Archiv für cholula

Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

Taxi durch die Nacht

Posted in puebla with tags , , , , , , , , on 26. April 2009 by Jakob

Es war gegen Mitternacht, als wir in der Nähe unserer Wohnung ein Taxi stoppten, und uns auf den Weg nach Cholula machen wollten. Simon, ein schweizer Freund, den ich in Pt. Escondido kennengelernt hatte war nach Puebla gekommen und nun bei mir zu Besuch. Und da La Jornada de México eine Sternschnuppennacht für den 23. April angekündigt hatten, wollten wir der Lichtverchmutzung der Großstadt entfliehen und im nahegelegenen Cholula nach Sternschnuppen ausschau halten.

Wir hatten uns erst spät auf den Weg gemacht, weil den ganzen Abend über Wolken den Himmel bedeckten und fleckenweise die Sicht auf die Sterne freigaben. Soweit man sie überhaupt im Himmel über Puebla erkennen konnte.

Unser Taxifahrer war ein chavito, ein jovencito. Arme und Hände wie ein 16jähriger, das Gesicht noch mit jungenhaften Zügen. Zum Lokalpreis von 60 Peso sollte er uns nach Cholula bringen und er nahm schließlich an.

Am Haupteingang zur Pyramide setzte er uns ab. Es war inzwischen halb eins, und um uns das Warten auf Sternschnuppen zu versüßen, kauften wir noch schnell im Oxxo an der Ecke ein Sixpack Indio. Schon während des Aufstiegs aufd ie Pyramide wurde uns rasch klar – wir waren nicht weit weg genug von Puebla gekommen. Der Himmel strahlte immernoch von den Lichtern der beiden Städte Puebla und Cholula und entgegen meiner Erwartungen war sogar der Aufstieg zur Kirche auf der Pyramide beleuchtet.Als ob dies nicht schon genug gewesen wäre, zogen zudem wieder leichte Wolkenschleier auf, die endgültig unseren Plan zunichte machten.

Wir setzten uns auf eine Wiese, liessen die Blicke über das Tal und über die flimmernden Lichter der beiden Städte schweifen und genossen dabei das mitgebrachte Indio. Eine knappe Stunde später rief ich unseren jungen Taxifahrer Cesar wieder an. Er meinte, er würde uns wieder abholen, wenn ich ihm eine halbe Stunde vorher Bescheid geben würde. Und das klappte auch. Als wir den Eingang der Pyramide erreichten, rollte er gerade mit seinem Wage vor. Es war inzwischen 2 Uhr morgens geworden. Und seine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit blieb dann leider auch das letzte Erfreuliche dieser nächtlichen Heimfahrt.

Kaum hatte César den Wagen zum Stehen gebracht, erklärte er uns, er müsse nur kurz Kühlwasser nachfüllen, sein Motor sei heiß gelaufen. Er schüttete 5 Liter Wasser ins Kühlsystem und das fauchte und spukte wie ein isländischer Geysir. Nach weiteren fünf Litern beruhigte sich der Motor und wir starteten los und schlichen uns mit dem Taxi, dass es wohl lang nicht mehr machen würde, auf die Autopista nach Puebla. Aber schon kurz nach dem Ortsausgang Cholula fuhr Cesar wieder an die Seite. In einem Club versuchte er erneut Wasser zu bekommen und schüttete kräftig nach. Nach 10 Minuten bogen wir wieder auf die Autopista und überholten alsbald einen Pick-Up der Verkehrspolizei. Wenige Minuten später fuhr der auf der linken Spur auf unsere Höhe, leuchtete uns an, setzte sich hinter uns, gab per Hup-Sirene uns ein Zeichen, anzuhalten.

César fuhr den Wagen an die Seite und stieg aus dem Taxi, um mit den Polizisten zu reden. Nicht wirklich unüblich, dass man nachts von der Polizei angehalten wird. Und normalerweise machen das die Polizisten, um sich durch irgendeine Dummheit des Autofahrers ein zusätzliches Taschengeld zu verdienen. Der Autofahrer zahlt meist anstandslos und ohne Quittung und kann nach wenigen Minuten weiterfahren. Einige Scheinchen leichter. Nicht so diesmal.

Unser Chofer blieb länger bei den Polizisten, als erwartet. Nach fünf Minuten kam er wieder zu uns zurück und fragte mich, ob er mit meinem Handy seinen Chef anrufen könnte. Er habe keinen Führerschein dabei. Angeblich wurde der ihm bei einem Überfall wenige Tage zuvor abgenommen.

Ich gab ihm mein Handy und er verschwand wieder zu den Polizisten. Nach weiteren guten fünf Minuten hörten wir erneut das Polizeihorn. Nein, die Polizisten hätten sich nicht aus ihrem PickUp herausbewegen können, um mit uns zu kommunizieren. Man muss schon klar machen, wer die Waffen hat.

Wir ignorierten das erste Hupen, beim zweiten ahnten wir allerdings, dass sie nun auch was von uns wollten. Ich stieg also aus und ging zum Polizei-Pickup, in dem die beiden dicken Polizisten saßen. „Buenas noches! Was ist los?“, fragte ich und der Polizist erklärte mir ohne Umschweife, wir müssten aus dem Taxi aussteigen und uns ein Neues suchen. Er müsse das Taxi konfizieren und den Fahrer mitnehmen. Ich hielt das für keine gute Idee. Wir standen schließlich auf der Autobahn zwischen Cholula und Puebla. Nachts. Um 3 Uhr. Ich bemerkte also, dass, falls es dem Polizisten noch nicht aufgefallen sei, wir mitten in der Nacht auf der Autobahn stünden, und ich von daher nicht gedenke, das Taxi zu verlassen, um dann mitten im Nirgendwo darauf zuhoffen, dass uns ein Taxi mitnimmt. Ein gefundenes Fressen obendrein für Gelegenheitsräuber – drei Weisse auf der Autobahn. Nachts. Um 3 Uhr.

Meine Einwände schienen dem Polizisten zwar nicht ganz einzuleuchten, aber man dazu sagen, dass mexikanische Polizisten ja auch nicht dafür bezahlt werden, für Sicherheit zu sorgen. Sie sind das eigentliche Risiko. Ein neues Taxi könnten sie uns selbstverständlich nicht rufen, dass sei schließlich nicht ihr Job, wurde ein weiterer meiner Vorschläge abgeschmettert.

Am Ende genehmigten die Polizisten hererweichenderweise, dass unser Taxifahrer uns noch bis an den Stadteingang von Puebla fahren dürfte, wir aber dort unverzüglich das Taxi zu verlassen hätten und er ihnen folgen müsste.

Ich ging also zurück zum Taxi und unterrichtete Enora und Simon über die Situation und der Taxifahrer fuhr uns schließlich bis nach Puebla. An den Eingang, zur ersten Ampelkreuzung. Hier verließen wir seinen Wagen, ohne zu zahlen, und hofften auf ein neues Taxi. Es kamen auch sogleich drei vorbei, die allerdings ihren Vorteil aus der Situation ziehen wollten und uns horrende Preise nannten. Es wäre schließlich schwierig, um diese Zeit ein Taxi zu finden, wies uns einer der Halsabschneider dezent auf unsere Situation hin, und ich knallte ihm die Tür zu. Fluchend.

Wenig später hielten wir uns dann ein weiteres Taxi an. Der Fahrer mit klassischer Verbrechervisage. Fragt mich nicht, wie so eine aussieht, aber das war, was ich dachte, als ich die Beifahrertür öffnete, um mit ihm über den Preis zu reden. „50 Peso.“, sagte er – und ich dachte: ‚DAS ist jetzt aber zu billig!‘, wollte bereits sagen:“ Wir zahlen 60, aber Du fährst uns auch wirklich da hin, wo wir wollten“, brachte aber schließlich nur ein „muy bien“ heraus und wir stiegen ein. Wider meiner Erwartungen brachte er uns wirklich dahin, wo wir hinwollten und als wir das Taxi verließen, meinte Enora zu mir, dass sie genau das gleiche gedacht hatte, als wir einstiegen.

Nach schließlich knapp zwei Stunden Taxi-Odysee kamen wir dann am frühen Morgen wieder zu Haus an. Sicher. Und eine neue Erfahrung reicher. „Die Polizei, Dein Freund und Helfer.“ – kein Satz, den man auf Mexiko anwenden könnte.

PS: Diesen Artikel habe ich bei bester Gesundheit und frei von Grippeviren verfaßt. Der Konsum dieses Artikel stellt kein Risiko dar.

No pasa mucho…

Posted in puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 25. September 2008 by Jakob

Nachdem ich aus dem Wochenende aus D.F. wiedergekommen bin, ist hier wohl eine der ruhigsten Wochen überhaupt ins Land gegangen. Am Mittwoch war mein Prof trotz freitäglicher Beteuerungen nicht zum Unterricht gekommen, am Freitag das Gleiche noch einmal. (Photo: Luciana Ghiotto – Auf dem Weg zum Markt -> für weitere Bildbeschreibungen einfach mit der Maus auf das Bild gehen…)

In der Zwischenzeit hatte sich allerdings ein neuer Besucher angekündigt, und so traf ich am Freitag dann auf dem Zócalo in Puebla Andres, den Bruder von Gerdis einer guten Freundin von mir in Bonn. Er hat in Mexico seine 8 Monate „around the world“ gestartet, und wollte nun einmal ein Wochenende abseits seiner Gastfamilie in Mexico City verbingen. Also hatte er mir eine Mail geschrieben und angefragt, ob er nach Puebla kommen könnte und am Freitag war er dann da.

Am Samstag machte sich die halbe WG auf den Weg zu einer kleinen Feria – einem Markt im Stadtzentrum auf dem es Pflanzen, Handwerkskunst und andere Dinge zu kaufen und zu bestaunen gibt. Wir suchten alle irgendwas für unsere Zimmer. Enora wollte Lampen kaufen, ich Pflanzen, Luciana wer-weiß-was und Agostina wollte mal schauen… Fast den ganzen Nachmittag schlenderten wir über den doch recht übersichtlichen Markt. Andres verliebte sich in eine Lucha-Libre-Maske und schlug letztendlich zu. Ich persönlich schlug bei Pflanzen zu und habe mein Zimmer nun endlich ein wenig grüner gemacht. Eine kleine Chilli-Pflanze mit gelben Schoten und eine Blume mit orangenen, großen Blüten zieren jetzt mein Fensterbrett und eine große Palme, die über meinen Bauchnabel hinaus reicht steht nun auf dem Zimmerboden unter meiner (ebenfalls neuen) Mexico-Karte. Am Abend dann stand ein Großprojekt auf dem Plan. Pizza für alle! Nach einigen meiner Kochexzesse hatte meine WG mich dazu verpflichtet, doch einmal etwas für alle zu machen und so hatten wir zuletzt verabredet, dass die WG die Zutaten kauft und ich dann federführend was draus mache. Am Ende lief es auf Pizza hinaus und Luciana und ich machten uns auf den Weg zum Super, um die Zutaten zu finden und zu kaufen. Dass es wirklich schwierig werden könnte, Hefe zu kaufen, hatte ich anfangs schon befürchtet, aber meine Bedenken dann doch wieder (zu Unrecht) verworfen. Aber es gibt nun einmal keine Hefe in einem mexikanischen Supermarkt. Weder in der Backabteilung, noch bei den Mehlsorten und Backmischungen, noch in der Kühltruhe. Also wollten wir auf Fertigmischung für Pizzaboden zurückgreifen. Ebenso Fehlanzeige. Also mussten wir notgedrungen auf fertige Pizzaböden zurückgreifen, was mich nicht so richtig glücklich machte. Als wir dann alles beisammen hatten, schnippelten und belegten Andres, Luciana und ich um die Wette. Acht Pizzen schoben wir später nach und nach in den Ofen und die ganze WG genoss den Schmaus einige Stunden lang. Am Ebde des leckeren Pizza-Mahles folgte dann eine Session PENDEJO. PENDEJO, dass ist ein Kartenspiel, bei dem man, wenn man verliert immer einen Buchstaben mehr des Wortes PENDEJO auf die Stirn geschrieben bekommt. PENDEJO steht in Mexico, gelinde gesagt, für Trottel – man darf es sich aber durchaus ein wenig derber vorstellen. Die anderen dürfen immer nur mit denjenigen reden, die genauso viele Buchstaben auf der Stirn haben, wie sie selbst. Brechen sie die Regel und sprechen mit einm Mitspieler, der mehr Buchstaben, als sie, auf der Stirn hat, ziehen sie mit diesem Mitspieler gleich und bekommen die gleiche Anzahl an Buchstaben auf die Stirn. Kleine Nebensache: Bei jeder Runde, die man verliert, muss man natürlich ein Glas Tequila leeren. Por supuesto – sonst wär’s ja auch nich mexikanisch. Später setzten wir dann die WG ins Taxi und rollten noch ein wenig auf die nächtliche Partypiste Pueblas.

Trotz kurzer Nacht schafften wir es dann aber amSonntag doch recht temprano aus den Federn. Ich wollte mit Andres noch auf jeden Fall nach Cholula, damit er wenigstens noch einen Touristen-Hot-Spot in der Nähe von Puebla mitnehmen konnte. Am Ende fuhren wir zu Dritt nach Cholula und so kam auch Enora das erste Mal zu einem Tagesbesuch nach Cholula.

Seit Montag geschieht in der BUAP mal wieder nicht viel. Irgendein Kongress ist wohl wie aus dem Nichts ins historische Seminar geplatzte und es fällt mal wieder massenweise Unterricht aus. Da aber kein Prof vorher bekannt gibt, ob er unterrichten wird, oder nicht, wackel‘ ich derzeit immer brav in die Uni, um dann in den meisten Fällen festzustellen, dass es mal wieder keinen Unterricht gibt. Also eigentlich alles wie immer. Zumindest an der BUAP. Und dies weckt doch in mir so langsam den Wunsch, hier nicht mit sinnlosen Uniausflügen meine Zeit zu verschwenden, sondern lieber auf Reisen zu gehen. Es wird Zeit….

Achja, ein was Spannendes passierte dann doch noch am Sonntagabend: Ein Projektionsspektakel über die Geschichte Pueblas projiziert auf die Fassade der Kathedrale. Die Photos dazu hier:

PS: Achja, und für alle, die sich über den Herbst in Deutschland aufregen: Ich fühl mit Euch – wir haben momentan jeden Tag mindestens zwei Stunden Regen und Temperaturen unter 20 Grad (jaahaaa – und das in Mexico) – noch ein Grund, mal wieder aus Puebla rauszukommen…

Tranquilo no más!

Posted in Festejando!, puebla, uni with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 1. September 2008 by Jakob

Nun gut, wenn die Uni eben nicht so richtig will, dann muss man eben andere Sachen machen. Am Donnerstag war mein einziges Seminar, dass ich Donnerstags habe, ausgefallen. Der Profe hatte wohl andere Sachen zu tun, teilten mir meine Kommillitonen mit, als ich mit halbstündiger Verspätung (was hier vollkommen unter Pünktlichkeit fällt) in die Uni kam. Okay, ich war also einmal mehr sinnlos in die Uni gelaufen – aber die BUAP ist wohl bekannt für solcherlei Fälle. Also bin ich wieder nach Hause und habe auf dem Dach entspannt. Später bin ich dann mit Néstor und Enora aus meiner WG in ein Taxi gesprungen und wir sind auf die Piste in Cholula gezogen. Dort trafen wir Freunde von Néstor und später noch Paulina aus unserer WG und zogen weiter mit ihnen um die Häuser.

Allerdings trennten sich Enora und ich von der Gruppe, als wir gegen 3 in einen Club gehen wollten und der Einlaß ein etwas sehr seltsames T-Shirt trug. Ein rotes Band verlief quer über sein Shirt und endete in einem Hakenkreuz. Auf dem roten Untergrund stand: „Just because it’s cool!“ – ein bißchen viel für unseren Geschmack. Ich fragte den Typen, ob er wisse, was sein T-Shirt zu bedeuten hätte und ob er eine Ahnung hätte, woher das Hakenkreuz stamme. Er hatte von Nichts eine Ahnung. Und er erklärte mir, dass das T-Shirt einfach „cool“ sei. Nun, Enora und ich versuchten ihm ein wenig klar zu machen, was das Hakenkreuz symbolisiere und wir zogen mehr und mehr die Aufmerksamkeit auf uns. (Photo: Einlass-Junge mit Hakenkreuz-Shirt „Just because it’s cool“) Andere Jungs vom Einlaß kamen zu uns und fragten uns, warum wir ein Problem damit hätten. Ein ganz Schlauer vermutete, dass wir wahrscheinlich aus Deutschland kämen und deswegen ein wenig „fest“ in dieser Thematik seien. Als zumindest ich bejahte, lachte er nur und meinte, dass das doch nichts Schlimmes sei. Nun ja, sagen wir mal so, die Jungs interessierten sich zwar dafür, warum uns das Hakenkreuz störe, aber verstanden auch nach der Erklärung, dass es für Millionen Tote, für Völkermord, Rassismus und für eines der schlimmsten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte stünde, nicht, dass es uns schlicht abstieß, in diesen Club zu gehen. Wir blieben konsequent und schnappten uns ein Taxi zurück nach Puebla. Bleibt mir nur anzufügen, dass es in Mexico nichts unnormales ist, dass Jugendliche das Hakenkreuz als Symbol für Rebellion oder Coolheit tragen – in D.F. hatte zuerst Stände gesehen, an denen Hakenkreuze an Ketten verkauft wurden – für mich ein wenig schockierend – und um so schlimmer, dass sie nicht wissen, was es eigentlich bedeutet.

Am Freitag dann, mein zweistündiges Seminar hatte eine ermüdende halbe Stunde gedauert, gingen wir dann mit der gesamten WG aus. Eine Cantina stand auf dem Plan. Cantinas, das sind ziemlich große Orte, wo man am frühen Abend isst, später gibt es Livemusik und Clubmusik im Wechsel. Wir tanzten so ziemlich die gesamte Nacht durch und kamen erst am frühen Morgen zurück in die Quinze.

(La fiesta con la Quinze – Photos: Enora M., Luciana Ghiotto y otros…)

Der Samstag folgte dann mit Regen. Den ganzen Tag. Ein klassischer Fall für’s Bett. Nach spätem Aufstehen und ein bißchen Einkaufen gehen stand nicht viel mehr auf der Liste. Der Abend verlief dann ähnlich ruhig und heute folgte dann ein wahrer Sonn-Tag in Puebla. Lecker Frühstück mit frischen Saft (hatte ich schon erwähnt, dass eine der ersten Sachen, die ich mir gekauft habe, eine Saftmaschine war?! – Geile schei**! Und Naranjas, also Apfelsinen, kosten hier 1 Euro drei Kilo!), Eiern und Cafecito – was will man mehr an einem Sonntag morgen…

Am Nachmittag machten sich dann Enora, Luciana und ich auf den Weg in die Stadt. Eigentlich hatten wir einen Mercado gesucht, aber leider nicht gefunden. Stattdessen spazierten wir durch die Strassen, schauten uns den Paseo Bravo an (ein Boulevard mit einem breiten Grünstreifen, wie ein Park in der Mitte), spazierten zur Avenida Juárez und kehrten in ein nettes, an Hundertwasser erinnerndes, Restaurant ein und ließen es uns bei Garnelen und Ceviche gut gehen.

(Paseo del Domingo)

Jetzt stehen so langsam ein paar Vorbereitungen für die Uni auf dem Plan und mal schauen, was die nächste Woche so bringt… Uni? Oder Ausfall? Oder Verspätung? Bueno lo que sea… asi se pasa la vida mexicana…

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