Archiv für mexico

Zum Jahresausklang: zwei Reportagen zu Mexiko

Posted in am Rande with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 14. Dezember 2010 by Jakob

Ich selbst vernachlässige in letzter Zeit ein wenig dieses Blog, was damit zusammenhängt, dass ich selbst nicht mehr in Mexiko lebe. Trotzdem möchte ich auf dieser Seite weiter mir interessant scheinende Nachrichten oder Artikel zu Mexiko posten. Auch alte Artikel von mir erfreuen sich noch großem Interesse, was mich auch freut. Allerdings kann es sein, dass inzwischen der ein oder andere Link nicht mehr aktuell ist. In diesem Fall würde es mich freuen, wenn Du mir einen Kommentar schreiben könntest, wenn Dir sowas auffällt.

Heute möchte ich eigentlich nur eine Sache zu Mexiko empfehlen:

SWR Report Mainz hat Hinweise auf illegale Waffenexporte aus Deutschland nach Mexiko aufgespürt. Der komplette Beitrag (Video) hier.

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Mexicana bleibt am Boden

Posted in Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , on 28. August 2010 by Jakob

Die Flieger der mexikanischen Airline Mexicana de Aviación und ihrer Töchter Click und Link bleiben ab sofort am Boden. Die Gesellschaft, mit der ich auch in Mexiko gern geflogen bin, ist seit geraumer Zeit insolvent. Mexicana hatte viele Ziele innerhalb Mexikos, aber auch nach Zentralamerika, die Vereinigten Staaten und nach Europa im Programm.

In einer Pressekonferenz wurde aber klargestellt, dass die Airline nicht von der Bildfläche verschwinden soll, sondern im Rahmen des Konkursverfahrens ein Rettungsplan entwickelt werden soll.

Mexicana hat einmal 40% des innermexikanischen Flugaufkommens bestritten, in letzter Zeit war der Anteil der in Mexiko durchgeführten Inlandsflüge aber langsam auf 11% gesunken.

Die ganze Nachricht auf Spanisch bei der Jornada exakt hier!

Acapulco und… schon Schluss.

Posted in Adios México, mexico city, pacifico, Viajando! with tags , on 13. März 2010 by Jakob

Jetzt war am Ende doch so wenig Zeit, sich vor den Rechner zu klemmen, und einen Artikel hier zu hinterlassen. Das erste Mal, seitdem ich jemals mexikanischen Boden unter den Füßen hatte, hatte ich mich in die pazifische Bade-  und Urlaubsmetropole Acapulco begeben.
Mit Enora hatte ich einen Nachtbus am vergangenen Freitag im Morgengrauen des Samstags genommen und nach 5 Stunden Fahrt waren wir endlich an der Küste, in der Sonne und am Meer angekommen. Aus dem Bus ausgestiegen kamuns ein Schwall warmer Luft entgegen und wir hatten Mühe richtig aufzuwachen – war es doch erst 10 vor 8, als uns der Bus am Terminal Central ausspuckte. Wir informierten uns an einem kleinen Schalter über günstige UNterkünfte und hatten uns damit auch sofort eine Begleiterin eingehandelt. De Dame, von der wir eigentlich nur eine Auskunft haben wollten, schloss ihren Schalter und wollte uns selbst zu den 3 oder 4 günstigen Hotels führen, die sie uns nannte. Nur kurz konnten wir sie loswerden, weil wir zuvor noch Toilette und Bankomaten aufsuchen wollten, aber eine Strasse allein gelaufen, tauchte sie auch schon wieder auf der gegenüberliegenden Strassenseite auf und winkte uns zu sich.
Wir schauten uns mit ihr 3 Hotels an und stiegen im letzten ab. Ein kleines, von einer Familie geführtes Hotelchen mit einem Pool im Hof in einer etwas ruhigeren Seitenstrasse nur einen Block vom Strand entfernt. Wir liessen unsere Rucksäcke im Hotel zurück, wechselten die Sachen auf „Sommer“ und machten uns auf den Weg zum Strand.
Acapulco ist malerisch gelegen. Eine Bucht, fast abgeschlossen und kreisrund, das Wasser blau, warm und still und im Hinterland erheben sich sofort grüne Hügel, die bis zu richtigen Bergen heranwachsen. Man hätte viel machen können, aus diesem wunderbar gelegenen Ort, aber offenkundig zug man es vor, das schnelle Geld zu machen, bei der Bebauung nicht auf die Landschaft zu achten und einfach einen Hotelklotz neben den nächsten an den Strand zu setzen. Immerhin: Der Strand ist immernoch für einen solchen Ort breit und nicht so abgeschnitten, wie beispielsweise in Cancún – aber man muss die Betonburgen ausblenden, um sich wohlzufühlen.
Auch wird man den Eindruck nicht los, dass die Stadt als Urlaubsort seine besten Tage bereits gesehen hat – oder dass man sich mehr vom Toursismus erwartet hatte. Überall bereits wieder geschlossene Geschäfte, Cafés und Bars – fast ausschließlich mexikanische Touristen.
Wir stellten schnell fest, dass wir nichts verpasst hatten, uns diese Stadt früher anzuschauen. Aber was wir wirklich wollten gab es. Strand, Sonne, Meer! Und das war das wichtigste in diesem Moment für uns. Schließlich hatten wir ja nur das Wochenende und mit 5 Stunden Busfahrt liegt Acapulco unschlagbar nah an DF. Wenn wir mal Veracruz, dass zwar als Stadt hübsch, aber als BAdeort am grauen Golf wenig taugt, ausblendet.
Wir verbrachten also den kompletten Samstag am Meer, ruhten uns aus und machten eigentlich nichts. Und am Strand liegend und die Augen auf das offene Ende der Bucht ausgerichtet, sahen wir auch nicht die Betonklötze.

Am Sonntag wollten wir an der Quebrada die Clavadistas – die legendären Klippenspringer von Acapulco – bei ihren tollkühnen Sprüngen beobachten. Wir suchten unseren Weg an die Klippen, mussten ein paar Blöcke durch das „alte“ Acapulco laufen und am Ende des Berges zeichnete sich ein leerer große Parkplatz ab. Von dort aus gingen einige betonene Aussichtsterrassen zum Meer hinab und wir mussten feststellen, dass die Klippenspringer nicht immer und zu jeder beliebigen Tageszeit ihrem wagemutigem Sport nachgingen, sondern nur zu bestimmten Zeiten und man zu diesen Zeiten dann Eintritt auf die Terrassen zahlen musste. Wir entschieden uns also am Montag wiederzukommen und erlebten dann eine mittelprächtige Vorstellung. 5 Springer stürzten sich von unterschiedlich hohen Felsen in die Fluten. Das ganze Spektakel dauerte kürzer, als wir auf die SPringer warten mussten und irgendwie war es fast spektakulärer, die Jungs die Felsen hinaufklettern, als sie da wieder runterflattern zu sehen.
Alles in allem bleibt für mich das Fazit: Acapulco ist in Mexico wirklich kein Muss! Aber wenn man in Mexico DF ist und schnell ans warme Wasser will – dann kann man da schon hinfahren. Wenn man aber mehr Zeit hat, sollte man sich definitiv schönere Orte aussuchen. Und die gibt es zu hauf – von der Pazifikküste, über die Küste des Mar de Cortés in Baja California und die Karibik.
Montag Nacht kamen wir wieder in DF an und ich nutzte die Woche in Mexico City, um noch ein paar Mitbringsel zu besorgen. Am Mittwoch lud ich zum Abschieds-Gulasch-Essen in Bernhard und Paolas Wohnung und am Donnerstag ging es weder mir, noch Enora besonders gut. Was allerdings nicht am Gulasch lag, der allen vorzüglich schmeckte. Ich hatte irgendwie nachts furchtbar schlecht geschlafen und mit „Rücken“ aufgewacht und Enora setzten am Tag ihre Allergien so sehr zu, dass sie von ihrer Arbeit nach Haus geschickt wurde. Wir nutzten den Tag, uns in eine ruhigere Ecke von DF zurückzuziehen und ich zeigte ihr die Ciudad Universitaria der UNAM – die Universitätsstadt von Mexico City. Wobei „Stadt“ eigentlich der faksche Ausdruck ist – bei der CU der UNAM handelt es sich eigentlich um ein riesiges Parkgelände, dass eine großes Ökoreservat mitten im Süden der Millionenmetropole umfasst. Ein Fleckchen, an dem man mal kein Hupen, Sirenenjaulen, Autobrummen, Hupen oder Gebrüll hört. Ein wahres Idyll der Ruhe. Nicht leicht sonst zu finden, mitten in Mexico City.
Gestern dann gönnten wir uns noch einen Besuch beinm Schamanen, der uns die Knochen langzog. Ein krätfige Massage ließ uns später wieder bedeutend besser fühlen und das dazugehörige Temazcal tat auch seine entspannende Wirkung.
Und so ging es mir schon wieder ganz gut, als ich gestern Abend in Mexico City wieder in den Flieger stieg und mich nach 5 Wochen mal wieder aus Mexico verabschiedete. Wieder einmal war es schön. Wieder einmal ist es schön zurckzukehren. Alles in Allem hatte ich ein bißchen zu viel DF und Großstadt und ein bißchen zu wenig Natur und Ruhe. Aber das nächste Mal Mexico werde ich bestimmt nicht soviel Zeit dem Distrito Federal widmen. Aber gut, diesmal ließ es sich auch nicht wirklich ändern – Enoras Praktikum ist nunmal dort und wahrscheinlich ist es eher kompliziert ein gutes Praktikum zu finden, dass irgendwo so plaziert ist, dass man nur wenige Meter zum Strand und hinter dem Haus die Berge hat 🙂 .

Zurück im Großstadtlärm

Posted in am Rande, mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , on 4. März 2010 by Jakob

Nach einer Woche Playa, Palmen, Sonne und Entspannung bin ich nun schon seit Sonntag wieder in DF und arbeite hier ein wenig an meiner Hausarbeit weiter. Das ging an der Küste natürlich wesentlich leichter von der Hand, weil dort nicht nur nahezu absolute Ruhe und sanftes Wellenrauschen vorherrschte, sondern auch, weil als Belohnung immer ein wenig Entspannung am Strand wartete.

Am Samstag bin ich allerdings recht frühzeitig aus dem Paradies abgereist, mit einem kleinen Van-Shuttle in 5 Stunden über die Sierra Madre nach Oaxaca geschaukelt worden (es ist immernoch nichts für empfindliche Magen – aber meiner hat mal wieder gehalten) und bin dort gleich in den nächsten Bus nach Puebla gesprungen. Nach gut 12 Stunden Reise war ich bei Mónica zu Hause angekommen, wo unsere 15-Mannschaft sich ein letztes Mal in großer Zahl versammelt hatte, um noch einmal beisammen zu sein, bevor die ersten wieder gen Heimat abreisen.

Ich selbst war ein wenig müde von der Reise und die Stimmung wurde ein wenig von den Nachrichten aus Chile getrübt. Das verheerende Erdbeben hatte die Familie von Agos, unserer chilenischen Mitbewohnerin heftig zugesetzt. Gesundheitlich blieben zwar alle heil – aber das Dach über dem Kopf zerstörte das Erdbeben – lange gab es nicht einmal Nachrichten von ihren Verwandten und so wurden über verschiedenste Länder, in denen gerade Bekannte von ihr sind, Mails ausgetauscht und Informationen weitergegeben. Ihre Oma wohnte in der Küstenregion direkt neben dem Epizentrum, was dort nicht das Erdbeben aus den Verankerungen riss, schwemmte die anschließende Flutwelle weg. Die Menschen, und so auch ihre Oma, mussten in die Berge flüchten – eine Region, die vorher wenige Probleme hatte, wurde auf einem Schlag zu einer Katastrophenzone. Es gibt kein Trinkwasser, und wenn doch, wird es zu horrend teuren Preisen verkauft, Supermärkte, oder das, was von ihnen übrig blieb, wurden geplündert – nach der Naturkatastrophe setzt nun das Chaos den Menschen in Chile zu. Kein Wunder, dass auch Agos nicht wirklich zum Feiern zu Mute war.

Am Sonntag dann reiste ich am Nachmittag wieder nach DF und hier läute ich nun meinen letzten zwei Wochen ein. Am Montag gibg es mit Enora zu einer etwas kruden Filmpremiere ihrer Produktionsfirma inklusive der Anwesenheit des Regiesseurs und der Hauptdarstellerin, die allerdings in den Nachfragen nach dem Film nur wenig glänzen konnten.

Gestern habe ich mir endlich nun noch Avatar angeschaut und war von den realistischen 3D-Bilderwelten fasziniert und heute setze ich mich wieder einmal an die Arbeit – die Zeit läuft, und wenn ich aus Mexico wiederkomme, ist auch schon fast Abgabetermin.

Am Wochenende geht es noch einmal raus aus der Großstadt. Wir wollen uns ein Wochenende am Strand in Acapulco gönnen und so nun auch endlich nach weit über einem Jahr diese Stadt noch kennenlernen und den harten Jungs bei ihren atemberaubenden (hoffentlich!) Sprüngen von den Klippen zuschauen. Außerdem tut Sonne und ein wenig Strand nach einer Woche DF auf jeden Fall schon wieder not.

Tranquil.

Posted in mexico city, Viajando! with tags , , , , , , , on 18. Februar 2010 by Jakob

Früh ins Bett und lange schlafen, so klingt nicht nur Urlaub, so schaut auch derzeit mein kleiner mexikanischer Alltag aus. Es ist wunderbar. Im Allgemeinen nutze ich die Zeit, ein wenig durch altbekannte Stadtviertel zu schlendern und immer wieder bemerken, dass sich nicht viel verändert hat während meiner Abwesenheit. Kleinigkiten, ja, aber im Großen und Ganzen fühl ich mich doch hier in DF ziemlich zu Hause. Auch wenn die Metro inzwischen unverschämte 3 Peso kostet (vorher 2, Kurs 1€:18PES).

Vergangenes Wochenende konnte ich dann Enora mal ein wenig aus ihrem Praktikum loseisen, in dem sie ziemlich viel zu tun hat und wir setzten uns in einen Primera Clase-Shuttle um in DF in Richtung Bundesstaat Guanajuato zu verlassen, Ziel: San Miguel de Allende. Mein Bruder lag mir seit anderthalb Jahren in den Ohren, dass ich diesen Fleck mexikanischer Erde unbedingt besuchen müsste, mein Vater wollte es ebenso, aber mit ihm schaffte ich es nur bis Guanajuato und diesmal: Fülle ich die Lücken, die ich noch habe.

Mitten in der Nacht kamen wir in dem kleinen verträumten und kolonialen Städtchen in den Hügeln an, liefen durch die dunklen Straßen auf der Suche nach einer Herberge und fanden sie am Ende auch glücklicherweise.

Am Samstag schlenderten wir dann den ganzen Tag durch die malerischen Sträßen und Gassen der Stadt, hinauf die Hügel, hinab die Hügel, immer wieder in wunderbare kleine Lädchen voller Handwerkskunst hineinschauend genossen wir den Tag. Die Ruhe. Die Abwesenheit von Verkehr  und Stress. Die Abwesenheit von Mexico Stadt. San Miguel de Allende genießt aber nicht nur den Ruf, ein koloniales, wunderschönes und entspanntes Städtchen in den Hügeln Guanajuatos zu sein, es wir auch zuweilen abwertend als die Gringo-Hochburg Mexicos bezeichnet. Viele Amerikaner haben sich seit den 70er Jahren hier niedergelassen, viele kauften sich die damals kurz vor dem Verfall stehenden kolonialen Häuser, Haciendas und städtische Gebäude und möbelten sie für vergleichsweise wenig Geld wieder auf, um hier ihren Lebensabend, oder ihre Künstlerlaufbahn zuverbringen. So hört man auf den Strassen auch viel Englisch, es sind wenige Backpacker unterwegs, der Tourismus ist gehobener und älter. Und den Preisen in den Lädchen ist anzumerken, dass die Zielgruppe ein volles Portemonaie hat.

Und was sicherlich den schlechten Ruf begünstigt, sind Läden, in denen man gar icht erst mit mexikanischer Währung zu tun haben möchte, sondern gleich darauf hinweist, dass alle Preise sich slebstverständlich in US$ verstünden. Auch für uns Grund genug gewesen, solche Läden gar nicht erst zu betreten. Aber lassen wir diese Randerscheinung, denn das Städtchen bleibt bei allem malerisch – und ohne das Geld seiner neuen Einwohner ginge es ihm andererseits sicherlich auch nicht so gut.

Nach einem leckeren Frühstück gaben wir der Entspannung den Rest und suchten die Thermalquellen, die unweit San Miguels in den Hügeln liegen, auf und genossen den halben Tag im warmen Wasser liegend.

Am frühen Abend kehrten wir zum Busbahnhof zurück und fuhren mit dem letzten Bus zurück in die Stadt der Hektik, der verstopften Strassen und der überfüllten Metros.

Seitdem geht Enora wieder ihrem Pratikum und ich meinen Erinnerungstouren nach, lese viel und warte jetzt darauf, dass die Sonne wieder rauskommt. Seit gestern regnet es hier und da macht es nicht wirklich Spaß, in Mexico spazieren zu gehen. Deshalb hatte ich mit Lula (argentinische Mitbewohnerin aus der famosen 15 in Puebla) unseren geplanten Spaziergang in Chapultepec kurzerhand in einen Museumbesuch umgewandelt. Das MUAC (Museo Universitario Arte Contemporáneo) stand auf dem Plan, ein erst kürzlich eröffnetes Museum auf dem Gelände der UNAM, dass allerdings vielleicht doch noch besser ein wenig mit der Eröffnung gewartet hätte – bislang stehen zwei Ausstellungsräume zur Verfügung, es wird noch gehämmert, geklopft und gemalert, während in den Räumlichkeiten eine etwas dürftige Videoinstallation zu sehen ist. Aber gut, wenn es einmal wirklich fertig ist, lohnt sich der Besuch bestimmt. Immerhin hatten sie bei unserem Besuch nur einen Bruchteil des Eintrittsgeldes genommen. Fair enough.

Morgen geht es mal wieder nach Puebla. Ein weiteres Revival unserer Wg steht ins Haus. Bei einer unserer ehemaligen Mitbewohnerinnen sind wir zur Parrillada eingeladen – Grillen, Feiern, Trinken – und dann zieh ich weiter ans Meer – an meinen lugar favorito!

Eine einzige Sardinenbüchse.

Posted in am Rande, mexico city with tags , , , , , , , , on 12. Februar 2010 by Jakob

Es gibt Zeiten, da sollte man in DF, also in Mexiko Stadt, einfach an dem Ort bleiben, an dem man gerade ist. Das sind die Zeiten, in denen sich die Straßen in riesige Blechkolonnen verwandeln, die sich nur noch zentimeterweise auf den kilometerlangen, geradeaus geführten, 5-spurigen Straßen voranschieben.

Die Zeiten, in denen die Metrostationen zu Sardinenbüchsen werden. Menschen nur noch ihren Vorwärtstrieb kennen. Den Willen haben, selbst mitzukommen, die Ellenbogen in alle Richtungen einsetzend. Drückend, schiebend. Egal, ob irgendwas geht.

Die Zeiten, in denen Du zehn Metrobusse an der Haltestelle vorbeibrausen lässt. Du ihre Türen sich öffnen und wieder schließen siehst. Menschen, die durch die nur noch Milimeter großen Abstände zwischen anderen Menschen nach Außen und andere, die in der gleichen Zeit nach Innen dringen wollen. Menschenmasse. Fast eins geworden und doch gegeneinander kämpfend.

Wenn Du vorwärts kommen willst, musst Du mitmachen. Mitschieben. Mitdrücken. Aufpassen, dass Du immer im richtigen Fluß bist, der Dich in der richtigen Station auch wieder nach draussen bringt.

Nein, das macht kein Spaß. Aber wenn man sich in Mexico Stadt bewegen möchte, kommt man nicht drumrum. Auch das Taxi bietet zu diesen Zeiten keine Alternative. Es steckt in den bereits erwähnten kilometerlangen Staus fest.

20 Millionen Menschen. Eine Stadt. Und noch mehr, die nur tagsüber zum Arbeiten hierherkommen. Ein völlig überlastetes Strassensystem. Das Metro- und Bussystem am Rande seiner Kapazitäten. Vor einem halben Jahr konnte man diesen Eindruck nur zur Rushhour gewinnen.

Jetzt scheint es so den ganzen Tag zu sein. Von 8 bis 23 Uhr. Die ganze Stadt eine reine Sardinenbüchse. Und wir – mittendrin.

Opel behauptete einmal, Straßen seien die Adern unserer Welt. Wenn das so ist, dann leidet diese Stadt an Bluthochdruck.

WG-Revival, Pizzas und unglaublich klare Sicht

Posted in Bienvenidos!, Festejando!, mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 10. Februar 2010 by Jakob

Witzigerweise habe ich am Samstag Morgen nur ganz kurz meinen Jetlag bemerkt: Ich wachte pünktlich um 7 Uhr morgens auf und hätte sofort in den Tag starten können. Allerdings entschied ich mich dazu, ein bißchen zu lesen, was mich nach einer Stunde wieder ausreichend müde machte, um mich wieder umzudrehen und mich an die mexikanische Uhr zu gewöhnen.

Am späten Vormittag gings dann also doch aus dem Bett und Enora und ich machten uns auf den Weg zum TAPO, einem der großen Busterminal in D.F. Dort „frühstückten“ wir noch schnell im Taco Inn und schnappten uns den nächsten Bus nach Puebla. Der Verkehr raus aus D.F. war mal wieder unglaublich dick. Und dann kam es noch besser: Die Autobahn zwischen D.F. und Puebla ist dicht – sie ist auch von den heftigen Überschwemmungen der letzten Tage betroffen und wird wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder aufgemacht. Wir fuhren also einen großen Umweg und brauchten so für die Strecke gut die doppelte Zeit. Das wunderbare: Die Luft ist in dieser Jahreszeit so klar, dass die Sicht auf die Berge rund um das Valle de México unglaublich beeindruckend ist. Wir genossen atemberaubende Blicke auf die beiden 5000er Ixta und Popo, die sich in der Abendsonne und schneebedeckt stolz präsentierten.

Wir fuhren erst am frühen Abend in Puebla ein und schnappten uns ein Taxi, daß uns direkt vor Agos Wohung im Zentrum absetzte. Und irgendwie fühlte sich das alles an, als wär ich erst gestern aus Puebla weg. Alle Straßen so vertraut, der Taxipreis noch im Kopf und irgendwie hat sich kaum etwas verändert, so dass man meinen könnte, man war doch nur kurz im Urlaub und kommt gerade wieder.

In der Wohnung erwarteten uns bereits Agostina, Luciana und Mónica. Wobei Mónica und Lula uns schon im Eingang abpassten und die Freude war riesig. Unglaublich! Wir alle nach einem guten Jahr wieder zurück und vereint in Puebla. Großartig. Enora und ich sprangen schnell zum OXXO, dem altbekannten 24/7-Laden mexikanischer Herkunft, und besorgten leckeren José Cuervo, zwei Six und Limetten beim Elote-Verkäufer (Maiskolben) im Hauseingang. Paulina stieß inzwischen auch zu uns und so war die alte WG aus 2008 auch schon fast vollständig. Néstor hatte aus irgendwelchen Gründen ab- bzw. nie so richtig zugesagt (man(oder besser frau) munkelte, er stehe jetzt unter gewissen Pantoffeln)  und Vivi blieb verhindert, weil sie mit ihrem Baby ein bißchen weniger flexibel geworden ist. Wir tranken also Chelas und Tequila, spaßten, erzählten lachten viel und später holten uns Freunde von Pau mit dem PickUp ab – auf in eine Bar. Dort machten wir das weiter, was wir schon den ganzen Abend getan hatten. Spät fuhren uns die beiden Jungs wieder in Agos‘ Wohnung, wir sprangen von der Ladefläche und fielen in die Betten.

Am Sonntag gönnten wir uns dann erstmal ein klassisch mexikanisches Frühstück in der brennenden Sonne des Zócalos. Huevos a la mexicana – Rührei also mit verschiedenen Chillisorten, schön pikant und verpackt in Tortillas, begleitet vom üblichen Bohnenbrei.

Danach sprangen wir in einen Colectivo und rumpelten über die Straßen Pueblas stadtauswärts nach Tonantzintla. Tonantzintla ist bekannt für seine reich dekorierte Kirche, die allerdings nicht dem üblichen katholischen Verzierungsregeln gehorcht, sondern komplett nach indianischer Tradition gestaltet wurde. Und so sind die Gewölbe mit tausenden indianischen Figuren, Gesichtern, Chilis, Kaffee, Heiligen und anderen Bildern verziert, bunt angemalt und wunderschön zu betrachten. Ein Kirche, in der auch dann nicht langweilig wird, wenn die Predigt mal wieder zu lang ausfällt.

Nach diesem kurzen Stop wanderten wir quer über Felder auf einen kleinen Hügel, wo das Haus von Mónicas Freund steht – wir wurden dort zum Pizzabacken erwartet. Schon auf dem Weg zum Hügel bot sich uns wieder ein majestätischer Blick – rundrum schneebedeckt Popocatépetl, Ixtaccíhuatl, der Citlaltépetl (auch Pico de Orizaba – Mexicos höchste Spitze mit 5747m) und mein persönlicher Hausberg La Malinche.

Bei Toño angekommen war der Steinofen bereits angefeuert, die Beläge geschnipselt und die ersten Pizzaböden wurden dem Ofen bereits wieder entzogen – bereit dafür belegt zu werden. Wir machten uns also alle an die Arbeit, belgten die Pizzen nach Herzenslust, eine nach der anderen wanderte in den Ofen und kam nach 3 Minuten knusprig wieder heraus. Bestimmt zehn Pizzen schoben wir durch den Ofen und am Ende schafften wir gut zwei Drittel. In der Nachmittagssonne machten Lula, Móni, Enora, Negro (Mónis Hund) und ich einen kleinen Verdauungsspaziergang über den Hügel und genossen die wunderbare Aussicht.

Am Abend wollte Toño uns dann mit seinem alten VW-Bus wieder nach Puebla bringen. Allerdings machte der gute alte Bulli nach wenigen Kilometern die Hufe hoch, so daß wir schlussendlich doch mit dem Colectivo zurück zum Busbahnhof und später nach DF weiterreisen mussten. Auch die Rückfahrt dauerte wieder 4 Stunden und so kamen Enora und ich erst spät wieder in D.F. an – den ersten Sonnenbrand im Gepäck.

Montag und Dienstag hab ich eher ruhig verbracht, gestern bin ich mal wieder ins Zentrum, hab nachgeschaut, ob der Zócalo, die Kathedrale und der Präsidentenpalast, Bellas Artes und der Torre Latino noch steht – und ja – es steht noch. Und es fühlt sich wirklich an, als wär man zu Haus. Die komplette Orientierung ist da, das Metrosystem vertraut (wenn auch jetzt einen Peso teurer, also 3 Peso pro Untergrund-aufenthalt) und die Freunde wohnen um die Ecke. Hatt‘ ich ganz vergessen: Bernhard und Paola, welche mich ja zu Anfang meines Mexiko-Aufenthaltes 2008 und zum Ende vergangenes Jahr sehr lange beherbergt hatten, wohnen von uns hier nur zwei Straßen entfernt, so dass wir vorgestern Abend mit Ihnen Essen waren und danach noch bei ihnen auf ein Weinchen vorbeischauten. Ist schon wunderbar und ich genieße es sehr, wieder hier zu sein.

So. Jetzt aber Kaffee und Frühstück, der Magen knurrt.

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