Archiv für la malinche

WG-Revival, Pizzas und unglaublich klare Sicht

Posted in Bienvenidos!, Festejando!, mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 10. Februar 2010 by Jakob

Witzigerweise habe ich am Samstag Morgen nur ganz kurz meinen Jetlag bemerkt: Ich wachte pünktlich um 7 Uhr morgens auf und hätte sofort in den Tag starten können. Allerdings entschied ich mich dazu, ein bißchen zu lesen, was mich nach einer Stunde wieder ausreichend müde machte, um mich wieder umzudrehen und mich an die mexikanische Uhr zu gewöhnen.

Am späten Vormittag gings dann also doch aus dem Bett und Enora und ich machten uns auf den Weg zum TAPO, einem der großen Busterminal in D.F. Dort „frühstückten“ wir noch schnell im Taco Inn und schnappten uns den nächsten Bus nach Puebla. Der Verkehr raus aus D.F. war mal wieder unglaublich dick. Und dann kam es noch besser: Die Autobahn zwischen D.F. und Puebla ist dicht – sie ist auch von den heftigen Überschwemmungen der letzten Tage betroffen und wird wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder aufgemacht. Wir fuhren also einen großen Umweg und brauchten so für die Strecke gut die doppelte Zeit. Das wunderbare: Die Luft ist in dieser Jahreszeit so klar, dass die Sicht auf die Berge rund um das Valle de México unglaublich beeindruckend ist. Wir genossen atemberaubende Blicke auf die beiden 5000er Ixta und Popo, die sich in der Abendsonne und schneebedeckt stolz präsentierten.

Wir fuhren erst am frühen Abend in Puebla ein und schnappten uns ein Taxi, daß uns direkt vor Agos Wohung im Zentrum absetzte. Und irgendwie fühlte sich das alles an, als wär ich erst gestern aus Puebla weg. Alle Straßen so vertraut, der Taxipreis noch im Kopf und irgendwie hat sich kaum etwas verändert, so dass man meinen könnte, man war doch nur kurz im Urlaub und kommt gerade wieder.

In der Wohnung erwarteten uns bereits Agostina, Luciana und Mónica. Wobei Mónica und Lula uns schon im Eingang abpassten und die Freude war riesig. Unglaublich! Wir alle nach einem guten Jahr wieder zurück und vereint in Puebla. Großartig. Enora und ich sprangen schnell zum OXXO, dem altbekannten 24/7-Laden mexikanischer Herkunft, und besorgten leckeren José Cuervo, zwei Six und Limetten beim Elote-Verkäufer (Maiskolben) im Hauseingang. Paulina stieß inzwischen auch zu uns und so war die alte WG aus 2008 auch schon fast vollständig. Néstor hatte aus irgendwelchen Gründen ab- bzw. nie so richtig zugesagt (man(oder besser frau) munkelte, er stehe jetzt unter gewissen Pantoffeln)  und Vivi blieb verhindert, weil sie mit ihrem Baby ein bißchen weniger flexibel geworden ist. Wir tranken also Chelas und Tequila, spaßten, erzählten lachten viel und später holten uns Freunde von Pau mit dem PickUp ab – auf in eine Bar. Dort machten wir das weiter, was wir schon den ganzen Abend getan hatten. Spät fuhren uns die beiden Jungs wieder in Agos‘ Wohnung, wir sprangen von der Ladefläche und fielen in die Betten.

Am Sonntag gönnten wir uns dann erstmal ein klassisch mexikanisches Frühstück in der brennenden Sonne des Zócalos. Huevos a la mexicana – Rührei also mit verschiedenen Chillisorten, schön pikant und verpackt in Tortillas, begleitet vom üblichen Bohnenbrei.

Danach sprangen wir in einen Colectivo und rumpelten über die Straßen Pueblas stadtauswärts nach Tonantzintla. Tonantzintla ist bekannt für seine reich dekorierte Kirche, die allerdings nicht dem üblichen katholischen Verzierungsregeln gehorcht, sondern komplett nach indianischer Tradition gestaltet wurde. Und so sind die Gewölbe mit tausenden indianischen Figuren, Gesichtern, Chilis, Kaffee, Heiligen und anderen Bildern verziert, bunt angemalt und wunderschön zu betrachten. Ein Kirche, in der auch dann nicht langweilig wird, wenn die Predigt mal wieder zu lang ausfällt.

Nach diesem kurzen Stop wanderten wir quer über Felder auf einen kleinen Hügel, wo das Haus von Mónicas Freund steht – wir wurden dort zum Pizzabacken erwartet. Schon auf dem Weg zum Hügel bot sich uns wieder ein majestätischer Blick – rundrum schneebedeckt Popocatépetl, Ixtaccíhuatl, der Citlaltépetl (auch Pico de Orizaba – Mexicos höchste Spitze mit 5747m) und mein persönlicher Hausberg La Malinche.

Bei Toño angekommen war der Steinofen bereits angefeuert, die Beläge geschnipselt und die ersten Pizzaböden wurden dem Ofen bereits wieder entzogen – bereit dafür belegt zu werden. Wir machten uns also alle an die Arbeit, belgten die Pizzen nach Herzenslust, eine nach der anderen wanderte in den Ofen und kam nach 3 Minuten knusprig wieder heraus. Bestimmt zehn Pizzen schoben wir durch den Ofen und am Ende schafften wir gut zwei Drittel. In der Nachmittagssonne machten Lula, Móni, Enora, Negro (Mónis Hund) und ich einen kleinen Verdauungsspaziergang über den Hügel und genossen die wunderbare Aussicht.

Am Abend wollte Toño uns dann mit seinem alten VW-Bus wieder nach Puebla bringen. Allerdings machte der gute alte Bulli nach wenigen Kilometern die Hufe hoch, so daß wir schlussendlich doch mit dem Colectivo zurück zum Busbahnhof und später nach DF weiterreisen mussten. Auch die Rückfahrt dauerte wieder 4 Stunden und so kamen Enora und ich erst spät wieder in D.F. an – den ersten Sonnenbrand im Gepäck.

Montag und Dienstag hab ich eher ruhig verbracht, gestern bin ich mal wieder ins Zentrum, hab nachgeschaut, ob der Zócalo, die Kathedrale und der Präsidentenpalast, Bellas Artes und der Torre Latino noch steht – und ja – es steht noch. Und es fühlt sich wirklich an, als wär man zu Haus. Die komplette Orientierung ist da, das Metrosystem vertraut (wenn auch jetzt einen Peso teurer, also 3 Peso pro Untergrund-aufenthalt) und die Freunde wohnen um die Ecke. Hatt‘ ich ganz vergessen: Bernhard und Paola, welche mich ja zu Anfang meines Mexiko-Aufenthaltes 2008 und zum Ende vergangenes Jahr sehr lange beherbergt hatten, wohnen von uns hier nur zwei Straßen entfernt, so dass wir vorgestern Abend mit Ihnen Essen waren und danach noch bei ihnen auf ein Weinchen vorbeischauten. Ist schon wunderbar und ich genieße es sehr, wieder hier zu sein.

So. Jetzt aber Kaffee und Frühstück, der Magen knurrt.

Mexikanische Grippe: Vida normal!

Posted in Gipfelsturm, Jakob in den Medien, puebla, uni, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 4. Mai 2009 by Jakob

Für alle, die schon geglaubt haben, hier würde kein Artikel mehr erscheinen, weil ich hustend und fiebrig im Bett läge: Nein, es geht mir gut. Es geht uns allen immer noch gut und so wird das hoffentlich auch bleiben.

Nachdem wir ja am Ende der Woche den Viren-Panik-Nachrichten-Zenit erreicht hatten, flauen auch hier die Winde der Aufregung wieder ein wenig ab. Auch, wenn die Influenza doch dazu geführt hat, dass Enora bereits die Koffer packt und bald wieder, ein wenig früher als geplant, nach Hause abreist.

Deshalb hab ich das Wochenende auch fern von Computer und der Stadt verbracht und bin mit ihr noch einmal in den Parque Nacional La Malintzi gefahren, um mit ihr noch einmal den Aufstieg zu wagen und ihn auch fast perfekt zu machen. Am Samstag Abend sind wir aus Puebla raus und sind aufs Land, nach Apizaco gefahren und dort – schau an – lief das Leben doch bedeutend lebendiger, als es in den vergangenen Tagen in Puebla der Fall war. Nur vereinzelt Menschen mit Cubrebocas, also Mundschutz, die Tacostände auf den Strassen in Betrieb und viele Menschen auf den Strassen.

Wir quartierten uns in ein günstiges Hotel ein und brachen am Sonntag früh zeitig auf, um den Malinche (4460m) in Angriff zu nehmen. Für mich bereits das dritte Mal. Das erste Mal war ich allein heraufgerannt, das zweite Mal hatte ich meine WG, oder zumindest einen kleinen Teil davon, bis auf die Spitze geführt und weil Enora eben das letzte Mal frühzeitig abbrechen musste, wollten wir es jetzt noch einmal in Ruhe versuchen. Und das taten wir dann auch am Sonntag.

Nach einem Frühstück mit Quesadillas führte uns der Weg zunächst sanft bergauf, bis es nach einer guten Stunde etwas steiler wurde. Aber je steiler es wurde, desto besser kamen wir mit dem Laufen und mit dem Atmen auf der Höhe zurecht.Wir machten viele Pausen und suchten uns für das schwierigste Stück einen längeren, sanfteren Aufstieg, der uns allerdings auch mehr Zeit kostete. Und so entschieden wir uns dann doch, angesichts aufziehender, dunkler Wolken und fortgeschrittener Zeit, den Aufstieg keine 200m unter dem Gipfel auf dem Grat abzubrechen, die Aussicht noch ein wenig zu genießen und umzukehren. Nach genau zwei Stunden erreichten wir wieder den Ausgangspunkt und erreichten geradeso den letzten Collectivo zurück nach Apizaco. Dort setzten wir uns in den nächsten Bus nach Puebla und schliefen die Nacht wie Könige. Was Frischluft und Körperertüchtigung nicht alles auslösen können…

Heute dann ging es für Enora ans Packen. Auf ihrem Bett stapeln sich ihre Sachen und sie muss entscheiden, was sie mit zurücknehmen möchte, und was sie dalassen kann/sollte. Und das tut sie nun seit dem Morgen.

Morgen hat sie ihren letzten Tag in Puebla und am Mittwoch Morgen geht es für sie direkt von Puebla aus heimwärts. Schade und traurig, aber für sie wohl die sinnvollste Entscheidung.

Ab Donnerstag soll das Uni-Leben wieder normal weitergehen – viel bleibt nicht -ich habe Donnerstag eine Veranstaltung und dann nocheinmal in der kommenden Woche vier Tage – und dann war es das mit dem akademischen Aufenthalt in Mexiko. Mir selbst bleiben dann noch zwei Monate in Mexiko, in denen ich hoffentlich noch mindestens drei Besucher durchs Land führen kann.

Die Grippesituation scheint sich stabilisiert zu haben und auch die Nachrichtenlage wird zunehmendst besser. Viele Menschen zeigen inzwischen Ermüdungserscheinungen mit den Cubrebocas und so verschwinden auch sie schon wieder aus dem Straßenbild. Scheint also alles ein einwöchiger Albtraum gewesen zu sein. Hoffentlich.

Am Wochenende hatte ich eifrig Korrespondenz mit meinen alten Kollegen vom Radio. Ich habe mehrere Interviews zur Situation vor Ort gegeben und ich muss sagen, dass vieles von dem, was ich berichtet habe, schon gar nicht mehr so akut zutrifft. Die Lage ist, wie schon gesagt, deutlich ruhiger, als am Freitag, als ich die Interviews gab, und wir sind alle vorsichtig optimistisch. Trotz allem gibt es hier zwei weitere Interviews zum Nachhören.

1: RADIO PSR – Themen die Sachsen bewegen

2: MDR Sputnik 360 Grad

La Malintzi – oder wie ich meine WG in die Berge zog

Posted in Gipfelsturm, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. Januar 2009 by Jakob
La Malinche Gipfelsturm der Erste (Okt. 2008 ) mit Hinweisen zum Aufstieg

La Malinche - diesmal mit SchneeEs ist nun schon das zweite Mal für mich gewesen, dass ich den Gipfelsturm auf La Malinche (4.461m) gewagt und geschafft habe. Allerdings war ich diesmal nicht allein unterwegs.

Nach unserer kleinen Sauf-Idee am vergangenen Wochenende mit meiner ehemaligen chilenischen Mitbewohnerin und Enora, haben wir es am Sonntag dann tatsächlich geschafft, die halbe 15 zu aktivieren und zu einem zweitägigen Ausflug auf La Malinche zu überzeugen. Ein gute Idee war das allemal, sind doch fast alle Mitbewohner nun neu und so bot sich damit auch eine feine Gelegenheit, sich außerhalb des Hauses kennenzulernen.

Taehla, Pedro, Agos)Ich hatte am Nachmittag schnell im Centro Vacacional La Malintzi angerufen und nachgefragt, ob sie freie Hütten hätten – und yesss – sie hatten! Das Centro Vacacional ist auf gut 3.000m Höhe und am Eingang des Nationalparks gelegen und hat eine Menge Hütten auf einem wirklich gutem Standart, die sich vor allem für einen Besuch in der Gruppe anbieten. Denn die kleinsten haben 6 Betten und die größeren 9 – und die besser ausgerüsteten verfügen sogar über eine komplett eingerichtete Küche.

Also schlurften wir mit unseren Rucksäcken zum Micro und schnappten uns am CAPU den nächsten Bus nach Apizaco. Ich hatte eigentlich am frühen Nachmittag losziehen wollen, um mit den Jungs und Mädels noch ein wenig über das Ferienkzentrum am Abend zu laufen, aber wie es nun mal so mit spontanen Ideen ist, braucht man eine Menge Zeit, alle davon zu überzeugen, dass es sich um eine gute Idee handelt und so kamen wir erst gegen vier in die Spur.

Ich und Pedro beim Kamin entfachenIm Dunkeln erreichten wir schließlich die Hütten und die nette Dame in der Rezeption hatte sich glücklicherweise meinen Namen behalten. Wir nahmen einen günstige Hütte ohne Küche und machten uns auf zum Abendessen in ein kleines „Restaurant“, dass am Eingang des Ferienzentrums Quesadillas und Tacos anbietet. In der angeschlossenen Tienda erstanden wir dann noch ein paar Cervezitas und Feuerholz und machten uns schließlich auf den Rückweg in die Hütte. Pedro, mein neuer kolumbianischer Mitbewohner und ich kümmerten uns um den Kamin und später spielten wir alle bei einem gemütlichem Knäckerchen en Brettspiel, dass wir gerade erstanden hatten.

Jakob M alias McGyver - Würfelschnitzereien im FeuerAls das keinen Spaß mehr machte, brachte ich der Runde Lügenmäxchen bei. Doch bevor wir hier zur Tat schreiten konnten, verwandelte ich mich in McGyver, zog mein Schweizer Messer heraus und schnitzte in relativ kurzer Zeit einen zweiten Würfel aus dem Feuerholz und brannte ihn mit der glühenden Messerspitze Augen ein.

Gegen Mitternacht war unser Feuerholz aufgebraucht und wir alle schlupften in die Betten. Vom Plan, den Sonnenaufgang auf La Malinche mit der Truppe zu erleben, war ich bereits vorher abgerückt, weil wir nicht über genügend Taschenlampen für einen nächtlichen Aufstieg verfügten und außerdem fast alle, außer mir, noch nie einen Berg dieser Höhe erkraxelt hatten.

Pedro, Romasn, Agostina, Enora, Taehla und meiner im Vordergrund am Start zur BesteigungAlso klingelte der Wecker um 6 Uhr und um 7 Uhr machten wir uns auf den Weg. Leider hatten wir bereits nach einer knappen Stunde die ersten Verluste zu beklagen. Agostina hatte bereits in der Nacht Probleme mit dem Herz, wovon ich nichts wusste, was sie aber dann im Aufstieg mitteilte. Enora machte ebenso die Höhe zu schaffen, und die beiden entschieden (gegen ihren Ehrgeiz), umzudrehen und nicht mit aufzusteigen. Ich zog weiter mit Taehla (neue dt. Mitbewohnerin), Roman (neuer dt. Mitbewohner) und Pedro. Der Weg war steil, wie das letzte Mal, und wir stiegen gemächlich und langsam der Spitze entgegen. Im steilsten Part außerhalb der Baumgrenze, kamen wir nicht besonders schnell voran, weil wir immer wieder Verschnaufpausen einlegten. Ständige Begleiter - die drei Hunde vom Ferienzentrum wagten den Aufstieg mit uns bis knapp unter die SpitzeDieser Part kam mir bei diesem Aufstieg wesentlich einfacher, als bei meinem ersten Aufstieg vor, weil der Untergrund nicht mehr weich und sandig, sondern leicht feucht bis gefroren war. Ach ja – da war noch was. Das letzte Mal bin ich im Oktober rauf, dass war knapp nach dem Ende der Regensaison in Mexico und der Aufstieg war frei. Diesmal hatte man uns gewarnt, der Aufstieg könnte kompliziert werden, weil La Malinche schneebedeckt sei. Ich hatte also damit gerechnet, bereits unter der Spitze umzukehren, falls es die Konditionen nicht zulassen sollten. Ich muss dazu sagen, dass ich mir dessen auch relativ sicher war, waren doch meine Mitstreiter in Sneakern und Chucks unterwegs – nicht gerade das richtige Schuhwerk, für diese Regionen.

Das Ziel vor Augen - die Spitze in 4.461mAber wir versuchten es und kämpften uns immer weiter nach oben. Auf rund 4.200m kamen wir in den Schnee, aber es war nicht besonders viel. Das Vorankommen war weder beeinflusst noch beeinträchtigt dadurch. Auf dem Sattel ließen wi Taehla zurück, weil sie an ihre Grenzen gelangt war und die restlichen 200 Höhenmeter nicht mehr kämpfen wollte. Dennoch war es eine reife und beachtliche Leistung – war es für sie mehr oder minder der erste Alpin-Ausflug in ihrem Leben. Dank intensiver Mittagssonne fiel es ihr auch nicht schwer, siech auf dem Sattel auszuruhen und dort auf unsere Stolz ragt der höchtse Berg Mexicos, Citlaltépetl (5.700m), hinter La Malinche hervorWiederkehr zu warten. Mit Pedro und Roman erreichte ich schließlich den risikoreichsten Part des Aufstiegs. Es galt knapp 100 Höhenmeter auf Felsen mehr kletternd zurückzulegen – und diese waren zudem dann doch vereist und teils schneebedeckt. Doch in aller Ruhe meisterten wir auch diesen Teil und feierten nach 6,5 Stunden Aufstieg endlich den Gipfelerfolg auf der SPitze. Es hatte sich gelohnt: Die beiden Jungs waren überglücklich, sich von mir letztendlich doch für das Abenteuer begeistert haben zu lassen, hätten sie den Montag doch eigentlich in der Uni verbringen sollen. Aber ich hatte versprochen, dass sie es nicht bereuen würden, wenn sie die Uni gegen La Malinche eintauschen würden. Und auch für mich hatte sich der zweite Gipfelsturm aufs Neue gelohnt: Die Aussicht hätte besser nicht sein können, im Gegensatz zu meinem ersten Aufstieg, kein Wölkchen am Himmel und eine Sicht auf alle hohen Vulkane Méxcios. Genial – atemberaubend – beeindruckend!

Geschafft - Roman, ich und Pedro auf der SpitzeNach einer halben Stunde Gipfelknipserei, ohh und ahh-Rufen und „impressionante“-sagen machten wir uns an den Abstieg. Der Kletterpart stellte sich als glatt und unbequem heraus, aber ohne Stress und mit viel Ruhe bahnten wir uns unseren Weg nach unten. Auf dem Sattel sammelten wir Taehla ein, die sich bei einem Mittagsschläfchen einen Sonnenbrand eingefangen hatte und wir rutschten die nächsten hundert Höhenmeter halb gleitend, halb absteigend über die Sandpiste nach unten. Nach zwei Stunden hatten wir schließlich wieder das Centro Vacacional erreicht.

In der Sonne weckte ich Agostina und Enora, die den Tag an der Sonne verbracht hatten. Gemeinsam stopften wir uns alle erneut Quesadillas rein und wollten auf den Bus zurück warten. Während wir aßen, sprach uns ein Guide an, der den Tag ebenso an La Malinche verbracht hatte und bot uns, ins Gespräch gekommen, an, uns in seinem Van mit nach Puebla zu nehmen. Nach einer Runde Ablehnen-aus-Höflichkeit sagten wir zu und er brachte uns an die Stadtgrenze von Puebla heran, weil er weiter nach DF fuhr.

Aussicht auf Popocatépetl und Ixtacihuatl von La Malinche ausAlles in allem waren wir am Abend wohl alle ordentlich geschafft und nach einem leckeren Essen, einem Bierchen und einer heißen Dusche fiel ich schließlich friedlich in mein Bettchen.

Auch den anderen hatte unserer Gipfesturm sehr gut gefallen, wenngleich Agostina und Enora ein wenig traurig-enttäuscht waren, dass sie nicht mit hatten aufsteigen können. Aber ich sag: Es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein.

Ein Wort zu meinen Füßen: Beim vorangegangenen Aufstieg hatte ich mir in meinen Raichles an den Hacken ordentliche Blasen gelaufen, die mich dann eine weitere Woche nervten. Ich hatte dies diesmal versucht, mit den guten Compeed-Pflaster zu verhindern und davor noch nicht so recht an ihre Wirkung geglaubt: Und ich muss sagen: Geile Schei*e! Ich hatte nicht den Ansatz einer Blase an meinen Füßen und fühlte mich schon am Dienstag wieder bereit, in meine Wanderschuhe zu steigen. Eine geniale Erfindung, diese Compeed-Pflaster! Das musste noch gesagt werden, eben weil es gut ist. Ich habe diese Pflaster ja zuvor in unserem Trekkingladen in Bonn verkauft, und immer gesagt, dass sie genial sind, weil es die Kollegen behaupteten. Jetzt weiß ich: Sie hatten recht und ich habe beim Verkauf nie gelogen 🙂 !

PS: Dieser Artikel wurde (leider) nicht von Compeed finanziert. 😦

Zurück in der Uni.

Posted in puebla, uni with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 18. Januar 2009 by Jakob

So, die erste „Woche“ ist schon wieder rum, und ich bin ab diesem Semester in der Kommunikationsfakultät. Das schlechte daran: Sie ist arsch-weit-draussen und es kostet mich jedes Mal anderthalb Stunden Hin- und Rückweg, um meine Seminare, oder besser: Unterrichtsstunden, zu besuchen.

Die Komm-Fak ist mal noch eine ganze Runde mehr verschult, als es schon die Filosofía y Letras war. Nicht, dass es sich bei den Seminaren um puren Frontalunterricht handeln würde, nein, es zudem auch noch so, dass die (ich sach ma Schüler – datt sinn nämlisch auch noch janz schön junge Hüpfer!) Schüler nicht den Raum wechseln, sondern den ganzen Tag in ihrem Klassenzimmer verbringen und dort auf wechselnde Lehrer (Ich weiss nicht, aber ich find „Dozenten“ irgendwie unpassend) warten.

So wurde ich bei meinen ersten Veranstaltungen auch gleich von meinen Kommilitonen gefragt, ob ich alle Veranstaltungen mit ihnen in jenem Raum hätte und sie schauten recht verduzt, als ich sagt, dass ich durch verschiedene Veranstaltungen verschiedener Blöcke springe.

Ich bin hier nämlich der Einzige, der sich seinen Stundenplan zusammenstellen kann. Die anderen Kommilitonen bekommen einen Block hingeworfen, also einen fertigen Stundenplan,  und den machen sie dann. Klingt mir alles sehr nach Bachelor und schaut auch danach aus. Und dann merke ich, dass ich froh bin, einer der letzten Magister zu sein und auch diese Magister-Freiheit an der Komm-Fak leben zu können.

Also, zu meinem Stundenplan: Ich hab mir, wie vergangenes Semester, drei Seminare (Unterrichtseinheiten) zusammenegsammelt und werde diese an 2 Tagen der Woche absolvieren. Das sind insgesamt 12 Stunden, weil hier jedes Seminar 4 Semesterwochenstunden umfasst. Einmal mehr: Wie inne Schule – man bekommt die Hausaufgaben von Dienstag für Donnerstag auf 🙂

Das beste: Ich habe es geschafft, mir meinen Stundenplan so zu legen, dass ich in diesem Semester über lange Wochenenden (4 Tage!) verfüge und damit hoffentlich wesentlich mehr von Mexico während meines Semesters kennenlernen kann. In der Uni beschäftige ich mich dieses Semester mit Medien in der Geschichte Mexikos, Kommunikationsphilosophie und Public Relations (wo wir grad nur über Bacardi reden – aber leider nicht trinken).

Insgesamt fühlt sich alles sehr nach Schule an, aber ich werd es wohl an zwei Tagen die Woche aushalten. Nicht nur, wie der Unterricht aufgebaut ist, sondern auch, wie sich die Kinderchen während der Seminare verhalten: Alles sehr laut und unruhig, wenn das Licht mal ausfällt brüllen alle ahhhhhh und uhhhhh und quiiiieeeeek – aber ich werd mich wohl dran gewöhnen. Oder ist es wirklich schon das Alter, dass sich da meldet…?! Wer weiss, mit 27 guggt man vielleicht anders auf die Welt. Aber ich glaub, dass es nicht wirklich an meiner Perspektive liegt…

La Malinche in der SpätnachmittagssonneUnd da ich ja über lange Wochenenden verfüge, haben wir in der Nacht entschieden, dass wir heute noch mit ein paar Leutchens auf La Malinche klettern wollen – also besser: Heut in den Nationalpark und morgen rauf. Und deshalb mach ich schluss und meld mich das nächste Mal ganz sicher wieder mit Photos!

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