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Cabeza y madre de las misiones…

Posted in Adios México, baja california, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 21. Juni 2009 by Jakob

Am Freitag morgen zogen wir schliesslich wieder aus unserem kleinem, einfachen Hotel in La Paz aus, packten unsere Rucksaecke wieder in den Kofferraum unseres kleinen Chevy Aveo und machten uns nach einem Fruehstueck am Malecon auf den Weg, Kurs Richtung Norden. 350 Kilometer weiter wollten wir am Abend in Loreto einlaufen, der aeltesten Misionsstadt und aeltesten Siedlungsstaette auf Baja California.

Raus aus La Paz - Kurs auf Loreto

Zunaechst gibg es heraus in karge, weite, kakteendurchsetzte Landschaft, einige hundert Kilometer fast nur gerade aus. Vor dem Verlassen La Paz‘ hatte ich leider davon abgesehen, den Tank wieder aufzufuellen und so kam die Nadel auf menschenleerer Strecke doch bedrohlich dem „Leer“ nahe, als endlich ein Restaurant-Stopp nahte, an dem wir nach Benzin fragten. Der Wirt hatte gluecklicherweise ein wenig Treibstoff da und fuellte uns zwei Kanister in unseren Tank. Wir waren vorerst gerettet und schworen, nicht wieder ungetankt loszufahren. Mein Fehler, Vater hatte vorher noch gemeint, wir sollten was in den Tank lassen und ich hatte es auf spaeter verschieben wollen.

Eine PEMEX-Tankstelle - aus vergangenen Zeiten

Aber dann kam eben doch fast 200 Kilometer keine Tankstelle mehr. An einer fuhren wir vorbei, sie hatte Jahre zuvor dicht gemacht. Eine andere befand sich in Bau – wohl schon seit zwei Jahren, wie uns der Benzin-Retter-Wirt erklaerte.

Mit frischem Benzin im Tank rollten wir weiter auf der Piste, die Landschaft lebensfeindlich karg, kein bisschen Wasser weit und breit in Sicht, an Schatten ebenso wenig zu denken. Kein Ort, um leeren Tankes zu verweilen.

Ciudad Constitución - die Hauptattraktion: Der Weg raus.

Wir durchkreuzten die staubige Piste von Ciudad Constitución und beschlossen, dem Waal-Beobachtungs-Mekka San Carlos am Pazifik einen Besuch abzustatten. Es war uns klar, dass keine Saison ist, aber wir wollten die Bucht dennoch sehen und wir wurden entsprechend bestrafft. Denn der Lonely Planet sagt: Ausserhalb der Waal-Saison gibt es in San Carlos nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Und dem war dann auch nichts hinzuzufuegen. Ein verschlafenes Nest, ueberall geschlossene Agenturen, die zur Saison Waal-Touren anbienten, Wind fegte ueber den leicht herunter gekommenen Hauptplatz und an einem Supermarkt wartete man vergeblich auf Kundschaft – aber man verkaufte uns wenigstens eine Cola.

Ein Waal-Skelett ist alles, was San Carlos derzeit zu bieten hat

Knapp 100 Kilometer durch die Kakteen-Wueste hatte uns diese Erfahrung gekostet – und danach wussten wir: Der Lonely hatte recht. Nicht einmal ein kleines Restaurant war in dem Nest auszumachen, drei vier Ruinen und abgewrackte Palapas-Bars deuteten auf bessere Zeiten hin und wir machten uns schleunigst auf den Rueckweg und auf unsere Zielstrecke in Richtung Loreto.

In Ciudad Insurgentes, ein ebenso staubiges Strassen-Kaff, bogen wir rechts der MEX 1 folgend in Richtung Golf ab und fuhren in die wohl bisher spektakulaerste Landschaft, die an unserem Auto vorbeiziehen durfte.

Wie im wilden Westen - die Berge am Golf, vor Loreto

Nach 40 Kilometern erreichten wir die felsigen Berge, die uns noch vom Golf trennten, und von nun an kamen wir nur noch schleppend voran. Nicht, weil es die Strassensituation nicht anders zugelassen haettes, denn vielmehr weil wir staendig neue, beeindruckende Blicke auf die schroffen Felsen geboten bekamen, die mal Canyon-artig, mal wir Tafelberge in der Landschaft standen, und wir die Kameras kaum mehr wegzustecken wagten.

Der Blick zurueck - Berge, Felsen, Berge...

Fotostopp hinter Fotostopp schlichen wir uns nun der Golfkueste und damit auch Loreto naeher und erreichten in der Daemmerung die aelteste Mision, Cabeza y Madre de las Misiones de las Californias, Loreto.

Loreto ist einer der aeltesten nachgewiesenen menschlichen Siedlungspunkte Californiens und seine Geschichte reicht ueber 12.000 Jahre zurueck. Aber auch in der Neuzeit spielte der Ort mit der ersten gegruendeten Jesuiten-Mision 1697 eine bedeutende Rolle in den Californias, weil von hier aus weitere Misionen aufgebaut wurden und sich die Jesuiten und spaeter die Dominikaner und Franziskaner dieses kargen Landstriches und der Eingeborenen bemaechtigten. Direkt gegenueber der Mision checkten wir in einem wunderbaren und fuer hiesige Preiskonditionen guenstiges Hotel ein und genossen die Sonne hinter den Bergen in der Ferne untergehen. Der Himmel faerbte sich ueber den Felsen goldgelb und ging in ein reines, klares blau nach oben hin ueber.

Die Mision von LoretoGestern dann stand wieder ein kleiner Off-Road-Tag fuer unseren kleinen Sportwagen an, und wir fuhren am Morgen in Richtung Mision San Francisco Javier – eine alte Mision die mitten in den Felsen und Bergen im Hinterland Loretos liegt. Die ersten 16 Kilometer bekamen wir noch Asphalt unter die Raeder, bevor uns der Weg weiter auf Schotter, Staub und Sand fuehrte.

Die Landschaft so beeindruckend wie am Vorabend, nur, dass wir nun mittendrin waren. Ausgetrocknete Flussbetten, abgemagerte Kuehe, die am Wegesgrand „grasten“ und immer wieder nur duerre Straeucher und Buesche ohne Blaetter, vor allem aber immer wieder die gerade in die Hoehe geschossenen Kakteen. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir eine kleine Oase am Ende der Schotterpiste. Die Strassen der kleinen Siedlung waren frisch gepflastert, es sah geleckt und sauber aus, wie in einem Kurort.

Kakteen am Wegesrand

Mangos, Mangos, Mangos

Hier waren wir angekommen, an der Mision San Francisco Javier. Am Ende der Hauptstrasse des Dorfes, die keine 200 Meter lang war, stand die alte, aus Naturstein gemauerte Misionskirche, vor einem felsigem Hintergrund, inmitten einer kleinen Oase an einem kleinen Baechlein, der sogar noch zu dieser Jahreszeit ein kleines Rinnsal aufwies.

Misión Francisco Javier

Rundherum standen Mangobaeume in voller Frucht und wir erkundeten in Ruhe die Mision und das wenige-Seelen-Dorf. Auch hier waren kaum Menschen unterwegs, vereinzelt zwei drei mexikanische Familien auf Samstags-Ausflug – sonst aber kein Mensch. Der Ort schien zu schlafen. Und man hatte den Eindruck, er wolle auch nie geweckt werden.

Rueckweg ueber die Staubpiste...

..und immernoch: beeindruckende Landschaft.

Auf dem Rueckweg machten wir die ueblichen Fotostopps und bauten so den Tripp von 70 Kilometern doch zu einer vollwertigen Tagestour aus.

Heute morgen verabschiedeten wir uns dann wieder von Loreto und steuerten weiter nach Norden. Die Kuestenstrasse bot abwechselnd immer wieder spektakulaere Berg- und Felspanoramen und dann wieder Blicke auf
das zarte Blau glitzerndem Wassers, dass auf weissem Korallensand in kleinen Buchten sanft hin und her wiegte. Diesem Anblick konnten auch wir nicht lang wiederstehen und machten eine laengere Badepause in einer der paradiesischen Buchten, bevor wir weiter durch Mulegé nach Santa Rosalía fuhren.

Baden in einer idyllischen, ruhigen Golfbucht - Erfrischung in 40 Grad Hitze

Kaum in der Stadt angekommen, war ich suchend auf dem Seitenstreifen langsam hergefahren, hatte neben einem Tope mich an einem Auto ein wenig vorbeigeschoben und schon schnappte die Polizeifalle zu.

Ein Pick-Up der uns entgegengekommen war, wendete unsanft hinter uns, machte das Horn an und folgte uns. Als er so nah war, dass ich sicher war, dass seine Aufregung uns galt, hielt ich an und wartete darauf, was man uns vorzuwerfen hatte. 80 Dollar war die liebliche Forderung der beiden Polizisten, die kaum aelter als ich waren, fuer angebliches Ueberholen auf dem Seitenstreifen. Vater wusste gar nicht so recht, was die Jungs wollten, aber mir war klar – hier kommen wir jetzt nur mit Schmieren raus. Ich bot 200 Peso ohne Quittung an, aber der Bad-Guy-Part der beiden Polizisten draengte nervoes zu mehr. Wir „einigten“ uns auf 300 Pesos ohne Quittung und waren die beiden wieder los. Willkommen in Santa Rosalía dachte ich mir, und: Willkommen in México – so laeuft das eben hier. Und ich kann nicht sagen, ich haette es nicht gewusst….

Nordmexico-Trip 2 – Creel-Chihuahua-Puebla

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Am Montag Morgen ging es wieder früh raus. Wir hatten am Abend noch eine Tour durch die Landschaft rund um Creel gebucht, und nach dem Frühstück trafen wir den Mittfünfziger Luis-Enrique, der uns mit seinem grünen Ford-Jeep das Land zeigen wollte.

Auf dem Plan standen zunächst die verschiedenen Täler in der Nähe von Creel, die vor allem durch bizarre Felsformationen bekannt sind: Valle de los Hongos (Tal der Pilze), Valle de las Ranas (Tal der Frösche) und das Valle de los Monjes (Tal der Mönche).

Wir fuhren aus Creel heraus und fuhren in das Gebiet des Ejido San Ignacio ein, ein Territorium, dass einer Comunidad von Tarahumara-Indianern zur gemeinsamen Bewirtschaftung überlassen wurde. Zunächst fuhren wir zur Cueva Sebastián, einer Grotte, in der bis vor wenigen Jahren der Heiler und Schamane Sebastián wohnte und lebte, und der ein erhebliches Ansehen bei den Indianern in der Gegend genoß. Die Grotte diente ihm zugleich als Lebens und Arbeitsraum und heute wohnt dort seine Wittwe, die Körbe und andere Sachen flechtet, oder Tortilla-Wärmer bestickt. Mit ihr wohnen in der Grotte ihre Hühner und andere Tiere und alles wirkt sehr rustikal und naturverbunden.

Nachdem wir uns in der Cueva Sebastián umgeschaut hatten und einen Tortilla-Wärmer erstanden hatten, setzten wir uns wieder in den großen, grünen, und alten Ford-Jeep und rumpelten über die Staubpiste weiter hinein in das Gebiet des Ejido. Unweit von der Cueva entfernt, vielleicht zwei, drei Kilometer weiter bogen wir rechts von der Holperpiste ab und parkten den Wagen vor den ersten bemerkenswerten Steinformationen. Große Steinplatten waren wie Pilzköpfe auf längliche Felsformationen gelegt, die in die Höhe ragten. Wir kamen uns vor, wie Zwerge in einem Pilzwald der Riesen. Die Pilzköpfe überragten uns teilweise leicht um 1 bis 2 Meter – und wir? Wir staunten und schossen Fotos. Irgendwann vor langer Zeit mussten die Steine bei einem Erdbeben von ihren ursprünglichen Plätzen gelöst worden, ins Rollen gekommen und schließlich als „Stein“-pilze verharrt sein. Beeindruckend und dies war erst der Anfang.

Nach ausgiebigem Füllen der Digi-Speicherkarten, rumpelten wir nur wenig weiter ins Tal der Frösche, oder das Valle de las Ranas. Schon von Weitem zeigte sich eine Felsformation, die aussah, wie der Froschkönig, ungefähr 3 Meter groß und vor ihm hockten seine Untergebenen, wie bei einer versteinerten Froschversammlung. Wer weiß, was hier einstmals geschehen war, und vielleicht waren sie ja wirklich bei einer ihrer Sitzungen versteinert. Aus der Nähe sahen die Gebilde wieder mehr wie von-irgendwo-her-gekullerte Felsbrocken aus – aber gerade aus der Ferne ergab sich das Bild der Froschversammlung.

Wir sprangen wieder in den Wagen, und Luis-Enrique umschiffte mit unserem Jeep gekonnt Riesen-Löcher. Er hatte diese Holperstrecke im Blut, wußte, wo er den Wagen trotz wiedriger Strassenverhältnisse auf 70 Stundenkilometer beschleunigen konnte, und wo er ihn wieder verlangsamen musste, um langsam sich über einen Felsbrocken zu schieben. Es schien ihm Spaß zu machen, uns durch diese Gegend zu manövrieren – bestimmt kein alter Mann, der Gewackel im Auto nicht ausstehen kann.

Die nächste Schotterpiste bogen wir ein, ließen den Ejido Ignacio hinter uns und zahlten bei einer einsamen Indianerin an einem Feldrand den Eintritt in den nächsten, in ihren, Ejido. Jener Ejido, der wohl über das Spektakulärste der verschiedenen Täler verfügt – das Tal der Mönche.

Schon von Weitem sahen wir Felsnadeln in die Höhe ragen und als wir endlich nahe gekommen waren, erstreckte sich vor uns das gesamte Panorama dieser bizarren Felsformationen – dem Tal der Mönche, oder vielleicht doch treffender: dem Tal der Penisse. Bis zu 30 Meter ragten die Kalk-Vulkangestein-Säulen (irgendwie sowas, erklärte mir Luis-Enrique, der bestimmt kein Geologe ist, war und jemals noch sein wird) in die Höhe und wir bahnten uns unseren Weg durch die versteinerten Riesen. Die Landschaft war nach wie vor karg, ein paar Nadelbäume, die sich über die Trockenheit ihr becheidenes Grün behielten, Büsche und Gräser. Wir schlenderten durch die Felsen, wußten nicht mehr, was wir schon fotografiert hatten, und was noch nicht und erklommen schlußendlich eine der Nadeln, die von hinten leicht zu besteigen war.

Trotz aller Begeisterung ging es Enora leider nicht so gut, wie uns restlichen Dreien. Sie war mit Rücken- und Gelenkschmerzen aus den Federn gekrochen und hatte mit sich zu kämpfen. Als wir schließlich an den Lago Arareko kamen, entschied sie sich, den Trip abzubrechen und wir brachten sie zurück ins Hotel. Allerdings jedoch nicht, ohne vorher noch eine Runde mit den Federalen (Policía Federal) Bekanntschaft zu schließen.

Lago ArarekoDer Lago Arareko liegt zurückgezogen und wenige Kilometer von der Straße entfernt, und als wir gerade mit unserem Jeep uns den Weg über Wurzeln und anderes Gehölz heraus aus dem Waldstück bahnten, verstellte uns ein moderner Dodge-Pickup der Policía Federal den Weg. Hinten drauf, wie immer, die mexikanischen Rambos. Schwarz gekleidete Polizisten, die Skimasken über das Gesicht gezogen, und die viel zu großen Waffen im Anschlag. Drei, vier von ihnen sprangen von ihrer Ladefläche und bedeuteten Luis-Enrique auszusteigen. Ich hatte den Beifahrerplatz, und mir wurde ein wenig mulmig. Wissend, dass mexikanische Polizisten und Sicherheitsgefühl bei mir keine Begriffspaare sind, die ich automatisch zusammen verwenden würde, dachte ich mir: Oh Mann, dass die die Situation hier in der Einsamkeit mal jetzt nicht ausnutzen. Drei der schwerbewaffneten umstriffen das Auto, als wären wir Drogenkuriere, schauten hinein, wünschten uns buenas tardes, fragten uns, ob alles okay sei, und ein anderer durchwühlte die wenigen Sachen im Kofferraum. Luis-Enrique sprach währendessen mit einem unmaskierten Polizistn, zeigte seine Guide-Papiere und nach ein-zwei Minuten war der Spuk vorbei. Die Polizisten ließen uns weiterziehen – und ich fragte Luis-Enrique nach dem „Weshalb?“. Er erklärte knapp, dass gerade im Norden Mexikos solche Kontrollen normal wären, weil die Drogenmafia über sämtliche Wege versuche, Rauschgift in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Dass die Mafia aber bestimmt keine Pause am Lago Arareko macht und sich auf dem Weg in diesem einsamen Gebiet aufhält und schmutziges Geld wäscht oder Drogen verlädt, darüber waren wir uns auch beide schnell einig. Reine Schikane also. Macht zeigen, Stärke demonstrieren, Angst verbreiten. Offenbar ein zum Grundsatz erhobenes Prinzip der mexikanischen Polizei.

Auf dem Weg zum Hotel befragte ich Luis-Enrique noch zum Vetrauen der Menschen, das sie in die Polizei haben. Anfangs zögerlich, und dann doch nach einigem Nachhaken etwas offener, erklärte er mir folgende Rangfolge: Mit den Federalen hat man besser keine Probleme. Sie kontrollieren die Strassen und spielen die Rambos. Nicht selten willkürlich. Die Policía Estatal (also die Landespolizei des jeweiligen Staates) mache ihre Arbeit ganz gut. Wenngleich auch sie käuflich seien, sei es doch allemal einfacher, mit ihnen zu Verhandeln. Und die Policía Municipal? Faulenzer! Von denen ginge weder Gefahr aus, noch täten sie viel für die Sicherheit. Faulenzen, quatschen, und ein wenig Sherrif spielen – vor allem Letzteres im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten.

Am Hotel ließen wir Enora zurück. Ich sprang noch schnell in die Farmacía und besorgte ihr etwas gegen ihre Gliederschmerzen, machte ihr die Heizung an und setzte mich mit Norman und Sally wieder in den grünen Jeep, der uns bereits erwartete.

Eigentlich wollten wir uns am Nachmittag einen Wasserfall in der Region anschauen, aber mit Luis-Enrique wurden wir uns schnell über eine Planänderung einig. Wir fuhren in die entegegengesetzte Richtung an die weiten und schroffen Ausläufer des Kupfer-Canyons, um uns allmählich – Aussichtspunkt für Aussichtspunkt, der Hauptschlucht mit dem Rio Urique am Fuße der Felsen zu nähern.

Ausläufer der Kupferschlucht - 1000 m unter uns der Rio OteroLuis-Enrique steuerte zunächst nach ein paar Kilometern den Wagen über eine staubige Landepiste zu einem ersten Aussichtspunkt, von dem aus wir ein erstes Panorama einer der Schluchtausläufer genießen konnten. Der Rio Otero hatte dieses Tal über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben, und in der Regenzeit könnte man auf ihm mit einem Kanu bis zum Pazifik fahren, erklärte uns Luis-Enrique. Oder besser: Mir. Und ich erklärte es dann Norman und Sally. Ich war zum Übersetzer unserer Tour geworden und Luis-Enrique, der anfangs sehr ruhig und zurückhaltend erschien, taute langsam auf.

Später fuhren wir zum Divisadero, dem Aussichtspunkt, an dem wir schon wenige Minuten mit dem Zug gehalten hatten, und genossen erneut das Piedra volada 2000m über dem Rio Uriqueunbeschreiblich weite Panorama der Barranca del Cobre, oder der Barranca del Urique, wie die Tarahumara seit jeher die Schlucht nennen. Wir verzehrten ein paar Quesadillas am Bahnhof, der, ohne einen Zug, bedeutend weniger geschäftig wirkte, und fuhren die weiteren Aussichtspunkte ab. Durch Nadelwaldgebiet und häufig über Wurzeln und holprige Waldwege chauffierte uns Luis-Enrique an die spektakulärsten Punkte, bis zur Piedra Volada – dem fliegenden Stein. Ob Luis-Enrique auf der Piedra volada - kippelndwir etwas wirklich kribbelndes sehen wollten, fragte Luis-Enrique, und kaum bejahte ich, sprang erschon durch die Büsche los in Richtung der Piedra Volada, die ungefähr einen Meter über dem 2000m-tiefem Abgrund schwebt. Auf dem Felsvorsprung liegt ein weiterer Felsbrocken und Luis-Enrique erklomm den Stein, stellte sich breitbeinig mit dem Rücken zur Schlucht darauf und belastete seine Beine abwechselnd, bis der Stein ins Kippeln geriet. Qué loco!

Danach kam er wieder zu uns, und forderte uns auf, es ihm gleich zu tun. Als Einziger traute ich mich auf den Felsen, aber zum Kippeln fehlte auch mir der Mut, flößte die mir die unter mir liegende Tiefe doch gehörig Respekt ein.

Das Ende unseres Trips bildete eine Rundfahrt durch die anliegenden Ortschaften und unser Guide zeigte uns die besten und einladensten Hotels, die teils mit einer spektakulären Aussicht an den Schluchtrand gebaut worden waren.

Auf dem Heimweg hatte es Luis-Enrique dann eilig. Das Gaspedal drückte er auf der neuen, asphaltierten Strasse durch sobald er konnte und unterschätzte doch hier und da den Neigungswinkel einiger Kurven, was uns gehörig in die Seiten oder wahlweise, bei schroffen Bremsmanövern, in den Gurt presste.

Als die Sonne unterging kamen wir wieder in Creel an. Voller Eindrücke und völlig beeindruckt. Schade, dass Enora den zweiten Teil unserer Tour nicht hatte mitmachen können, aber ihr war es im Bett besser ergangen, als es ihr beim bleifüßigem Fahrstil Luis-Enriques auf dem Rücksitz ergangen wäre.

Am nächsten Morgen packten wir unsere kleinen Rucksäcke zusammen, schauten uns ein eher unspektakuläres Regionalmuseum zur Geschichte an und sprangen in den Bus nach Chihuahua. Den Zug wollten wir nicht nehmen, weil der erst spät Creel passieren würde, und uns erst nach Mitternacht in Chihuahua auspucken würde.

Die karge Landschaft Chihuahuas - wie aus einem WesternDie Busfahrt führte uns heraus aus den felsig-trockenen Bergen der Sierra Madre Occidental und nach einigen Stunden gab es nur noch die Strasse, die die Steppe links und rechts in zwei teilte. Am Himmel verirrten sich vereinzelt ein paar Cirrus-Wölkchen, die dem Land mit dem tiefblauem Himmel darüber, erst seine ganze tiefe verliehen. Es fehlte nur der Strohballen, der vom Wind durch die Strasse gerollt wird, damit wir auch den Rest des kompletten Western-Feelings gehabt hätten.

Gegen vier rollten wir in Chihuahua ein, und wir verließen den Bus nah am Zentrum. Hinter der Bushaltestelle sah es aus, als hätte man gerade ein gesamtes Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Schutt und Staub, keine Gebäude und hinter der nächsten Häuserzeile, die fast einsam da stand, erblickten wir die Kathedrale. Wir dirigierten uns in ihre Richtung und hofften in der Nähe ein Hotel zu finden. Doch die Hotelsuche sollte schwerer werden, als geglaubt.

Eingeschlagene Fenster, Leerstand - Gebäude am Zócalo ChihuahuasDer Lonley Planet hatte uns bereits verraten, dass Preis und Leistung in Chihuahua zuweilen weit auseinander gehen könnten, und das es kaum günstige Herbergen gäbe. Nachdem wir stundenlang durch die Stadt geirrt waren, schon das Zimmer eines Hotels nahezu gebucht, betreten und dann doch wieder verlassen hatten, checkten wir in das von außen sehr schäbige Bal-Flo ein. Innen war es dann gar nicht so schlimm – der Preis allemal überhöht für das Gebotene, aber immernoch die günstigstes Option in der Stadt, in der man zwei Tage zuvor ein Anschlag auf den Gouverneur verübt hatte, und die mir seit unserer Ankunft ausgestorben, leer und tot erschien.

Idyllischer als die Realität - die Fußgängerzone in der InnenstadtWir drehten am Abend eine Runde über den Zócalo, der interessanter Weise im Norden auch Plaza de Armas (wie in vielen lateinamerikanischen Ländern) genannt wird, besuchten die Kathedrale und schossen in der Fußgängerzone einige Bilder, die eine Realität wiedergaben, die wir nicht vorfanden. Bilder wirken häufig doch idyllischer, als die Realität.

Am Mittwoch klingelte dann mal wieder der Wecker zu unchristlicher Zeit und wir bestellten uns ein Taxi zum Flughafen. Erst jetzt teilten Norman und ich unsere nächtlichen Beobachtungen insektiösem Lebens im Bad mit, was den Mädels doch recht gelegen kam, dass wir bisher damit hinter dem Berg gehalten hatten.

Der Flugplatz lag rund 20 Kilometer außerhalb der Stadt, der Taxifahrer war ein freundlicher, älterer Herr, der zunächst glaubte, wir seien Amerikaner, weil wir uns zu Viert auf Englisch unterhielten.

Unser kleiner Volaris-Airbus kommt in Chihuahua anPünktlich drehte unser kleiner Airbus aus Toluca kommend herein, und wir entschwebten ebenso pünktlich der kargen Wüstenlandschaft Nordmexikos. Noch aus der Luft war die trockene Weite gut zu  sehen – sind doch in der Trockenzeit kaum Wolken am Himmel. Und so schwebten wir bei klarstem Himmel wieder nach Süden, über den 4600m-hohen Nevado de Toluca in die gleichnamige Stadt ein, die 60 Kilometer nordwestlich von DF liegt.

Nur mit Handgepäck beladen steuerten wir den Ticket-Verkaufsstand von Caminante an und kruz darauf saßen wir in einem Shuttle nach Ciudad de México. Eine gute Stunde später verließen wir den Van an einem Centro Comercial, und ich hatte das Gefühl, dass in Mexiko Frühling geworden war. Viele der Bäume hatten lila Blüten und strahlten geradzu zwischen der teils grauen Tristesse alter Hochhäuser Mexico Citys. Und nach den wüstenhaften Eindrücken des Nordens erschien alles Grün noch tausendmal grüner.

Der Ixtazíhuatl zeigt sich in seiner vollen SchönheitNach einem Stopp über Katinkas Wohnung, wo Norman und Sally ihre großen Rucksäcke wieder an sich nahmen, fuhren wir zum Tapo, dem zentralem Busbahnhof Mexicos. Hier bestiegen wir den nächsten Bus in Richtung Puebla und fuhren in den von der Sonne in ein goldenes Licht getauchten, Abend hinein nach Haus. Erstmals bei dieser Fahrt, durften wir Popocatépetl und Ixtazíhuatl, die beiden Riesen, die man sowohl von Mexico, als auch von der anderen Seite von Puebla aus bewundern kann, in ihrer vollen Schönheit sehen – von den weiten begrünten Ausläufern bis hin zu ihren über 5000m-hohen Spitzen zeigten sie sich bei klarer Luft in ihrer vollen Pracht. Wunderschön. Und ein gelungenes Ende mit beeindruckenden Bildern vom Anfang bis zum Ende unseres Nord-Mexiko-Trips.

Donnerstag, Freitag und Samstag mit Normi und Sally in Puebla

Am Donnerstag sollte nun für Norman und Sally endlich der erste Tag kommen, an dem sie, seit ihrer Ankunft, einmal ohne Wecker aufstehen konnten. Und so frühstückten wir in aller Ruhe bei prasselnder Sonne auf dem Sonnendeck der Quinze und brachen am späten Vormittag zu einem Stadtrundgang auf. Ich zeigte ihnen die Kathedrale, die mit ihren (bescheidenen) 69m-hohen Türmen die Höchste Mexikos ist, später den vor grün strotzenden Zócalo und meine Uni, deren Hauptgebäude sich in einem ehemaligen Jesuitenkloster breit gemacht hat. Später zogen wir über den Handwerksmarkt El Parian und endeten schließlich auf der einzigen Fußgängerzone der Stadt, der 5 de Mayo. Am Nachmittag verspeisten wir ein paar Tacos und Normi und Sally erkundeten weiter die Stadt, shoppten nach Herzenslust Handwerkskunst, Töpferei-Artikel und Fußballtrikots, während ich mal wieder meiner Fakultät einen „Arbeits“besuch abstattet.

Ex-Convento de Tecali - Gemäuer, die ihre Besitzer und Erbauer längst überdauert habenFreitag sollten sich die beiden, laut Plan, eigentlich an den Golf nach Veracruz aufmachen, aber Pläne sind dazu da, verändert zu werden, und so blieben sie in Puebla und ich fuhr mit ihnen in den Süden der Stadt – hinaus aufs Land, zu den wunderschönen ehemaligen Franziskaner-Klöstern, deren Ruinen wir uns bei Kaiserwetter und idealen Photobedingungen zu Gemüte führten. Auch für mich sind diese alten Gemäuer nach dem dritten Mal noch immer wieder einen Besuch wert. Immernoch beeindruckend, die hohen, steinernen Mauern und Säulen, die über die Jahre allen klimatischen Bedingungen getrotzt haben.

Am Samstag dann erlebten wir einen kleinen poblanischen „Höhepunkt“. Bei unserem Kathedral-Besuch am Donnerstag war ich mit einer der Aufsichtsdamen ins Gespräch gekommen und hatte sie gefragt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, die Glockentürme zu besteigen. Offiziell wird dies nirgends angeboten und es existiert diese Möglichkeit auch nicht, aber sie zeigte sich bereit, am Samstag schließlich gegen eine kleine Spende (zur Erhaltung der Kathdrale selbstverständlich), uns auf einen der Glockentürme hinauf zu führen. Und so trafen wir uns um 9 Uhr morgens mit ihr in der Kathedrale und wir erklommen die höchsten Türme einer Kirche in Mexiko.

Popo, Ixta und die historische Altstadt Pueblas - Blick vom GlockenturmUnter uns der saftig-grüne Zócalo, die kolonialen Häuser der unter dem Schutz der UNESCO stehenden Altstadt und am Horizont La Malinche, Ixtazíhuatl und der sanft rauchende Popocatépetl. Ein wahrer Höhepunkt meines Puebla-Aufenthaltes und eine Turmbesteigung, die sich lohnte. Neben dem Hauptglockenwerk mit der 8,5 Tonnen schweren Hauptglocke, genossen wir das Panorama der Stadt mit ihren Vulkanen rund herum.

Nach einem Frühstück in der brennden Sonne am Zócalo trennte sich Enora von uns und ich wollte den beiden noch eine Töpferwerkstatt zeigen, in der man den kompletten Herstellungsprozess der traditionellen poblanischen Töpferkunst bewundern kann. Aber wer denken kann, ist klar im Vorteil, würde mein guter Freund Daniel J. sagen, und so mussten wir auf diesen Rundgang verzichten, weil Samstag nicht gearbeitet wird.

Norman posiert auf einem alten Chihuahua-Pacifico-WaggonWir ersetzten den Rundgang mit einem Rundgang über den Alten Bahnhof Pueblas, der inzwischen zum Eisenbahnmuseum umfunktioniert ist, und kletterten auf verrosteteten Lokomotiven und Waggongs herum, was uns auch viel Spaß machte. Am Abend verspeisten wir die Reste der am Vorabend gebackenen Pizza und Enora und ich setzten Norman und Sally in einen Micro zum Busbahnhof, wo sie in einen Nachtbus nach Palenque stiegen.

Ich ordnete meine Sachen in meinem Zimmer, räumte auf und nutzte den Sonntag komplett, mein CHEPE-Video zu schneiden, was seit gestern in meinem Blog online steht.

Gestern verlief dann ruhig, heute besuchte ich mal wieder die Uni, mit dem Resultat, dass ich mir mit meinem Philosophie-Prof einig war, dass es in jenem Seminar zuginge, wie in der Schule, und er bot mir an, in einen etwas konzentrierteren Kurs von ihm zu wechseln. Und das werde ich auch machen.

Am Donnerstag Abend werde ich dann wieder in einen Nachtbus fahren und Norman und Sally am Pazifik wiedertreffen. Ich freue mich, auf eine langes Wochenende, auf Strand, Palmen, Holzhütten, Cocktails, warme Seeluft am Abend und ein entspanntes, langes Wochenende. Ist ja nicht alles Arbeit hier, in Mexiko.

🙂

Nordmexico-Trip 1 – Los Mochis-Creel

Posted in mexico city, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 28. Februar 2009 by Jakob

sn859854So, nach über einer Woche komme ich nun endlich dazu, auch hier einen längeren Bericht über unsere Tour mit Norman, Sally und Enora im Norden Mexicos zu verfassen. Unsere Reise startete, wie ich schon im vergangenen Artikel angekündigt hatte, mit Enora und mir auf den Weg nach DF, wo wir gegen 6 unsere beiden deutschen Gäste erwarteten. Nachdem die beiden bereits unfreiwillig in Madrid 24 Stunden hängen geblieben waren, erwarteten wir sie zunächst pünktlich am Aeropuerto Internacional in Mexico Stadt. Aber als der Flieger aufsetzen sollte, verschwand er erstmal von den Bildschirmen. Seltsam, keine Verspätung, einfach weg. Enora suchte einen Iberia-Schalter auf, um mehr Infos zu bekommen, und nach einer halben Stunde war er wieder auf dem Bildschirm und wurde mit 2 Stunden Verspätung erwartet. Also landeten die Beiden letztenDer Nevado de Toluca aus dem Flugzeugdlich um halb 8 und wir konnten sie eine halbe Stunde später in Empfang nehmen.

Wir zogen dann mit der Metro in die Stadt, Kurs auf Katinkas WG, eine ehemalige Mitbewohnerin aus der 15 in Puebla, die uns für die Nacht beherbergen wollte. Die WG hat 9 Mitbewohner und bekam im Laufe des Abends noch mindestens 20 Besucher/Freunde hinzu und so kamen wir erst recht spät zur Ruhe. Aber letztendlich sogar in einem einzelnen Zimmer für uns vier.

Anflug auf Los Mochis - links von uns der PazifikAm Samstag klingelte dann schon um 6 Uhr der Wecker und wir verließen die noch ruhig-liegende Wohnung im Morgengrauen. Am Flughafen checkten wir bei Interjet ein und frühstückten noch ein wenig. Dann ging es pünktlich um neun Uhr in die Luft und wir schwebten über den Nevado de Toluca (4650m) in Richtung Norden nach Sinaloa an den Pazifik. In Los Mochis landeten wir auf einem klitzekleinen Flughafen und die Landschaft hatte sich bemerkbar verändert: Wüste, grau, kaum Bäume, karge Berge am Horizont und einige Felder, die offenkundig den Luxus der Bewässerung genießen durften und von daher in saftigem grün standen.

Enora bei der Ankunft in Los MochisWir sprangen in ein völlig überteuertes Taxis, dass gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit war, vom Flughafen in die Stadt zu kommen. Ein leider weit verbreitetes Phänomen in Mexico, dass die Taxislobby in vielen Städten zu verhindern wusste, dass es öffentlichen Nahverkehr zu Busbahnhöfen oder Flughäfen gibt, die irgendwo in der Pampa sind, und Touristen und Passagiere die willkürlich festgelegten Preise bezahlen müssen, wenn sie denn nicht stundenland laufen wollen.

Meiner, Norman, Sally und Enora am Bahnhof von Los MochisLos Mochis hatte an sich nicht viel zu bieten, wir checkten in ein Hotel im Stile der 70er Jahre ein und machten uns auf Erkundungstour zum Bahnhof und später nach Topolobampo an die Pazifikküste, um das Meer zu sehen. Der Bahnhof lag ruhig und verlassen in der Staubwüste außerhalb der Stadt und ein einzelner Sicherheitsmann bewachte den Eingang der Bahnhofshalle, die nur früh am Morgen, wenn der CHEPE startet (CHEPE= CH-P= Chihuahua al Pacifico-Zug) und spät abends, wenn die beiden Züge aus Chihuahua (Primera Clase und Segunda Clase) eintreffen Leben eingehaucht bekommt.

Pelikane am Pazifik in SinaloaAlso schossen wir ein/zwei Bilder und fuhren mit dem nächsten Bus an den Pazifik, der mich zunächst mit seinem grauem Strand und flachem, wellenlosem Wasser an den mexikanischen Golf erinnerte. Dort, wo ausschließlich mexikanische Familien vereinzelt herumschlenderten, aßen wir und spazierten ein wenig am Strand entlang, bevor wir wieder am Abend nach Los Mochis fuhren und früh ins Bett fielen. Denn am nächsten Morgen sollte es schon wieder früh losggehen.

Der Trip Teil 1 in einer Dia-Show

5:30 Uhr standen wir am Sonntag Morgen auf, und schnappten uns den nächsten Colectivo zur Estación. Dort hatte der Erste-Klasse-Zug Los Mochis bereits noch in der Dunkelheit verlassen und wir stellten uns mit ausschließlich mexikanischen Passagieren, die mit ihren Cowboy-Hüten original zur Landschaft passten, in die Schlange, um unsere Tickets für den heiß-ersehnten Zugtrip vom Pacifico nach Chihuahua aCHEPE - Zweite Klasse am Bahnhof von Los Mochism Schalter zu kaufen.

Als der Uhrzeiger sich bedrohlich der Abfahrtszeit näherte (7 Uhr), schickte die Ticketschalter-CHEPE-Fahrkarten-Verkaufsfrau uns weg und meinte, wir sollten die Tickets im Zug kaufen. Sie hatte ohnehin für den Verkauf eines einzelnen Tickets jeweils mindestens 3 bis 5 Minuten gebraucht, und so schien diese Lösung auch sicherer, als mit ihr das eher langwierige Geschäft abzuschließen.

Also stiegen wir in einen der grün-rot angestrichenen Waggons und ließen uns vom Schaffner einen Platz zuteilen. Inzwischen schob sich die Sonne über den Rand des Horizontes, und als diese sich vom Rand des Horizontes löste und die ersten Sonnenstrahlen flach über das Land schickte, setzte sich unsere Lokomotive lärmend in Bewegung. Und es ging los.

Langsam zog das flache Land an uns vorbei, die Morgensonne tauchte es in ein warmes, rötliches Licht, und die Strecke führte uns zunächst durch Felder. Langsam schob sich der CHEPE durch das Land, und Landschaft in Sinaloa - Berge am Horizontwir hatten zunächst das Gefühl, dass man nebenher laufen könnte. Ich begann hier und da, neben den selbstverständlichen Digibildern, Videos aufzunehmen, weil ich in Kürze gern ein Video hier einstellen möchte, dass die Fahrt komplett von Los Mochis bis Creel bebildern soll.

Der Zug bestand aus fünf Waggons, die rot bepolsterte, weiche und angenutzte Sitze hatten und mit einer Klimaanlage auf frische Temperaturen heruntergekühlt wurden. Zwischen den Waggons waren die jeweiligen Türen zweigeteilt, und den oberen Teil konnte man aufmachen. Und so konnte man während der Fahrt fast das Gefühl bekommen, draussen zu stehen. Ein Bistro-Wagen teilte den Zug in genau zwei Hälften, und auf einem karierten A4-Blatt standen handschriftlich die Öffnungszeiten, mit einem Tesa an die Wand über die Bar geklebt. Der Bar-Mann schwatzte bevorzugt mit den Schaffnern und mit den Sicherheitsleuten, die mit Maschinengewehren auf dem Rücken sich Trocken und karg - wir schnaufen bergauf in die Sierra Madrewahleise wichtig machten, oder faulenzend für ein abschreckendes Bild sorgten. Einer jener schwer-bewaffneten Gesellen kam recht bald zu uns und fragte, woher wir kämen, wohin wir führen und was wir so trieben. Allerdings mehr aus persönlichem Interesse, als aus Sicherheitsaspekten heraus, und außerdem, wie wir später mitbekamen, um uns bereits ein Hotel in Creel aufzuschwatzen, in dem er angeblich vor einiger Zeit mit seiner Familie ein paar tolle Tage verbracht hätte. Als später weiteres Zugpersonal mit den gleichen Visitenkarten bei uns auftauchte, schien uns die Familien-Urlaubsgeschichte nicht mehr glaubwürdig. Wir entschieden uns, dieses Hotel auf jeden Fall zu meiden und die Verkaufsstrategie, die wahrscheinlich ein findiger Hotelbesitzer mit dem CHEPE-Personal abgekatert hatte, nicht zu unterstützen.

Begeistertes Photographieren - Normi fällt fast aus dem ZugNach wenigen Stunden Fahrt veränderte sich allmählich die Landschaft, die an unserem Fenster vorbeizog. Die Felder wurden weniger, bis sie ganz verschwanden und das Land wurde karger. Gelbes, verbranntes Gras und Bäume ohne Blätter zogen draussen vorbei, dazwischen immer wieder Kakteen und die Berge begannen sich zunehmend weiter in die Höhe zu recken. Häufig gekrönt von schroffen Felsen, auf denen ebenso wenig wuchs.

Je weiter wir in die Sierra mit dem Zug eindrangen und uns Höhenmeter um Höhenmeter langsam schnaufend nach oben arbeiteten, um so spektakulärer wuDer CHEPE schraubt sich in die Höhe - und überquert immer wieder Tälerrde das, was an uns vorbeizog. Die Berge wurden höher und höher, die Strecke schlängelte sich schmal durch die Landschaft, mal eng an den Hang einer Schlucht gepresst, mal über atemberaubend hohe Brücken, die uns einen Blick in Wasser gefüllte Täler ermöglichten, bevor wir mit dem Zug in den nächsten Tunnel eintauchten.

Am Nachmittag hatte sich die Landschaft gänzlich in die Kulisse eines Westerns oder Indianerfilms verwandelt. Die Schluchten wurden schroffer, In 360 Grad-Windungen gewinnt der CHEPE schnell an Höheenger und tiefer, die Felsformationen standen schnurgerade und wie Wände in der Landschaft. Ausgetrocknete Flußbetten durchzogen kleine, zart bewaldete, aber trockene Täler und hier und da hatte die Zivilisation ihre Spuren in Form von einfachen Holzhäusern oder urigen Ranches hinterlassen.

Gegen 4 rollten wir in Divisadero ein. Divisadero – das ist DER Aussichtspunkt für die Barranca del Cobre – die Kupferschlucht. Keine 1Tarahumara-Indianerin versucht ihre geflochtenen Körbe an die Zugpassagiere zu verkaufen00 Meter vom Bahnhof, der von Verkaufsständen mit Essen und Handwerkskunst der Tarahumara überflutet ist, steht man am Rande der Schlucht und blickt in 1800 Meter in die Tiefe in das weit verzweigte Schluchtensystem, das die beiden Flüsse Otero und Urique über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben haben. Der Canyon ist über 50 Kilometer lang und gilt als einer der größten Nordamerikas – größer, tiefer und länger als der Grand Canyon. Der Blick schweift über die kilometerweite Schlucht bis er am anderen Ende wieder auf schroffe Felsen trifft und dort die Schlucht mit den Bergen der Sierra Madre Occidental wieder Eins wird. Die Abendsonne ließ die Luft diesig erscheinen und man konnte zuweilen nicht bis zum Boden schauen. Ein faszinierendes Panorama, dass sich dort vor uns erschloß.

Barranca del Cobre - von Divisadero aus gesehenLeider blieb uns bei diesem kurzem Zwischenstopp nicht viel Zeit, den Blick zu genießen, und wir schossen nur erste Fotos, um am Montag Nachmittag mit Ruhe zurückzukehren.

Bald setzte sich unser Zug wieder in Bewegung und eine Stunde später kamen wir in Creel an. Die „Stadt“ erinnerte mich zunächst an San Carlos de Bariloche in den Anden Argentiniens. Häuser einer Bergstadt, spitze Dächer, holzverkleidet. Klein und beschaulich zieht sich der Ort an den Schienen des 1907 eingeweihten CHEPE entlang.

Wir schafften es, den Hotelhäschern zu entkommen und suchten uns ein kleines Hotel im Zentrum auf eigene Faust. Nach einem ausgiebigem Abendessen, in einem Restaurant, dass in der nächtlichen Frische glücklicherweise über einen entfachten Kamin verfügte, fielen wir in unsere Betten. Reisen kann anstrengend sein.Der CHEPE rollt weiter -wir bleiben. In Creel.

Und lesen auch. Und Blogschreiben ebenso. Deshalb mache ich hier fürs Erste Schluss und reiche morgen den zweiten Teil der Reise nach. Bis dahin, buenas noches!

PSs:

PS: Bald folgt auch das CHEPE-Video. Ich brauch nur die Zeit, es zu schneiden.

PPS: Stefan, Maike, Jonas, Gunnar: Was ein geiles Geschenk! Ich war den Tränen nahe. Ich freu mich, Euch wiederzusehen – und mit Euch auf dem Kreuzberg oder dem Anleger ein Bierchen zu genießen! Kriegt auch gleich noch ne Mail.

PPPS: Mehr Bilder zum ersten Teil der Nordmexiko-Reise gibts hier!

PPPPS: Normi hat seit heute sein eigenes Zwitschergewitter zur Mütterberuhigung auf der Reise ohne mich. Wo? Hier in der rechten Seitenleiste unter meinem Twittergewitter und hier komplett.

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