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Zum Jahresausklang: zwei Reportagen zu Mexiko

Posted in am Rande with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 14. Dezember 2010 by Jakob

Ich selbst vernachlässige in letzter Zeit ein wenig dieses Blog, was damit zusammenhängt, dass ich selbst nicht mehr in Mexiko lebe. Trotzdem möchte ich auf dieser Seite weiter mir interessant scheinende Nachrichten oder Artikel zu Mexiko posten. Auch alte Artikel von mir erfreuen sich noch großem Interesse, was mich auch freut. Allerdings kann es sein, dass inzwischen der ein oder andere Link nicht mehr aktuell ist. In diesem Fall würde es mich freuen, wenn Du mir einen Kommentar schreiben könntest, wenn Dir sowas auffällt.

Heute möchte ich eigentlich nur eine Sache zu Mexiko empfehlen:

SWR Report Mainz hat Hinweise auf illegale Waffenexporte aus Deutschland nach Mexiko aufgespürt. Der komplette Beitrag (Video) hier.

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Mexikanische Grippe: Vida normal!

Posted in Gipfelsturm, Jakob in den Medien, puebla, uni, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 4. Mai 2009 by Jakob

Für alle, die schon geglaubt haben, hier würde kein Artikel mehr erscheinen, weil ich hustend und fiebrig im Bett läge: Nein, es geht mir gut. Es geht uns allen immer noch gut und so wird das hoffentlich auch bleiben.

Nachdem wir ja am Ende der Woche den Viren-Panik-Nachrichten-Zenit erreicht hatten, flauen auch hier die Winde der Aufregung wieder ein wenig ab. Auch, wenn die Influenza doch dazu geführt hat, dass Enora bereits die Koffer packt und bald wieder, ein wenig früher als geplant, nach Hause abreist.

Deshalb hab ich das Wochenende auch fern von Computer und der Stadt verbracht und bin mit ihr noch einmal in den Parque Nacional La Malintzi gefahren, um mit ihr noch einmal den Aufstieg zu wagen und ihn auch fast perfekt zu machen. Am Samstag Abend sind wir aus Puebla raus und sind aufs Land, nach Apizaco gefahren und dort – schau an – lief das Leben doch bedeutend lebendiger, als es in den vergangenen Tagen in Puebla der Fall war. Nur vereinzelt Menschen mit Cubrebocas, also Mundschutz, die Tacostände auf den Strassen in Betrieb und viele Menschen auf den Strassen.

Wir quartierten uns in ein günstiges Hotel ein und brachen am Sonntag früh zeitig auf, um den Malinche (4460m) in Angriff zu nehmen. Für mich bereits das dritte Mal. Das erste Mal war ich allein heraufgerannt, das zweite Mal hatte ich meine WG, oder zumindest einen kleinen Teil davon, bis auf die Spitze geführt und weil Enora eben das letzte Mal frühzeitig abbrechen musste, wollten wir es jetzt noch einmal in Ruhe versuchen. Und das taten wir dann auch am Sonntag.

Nach einem Frühstück mit Quesadillas führte uns der Weg zunächst sanft bergauf, bis es nach einer guten Stunde etwas steiler wurde. Aber je steiler es wurde, desto besser kamen wir mit dem Laufen und mit dem Atmen auf der Höhe zurecht.Wir machten viele Pausen und suchten uns für das schwierigste Stück einen längeren, sanfteren Aufstieg, der uns allerdings auch mehr Zeit kostete. Und so entschieden wir uns dann doch, angesichts aufziehender, dunkler Wolken und fortgeschrittener Zeit, den Aufstieg keine 200m unter dem Gipfel auf dem Grat abzubrechen, die Aussicht noch ein wenig zu genießen und umzukehren. Nach genau zwei Stunden erreichten wir wieder den Ausgangspunkt und erreichten geradeso den letzten Collectivo zurück nach Apizaco. Dort setzten wir uns in den nächsten Bus nach Puebla und schliefen die Nacht wie Könige. Was Frischluft und Körperertüchtigung nicht alles auslösen können…

Heute dann ging es für Enora ans Packen. Auf ihrem Bett stapeln sich ihre Sachen und sie muss entscheiden, was sie mit zurücknehmen möchte, und was sie dalassen kann/sollte. Und das tut sie nun seit dem Morgen.

Morgen hat sie ihren letzten Tag in Puebla und am Mittwoch Morgen geht es für sie direkt von Puebla aus heimwärts. Schade und traurig, aber für sie wohl die sinnvollste Entscheidung.

Ab Donnerstag soll das Uni-Leben wieder normal weitergehen – viel bleibt nicht -ich habe Donnerstag eine Veranstaltung und dann nocheinmal in der kommenden Woche vier Tage – und dann war es das mit dem akademischen Aufenthalt in Mexiko. Mir selbst bleiben dann noch zwei Monate in Mexiko, in denen ich hoffentlich noch mindestens drei Besucher durchs Land führen kann.

Die Grippesituation scheint sich stabilisiert zu haben und auch die Nachrichtenlage wird zunehmendst besser. Viele Menschen zeigen inzwischen Ermüdungserscheinungen mit den Cubrebocas und so verschwinden auch sie schon wieder aus dem Straßenbild. Scheint also alles ein einwöchiger Albtraum gewesen zu sein. Hoffentlich.

Am Wochenende hatte ich eifrig Korrespondenz mit meinen alten Kollegen vom Radio. Ich habe mehrere Interviews zur Situation vor Ort gegeben und ich muss sagen, dass vieles von dem, was ich berichtet habe, schon gar nicht mehr so akut zutrifft. Die Lage ist, wie schon gesagt, deutlich ruhiger, als am Freitag, als ich die Interviews gab, und wir sind alle vorsichtig optimistisch. Trotz allem gibt es hier zwei weitere Interviews zum Nachhören.

1: RADIO PSR – Themen die Sachsen bewegen

2: MDR Sputnik 360 Grad

Mexikanische Grippe: MDR Sputnik-Interview zum Nachhören

Posted in Jakob in den Medien, mexico city, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 30. April 2009 by Jakob

Inzwischen läuft bei mir das Handy fast heiß, einige ehemalige Kollegen vom Radio haben sich bei mir gemeldet und fragen nach, wie denn die Situation vor Ort in Mexiko wegen der Grippewelle ausschaut.

Uns allen geht es in der Wg unverändert gut, allerdings hören wir auch schon von den ersten Bekannten, dass sie die Entscheidung getroffen haben, Mexiko zu verlassen und zurück nach Europa zu fliegen. Enora hat mir grad erzählt, dass ihre Freundin, die wir im November in Mexico City besucht hatten, bereits wieder in Frankreich sitzt, und wir müssen mal schauen, wie sich das weiter entwickelt. Für uns bleibt momentan nur abwarten und hoffen, dass alles wieder normal wird. Immerhin eine gute Nachricht bleibt: Bis gestern Abend gab es in Puebla nicht einen Fall der neuartigen Grippe.

Thela, Roman und ich heute in unserem ausgestorbenen Uni-Hauptgebäude

Auf einem kleinen Spaziergang zu unserer Uni haben wir auch heute festgestellt, dass die Straßen immer noch nicht leer gefegt sind – aber das öffentliche Leben fährt doch deutlich auf  Sparflamme – auch hier in Puebla.

Frische Mundschütze, so teilte man uns an mehreren Apotheken mit, werden nicht vor nächster Woche erwartet. Bleibt zu hoffen, dass wir alle gesund bleiben, denn wenn es daran schon mangelt, möchte man sich gar nicht fragen, wie die Situation um Grippemedikamente ausschaut.

Ein etwas ausführlicheren Bericht habe ich heute Morgen für MDR Sputnik gegeben. Das Interview lief in der Nachrichtensendung Update um 18:00 Uhr.

Hier zum nachhören.

Und ich meld mich, wenn es Neuigkeiten gibt.

Mexikanische Grippe: Jetzt mal auf den Teppich!

Posted in Jakob in den Medien, mexico city, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 29. April 2009 by Jakob

+++ nachrichtenlage wird ruhiger +++ mexico testet jetzt mobil auf grippe +++ mundschütze weiter mangelware +++ grippe möglicherweise weniger gefährlicher +++ unglaubwürdige berichterstattung +++

Auch heute morgen schaut alles nach einem wKameramann auf Bilderfang in Pueblaunderbaren Ferientag aus. Das Interesse aus Deutschland an Mexiko steigt weiter, ehemalige Kollegen vom Radio melden sich bei mir, und wollen wissen, wie es denn wirklich vor Ort ausschaut. Und so durfte ich auch schon kurz nach dem Aufstehen das erste Interview nach Leipzig geben und erzählen, wie denn die Situation wirklich ist.

Danach setzte ich mich an meine tägliche Presseschau und ich muss feststellen, dass die Nachrichten besser werden. Ruhiger. Gelassener und ein wenig relativierender.

Den beruhigensten Artikel bekam ich gerade aus Deutschland via Skype geschickt, und der scheint mir die Situation doch recht realistisch einzuordnen: Das Virus ist gefährlich, aber bei 7 bestätigten Todesfällen in Mexiko auch wieder nicht soooo gefährlich, dass alle gleich in Panik verfallen müssten. Ein Toter auf 1000 Kranke – das sei weniger, als bei durchschnittlichen Grippe-Wellen, schreibt der Spiegel. Und das es in Mexiko nun mal die meisten Todesfälle gebe, liege schlicht und ergreifend daran, dass Mexiko ein Schwellenland sei, und hier eben viele Dinge fehlen, die eine Grippewelle glimpflich ausgehen lassen können. Meine Rede: Die Welt überschätzt Méxiko – und das wird eben schnell in einer solchen Situation sichtbar. Mexiko ist längst nicht erste Liga. Und auf dem Gesundheitssektor schon gar nicht. (Über den Bildungssektor hab ich hier ja schon häufiger geschrieben…)

Dass es an den notwendigsten Dingen fehlt, die eine schnelle Ausbreitung jedweder gearteter Virusinfektion fehlt, dass wird deutlich, dass heute immer noch keine Mundschütze in den Mundschutz - weiter ausverkauft in Apotheken.Apotheken zu finden sind – interessanterweise aber in Klamottenläden, die aus irgendwelchen Quellen Cubrebocas beziehen konnten, und diese jetzt gewinnbringend verkaufen. Mein Mitbewohner Roman hat mir grad ein Zehner-Paket aus dem Klamotten-Laden hereingereicht – damit sind wir besser versorgt, als die Angestellten im öffentlichen Krankenhaus (!) in Puebla. Dort, so lese ich, will man bis heute Mittag für alle Mitarbeiter Masken haben. Wow! In einem Krankenhaus. Bienvenidos a México!

Und gerade bei diesen Umständen sollte es doch nicht verwundern, dass eine Grippewelle México besonders hart trifft. Auch wenn die nach unten korrigierten Zahlen ein wenig beruhigen. Was allerdings nicht beruhigt ist, dass man in Mexiko schlicht keine Möglichkeit hat, das Virus einwandfrei nachzuweisen – dazu müssen Proben erst nach Kanada oder in die USA geschickt werden. Kein Wunder also, dass es dann zu einem Zahlenwirrwarr kommt, der sich glücklicherweise nun nach unten lichtet.

Nicht so toll, dass wir eben gerade in jenem Land sitzen, wo eben eine solche Grippe am Schlechtesten behandelt werden kann!

Auch in Puebla spricht man inzwischen von 33 VDas Museum Amparo - geschlossen wegen Grippe.erdachtsfällen, bei denen sich in 17 Fällen bereits KEINE Schweinegrippe herausgestellt hat – wie man das allerdings zweifelsfrei nachgewiesen haben will – für mich fraglich.

Ob die Nachrichten allerdings stimmen, die wir hier in Mexio von den Medien vorgesetzt bekommen, mag ich auch bezweifeln – mir bleiben meine Zweifel (siehe letzter Absatz), aber auch mein persönlicher Optimismus.

Unterdessen beginnen die Zeitungen in Mexiko die Maßnahmen zu diskutieren und erste Politiker kritisieren teils die Restaurantschließungen in Mexiko Stadt, die der lokalen Wirtschaft erheblich schaden würden. Oder es beklagen sich Schweinefleisch-Händler, dass auf Grund von Fehlinformationen der Verkauf von Schweinefleisch in den letzen Tagen um 80% eingebrochen sei. Na sowas.

Momentan ist in Mexiko die Rede von 49 bestätigten Schweinegrippe-Fällen, oder Fällen von Mexikanischer Grippe (auch Schweinefieber in Mexiko genannt), und von sieben bestätigten Todesfällen. Alles also gar nicht sooo dramatisch.

Als neuste Maßnahme schickt nun das Gesundheitsministerium in Mexiko Stadt und im Staat mobile Krankenstationen aus, die an verschiedenen Orten Kaum mehr zu haben - im Stadtbild nicht mehr wegzudenken: Die CubrebocasGrippe-Schnelltests durchführen sollen. Sie sollen zunächst klären, ob jemand Grippesymptome aufweist und so die weitere Ausbreitung stoppen. Weist jemand die Symptome aus, so werden die Betroffenen erstmal wie Verdachtsfälle behandelt und in Krankenhäuser geschickt. Ein weiterer Labortest soll dann Aufschluss über die wirkliche Infektion geben. Laut den Behörden könne man das Virus binnen der ersten 48 bis 72 Stunden problemlos bekämpfen – na hoffentlich ist das wenigstens wahr! Unterdessen kam auch heraus, dass man in Mexiko schon lang von dem Virus weiß. In Perote habe man bereits im Dezember die ersten verdächtigen Grippefälle gehabt. Aus dem Gesundheitsministerium verlautet aber, Herkunftsort der bösen Viren sei Asien, und nicht das arme Perote mit seinen riesigen Schweinefarmen.

Am Rande: Is ja nicht alles Grippewelle in Mexiko

Inwiefern man den mexikanischen Medien und Politik-Statements aber überhaupt trauen kann, habe ich grad wieder abseits des Grippe-Hypes anschaulich dargestellt bekommen: Eine poblanischen Internetzeitung berichtet heute aktuell, dass Puebla Vorreiter im Kampf gegen Musik- und Filmpiraterie sei. Hier gebe es keinen Platz für die illegalen Kopien. DAS ist an Dreistigkeit und Dummheit schon gar nicht mehr zu überbieten. In jeder Straße findet man einen DVD- oder Musik-Händler, der Kopien für zwischen $10 und $20 Pesos anbietet, also rund einen Euro.Eine Original-DVD oder CD ist in Puebla dagegen so gut wie gar nicht zu bekommen.

Treffender wäre wohl die Überschrift: Puebla, Vorreiter in Musik und Filmpiraterie. Willkommen also im mexikanischen Realitätsverlust!

Mexikanischer Grippe: Ein bißchen wie Ferien

Posted in mexico city, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 28. April 2009 by Jakob

+++ 3 verdachtsfälle in puebla +++ 152 grippetote in mexiko +++ mundschütze weiter mangelware +++ zeitungen überbieten sich mit paniküberschriften +++ erste verschwörungstheorien über virus +++

Die Vögel zwitschern auf dem Bäumchen vor meinem Fenster, die Sonne strahlt und der Tag könnte kaum schöner sein. Eine Freude, dass wir nicht in die Uni müssen, könnte man meinen. Aber wie schaut es wirklich aus, was sind die Nachrichten hier bei uns?

Totaler Alarm! - Die Zeitungen überbieten sich gegenseitig in der Angstmache.Gestern nachmittag, nachdem alle irgendwie wieder in die WG zurückgekommen waren, konnte man ein Meisterstück darüber erleben, wie man sich in einer Zehn-Mann-WG am besten gegenseitig verrückt macht. Alle hatten irgendwie Halsschmerzen, einen leichten Husten oder sonst irgendwas, was sofort den Gedanken „Schweinegrippe!“ aufkommen ließ. Pedro, mein Mitbewohner, hat seit 4 oder 5 Wochen bereits einen furchtbaren Husten und beschallt damit die gesamte Nachbarschaft, wenn er auf unserem Pasillo von seinem Zimmer in die Küche wechselt. Und Norma, seine mexikanische Freundin fühlte sich auch nicht besonders. Mein eigenes Kratzen im Hals schob ich noch auf die Geburtstagsparty von Enora, die von Samstag bis weit in den Sonntagmorgen hineinging, in einer kleinen Wohnung war und in der zudem mindestens 20 Leute rauchten. Und das nicht zu knapp. Und auf dieser Party hatten wir uns alle getummelt – beste Voraussetzungen also, um sich zwei Tage später angesichts rötlicher Hälse, Müdigkeit und Hustenchen in Grippeunruhe zu versetzen.

Norma ging dann schließlich heute auch zum Arzt, der sie beruhigt nach Hause schickte – ein Halskasper, mehr hat sie nicht. Kein H1N1, keine mexikanische, keine Schweine, nein, überhaupt gar keine Grippe! Und was Pedros Husten ist – wer weiß – grunzend läuft er jedenfalls noch nicht durch den Pasillo.

Gegen Sonne und Viren - Schirm und Mundschutz in Puebla.In Puebla gehört der Mundschutz aber jetzt zunehmend zum Straßenbild. Offiziell gibt es im gesamten Bundesstaat Puebla 3 Verdachtsfälle auf Schweine- oder Mexikanische Grippe – bestätigt allerdings ist noch keiner. In Mexico City ist dagegen die Zahl der Grippe(!)-Toten (nicht Schweinegrippe-Toten) auf 152 gestiegen – bei lediglich 25 ist man sich sicher, dass es der neuartige Virus war.

Unterdessen greifen die mexikanische Regierung und die jeweiligen Bundesstaaten zu weiteren Maßnahmen, um die Verbreitung so gut wie möglich einzudämmen. In Mexico Stadt sollten heute sämtliche Restaurants und Lebensmittelverkäufer nur noch „Zum Mitnehmen“ ausgeben – eine Zeitung berichtet allerdings, dass im Zentrum sich das nicht bemerkbar gemacht hätte, und die Restaurants den ganz normalen Betrieb beibehalten hätten. Eine aktuelle Meldung sagt aber, dass die mexikanischen Restaurantketten Toks, Vips und Portón darüber eingekommen wären, ihre Restaurants im Haupstadtdistrikt (DF)  zu schließen.

Nur vereinzelt in Puebla - in DF schon Pflicht: Taxifahrer mit Mundschutz.Auch was die Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsmittel angeht, so sind Taxi- und Busfahrer inzwischen verpflichtet, Handschuhe und die blauen Cubrebocas (Mundschutz) zu tragen. Sollten sie der Aufforderung nicht nachkommen, so droht die Regierung, würden die Fahrzeuge beschlagnahmt und aus dem Verkehr gezogen werden.

In Puebla bleiben solche Maßnahmen weitgehend freiwillig, außer dem Schließen von Kindergärten, Schulen, Universitäten und Museen sind bislang hier keine weiteren Maßnahmen ergriffen oder erlassen worden. Die Stadt fühlt sich an, wie an einem Samstag, das ist die einzige Veränderung, die derzeit zu erleben ist – ein Samstag – nur eben mitten in der Woche.

Eisverkaufen mit MundschutzAls ich heute nach dem Frühstück meine Runde drehte, um zu schauen, wie sich die Situation „draußen“ bemerkbar macht, hatte ich das Gefühl, die Stadt hat ihren Lebensrhytmus deutlich verlangsamt. Nur wenige Autos sind auf den Straßen unterwegs, viele Menschen sind mit dem blauen Mundschutz ausgerüstet – aber von einer ausgestorbenen Stadt kann man nicht reden. Vereinzelt tragen Microbus- und Taxifahrer die blauen Mundschütze, aber längst nicht alle. Vor allem bei Verkäufern und Polizisten sieht man die Cubrebocas – man gewöhnt sich an das Leben mit dem Mundschutz.

Cubrebocas und Antibakterielles Gel: Ausverkauft!Viele, die keine Cubrebocas haben, müssen auch weiter darauf warten, dass die Apotheken neue Lieferungen bekommen. Auf meinem Spaziergang durch Puebla hatte keine einzige Farmacia die begehrten blauen Masken im Angebot – im Gegenteil: häufig wiesen direkt Schilder daraufhin, dass man über keine Atemmasken mehr verfüge. Mein persönlicher Atemmaskenhändler um die Ecke meinte, er bekäme morgen neue Lieferung. Mal sehen, ob die nicht unterwegs vom Laster fallen. Wäre nicht das erste Mal in diesen Tagen.

Die Kathedrale von Puebla bleibt vorerst dicht. Die meisten öffentlichen Einrichtungen, Museen und auch die Kathedrale bleiben heute weiter geschlossen – ein Hinweis macht Besucher meist auf den Staatserlaß aufmerksam. Vor meiner Uni hatte man inzwischen einen mikrigen Stand aufgebaut, der mit der Aufschrift „Para estar tranquilos“ – „Um ruhig zu bleiben!“ über Maßnahmen aufklärte, wie man sich gegen die Grippe schützen könnte. Flyer mit Händewaschtipps und der Telefonnummer des Uni-Klinikums gab es, mehr nicht. Andererseits: immerhin.

Kleiner Grippe-Info-Stand vor meiner Uni.Unterdessen geht unser Leben in unserer Wg in Puebla eher ferienmäßig weiter. Langes Ausschlafen, ausgiebiges Frühstücken und ab und zu ein Plausch auf dem Pasillo, ob man denn schon Husten oder Fieber hätte. Aber nein, es geht uns allen gut und wir denken und hoffen, dass das auch so bleibt. Panik herrscht lediglich in den Zeitungen, dort überschlagen sich die Blätter, wer die dramatischere Aufmachung hinbekommt. Nur wenige versuchen beruhigend zu wirken.

Ich selbst genieße meinem freien Tag bei frischen Erdbeeren und Melone momentan noch vor meinem Rechner, später werdPsychische ANGST vor dem ansteckenden Virus - Überschriften in Pueblae ich mich aber auf die grippefreie Terasse in die Sonne legen und ein wenig lesen und die Seele baumeln lassen. Denn dafür eignen sich diese Tage doch bestens. Viel mehr kann man sowieso nicht tun.

Die Schweinegrippe hat nebenher noch zwei weitere Effekte. Das Interesse an meinem Blog ist exorbitant gestiegen – ich habe seit gestern bereits so viele Besucher verzeichnet, wie ich sonst manchmal nicht in sieben Tagen generieren kann – always look at the bright side…

Der zweite, eher witzige, Effekt, das sind VerschwöruAtemmaske - auf meinem Rundgang durch Pueblangstheorien, die ja zu einer Grippewelle dieser Art doch irgendwie dazugehören. Und? Wer solls gewesen sein? Na? Richtig! Der Ami! Ein Internetseite aus den vereinigten Staate  will inzwischen den Verantwortlichen für die Grippewelle in Mexiko ausgemacht haben, und das sollen natürlich keine geringeren sein, als die geheimen Biolabore der US-Armee. Und warum das Ganze? Na klar – um von dem ganzen Foltergeschwätz und wie-bestrafen-wir-denn-jetzt-wen in den USA abzulenken! Nicht überzeugt? Diese Seite schon.

Wie deBeruhigendes Bild: Ein leerer Wartesaal vor einer Arztpraxis in Pueblam auch sei, ich persönlich hoffe, dass die Maßnahmen, Schulen, Kindergärten und Unis zu schließen, in wenigen Tagen Wirkung zeigen werden und die Zunahme der Verdachtsfälle zum Stillstand kommt. Dass die gesamte Geschichte „Mexikanische Grippe 2009“ allerdings bis nächsten Mittwoch gegessen ist, und wir ab Donnerstag wieder in die Uni gehen – daran hege ich wahre Zweifel. Soweit für den Moment.

Quellen: El Universal, El Sol de Puebla, El Proceso, dpa, afp, eigene Beobachtungen

Bilder: Jakob Müller, alle Rechte vorbehalten.

PS: Auf ein Wort noch, Herr Buhrow von den Tagesthemen: Die von gestern waren ja grauselich schlecht. Das Thema Grippe in Mexiko ist sicherlich wert, auf die Eins gehoben zu werden, aber muss man wirklich drei verschiedene „Experten“ dazu befragen, welche denn nun die Symptome sind? Der Zuschauer ist sicher dumm – aber soooo dumm, dass er drei Mal die gleichen Antworten binnen 7 Minuten benötigt?! Na also. Achja, und aufpassen, dass Euch der Themenkaugummi nicht reißt, beim wilden in-die-Länge-ziehen. Gute Besserung, liebe Tagesthemen.

On air… bei MDR Sputnik

Posted in am Rande, Jakob in den Medien, uni with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on 6. Februar 2009 by Jakob

Ich bin mal wieder on air. Nachdem mich das Uni-Radio RADIO BUAP Anfang September zu meinen ersten Eindrücken in Mexico befragt hat, habe ich jetzt mit Alex, meinem alten Radio-Kollegen, ein Interview über die etwas längerfristigen Eindrücke in Mexico, über die Uni und über das Reisen gemacht.

Das Interview kann man sich morgen, am Samstag, zwischen 10 und 14 Uhr bei MDR Sputnik anhören. Einen Artikel mit Bildern und Ausschnitten aus dem Interview kann man auf der Seite von Sputnik ebenso nachlesen.

Que se divierten!

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