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…das Paradies verlassen

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. April 2009 by Jakob

Es gibt auf der Welt bislang genau zwei Orte, an denen ich, vorausgesetzt ich hätte das nötige Kleingeld, mir eine kleine Hütte (Wahlweise auch Hacienda – je nach Klingelbeutel) als Zweitwohnsitz hinsetzen würde: Vilcabamba in Ecuador der Berge und des angenehmen Klimas wegen und Zipolite, des Pazifiks, seiner Buchten und  der Ruhe wegen. Es sind zwei traumhafte Orte auf diesem Teil der Erde, und Zipolite ist wohl der definitv beste Ort Mexikos.

Punta Cometa - Sonneruntergang am südlichsten Punkt Oaxacas

Den Rest der Osterwoche verbachten wir mit Lesen, Schwimmen, Sonnen, Ausruhen (ich) und Arbeiten (Enora). Jeden Tag Meer, jeden Tag aufstehen, wenn man aufwacht, und ins Bett gehen, wenn man müde ist – der Tagesablauf nur von der Helligkeit des Tages abhängig.

La Ventanilla bei Sonnenuntergang - von Punta Cometa aus gesehen

Ich las und vertiefte mich weiter in das Barcelona der 1920er Jahre und tauchte erneut ab auf den Friedhof der vergessenen Bücher. Meine langen Lesephasen unterbrach ich lediglich für einen ausgedehnten Strandspaziergang, zum Schwimmen oder zum Essen. Carlos Ruiz Záfon zieht mich mal wieder in seinen Bann.

Echse auf einem Zweig - auf einem meiner Spaziergänge

Allerdings haben wir uns nicht nur im Umkreis von 30 Metern um unsere Hütte aufgehalten. Am Mittwoch Abend fuhren wir mit dem Collectivo nach Ventanilla um die Ecke, um uns dort eine „Liberación de Tortugas“ – also eine Schildkrötenfreilassung anzuschauen. Am frühen Abend und an einigen Tagen der Woche setzt das ansässige Schildkrötenschutz-Team Baby-Schildkröten aus und wer möchte, kann dabei behilflich sein und dabei zuschauen, wie die kleinen bepanzerten Tierchen, die kaum die Größe einer Zigarettenschachtel haben, in die Freiheit schlürfen.

Ich mit einer der kleinen Panzertierchen

Bei Sonnenuntergang werden sie an einem abgelegenen Strand in Reichweite der Wellen ausgesetzt und schleifen sich dann nach und nach in Richtung Pazifik. Mit ihrer Größe sind sie noch völlig der Gewalt des Meeres ausgesetzt, dass sich die kleinen Schildkröten Welle für Welle einverleibt, und wo sie lernen müssen, allein zu überleben.

...auf dem Weg in die Freiheit

Bei unserer Freilassung gewöhnten sich ungefähr 30 kleine Baby-Schildkröten an die Naturgewalten. Allerdings überleben nur die wenigsten von ihnen, weil Pelikane und Möven nur darauf warten, die wehrlosen Geschöpfe zu verspeisen. Nachdem Mazunte über Jahrzehnte das Zentrum der mexikanischen Schildkrötenjagd war, was seit Anfang der 90er Jahre verboten ist, haben sie nur noch natürliche Feinde – die ihnen allerdings das Leben und Überleben schwer genug machen. Dennoch müssen sie sich so früh wie möglich an die Freiheit gewöhnen, wenn sie lange in Freiheit leben wollen. Und so entscheiden das Schicksal, die Wellen und die Möwen und die Pelikane, welche der Schildkröten schließlich durchkommen.

Sonnenuntergang über dem Pazifik

Am Sonntag gönnte sich dann Enora einen komplett freien Tag und wir fuhren nach Huatulco, was in Mexiko als Öko-Urlaubsparadies mit ruhigen und jungfräulichen Stränden gepriesen wird. Doch wir mussten mal wieder feststellen, dass wie so oft in Mexiko, zwischen Werbung und Wirklichkeit eine kleine Schlucht klafft, etwa in der Größe des Landes. Das einst als Natur-Urlaubsparadies konzipierte Örtchen mit seinen Buchten hat nichts, aber auch gar nichts von dem, was es verspricht. Hotelklötzer säumen die Buchten, überall Neubauten, die meisten im Rohbau wieder fallen gelassen und nur wenig Ruhe. Also waren wir froh, dass wir die Woche doch in Zipolite verbracht und nicht, um mal etwas Neues zu machen, uns von der Werbung für Huatulco den Blick vernebeln ließen.

Pt. Angél - der nächstgrößere Ort neben Zipolite

Am Montag, nach einer guten Woche Ruhe und Entspannen, packten wir dann am frühen Vormittag unsere Rucksäcke zusammen und machten uns mit einem Van auf den Weg zurück nach Oaxaca. Unser Fahrer war so sehr die Ruhe selbst, dass wir leider 8 statt wie geplant 5 Stunden bis Oaxaca brauchten und wir so einen Zwangsstopp in der Stadt einlegen mussten. Wir quartierten uns erneut im Chocolate ein, einem Hotel, deren Besitzer sich dem Herstellen traditioneller Chocolate Oaxaceña widmen und in dem es stets nach dem frisch gemalenem, braunem, süßen Pulver riecht. Die Zimmer sind einfach und günstig und wir entschieden uns für eine verkürzte Nachtruhe.

am Meer - Kleinod in Bahía del Camarón

Bereits um 5 Uhr saßen wir am gestrigen Morgen dann schon wieder im Bus nach Puebla, durchquerten die Sierra mit ihren hohen, felsigen Bergen und ihren schroffen Tälern und kamen am Vormittag wieder in Puebla an.

Zurück im Tal von OaxacaMorgensonne über den Bergen in Richtung Puebla

Heute war ich dann bereits schon wieder in der Uni und mein Prof bemerkte auch schon, dass uns nur noch wenige Seminare bis zum Ende des Semesters blieben – und entschied, ab sofort ein wenig den Plan abzuarbeiten. Dass wir das schaffen, wage ich zu bezweifeln, hinken wir doch zu sehr hinterher – aber sei es drum – mir geht es gut und den letzten Wochen mexikanischer Uni sehe ich entspannt entgegen – folgt doch dann der wohl längste Sommer meiner Studienzeit – Mai bis Oktober – wirklich frei.

An’s Meer

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 11. März 2009 by Jakob

Wie ja schon im letzten Artikel ins kalte Deutschland angedroht, bin ich tatsächlich am Donnerstag in den Nachtbus gesprungen. Über eine elend lange Fahrt, auf der mir die brutal zufallende Busklotür auch noch den kleinen Finger einklemmte (Ihr wollt gar nicht an den Pazifik, ist alles nur Leiden, Schmerzen und Autsch!), kam ich endlich am Freitag gegen Mittag in Pochutla an, wo bereits meine zwei deutschen Reisenden, Norman und Sally, mit einem Schild in der Hand mit meinem Namen darauf auf mich warteten.

Sicht aufs Meer - von unserer Hütte ausWir sprangen geschwind auf den nächsten Pick Up und ließen uns durch die Mittagshitze die letzten 20 Kilometer hinunter nach Zipolite an den Pazifik bringen. Zielgerichtet, weil ja schon mal dagewesen, steuerte ich das Lo Cosmico an, ein malerisches Hostel mit kleinen Palmenhütten zu unvernünftig günstigen Preisen. Wir checkten ein, nahmen ein Hüttchen mit Meerblick und ca. 30 m bis zum Strand und wechselten sofort auf Kurz. Ich hatte nicht mit einer so langen Fahrt gerechnet und somit war ich obendrein hungrig. Wir einigten uns auf ein kurzen Sprung in den 26 Grad kühlen Pazifik, plantschten in den eher ungewöhnlich ruhigen Wellen und Sally bekam eine Antwort auf ihre Frage, die sie am Abend zuvor eher retorisch an Normi stellte: Kommt der Jagger nur jetzt für ein Badewochende an den Pazifik? Jepp – nur für ein Badewochenende – aber in paradiesischer Umgebung! Es war nun keine Frage mehr. Nachdem wir ausgiebig das Wasser getestet und festgestellt, dass es doch gar nicht so frisch war, suchten wir nach einem Restaurant, um den Hunger zu bekämpfen. Wir wurden nach einem „Stadtrundgang“ durch das Straßendorf (100m Länge) Zipolite recht schnell fündig und setzten uns in den Freisitz einer wirklich guten Pizzeria – der 7 de Diciembre. Hier verspeisten wir die leckersten Pizzen Mexicos, die obendrein auch noch von einem Mexikaner gebacken wurden und genossen den Abend. Die milde Luft. Und das Gefühl, keine Termine und nichts weiter zu tun zu haben. Mit ein paar (in meinen Augen zu wenigen) Mojitos verabschiedeten wir den Tag in einer Strandbar und schlichen uns in unsere Palmenhütte. Den Rückweg hatten wir über den Strand zurückgelegt.

Am Samstag klingelte kein Wecker, trotzdem blieben wir nicht ewig in den Federn. Gestärkt mit einem Frühstück gingen wir die paar Meter zum Strand und genossen das Plantschen in den Wellen.

Blick auf den paradiesischen Strand von MazunteSpaeter wollten wir herausfinden, wie es denn mit einer Waal- Beobachtungs-Tour ausschaut und machten uns auf den Weg in das uebernaechste Stranddoerfchen Mazunte. Dort hatte ich mit Enora im Dezember eine ziemlich gute Tour gebucht und auch eine Menge Wale, Delphine, Schildkroeten und Flugrochen gesehen.

Also steuerten wir den Strand in Mazunte an, sprangen ins Wasser, wieder raus und liefen in das RLa Ventanillaestaurant von Carmelo, bei dem ich das letzte Mal die Tour gebucht hatte. Er zeigte sich erfreut, dass ich mit neuen Leuten kam, wir machten die Tour fuer Sonntag Morgen um 8 Uhr klar und zogen an den naechsten Nachbarstrand, La Ventanilla. La Ventanilla, was nichts anderes heisst, als das Fensterchen, verdankt ihren Namen einer Felsformation, die auf der linken Seite des Strandes an den Felsen aus dem Wasser ragt, und einem Fensterchen aus Felsgestein dominiert wird.

Mangroven hinter dem Strand von La VentanillaUnser Ziel hier: Eine Bootstour durch die hinter dem Strand liegenden Mangroven-Suempfe. Wir fanden recht schnell jemanden, der uns eine solche Tour anbot, wir legten die Schwimmwesten an (die wohl mehr als Beissschutz vor den Krokodilen dienen, als uns beim Schwimmen unterstuetzen sollten) und stiegen in ein langes Boetchen. Mit uns an Bord war eine mexikanische Familie und die zwei Bootsjungs, die uns durch das Gebiet ruderten. Kaum hundert Meter unterwegs, entdeckten die beiden Chicos auch schon das erste Krokodil, dass seinen kaltbluetigen Koerper in der warmen Nachmittagssonne am Ufer an den Baeumen auf Temperaturen brachte. Nachdem es sich vom Schlagen eines Fliflops auf die Wasseroberflaeche voellig unbeeindruckt zeigte, zog einer der Jungs ein blutiges Stueck Fischfleisch durch das Wasser. Wir waren ungefaehr 10 Meter entfernt – und das wirkt. Das Krokodil liess sich ruhig rueckwaerts ins Wasser gleiten und steuerte auf unser Boot zu. „Keine Haende ins Wasser!“, lautete der Befehl unserer Jungen und das Kroko schwamm dicht an uns heran, stiess mit dem Kopf an unser Boot und beobachtete uns aus den Mr. Kroko zeigt Zähne - Photo: Norman DöhlertAugen, die neben einem wirklich furchteregenden Maul mit scharfen Zaehnen aus dem Wasser illerten. Die Laenge des gefraesigem Monstrums wurde uns eindrucksvoll klar, denn ungefaehr ein Meter hinter dem Kopf ragte ein zackiger Rückenkamm aus dem Wasser, der sich bis zum Schwanz ausdehnte. Rund 3 Meter war das Reptil lang – ein kleines Krokodil, stellte einer unserer (erfahrenen oder schlicht leichtsinnigen) Bootsjungen fest. Er warf nun dem Krokodil ein/zwei Fichfilets aufs Maul, und das Monster schnappt blitzschnell zu, gewährte uns einen kurzen Blick in seinen tiefen Rachen und auf die weiteren Messerscharfen Zähne und schlang die nicht wirklich kleinen Fischstücke herunter.

Ich hatte mich inzwischen von meinem Platz im Boot erhoben – die Bootswand trennte mich keinen halben Meter von diesem respekteinflößendem Tier und mit einem schnellen Schnapper hätte ich wahrscheinlich mindestens einen Arm weniger gehabt. Wenn es gut gekommen wäre. Ich stand also im Boot, und beobachtete die Fütterungszeremonie aus dem Stand. Weil mich das erste Schnappen nach dem Fisch doch ordentlich beeindruckt hatte, hatte ich ganz vergessen, auch auf den Auslöser der Kamera in meiner Hand zu drücken. Es lief mir anderes durch den Kopf.

Palmen und ein Vogel - in der Nähe von La VentanillaAls wolle er uns zeigen, wie ungefährlich diese wirklich niedlichen Tierchen seien, nahm der Jüngere der beiden Bootsjungen sein Ruder und drückte das Tier mit dem Ruder auf die Schnauze und eben jene samt Krokodilskopf unter Wasser. Ich bin mir sicher, dass das nur gut ging, weil Mr. Kroko einen verdammt guten Tag hatte. Ich an seiner Stelle hätte mir das Früchtchen von Bootsjungen geschnappt und ihm eine Lektion erteilt, dass er kuenftig den ordnungsgemäßen Abstand hält – sollte er nocheinmal dazu kommen, ein Ruder in den Arm zu nehmen.

Nachdem wir also unsere etwas zu nahe Krokodilbegegnung ohne Verluste hinter uns gebracht hatten, ruderten uns die zwei Jungs weiter in die Mangroven hinein. Mr. Kroko hatte inzwischen Gefallen an uns gefunden und schwamm unserem Boot seelenruhig hinterher – wahrscheinlich in der Hoffnung, dass noch jemand auf die Idee käme und sich im Wasser erfrischen wolle.

Wir nahmen einen Wasserweg, der durch die Mangroven immer enger Rote Mangroven - färben das Wasser schwarzwurde und sahen große, weiße Vögel an uns vorbeiziehen. Das Wasser war schwarz – gefärbt von den Wurzeln der roten Mangroven, die von den Ästen in das Wasser hängen und dort ihre Flüssigkeit an das Wasser abgeben. Wir machten hinter einem Termitennest halt und die Jungs meinten, wir könnten hier ein wenig auf den roten Mangroven herumklettern. Sally und ich ließen sich nicht lange bitten und zack waren wir raus aus dem Boot und standen auf den zerbrechlich wirkenden, aber ultraharten Wurzeln der Mangroven.

Später ließen wir uns weiter durch die Mangrovensümpfe rudern, sahen eine Süßwasserschildkröte, die sich den Panzer in der Sonne wärmte und zogen, mit Kroko im Schlepptau zurück zur Einstiegsstelle.

Mr. Kroko war ein wenig langsamer, als unsere Ruderjungs und so konnten wir uns sicher wieder an Land begeben. Wir schlenderten über den Strand Jakob, Sally und Normi auf Tour durch die Mangrovenschließlich wieder zurück und am Ausgang des Strandes hielt uns nocheinmal einer der Männer, die die Mangroventouren anbieten, an. Er hielt einen Magneten in der Hand und fragte uns, ob wir wüssten, warum der Strand hier so schwarz sei?! Wir verneinten und er ließ seinen Magneten in den Sand fallen. Blitzschnell sog der Magnet all die schwarzen Sandteilchen auf sich, sah nun aus, wie ein Stachelschwein und der Mann meinte: „Alles Metall.“ Fasziniert säuberten wir den Magneten und versuchten es selbst, und schau an – auch bei uns funktionierte es (Video guggen!). Wir zogen zurück nach Zipolite mit der Frage im Kopf: Warum machen die mit einem Mega-Magneten nicht einfach den Strand weiß?!

Punta Cometa - Am frühen Morgen vom Strand von Mazunte aus fotografiertAm Sonntag ging es früh raus. Wir steuerten zielstrebig unser Nachbardorf Mazunte an und begaben uns zum Treffpunkt mit Carmelo für die Waal-Tour. Die zwei weiteren Passagiere kamen nicht, also verscherbelte uns Carmelo an die Tour seiner Nachbarn und wir fuhren mit anderen Leuten aufs Meer. Zunächst ging es um Punta Cometa herum in Richtung Ventanilla und dort erblickten wir die ersten Schildkröten. Es waren bedeutend weniger, als bei meiner letzten Tour im Dezember. Danach steuerten wir das abgestürzte Flugzeugwrack am Strand von Ventanilla an, über das ich jetzt schon die dritte Story erfahren durfte (Einig sind sich alle, dass es 2005 Schildkröte im Pazifik vor La Escobillaabstürzte und wahrscheinlich zu Narcotrafikanten gehörte.). Danach begaben wir uns auf die Suche nach Walhaien, die sich ein wenig rar machten. Schließlich entdeckten wir zwei auf der gesamten Tour, sahen sie mehr aus der Ferne, und wenn mir mit tösendem Motoremlärm auf die Stellen zu fuhren, an denen sie gerade aufgetaucht waren, waren sie auch schon wieder weg. Ich hätte da als Waal auch kein Bock dauf!

Obligatorisch sprang noch einer unserer GuidesVogel entspannt auf dem Panzer einer Schildkröte ins Wasser, schnappte sich eine Schildkröte und ließ uns mit dem recht hilflosem Panzertier posieren. Ich sparte mir das Posieren, nutzte den Aufenthalt im Wasser, mich von der brennenden Hitze auf dem Boot zu erfrischen und mit einem Schnorchelögang in eher trüben Gewässern beendeten wir die Tour. Normi und Sally hatte es trotzdem gefallen und ich war froh, dass das so war.

Am Nachmittag liehen wir uns noch in San Augustinillo ein paar Boogie-Boards aus und versuchten eine Stunde lang, die Wellen herunterzureiten – was zuweilen auch mit mörderischem Spaß gelang.

Der Abend war für den Sonnenuntergang in Punta Cometa reserviert, der südlichste Punkt der Küste von Oaxaca. Wir genossen bei einem mitgebrachten Bierchen, wie die Sonne erst als roter Feuerball das Meer berüherte und dann recht schnell in den Fluten am Horizont verschwand.

Aufgeschreckte Vögel verlassen ihren "Kack"-Felsen der durch sie blendend weiß geworden istAm Montag frühstückten wir ein letztes Mal in einem Restaurant am Strand und machten uns auf den Rückweg. Um 12 Uhr stiegen wir in einen Van in Pochutla und ließen uns über die kurvenreiche Gebirgsstrecke sechs Stunden lang zurück nach Oaxaca Stadt fahren. Dort angekommen, suchten wir ein Hotel für Norman und Sally, fanden recht schnell ein preiswert und zentral Gelegenes und genossen das abendliche Treiben, Musik und Tanz auf dem Zócalo, während wir zu Abend aßen.

Ich machte mich kurz darauf in einem Taxi auf zum Busbahnhof, sprang in meinen Direktbus nach Puebla und kam schließlich gegen ein Uhr morgens wieder in Puebla an. Norman und Sally hatte ich in Oaxaca zurückgelassen, sie wollten sich gestern noch Monte Albán anschauen und Oaxaca noch ein wenig genießen, was sich ja auch in jedem Falle lohnt.

Gestern ging ich dann mal wieder in die Uni und freute mich, dass ich, dank Frühling am Pazifik - so schaut das aus, wenn alles zu blühen anfängtmeiner wirklich vorausschauenden Stundenplanung, für meinen Kurzurlaub keinen Tag blau machen musste. Heute schob ich mich dann morgens vergebens in die Uni. Erst war der Prof, der mir außergewöhnlicherweise in einer nächtlichen Mail (Privileg eines deutschen Austauschstudentens) noch zugesichert hatte, dass er sein Seminar geben würde, nicht zum Seminar erschienen, und dann ließen mich auch noch meine mexikanischen Studienkollegen sitzen, mit denen ich eigentlich an einer Gruppenarbeit feilen wollte. Egal, somit hatte ich Zeit, diesen Artikel zu schreiben und jetzt noch gleich ein Mittagsschläfchen zu halten, bevor Normi und Sally in Puebla am Abend wieder einreiten.

PS: Wer meine Bilder und Videos mag, kann mich gern mit einer kleinen Spende beim Kauf einer neuen Kamera unterstützen. Meiner Kamera hat das feuchte mexikanische Klima einen Linsenpilz (ja, gibts wirklich) versorgt, der nun für häßliche Flecken in den Photos sorgt und nicht zu bereinigen ist, weil er auf den Innenlinsen sitzt und sich stetig ausbreitet. Also muss ich mich nach einer neuen Knipse umschauen. Und das bei meinem schmalem Austauschstudentenbudget…

Auf der Flucht vor dem Wetter.

Posted in El Golfo, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 30. September 2008 by Jakob

An’s Meer. Nichts wie an’s Meer. Dort wird das Wetter besser sein. So dachten wir uns das am Donnerstag Abend in Puebla. Die Temperaturen waren inzwischen nächtlich auf unter zehn Grad gefallen, ein kräftiger und kalter Wind machte das Klima in Puebla wirklich ungemütlich. Die gesamte Woche hatte es nur am Vormittag Sonne gegeben und gegen 2/3 Uhr verdunkelten dicke, schwarze Wolken die Stadt. In meinem Zimmer konnte ich nur noch mit Licht arbeiten und später konnte man das Zimmer über den Patio nicht mehr verlassen, ohne gleich klitschnass zu werden. Und das in Mexico. So hatte ich nicht gewettet. Und in Deutschland glauben alle, dass einem hier die Sonne auf den Pelz scheint, und man ein wunderbares Wetter hat. Täglich. Aber nein. Irrtum Freunde, Irrtum. Der Klimawandel, so sagen zumindest die Mexicaner, hat längst auch Mexico erreicht und so sollte die Regenzeit eigentlich schon längst vorbei sein – allerdings kümmert sich das Wetter hier einen feuchten F…z darum.

Also entschieden sich Enora und ich noch in der Nacht zum Freitag einen der frühesten Busse nach Veracruz zu nehmen, ein bißchen weiterzuziehen nach Anton Lizardo in den Süden und dort ein ruhiges Wochenende am Strand zu verleben.

Kurz nach Mittag errichten wir mit einem klapprigen Lokalbus von Veracruz kommend das kleine, (nett ausgedrückt) verschlafene Nest Anton Lizardo. Der Himmel grau und wolkenverhangen, eine steife Brise wehte straff vom Meer aufs Land und wir kämpften uns gegen den Wind vom „Zócalo“ (Fünf Bänke im Kreis auf einer Wiese mit zwei Papierkörben) in Richtung „Strand“. Sand fegte uns ins Gesicht und als wir schließlich den „Strand“ erreichten, sahen wir, dass es ihn nicht gab. Zehn Tage Sturm und Regen hatten den gesamten Strand gefressen und so blib nur ein kleiner Streifen, in dem sich der gesamte Müll sammelte, den das Meer an Land gespült hatte – wartend darauf, dass die nächste Brise ihn weiter ins Dorf trägt. Ein kleines Restaurant trotzdem dem starken Wind vom Meer her und wir kehrten ein, um wenigstens unseren Hunger zu stillen. Während wir aßen, rüttelte der Sturm ungnädig am Palmendach und fegte durch die Ritzen, so dass man auch im Innern des Restaurants nicht vergessen konnte, dass draussen Herbst herrschte. (Hörma!)

Nach dem Essen entschieden wir uns, mangels Alternativen, den kleinen Ort Anton Lizardo wieder den Rücken zu kehren. Außer Strand hätte es hier nichts gegeben – wenn ich mal den Flottenstützpunkt der mexikanichen Marine nebenan unterschlagen darf. Übrigens ein Stützpunkt von zweien, die es in Mexico gibt. Die Marine scheint nicht groß zu sein, denn nur in Veracruz liegen noch ein paar Militärschiffchen mehr, das wars dann. Aber zurück zum Thema.

(Photos: Rund um Anton Lizardo)

Wir entschieden uns, dem Wetter besser in Veracruz trotzen zu können und fuhren mit dem nächsten Klapperbus zurück in die Stadt. In Veracruz ließ es sich dann mit dem warmen Sturmwetter aushalten. Wir schnappten uns ein kleines, günstiges und zentral gelegenes Hotel und genossen das Leben in Veracruz. Die Stadt steckt voller Musik, an jeder Strassenecke spielen Bands auf, zwischen Bossa, Buena Vista Social Club, Salsa und Mariachis wird schlicht alles gespielt und die Menschen tanzen… wunderbar.

(Photos: Veracruz y más)

Den Samstag verbrachten wir schließlich auch noch in der Stadt, machten eine Hafenrundfahrt durch den wichtigsten Atlantik-Hafen Mexicos – der wirklich beeindruckend groß ist. Am Abend wollten wir jedoch wieder die Hektik der Stadt verlassen und das Wetter, dass inzwischen in Sonne und WInd umgeschlagen war, veranlasste uns zu einem neuen Versuch, einen ruhigen Ort aufzusuchen. Wir entschieden uns für Catemaco – was uns in einer Broschüre als relaxter und entspannter Ort an einer wunderbr großen Laguna angepriesen wurde. Erst nachdem wir unsere Bustickets gekauft hatten, kamen wir auf die glorreiche Idee, uns nach der Länge der Busfahrt zu erkundigen – 3,5 Stunden offiziell – am Ende landeten wir bei 4,5h. Und zu unserem Pech war der Ort auch alles andere als ruhig. Eine kleine Stadt an der Lagune, mit jedoch jeder Menge Lärm in der Nacht und am nächsten Morgen wieder das Wetter vom Freitag – Wolken, tief hängend, und Regen.

Wir machten das Beste daraus und schnappten uns ein kleines Boot und machten eine Rundfahrt in der Lagune. Schauten uns verschiedene Plätze an, unter anderem die völlig überdimensionierte Villa eines Tabakfarmers am Ufer der Lagune, in der auch schon mal Presidente Calderon logiert, ein Dschungel-Ökoreservat, was wirklich ganz nett gemacht war und die die Isla des los Changos – die Affeninsel.

(Photos: La Laguna de Catemaco)

Weil wir aber nun mal inzwischen am A…h der Welt waren, blieb uns nicht super viel Zeit und so setzten wir uns nach einem leckeren (wirkich unvergleichlich leckeren) MIttagessen bei einem Italiener, bei dem es überraschenderweise auch wie beim Italiener schmeckte (und das zu mexikanischen Preisen), wieder in einen Klapperbus nach Veracruz. Die Direktbusse, die auch ein ganzes Stück bequemer sind, als die Bummelbusse, die an jeder Ecke Leute aufnehmen, waren leider ausgebucht und wir hätten so erst am Dienstag zurückkehren können.

In Veracruz bekamen wir dann auch erst Tickets für den Mitternachtsbus nach Puebla und so schauten wir wieder ins Zentrum, um noch ein leckeres Essen vor der neuerlichen 4-Stunden-Fahrt in den Bauch zu bekommen.

Heute morgen um 4 standen wir dann schleißlich wieder in der Quince und freuten uns aufs Schlafen. Und so haben wir am Wochenende wohl fast mehr Zeit in diversen Bussen verbracht, als am Strand, oder so. Das nächste Mal haben wir hoffentlich mehr Glück. Oder mehr Meer. Und mehr Sonne. Aber dennoch, es hat sich gelohnt und heute brannte wenigstens in Puebla wieder die Sonne. Mit der Nacht sind die Temperaturen zwar wieder gefallen – aber wie’s ausschaut bessert sich das Wetter. Na bitte.

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