklich sehr wohl. Ich habe mein Zimmer (also das von Gerardo, der für die Zeit ins Büro gezogen ist), kann machen und lassen, was ich will, kann kochen und entspannen. Eben wie ich will. Gestern bin ich dann, nach einer gehörigen Mütze Schlaf (Okay, länger als bis halb zehn wollte es auch ohne Wecker nicht werden), wieder ins Zentrum aufgebrochen. Ah ja, natürlich: Ich wohne momentan ein wenig außerhalb – aber mit dem Camion ist das kein Problem. Ich wollte meine Registrierung bei der Uni in geordnete Bahnen bringen. Jetzt, da ich einen Mietvertrag habe, kann ich das tun, weil ich damit auch eine eigene mexikanische Adresse habe. Und die wollen die haben. Für das Ausländerregister. Also dachte ich mir, besser jetzt, als später und ging erstmal zur Bank. (Bild: Strassenzug in Puebla) Dort musste ich 600 Pesos abdrücken für ein Formular, dass sich „Hoja de Ayuda“ nennt, aber nichts anderes ist, als ein Beleg dafür, dass ich vorab schon mal Geld für das Registrieren im Ausländerregister bezahlt habe. Auch in Mexiko kostet die Bürokratie Geld. Und wofür die 606 (genau, es waren 6 mehr) Pesos waren, konnte mir bisher aber keiner plausibel erklären. Danach machte ich kräftig Kopien. Mein Pass, mein mexikanisches Aufenthaltsdokument, der FM3 (alle Seiten, auch die leeren, jahaaa), Mietvertrag, Strom und Gasversorgung, „Hoja de Ayuda“ und eine Kopie des Ausweises meiner Vermieterin (oder besser Gastgeberin) rauschten in einem kleinen Copy-Shop neben der Uni in der Altstadt durch den Kopierer. Das Kopieren kostet zum Glück fast nix. Über 30 Seiten – 3 Pesos. Ja, der Kurs ist immernoch 1:16. Mit dem Stapel Papier und meinen Originalen flitzte ich wieder ins Edificio Carolino. Das ist das beeindruckende Hauptgebäude der BUAP, wo zum einen die Internationalen Beziehungen sitzen (jepp, die wohnen da) und zum anderen die Uni-Anwälte sitzen, die die Registrierung der ausländischen Studenten im Ausländerregister übernehmen. (Bild: Mein Campus an der BUAP) Die staunten auch nicht schlecht, als ich zwei Tage nach meinem ersten Aufkreuzen bereits mit allen erforderlichen Dokumenten wieder in der Tür stand. Nachdem ich meine Unterlagen dort hinterließ (das ging ihnen zu schnell – sie wollen die Registrierung con tranquilidad im August machen – bienvenidos en México!), hab ich das erste mal so etwas wie Sightseeing in Puebla gemacht. Dafür hatte ich zuvor nicht die Ruhe gefunden. Also schlenderte ich einige Strassen entlang, bewunderte die kolonialen, bunten und flachen Gebäude. Puebla ist nicht zu unrecht Welterbe der UNESCO, dachte ich mir und suchte mir den Weg zu meiner neuen Casa Colonial. In Vorfreude sozusagen, schaute ich mir mein Viertel genau an und setzte dann meinen Weg durch ein Künstlerviertel ins Zentrum fort. Auf einem Markt bestaunte ich Handwerkskunst und merkte mir schon mal, wo ich die Dekoration für mein Zimmer kaufen werde.  Als ich des Laufens müde geworden war, versuchte ich wieder mit dem Bus nach Hause zu finden. Erstaunlicherweise klappte das auch ohne größere Probleme und ich stieg tatsächlich an der Ecke aus, an der ich die Strasse nur noch ein paar Meter runterlaufen musste – zum Haus von Gerardo und seiner Mama. Ich ging ein wenig ins Internet und lud mir Reportagen und Podcasts beim Deutschlandfunk runter. Obama, Lufthansa-Streik, Kontaktlinsen, Egon Bahr zu Obama, Internationale Presseschau und und und. Und zu guter Letzt: den aktuellen Radiotatort. (Bild: Artensania in Puebla) Mit ausreichend Futter für den MP3-Player und für News-Hirn haute ich mich auf mein Bett und lauschte. Später tauchten Gerardo und seine Mama auf. Sie mussten noch zum Artz und machten sich auf den Weg.

(Irgendwann muss ich auch mal noch ein paar mehr Worte zu den beiden fallen lassen – aber dann wir das wieder sooo lang. Nur soviel: Die Familie liebt Deutschland, eine Tochter lebt in Essen mit ihrem Mann. Jan aus Dresden. Alle waren schon in Leipzig und Gerardos Novia studiert in Münster. Ebenso Deutsche. Noch Fragen? Gut. Mehr dazu später.)

Nachdem die beiden nach Einbruch der Dunkelheit zurückgekommen waren, schlug mir Gerardo vor, noch auf ein zwei Cervezas in eine „richtig mexikaische“ Kneipe zu gehen. Toller Vorschlag! Wusste gar nicht, dass Abendprogramm auch zur Betreuung designierter Mieter gehört. Aber cool. Gerardo fuhr seinen gelben Crossfox vom Hof, ich sprang ihm zur Seite und wir rauschten über die nächtlichen Strassen Pueblas. Stolz schob Gerardo eine CD in den Player – mit mindestens zehn deutschen Songs. Als als erstes „Du hast die Haare schön!“ aus den Lautssprechern plärrte, klärte ich ihn auf, dass das nicht wirklich typisch-deutsche Musik sei. Er erklärte sich glücklicherweise einverstanden, und spulte zu „Wir sind Helden“. Danach folgten glücklicherweise wieder lateinamerikanische Klänge: Maná, Café Tacuba, Juanes, Reggeaton. Hat sich nicht viel geändert seit 2005. Blaues FensterWir kamen in der Juarez an und parkten den Fox in eine Mini-klitzekleine Parklücke. Gerardo bewies Talent. Ganz ohne chocar – also anstoßen. Am Ende hatten wir vor 15, hinten 10 Zentimeter zum nächsten Wagen. Wir spazierten in die Cantina de los Remedios. (Bild: Buntes Fenster in Puebla)

Am Eingang versperrte zunächst eine Kette den direkten Zugang. Ein Schild prangte neben der Tür: „Keinen Zutritt haben: Bewaffnete, Besoffene, unter Drogen Stehende, Angehörige der Fuerzas Armadas in Uniform und Polizei.“ Kein Spaß. Wir wurden eingelassen und bestellten ein Tisch für zwei Personen beim Mesero. Der Laden war voll mit Menschen bis unter die Decke. Bunte Wände, bunte Decken, ein paar Säulen dazwischen, richtig groß. Wir schlugen uns zur Bar durch und warteten bei einer Runde Kauf-1-bekomm-2-Cervezas auf unseren Tisch. Irgendwann bekamen wir ihn auch im Gewühl, setzten uns, mampften ein paar Chips, mit Chilli und Limonen und ein bißchen Popcorn. In dieser Kantine waren fast so viele Kellner beschäftigt, wie Besucher. Aber mit einer beeindruckenden Aufmerksamkeit. Kaum war ein Bier alle, stand der Mesero Gewehr bei Fuß und öffnete das nächste Flasche, die bereits in einem mit Eis gefüllten Metalleimer auf ihren Verzehr wartete. Als dann um halb elf die Mariachis ihren Auftritt hatten kochte die Stimmung weiter hoch. An allen Tischen wurde getrunken, gegessen, gespielt. Eine wahnsinnig bunte Mischung an Menschen, Bürohengste, einfache Arbeiter, Jugendliche, Paare, Alte und Familien – alle vereint in diesem Laden. Toll. Nach drei Bier machten wir uns wieder auf den Weg. Gerardo setzte den Wagen aus der noch enger gewordenen Parklücke und wir rauschten davon.

Es ist in Mexiko üblich, dass man trinkt und fährt. Das hatten wir schon in D.F. Aber wo keine Kontrolle, da fährt man eben nach der Party. Normal. Darüber darf man sich nicht wundern. Schließlich kann man, sollte man doch einmal in eine Kontrolle geraten, den Polizisten auch ein paar Pesos in die Hand drücken. Asi funciona! Auf dem Heimweg hielten wir noch an einer Taqueria, schoben uns leckere Tacos Especial mit Limonen, Fleisch, Tomate, Zwiebeln und Salsa verde rein und fuhren nach Haus.

(Bild: Kirche am Zocalo von Cholula) Heute habe ich dann erneut versucht, auszuschlafen. Allerdings bin ich dafür offenbar zu ausgeruht. 8 Uhr war Schluss. Ich nahm eine Dusche (auch diesem Phänomen muss ich bei Gelegenheit einen eigenen Blogeintrag widmen – mexikanischen Duschen) und machte mir ein paar Rühreier mit Champignons, Zucchini, Tomaten und Zwiebeln. Gerardo war schon außer Haus gewesen und hatte frisch gepressten Orangensaft und Mangosaft mitgebracht. Nach den Frühstück ließ ich mir von ihm den Weg nach Cholula erklären.

Zwei Busse, also hier Camiones, musste ich nehmen, Ich versuchte mir seine Beschreibung zu behalten und schaffte es tatsächlich auch nach Cholula. Auch, wenn mir mein Stolz einen kleinen Umweg einbrockte. Ich hatte es nicht für nötig gehalten, den Chofer zu fragen, wo ich aussteigen müsste und als ich es dann doch für nötig hielt, waren wir ein bissl zu weit. Aber ich bin ja gut zu Fuß und wanderte den Weg zurück, hinein nach Cholula. Cholula ist eine Nachbarstadt von Puebla und bekannt für ihre große Pyramide. Mehr ein Berg, der von Menschhand geschaffen wurde und mit einer Kirche gekrönt wurde – dem Santuario de la Virgen de los Remedios. Ansonsten ist die Stadt klein und übersichtlich und, wer hätte daran gezweifel, mit einem großzügigen Zocalo ausgestattet.

Ich nahm Platz in einem Cafe unter den Balustraden der Municipalidad und bestellte eine Latte. (Bild: Pyramide von Cholula) Beobachtete die Menschen, sah einem Mädchen beim Taubenjagen zu, ließ die Gedanken schweifen und genoß die Sonne. Ein toller Moment. Wie gemacht für die Jever-Werbung. Keine Termine, keine Autos, kein Stress….

Später suchte ich mir den Weg hinauf auf die Pyramide und genoß von oben den tollen Blick über die Weite des Landes. Überall kleinere Kirchen, viel grün und leider noch kein Blick auf die Berge. Die hüllten sich weiter in Wolken. Als ich später wieder hinabstieg beobachtete ich ein interessantes Treiben. Auf einem Platz hatten indianische Mexikaner einen Mast zu einem Menschen-Karussell umfunktioniert, kletterten hinauf, gürteten sich mit Seilen und stürzten sich nach unten. Drehend. Dabei auf ihren Flöten spielend. Los Voladores de Cholula. Die fliegenden Menschen von Cholula – eine Bewegtbilderimpression gefällig? Bitte.

Später schlenderte ich durch die Strassen zurück zur Bushaltestelle. Vorbei an Kunsthandwerksläden, in denen man hätte alles kaufen können. Bunte Wandteppiche, Monde und Sonnen aus Ton, bunt angemalt, freundlich lachend, Masken, Schädel, Vasen und und und – ich hätte glatt in ganzes Haus neu einrichten mögen. (Bild: El Santuario de la Virgen de los Remedios) Wunderschöne Sachen. Ich hielt mich allerdings zurück und kaufte mir nur meine Sol de Cholula. Ein gelbe Sonne mit orangenen Strahlen – eine Art Plüschtier, nur eben ohne Plüsch, aber dafür handbemalt. Sie leistet jetzt meinem Herrn Knigge Gesellschaft. Knigge? Das ist der kleine braune Bär, den mir meine Mama 2005 vor meinem Südamerikatrip schenkte – damit einer auf mich und mein gutes Benehmen aufpasst. Und weil ich finde, dass er das bisher sehr gut gemacht hat, hat er sich meine kleine Sol de Cholula wirklich verdient. Sobald ich in mein eigenes zu Hause gezogen bin, werde ich wieder nach Cholula fahren und die ein oder andere Maske für meine Wände kaufen. Überleg‘ schon, wie ich die tollsten Sachen nach Deutschland exportieren kann. Ohh Mann, das wird nicht einfach – aber die Sachen sind unglaublich schön. Später schnappte ich mir wieder ein Camion Directo nach Puebla und meisterte den Weg nach Hause, als wär ich ihn schon immer gefahren. So entwickelt sich das hier.

PS: Es gibt mehr Bilder – zum Klicken, F11 drücken und geniessen: Rechts in der Seitenleiste, unter „…mehr Mexico“ -> Puebla und Cholula. Zeitnehmen, geniessen, mitreis(s)en lassen. Euer Jakob.

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