Archiv für entspannen

Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

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…das Paradies verlassen

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. April 2009 by Jakob

Es gibt auf der Welt bislang genau zwei Orte, an denen ich, vorausgesetzt ich hätte das nötige Kleingeld, mir eine kleine Hütte (Wahlweise auch Hacienda – je nach Klingelbeutel) als Zweitwohnsitz hinsetzen würde: Vilcabamba in Ecuador der Berge und des angenehmen Klimas wegen und Zipolite, des Pazifiks, seiner Buchten und  der Ruhe wegen. Es sind zwei traumhafte Orte auf diesem Teil der Erde, und Zipolite ist wohl der definitv beste Ort Mexikos.

Punta Cometa - Sonneruntergang am südlichsten Punkt Oaxacas

Den Rest der Osterwoche verbachten wir mit Lesen, Schwimmen, Sonnen, Ausruhen (ich) und Arbeiten (Enora). Jeden Tag Meer, jeden Tag aufstehen, wenn man aufwacht, und ins Bett gehen, wenn man müde ist – der Tagesablauf nur von der Helligkeit des Tages abhängig.

La Ventanilla bei Sonnenuntergang - von Punta Cometa aus gesehen

Ich las und vertiefte mich weiter in das Barcelona der 1920er Jahre und tauchte erneut ab auf den Friedhof der vergessenen Bücher. Meine langen Lesephasen unterbrach ich lediglich für einen ausgedehnten Strandspaziergang, zum Schwimmen oder zum Essen. Carlos Ruiz Záfon zieht mich mal wieder in seinen Bann.

Echse auf einem Zweig - auf einem meiner Spaziergänge

Allerdings haben wir uns nicht nur im Umkreis von 30 Metern um unsere Hütte aufgehalten. Am Mittwoch Abend fuhren wir mit dem Collectivo nach Ventanilla um die Ecke, um uns dort eine „Liberación de Tortugas“ – also eine Schildkrötenfreilassung anzuschauen. Am frühen Abend und an einigen Tagen der Woche setzt das ansässige Schildkrötenschutz-Team Baby-Schildkröten aus und wer möchte, kann dabei behilflich sein und dabei zuschauen, wie die kleinen bepanzerten Tierchen, die kaum die Größe einer Zigarettenschachtel haben, in die Freiheit schlürfen.

Ich mit einer der kleinen Panzertierchen

Bei Sonnenuntergang werden sie an einem abgelegenen Strand in Reichweite der Wellen ausgesetzt und schleifen sich dann nach und nach in Richtung Pazifik. Mit ihrer Größe sind sie noch völlig der Gewalt des Meeres ausgesetzt, dass sich die kleinen Schildkröten Welle für Welle einverleibt, und wo sie lernen müssen, allein zu überleben.

...auf dem Weg in die Freiheit

Bei unserer Freilassung gewöhnten sich ungefähr 30 kleine Baby-Schildkröten an die Naturgewalten. Allerdings überleben nur die wenigsten von ihnen, weil Pelikane und Möven nur darauf warten, die wehrlosen Geschöpfe zu verspeisen. Nachdem Mazunte über Jahrzehnte das Zentrum der mexikanischen Schildkrötenjagd war, was seit Anfang der 90er Jahre verboten ist, haben sie nur noch natürliche Feinde – die ihnen allerdings das Leben und Überleben schwer genug machen. Dennoch müssen sie sich so früh wie möglich an die Freiheit gewöhnen, wenn sie lange in Freiheit leben wollen. Und so entscheiden das Schicksal, die Wellen und die Möwen und die Pelikane, welche der Schildkröten schließlich durchkommen.

Sonnenuntergang über dem Pazifik

Am Sonntag gönnte sich dann Enora einen komplett freien Tag und wir fuhren nach Huatulco, was in Mexiko als Öko-Urlaubsparadies mit ruhigen und jungfräulichen Stränden gepriesen wird. Doch wir mussten mal wieder feststellen, dass wie so oft in Mexiko, zwischen Werbung und Wirklichkeit eine kleine Schlucht klafft, etwa in der Größe des Landes. Das einst als Natur-Urlaubsparadies konzipierte Örtchen mit seinen Buchten hat nichts, aber auch gar nichts von dem, was es verspricht. Hotelklötzer säumen die Buchten, überall Neubauten, die meisten im Rohbau wieder fallen gelassen und nur wenig Ruhe. Also waren wir froh, dass wir die Woche doch in Zipolite verbracht und nicht, um mal etwas Neues zu machen, uns von der Werbung für Huatulco den Blick vernebeln ließen.

Pt. Angél - der nächstgrößere Ort neben Zipolite

Am Montag, nach einer guten Woche Ruhe und Entspannen, packten wir dann am frühen Vormittag unsere Rucksäcke zusammen und machten uns mit einem Van auf den Weg zurück nach Oaxaca. Unser Fahrer war so sehr die Ruhe selbst, dass wir leider 8 statt wie geplant 5 Stunden bis Oaxaca brauchten und wir so einen Zwangsstopp in der Stadt einlegen mussten. Wir quartierten uns erneut im Chocolate ein, einem Hotel, deren Besitzer sich dem Herstellen traditioneller Chocolate Oaxaceña widmen und in dem es stets nach dem frisch gemalenem, braunem, süßen Pulver riecht. Die Zimmer sind einfach und günstig und wir entschieden uns für eine verkürzte Nachtruhe.

am Meer - Kleinod in Bahía del Camarón

Bereits um 5 Uhr saßen wir am gestrigen Morgen dann schon wieder im Bus nach Puebla, durchquerten die Sierra mit ihren hohen, felsigen Bergen und ihren schroffen Tälern und kamen am Vormittag wieder in Puebla an.

Zurück im Tal von OaxacaMorgensonne über den Bergen in Richtung Puebla

Heute war ich dann bereits schon wieder in der Uni und mein Prof bemerkte auch schon, dass uns nur noch wenige Seminare bis zum Ende des Semesters blieben – und entschied, ab sofort ein wenig den Plan abzuarbeiten. Dass wir das schaffen, wage ich zu bezweifeln, hinken wir doch zu sehr hinterher – aber sei es drum – mir geht es gut und den letzten Wochen mexikanischer Uni sehe ich entspannt entgegen – folgt doch dann der wohl längste Sommer meiner Studienzeit – Mai bis Oktober – wirklich frei.

Sonne, Palmen, Meer und 25 Grad…

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 14. Dezember 2008 by Jakob

… und ich rede hier natuerlich nicht von Luft-, sondern von Wassertemperatur. Ja ja ja, ich weiss, waehrend Ihr im kalten Deutschland sitzt und Euch den Hintern wegfriert, faellt mir mal wieder nichts anderes ein, als Euch von Palmen, hohen Wellen, blauem Wasser und strahlender Sonne vorzuschwaermen. Und da will ich den schicken kleinen Pool in unserem Hotel gar nicht erwaehnen, der da still im Halbschatten der Palmen auf Geaeste wartet.

Atlantida-Van von Oaxaca nach Pt. EscondidoIhr seht, es geht mir wunderbar und ich geniesse mal wieder Puerto Escondido. Diesmal ist das Wetter noch bestaendiger, als im August, aber auch das liegt an der Trockenzeit.

Wir sind am Donnerstag mit einem Van nach San José hoch in die Sierra gefahren und haben uns dort eine Nacht in einer kleinen Huette gegoennt. Die Vegetation erinnerte dot eher an Suedfrankreich – Pinienwaelder, Laubbaeume, Straeucher und, na gut, auch Palmen und Agaven. Blick ueber die Berge bei San JoséWir haben die Freitag Vormittag fuer eine Wanderung in den Bergen genutzt und sind am Nachmittag mal wieder in einen dieser dicken, weissen Ford-Vans gesprungen, der uns dann schlussendlich an den Pazifik brachte. Mit einem Micro wackelten wir dann noch eine gute Stunde die Kuestenstrasse von Pochutla nach Puerto Escondido hinauf und checkten dann in eben jenem oben beschriebenen kleinen Hotel ein.

Ich neben einer Riesen-AgaveDas Hotel hatte ich schon im August mit Martin besucht und ich hatte es in guter Erinnerung behalten – und die Besitzer erkannten mich schliesslich auch wieder. Hier werden wir noch anderthalb Tage am Strand verbringen, bevor wir wieder nach Sueden, oder besser, Osten starten und uns nocheinmal an einem anderen Strand in Mazunte niederlassen. Die Saison der Waale und Delfine ist angebrochen, und so wollen wir uns die springenden Riesen und die lustigen kleinen Kerle nicht entgehen lassen.

Was die Fotos angeht, so muss ich mal wieder enttaeuschen: Das letzte Inet-Cafe hat auf meinem USB-Stick meine Fotoordner zerstoert und so musste ich ihn eben ersteinmal neu formatieren. Das ist hier eine echte Plage: steckst Du einmal einen USB-Stick in einen oeffentlichen Rechner, ist er voll mit Wuermern, Trojanern und Viren. Das passiert mir schon jedes Mal, wenn ich in Puebla drucken muss, aber zerstoert wurde bislang noch nichts. Auch diesmal habe ich Glueck im Unglueck: Alle Bilder, dich ich auf meinem USB abgelegt hatte, sind noch in meiner Kamera. Hatte wohl irgendwie den richtigen Riecher, als ich sie nicht direkt nach der ersten Sicherung von der SD-Karte loeschte. Aber: Ich hab sie nicht hier.

Also, das naechste Mal mit mehr Zeit – und hoffentlñuch einer besserbn Tastatur, diese hier raubt mir den letzten Nerv – jede dritte Taste schreibt wann sie will – ist also nich meine Schuld…. i

Al Pacífico… und ein unglaubliches Treffen.

Posted in Bienvenidos!, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 12. August 2008 by Jakob

Mit Cola und Zwieback sitz ich vor meinem Notebook und versuche ein wenig den Magen zu beruhigen. So langsam scheint das auch zu klappen. Irgendwas hab ich mir gestern am Pazifik noch als Andenken eingesteckt. Und so konnte ich mich um so glücklicher schätzen, dass ich mit dem besten aller Nachtbusse von Puerto Escondido zurückfuhr. Einer, der ordentliche Toiletten hatte. Was bei anhaltenden Magenkrämpfchen schon wirklich was wert war. Aber der Reihe nach. Und bevor sich gleich wieder jemand Sorgen macht: Es ist nur der Magen – der bekommt sich schon wieder ein…

🙂

Am Mittwoch war ich letztendlich mit Martin in den Bus gestiegen. Es war erst gegen Abend Einer geworden, weil unsere Wäsche noch trocknen musste. Dann ging es knapp 5 Stunden nach Süden und am späten Abend fuhren wir in Oaxaca ein.

Oaxaca ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und zum einen wegen des örtlichen Kunsthandwerkes, zum anderen wegen des nahe gelegenem Zeremonialzentrums Monte Albán (Bild links: Teil Monte Albáns) bekannt. Monte Albán war eine der ältesten Städte Mesoamerikas und einst lebten hier 200.000 Menschen. Heute ist das auf dem „weißen Berg“ gelegene Zeremonialzentrum ein Anziehungspunkt – und wohl eine der beeindruckendsten Pyramidenanlagen in Mexiko. Im Reiseführer hatte die gesamte Anlage ein wenig trist und trocken gewirkt, aber wir hatten offenkundig Glück (Vergleicht mal mit den Bildern bei Wikipedia – Link etwas weiter oben…).

Nach dem Aufstehen am Donnerstag (zugegeben nicht sooo früh) machten wir uns auf den Weg durch die Innenstadt Oaxacas (es ist müsig, zu erwähnen, dass diese natürlich auch auf der UNESCO-Welterbeliste steht – ebenso wie Monte Albán und eine Hand voll anderer Sehenswürdig- und Beeindruckenswürdigkeiten). Wir sprangen an einem Hotel in einen großen amerikanischen Van, der uns hinauf zur Anlage bringen sollte. Am Parkplatz wurden wir rausgeworfen und sollten in drei Stunden wieder abgeholt werden. Ich hatte anfangs geglaubt, dass wir niemals so viel Zeit auf dieser Anlage verbringen würden – am Ende erwies es sich allerdings als gerade so ausreichend. Wenn nicht zu kurz. Die gesamte Anlage zeigte sich uns in einem saftigen grün. Pyramiden, Tempel, Überreste von Sonnenuhren und Kalender zogen uns auf dem künstlich planierten Berg mit seinem ebenso nicht weniger beeindruckenen Panorama in seinen Bann. Um einen wenigstens kleinen Eindruck von der Größe der Anlage zu bekommen, habe ich ein kleines Panorama-Video (58 sek.) gedreht. Weitere photographische Eindrücke gibts auch in der flickr-Diashow hier als Teil der Mexico-Impressionen.

Nachdem wir wieder zurück in Oaxaca waren, verbrachten wir den Abend auf dem Zócalo. Eigentlich hatten wir uns nur für ein kleines Bierchen niedergelassen, dann aber doch so die Stimmung auf diesem wunderbaren Hauptplatz genossen, dass wir einfach eine halbe Ewigkeit sitzen blieben und das Personal sich wohl schon bald wunderte, ob wir denn je wieder gehen würden…

Der Nachtbus drängte uns dann zum Verlassen unseres entspannten Plätzchens in Oaxaca. Wir hatten nur einen Tag für das Städtchen geplant – im Nachhinein wären auch 2 oder 3 nicht zu viel gewesen – es hätte noch viel zu tun gegeben. Aber: Der Pazifik rief!

Also wieder 9 Stunden in Bussitze gedrückt und am nächsten Morgen in noch grünerer Landschaft aufgewacht. Gegen Acht erreichten wir dann unseren Zielort – Puerto Escondido. Ein kleines Städtchen, ein Surferparadies mit einer der längsten Wellen der Welt (da von meinen Lesern hier ja kaum einer surft, muss ich das wohl erwähnen – ich wusste es vorher auch nicht), viele Hostels, ein langer Strand und – baden verboten

🙂

Nunja, dass sollte uns den Spaß nicht nehmen. Es war Freitag Morgen und ein langes Wochenende lag vor uns. Wir hatten uns vorher natürlich keine Bleibe rausgesucht und ließen uns von einem Mädel am Terminal OCC (Busbahnhof) einen Flyer in die Hand drücken – El Barco del Armor – Más que un hostal… Die Preise klangen gut, die Ausstattung ebenso und es sollte direkt in der Nähe des Strandabschnittes sein, an dem man eben doch baden konnte. „Schwimmen verboten“ heißt in Mexiko ja noch lange nicht, dass man nicht ins Wasser darf. Also schnappten wir uns ein Taxi, dass uns weit in die Peripherie Pto. Escondidos fuhr und an besagtem Hostal ‚rauswarf. Ich brauchte keine 30 Sekunden und keinen Blick ins Hostel zu werfen, um zu entscheiden: Hier bleiben wir nicht – zu weit ab vom Schuss.

Also schlurften wir an den Strand und stapften durch den heißen Sand wieder in Richtung Stadt. Irgendwann fing dann wieder ein bißchen mehr Zivilisation an und wir fanden die Casa Bastin. Ein kleines familiengeführtes Hotel mit Apartements – einen feinen und warmen Pool und dem Surfer Miquele (17 Jahre, sonnengebleichtes, blondes lockiges Haar) – der schlicht und ergreifend alles und jeden in Pto. Escondido kannte. Wenn man was wissen musste – musste man ihn fragen – und man bekam den gewünschten Tipp.

Nachdem wir eingecheckt hatten gönnten wir uns ein Frühstück und den Rest des Tages verbrachten wir am Strand. Badender Weise. Schwimmen war auf Grund der hohen Wellen wirklich nicht drin und zu nahe sollte man ihnen auch nicht kommen, wenn sie brechen. Teils auf 5 Meter bäumen sie sich auf, saugen massenweise Sand vom Grund herauf und wirbeln dann alles was sich ihnen in den Weg stellt wie in einem Zementmischer durch die Gegend. Einmal hineingeraten, vergißt man schnell, wo oben und wo unten ist – man wartet einfach nur, dass die Gewalt nachlässt. Ein Mega-Wellenspaß – und nicht ganz ungefährlich.

Die Sonne brannte erbarmungslos und so war auch der einzige Ort, an dem man sich aufhalten konnte, entweder der Pazifik (mit vielleicht 27 Grad) oder der Pool (mit vielleicht 28 Grad Wassertemperatur).

In unserem Nachbar-Apartement weilten drei Jungs aus Puebla. Oder besser: Zwei aus Puebla und einer, der zwar Mexikaner war und in Puebla noch sein zu Hause hatte, aber seit Jahren in Kanada arbeitete – Roberto, der sich auch in der komfortablen Lage befand, eine kanadische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Die acht  Jahre Kanada hatten auch schon sein Spanisch lädiert – ein Gringo-Akzent, und das als Mexikaner – schon fast eine Strafe. Die beiden anderen, David und Richy (auch Bob Marley genannt), machten den ganzen Tag nichts. N I C H T S. Na gut, morgens einen Joint, Mittags Zeug organisieren, rauchen, husten, chillen, Schlafen. An den Strand gehen. Rauchen. Schlafen. Roberto hatte kein Bock darauf (was ich gut nachvollziehen konnte) und wir boten ihm an, sich uns anzuschließen und so verbrachten wir die ganze Zeit eigentlich zu Dritt.

Samstag stiegen wir alle auf die Body-Boards und ließen uns stundenlang von den Wellen hin- und herwirbeln – genossen Schussfahrten auf brechenden Wellen und versuchten, uns nicht allzusehr die Haut zu verbrennen. Abends genossen wir Cocktails in der Bar Fly mit Roberto und ließen die Nacht in einer Tanz-Strand-Bar mit Feuerspektakel ausklingen. Leider mit dem Ergebnis einer offenen Lippe bei Roberto. Ein offenbar zu betrunkener Surfer hatte sich durch irgendetwas provoziert gefühlt und einfach mal draufgehauen – kein schönes Ende für einen schönen Abend – aber glücklicherweise war kein Doktor von Nöten. Jaja, das Temperament, der Alkohol, die Hitze und lateinamerikanisches Blut – da fliegt schon mal schnell eine Faust.

Am Sonntag entschied ich dann spontan, doch erst am Montag Abend die Küste zu velassen und dies erwies sich als gut. Ein Tag mehr Pool, Strand, schlafen, Entspannen, Nichtstun…. Mein Busticket für den Montag-Nachtbus schon in der Tasche bekam ich dann das Angebot, mit den Nachbarjungs wieder nach Puebla zu düsen – aber das Ticket für den Bus war zu teuer und die Jungs wollten irgendwo noch bei einem Dorf mit Zauberpilzen vorbei – also blieb ich bei Bus. Hinzukam, dass mich am Montag dann traf, was Martin seit Sonntag plagte – der Magen machte schlapp. Martin hatte es ein wenig heftiger erwischt – Montag mit ein wenig Fieber, hatte ich ein Erste-Hilfe-Set in der Farmacia gekauft und Electrolyte-Lösung. Martin wollte ohnehin noch an der Küste bleiben und so buchte er noch eine Nacht länger in unserem Doppelzimmer. Er wird dann weiter vom Pazifik in die Karibik fahren und dann wieder nach Puebla kommen – der Weg über Puebla wäre für ihn unsinnig gewesen.

Ich setzte mich am Nachmittag in ein Taxi und ließ mich zum Terminal bringen. Dort angekommen, kaufte ich mir eine große Flasche Wasser und Kekse und hatte zum Dritten mal in relativ kurzer Zeit eine unglaubliche Begegnung. Ein blondes Mädel saß, als ich ins Terminal kam, auf einer Bank und lächelte kurz. Nachdem ich mir ein Wasser gekauft hatte, kaufte sie sich ebenso eines und kam danach auf mich zu und fragte mich: „Sorry, where are you from?“ Ich antwortete knapp und kurz: „Germany!“ Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter und sie fragte weiter: „Jakob?“ Ich: „Ähhmmm, ja! Nee, oder?!!?!“ – vor mir stand Alex. Sie hatte vor ungefähr zwei Jahren bei mir in Bonn übernachtet. Ich hatte sie als Gast über den Hospitalityclub bei mir aufgenommen. Sie war damals auf einer Konferenz in Bonn und hatte sich auch kurz vor Mexico noch einmal via Mail gemeldet. Sie wollte auf die AIDS-Konferenz nach D.F. und wir hatten dann aber nicht noch einmal Kontakt. Und plötzlich, mitten im nirgendwo an der Pazifikküste steht sie vor mir. Unglaublich. Ich wollte eigentlich einen Tag früher fahren, so wären wir uns nie begegnet und sie hatte sich gerade einmal eine halbe Stunde zur Weiterfahrt aufgehalten – wahnsinn, was der Zufall so alles kann …. Ja, wir freuten uns und konnten gar nicht so richtig glauben, dass wir uns jetzt sooo wiedergesehen hatten. Nach unserer kurzen Begegnung trennten sich wieder unsere Wege und ich ließ mich mit Magen über 16 Stunden zurück nach Puebla schaukeln.

Oder besser schütteln. Die Strassenverhältnisse schienen so schlecht, dass ich mir zeitweise wie auf der Ladefläche eines LKWs vorkam, der viel zu schnell über eine Schotterpiste raste. Nur der weiche Sitz federte das Ruckeln ein wenig ab. Heute wollte ich nun eigentlich endlich meine Tramites Migartorios machen – aber mein Magen hat mir zunächst Ruhe verordnet. Morgen ist auch noch ein Tag. Und wie sagt man so schön hier: Mañana, mañana! Und so brachte ich es heute außer vom Busbahnhof nur noch kurz zum Super – Kamillentee, Cola und Zwieback kaufen und auf Besserung hoffen. Der Kurztripp zum Pazifik war es dennoch wert. Aber das nächste Mal flieg ich. Hab grad gesehen, dass ich für das gleiche Geld (wie mein Busticket) von Puerto Escondido auch hättte zurückfliegen können. 16 Stunden Schaukel-Rumpel-Ersparniss – naja, danach ist man immer schlauer.

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