Archiv für pazifik

Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

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Von D.F. nach Baja California – der naechste Road-Trip

Posted in Adios México, baja california, mexico city, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 16. Juni 2009 by Jakob

Vater war puenktlich gelandet und hatte als erster meiner Besucher das Pech, beim Zoll sich durch die Sachen wuehlen zu lassen. Das bedeutete das Aus fuer meine heiss-ersehnte Salami aus Deutschland, weil die Mexikaner solcherlei Delikatessen direkt am Flughafen in den Muell befoerdern. Schade.

Father and son - auf dem Weg nach Baja California

Mit dem Taxi ging es zu Bernhard in die Wohnung und die kommenden Tage gab ich meinem Vater eine Tour durch D.F. von der gruensten Seite. Am Donnerstag ging es durch Coyoacán und San Angel und wir schauten in die Wohnhaeuser von Frida Kahlo, Diego Rivera und Leon Trotzky. Schon fast Standard-Programm. Am Freitag lernten wir im Castillo Chapultepec ein wenig ueber mexikanische Geschichte und genossen den schattigen Park rundherum. Am Abend assen wir leckerst beim Argentinier Bife de Chorizo zu mundendem Malbec und am Samstag hoben wir mal wieder ab.

Unser Jet auf dem Flughafen von San José del Cabo

Um kurz nach 3 stieg unsere Embraer 145, eine kleine Maschine der AeroMexico Connect, in die Luefte und brachte uns einige hundert Kilometer weiter Nordwestlich auf Baja California wieder sicher auf den kargen Wuesten-Boden. Mangels Touristen war ein Leihwagen zu einem unanstaendig guenstigem Preis schnell verhandelt und wir konnten uns bereits vom Flughafen mit einem „eigenen“ Auto wegbewegen. In den kuenstlichen Touristenhochburgen von den Los Cabos wollten wir uns nicht lang aufhalten und nahmen bereits ueber die Westkante der Halbinsel in den Abend hinein Kurs auf La Paz. Ueber eine weite, gerade Strasse fuhren wir bis in die Dunkelheit hinein, umgeben von Duerre, karger Landschaft, hohen Bergen im Osten und Kakteen.

Die MEX 19 von Los Cabos nach La Paz

Bei Dunkelheit rollten wir in Todos Santos ein, wo wir momentan immernoch sind. Nach einigem Gesuche fanden wir ein Hotel, dass uns die Reisekasse nicht auf einem Schlag pluenderte und checkten ein. Tacos standen noch auf dem naechtlichen Speiseprogramm und dann begann schon die Nacht in BC.

Gottesdienst in Todos Santos - Verstaerker zu laut gedreht

Am Sonntag schauten wir nach dem Fruehstueck in einen Gottesdienst hier im Ort vorbei, eine sehr lebhafte Veranstaltung – viel und laut wurde gesungen und mitgeklatscht, den Pfarrer konnte man allerdings kaum verstehen, weil sich der Schall der viel zu laut gedrehten Lautsprecher doppelte. Am Nachmittag entschieden wir, das Hotel noch weitere zwei Tage zu halten und das Zimmer auf eine Nummer groesser zu wechseln und dann fuhren wir ein wenig die Strecke zurueck und suchten Zugang zum Pazifik.

Die Strasse, die zum Pazifik fuehrt.

Strand von Todos Santos - zu wild fuer die Pelikane

Der war bald gefunden und den Nachmittag verbrachten wir in der prasselenden Sonne am Strand. Eine kuehle Brise liess es frisch erscheinen und das Wasser war fuer mich, nach Zipolite-Warmwasser-Pazifik und Piswarmen Golf eindeutig  zu eisig, um laenger drin zu bleiben, als zum Befeuchten.

...und endlich - am wilden, rauhen Pazifik. Mal wieder.

Den Abend verbrachten wir Fisch-essend in einem kleinen Restaurant im Zentrum von Todos Santos und heute machten wir eine rund 120km lange Tour in den noerdlichen Kuestenbereich der Stadt.

Nicht gerade ein Jeep - aber er schlaegt sich nicht schlecht.

Asphaltierte Strassen sah unser Leihwagen kaum, dafuer unendlich viel Staub, Kakteen, Sand und vertrocknete Graeser – und einmal mussten wir ihn auf einer Staubpiste zu einem wirklich einsamenn, kilometerlangen Strand auch wieder freibuddeln, weil er sich im Sand eingegraben hatte.

Krebs - zum Sterben in die Sonne gelegt - kein schlechter Ort dafuer.

Am Strassenrand der MEX 19

Am Nachmittag schauten wir an der Lagune und am Strand von Todos Santos vorbei, wo man leider nicht schwimmen kann, weil die Wellen zu hoch, zu wild und zu heftig auf den Strand knallen.

Leben in der Wueste

Und weil mir hier gerade die Zeit im Internetcafé weglaeuft, mach ich es kurz – wir wollen gleich noch was zum Abend essen und morgen ziehen wir weiter noerdlich nach La Paz. So weit – aus der Wueste!

Road-Trip an den Pazifik

Posted in Adios México, pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 30. Mai 2009 by Jakob

Vergangene Woche begannen bei mir, mehr und mehr Besucher einzutrOn the road to pacificoudeln und am Samstag Nacht waren wir dann auch alle so weit vollständig. Kathi war am Dienstag in Puebla angekommen, Daniel am Freitag und am Samstag Abend kam noch eine Freundin von Kathi nach und wir waren bereit für unseren geplanten kleinen Road-Trip für eine Woche an den Pazifik. Daniel und ich hatten uns am Samstag Abend noch auf eine Abschiedsparty einer Freundin hier in Puebla gemacht und hatten den Abend angesichts unserer Tourenpläne für Sonntag Morgen auch früh beendet.

ADurch die Berge von Puebla ins Oaxaca-Talm Sonntag Morgen dann packten wir unsere sieben Sachen und Daniel und ich holten den VW Jetta von einem kleinem Autoverleiher hier in Puebla. Und damit waren wir für unsere kleine Tour auf mexikanischer Tierra auch gut ausgerüstet, denn der Jetta ist der moderne Käfer Mexikos. Er wird ebenso in Puebla zusammengeschraubt und in einer eher einfachen Version hier ausgeliefert. Automatik ist drin, Airbags wurden aber wohl als überflüssig empfunden. So ist das nun mal, auf dem mexikanischen Markt.

Wir stiegen also gegen 11 in den Wagen, tankten ihn voll und machten uns auf den Weg nach Süden in Richtung Oaxaca. Mehrere Mautstationen mussten wir passieren, aber die Tarife waren übersichtlS1053207ich und die Zustände der Straßen in einem ausgesprochen gutem Zustand. Und so fuhren wir auch um 3 Uhr direkt oberhalb von Oaxaca in Monte Albán vor, wo wir noch zwei Stunden Zeit hatten, uns die Anlage anzuschauen. Für mich war es nun schon lange nicht mehr das erste Mal, aber trotzdem wieder schön. Und später quartierten wir uns in unserem Stamm-Hotel in Oaxaca ein. Der Wagen brauchte auch eine Pension für die Nacht, weil man in Mexiko leider nachts keine Autos auf der Strasse parken kann, wenn man es am nächsten Morgen vollständig weiterbenutzen möchte. Aber auch das war schnell gefunden und wir verbrachten den Abend auf der Dachterasse bei ein paar kühlen Dosen-Bit. Soetwas bekommt man nämlich in Oaxaca.

Oaxaca im MorgenlichtAm nächsten Morgen stiegen wir recht früh aus den Federn. Das Meer rief und Oaxaca wollten wir auch noch einmal bei Morgensonne genießen und so schlenderten wir zunächst ein wenig durch die koloniale Altstadt und genossen die bunt angemalten, alten Gemäuer.

Dann ging es wieder auf die Piste und wir rollten den Bergen, der Sierra, entgegen, die das Meer von Oaxaca mit Höhen über 3.000m trennt.

Nach zwei Stunden schraubten wir uns über enge Serpentinen nachMangos pflücken am Strassenrand oben und verbrachten dann drei Stunden in der Bergquerung, die durch die Kurven nicht der angenehmste Teil ist, zumindest für den Teil der Mitfahrer, die nicht hinterm Steuer sitzen.Wir machten einige, wenige Pausen, weil wir ja immer noch schnellstmöglich an den Pazifik wollten und um halb 5 Uhr Abends rollten wir dann auch in meinem Lieblings-Hütten-Hostel in Zipolite ein – im Lo Cosmico.

Wir wurden bereits erwartet, weil ich uns vorher angemeldet hatte und wir bekamen wieder wunderbare Meerblick-Hütten. Und kaum am Strand, kam mir auch schon ein bekanntes Weißbrot entgegengejoggt – Matthias, der Freund von Thaela, meiner Mitbewohnerin in Puebla.

Die beiden waren ein paar Tage zuvor in Zipolite eingetrudelt und hatten schon ordentlich Sonne getankt und bei ihnen verbrachten wir dann auch den Abend. Lecker Bierchen trinkend auf deren Terasse, die keine 20 Meter vom Meer entfernt für eine wunderbare Aussicht sorgte.

Am nächsten Morgen frühstückten die Beiden noch mit uns und machten sich dann schon wieder auf den Weg nach Puebla.

Wir verbrachten den Tag zwischen Hängematte und Str...mal wieder Schildkröten freilassenand und machten uns am Abend auf den Weg nach La Ventanilla, um einer Liberación von Schildkröten beizuwohnen. Ich hatte das ja bereits schon einmal im April gemacht und fand das aber so schön, dass ich das meinen vier Mitreisenden auf gar keinem Fall vorenthalten wollte.

Gegen Sieben schnappten wir uns jeder eine 2-Stunden-alte Schildkröte (unter Anleitung natürlich) und setzten sie auf ihren letzten Landgang in Richtung Meer in Bewegung. Bis sich die Sonne dann gänzlich im Strand eingegraben hatte, hatten es dann auch alle Sonnenuntergang über La Ventanilla - Blick von Punta CometaSchildkröten ins Meer geschafft und wir machten uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das war in der vergangenen Woche schwerer, als ich je vermutet hätte. In Zipolite, Mazunte und San Augustinillo – das sind die drei Örtchen an der Küste direkt nebeneinander – war fast alles geschlossen. Kein Tourist weit und breit – und wir hatten, das war das gute daran – den Strand nahezu komplett für uns.

Auch am Mittwoch genossen wir den leeren Strand, verbrachten die Zeit mit Lesen und ein wenig Baden und am AbeDer Anfang der Mangroven-Tournd mit dem obligatorischen Sonnen-Untergangs-Schauen in Punta Cometa in Mazunte.

Am Donnerstag gingen es dann Daniel, Roman und ich ein wenig sportlicher an. Wir fuhren nach San Augustinillo, liehen uns ein paar Boogie-Boards und machten die Wellen in der Bucht vor Zipolite unsicher. Die Wellen waren sicherlich nicht die höchsten, aber wir hatten einen Mordsspaß und powerten uns im Wasser aus, bis wir (fast) nicht mehr konnten. Am Nachmittag, so hatte ich meinen Mitfahrern versprochen, stand die Krokotour anDie Hobby-Boogie-Boarder in Zipolite, bei der wir aus viel zu großer Nähe eigentlich uns Krokodile anschauen wollten. Aber diesmal war die Tour nur halb so spektakulär ausgefallen, als bei meiner Letzten und wir sahen nur zwei Krokos aus der Entfernung. Die Mangroven waren trotzdem wieder beeindruckend und für die Vielfalt der Vögel und Leguane hatte sich die Tour doch auf jeden Fall wieder gelohnt.

Gestern dann wollten wir den Tag ruhig angehen, Aufstehen, in Ruhe Frühstücken und dann noch einmal baden gehen und dann uns auf die Rückreise machen. Bis Oaxaca.Abschieds-Cocktail in Playa Zipolite. Photo Daniel Josten. Unser Plan ging am Ende aber besser auf, als wir dachten und so fuhren wir um halb 12 in Zipolite vom Hof und schraubten und ein wenig flinker als auf der Herfahrt in die Berge und beschlossen bald, bis Puebla durchzufahren. Um 17 Uhr rollten wir, nach einem unerklärlichen und scheinbar grundlosen Stau, in Oaxaca ein und bekräftigten unseren Beschluss, durchzufahren. Aus Oaxaca raus ging es wieder auf die ausgebauten und breiten Strassen in die Berge, die es noch einmal nach Puebla zu überqueren gilt und bei Einbruch der Rückfahrt durch die tropische Sierra MadreDunkelheit hatten wir bereits über die Hälfte der Strecke zwischen Oaxaca und Puebla im Sack. Blieben also nur noch anderthalb Stunden Nachtfahrt und die meisterten wir auch noch, so dass wir um 10 Uhr nachts wieder vor der Quinze in Puebla standen. Da parkten wir schnell den Wagen in einer Auto-Pension und heute Vormittag schaffte ich ihn dann wieder wohlbehalten zum Vermieter zurück und seitdem bin ich am Putzen, schrubben und Wienern in meiner Wohnung. Morgen ist Übergabe und bis dahin muss alles glänzen und dann gehen die letzten anderthalb Monate Nomadentum für mich los. zunächst mit Daniel in den Staate Veracruz nach El Tajín und dann mal schauen, wo es uns noch hinträgt.

5TVNZO

Uni vorbei und kein bißchen traurig

Posted in Adios México, puebla, uni with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 17. Mai 2009 by Jakob

Jetzt ist schon wieder Sonntag, und vergangene Woche hatte ich noch getwittert, dass jener Sonntag der letzte gewesen sei, an dem ich noch einmal eine Woche Uni vor mir hätte. Dachte ich. War aber nich. Es ist schon eine Weile her, seit dem ich das letzte Mal ein Seminar hatte, aber nach der Grippe-Panik sollte ich auch nicht noch einmal dazu kommen.

Einer meiner Profs hatte sich dazu entschieden, mir bereits verfrüht meinen Schein auszustellen, bat mich um eine kleine Abschlussarbeit und versah meinen Schein mit „sehr gut“ und meinte, ich müsste die letzten beiden Seminarstunden nicht mehr kommen. Er ersparte mir damit, bei Schulhofatmosphäre über philosophische Probleme nachzudenken – was nun wirklich niemals einfach war – aber vielleicht für den Alltag im Großraumbüro neben einem offen geführten Kindergarten fit macht. Mal reinhören in so ein mexikanisches Philosophie-Seminar? Bitte:

Ja,  das ist wääährend (!) des Seminars. Gut, aber weiter im Text.

Nachdem ich dann am Dienstag mal wieder umsonst zu meinem P.R.-Seminar gegangen war, wandte ich mich dann auch in einer Mail an meine Dozentin aus jenem Seminar. Sie schickte mir (ein wenig frostig, weil ich sie mit dem falschen Namen angeschrieben hatte – mein Fehler) einen ähnlichen Lösungsvorschlag, teilte mir mit, dass ich auch ihr Seminar mit „sehr gut“ bestanden hätte und seit dem hatte ich keinen Kontakt mehr.

Die Uni ist also rum, und das, um es mit Klaus Wowereit zu sagen: ist gut so! Und das großzügige Angebot, Kurse im Sommer an der BUAP belegen zu dürfen, gedenke ich nicht anzunehmen. Ich hab wirklich genug von der (dieser) Uni gesehen, genug über die Lehr- und Lerneinstellung gelernt. Und viel mehr halt ich wahrscheinlich auch nicht aus. Aber: es war eine Erfahrung. Wenn auch sicherlich glänzende, denn doch sicherlich eine Wichtige.

Ich bin also durch mit der Uni – aber immer noch in Puebla. Aber genau das sollte sich auch spätestens in einer Woche ändern. In der kommenden Woche trudelt hier bei mir so einiges an Besuch ein, so daß ich in Kürze wieder zum Fremdenführer konvertieren werde und ab Sonntag (spätestens) wieder auf dem Weg zur Pazifikküste bin.

Unterdessen sind hier die Tage schon ruhiger verlaufen, als mir lieb war. Mit Mitbewohner Roman arbeite ich mich stetig im Leben von Jack Bauer voran, nachdem sich auf der mysteriösen Südseeinsel ersteinmal nichts mehr machen ließ (LOST). Ja –  ich bin in Mexiko aus Langeweile Serien-Junkie geworden und habe mir die kompletten Staffeln von LOST bereits angeschaut und bin auf dem gleichen Weg bei 24. Wenn mich nicht mein Besuch so schnell wie möglich zu besseren Sachen treibt.

Ansonsten ist hier in Puebla nicht viel passiert. Seit Enora weg ist, ist es in der 15 sehr sehr ruhig geworden. Unser kolumbianisch-mexikanisches Paar läßt sich leider gar nicht mehr sehen und die anderen, neuen Mitbewohner führen auch eher ein zurückgezogenes Leben. Das Leben der 15 scheint sich also dem Ende zu neigen, und ich bin also auch nicht traurig drum, dass ich in wenigen Wochen auch hier das letzte Mal den Schlüssel im Schloß umdrehen werde.

Wettertechnisch sind wir zurück (fast) in der Regenzeit, was für die Serien-Zuneigung arbeitet. Die Sonne hat sich verkrümelt und die Wolken dominieren jetzt schon am frühen Nachmittag den Himmel. Auch wenn es längst noch nicht jeden Tag wieder regnet, ist es irgendwie unangenehm – dieses graue Wetter. Zeit, an die Küste zu starten. Aber gut – ein paar Tage Geduld werde ich wohl noch haben müssen.

Achja und Grippe: Wer weiß. Neue Gerüchte kursieren, die mexikanische Regierung hätte die Quarantänezeit ausgiebig (und erfolgreich) genutzt.

Tapa la Tele - ein Aufruf, der mir vor wenigen Tagen zugesand wurde.Ohne die (ja ohnehin nur Probleme-verursachende) Öffentlichkeit wurde ein neues Sicherheitsgesetz unterzeichnet. Polizei und Militär bekommen im Kampf gegen die Drogen (natürlich!) mehr Befugnisse, und der durchschnittliche Mexikaner muss ein wenig mit seinen Grundrechten zurückstellen. Dass die Quarantäne-Zeit auch genau alle geplanten Großveranstaltungen (1. Mai, 5. Mai) überdeckte und so auch Proteste gegen das ein oder andere Gesetzesvorhaben, das in eben jener Zeit (in Ruhe) durchgesetzt werden konnte, unmöglich machten, kommt hier nicht Wenigen als ein selten zufälliger Glücksfall für die mexikanische Regierung vor. Aber was soll ich dazu sagen: Bienvenidos a México.

Und: Dass die Medien (TV, Radio, Zeitungen) in der Grippe-Panik-Zeit natürlich kein anderes Thema als „Grippe“ kannten – überflüssig, es zu erwähnen.

…das Paradies verlassen

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. April 2009 by Jakob

Es gibt auf der Welt bislang genau zwei Orte, an denen ich, vorausgesetzt ich hätte das nötige Kleingeld, mir eine kleine Hütte (Wahlweise auch Hacienda – je nach Klingelbeutel) als Zweitwohnsitz hinsetzen würde: Vilcabamba in Ecuador der Berge und des angenehmen Klimas wegen und Zipolite, des Pazifiks, seiner Buchten und  der Ruhe wegen. Es sind zwei traumhafte Orte auf diesem Teil der Erde, und Zipolite ist wohl der definitv beste Ort Mexikos.

Punta Cometa - Sonneruntergang am südlichsten Punkt Oaxacas

Den Rest der Osterwoche verbachten wir mit Lesen, Schwimmen, Sonnen, Ausruhen (ich) und Arbeiten (Enora). Jeden Tag Meer, jeden Tag aufstehen, wenn man aufwacht, und ins Bett gehen, wenn man müde ist – der Tagesablauf nur von der Helligkeit des Tages abhängig.

La Ventanilla bei Sonnenuntergang - von Punta Cometa aus gesehen

Ich las und vertiefte mich weiter in das Barcelona der 1920er Jahre und tauchte erneut ab auf den Friedhof der vergessenen Bücher. Meine langen Lesephasen unterbrach ich lediglich für einen ausgedehnten Strandspaziergang, zum Schwimmen oder zum Essen. Carlos Ruiz Záfon zieht mich mal wieder in seinen Bann.

Echse auf einem Zweig - auf einem meiner Spaziergänge

Allerdings haben wir uns nicht nur im Umkreis von 30 Metern um unsere Hütte aufgehalten. Am Mittwoch Abend fuhren wir mit dem Collectivo nach Ventanilla um die Ecke, um uns dort eine „Liberación de Tortugas“ – also eine Schildkrötenfreilassung anzuschauen. Am frühen Abend und an einigen Tagen der Woche setzt das ansässige Schildkrötenschutz-Team Baby-Schildkröten aus und wer möchte, kann dabei behilflich sein und dabei zuschauen, wie die kleinen bepanzerten Tierchen, die kaum die Größe einer Zigarettenschachtel haben, in die Freiheit schlürfen.

Ich mit einer der kleinen Panzertierchen

Bei Sonnenuntergang werden sie an einem abgelegenen Strand in Reichweite der Wellen ausgesetzt und schleifen sich dann nach und nach in Richtung Pazifik. Mit ihrer Größe sind sie noch völlig der Gewalt des Meeres ausgesetzt, dass sich die kleinen Schildkröten Welle für Welle einverleibt, und wo sie lernen müssen, allein zu überleben.

...auf dem Weg in die Freiheit

Bei unserer Freilassung gewöhnten sich ungefähr 30 kleine Baby-Schildkröten an die Naturgewalten. Allerdings überleben nur die wenigsten von ihnen, weil Pelikane und Möven nur darauf warten, die wehrlosen Geschöpfe zu verspeisen. Nachdem Mazunte über Jahrzehnte das Zentrum der mexikanischen Schildkrötenjagd war, was seit Anfang der 90er Jahre verboten ist, haben sie nur noch natürliche Feinde – die ihnen allerdings das Leben und Überleben schwer genug machen. Dennoch müssen sie sich so früh wie möglich an die Freiheit gewöhnen, wenn sie lange in Freiheit leben wollen. Und so entscheiden das Schicksal, die Wellen und die Möwen und die Pelikane, welche der Schildkröten schließlich durchkommen.

Sonnenuntergang über dem Pazifik

Am Sonntag gönnte sich dann Enora einen komplett freien Tag und wir fuhren nach Huatulco, was in Mexiko als Öko-Urlaubsparadies mit ruhigen und jungfräulichen Stränden gepriesen wird. Doch wir mussten mal wieder feststellen, dass wie so oft in Mexiko, zwischen Werbung und Wirklichkeit eine kleine Schlucht klafft, etwa in der Größe des Landes. Das einst als Natur-Urlaubsparadies konzipierte Örtchen mit seinen Buchten hat nichts, aber auch gar nichts von dem, was es verspricht. Hotelklötzer säumen die Buchten, überall Neubauten, die meisten im Rohbau wieder fallen gelassen und nur wenig Ruhe. Also waren wir froh, dass wir die Woche doch in Zipolite verbracht und nicht, um mal etwas Neues zu machen, uns von der Werbung für Huatulco den Blick vernebeln ließen.

Pt. Angél - der nächstgrößere Ort neben Zipolite

Am Montag, nach einer guten Woche Ruhe und Entspannen, packten wir dann am frühen Vormittag unsere Rucksäcke zusammen und machten uns mit einem Van auf den Weg zurück nach Oaxaca. Unser Fahrer war so sehr die Ruhe selbst, dass wir leider 8 statt wie geplant 5 Stunden bis Oaxaca brauchten und wir so einen Zwangsstopp in der Stadt einlegen mussten. Wir quartierten uns erneut im Chocolate ein, einem Hotel, deren Besitzer sich dem Herstellen traditioneller Chocolate Oaxaceña widmen und in dem es stets nach dem frisch gemalenem, braunem, süßen Pulver riecht. Die Zimmer sind einfach und günstig und wir entschieden uns für eine verkürzte Nachtruhe.

am Meer - Kleinod in Bahía del Camarón

Bereits um 5 Uhr saßen wir am gestrigen Morgen dann schon wieder im Bus nach Puebla, durchquerten die Sierra mit ihren hohen, felsigen Bergen und ihren schroffen Tälern und kamen am Vormittag wieder in Puebla an.

Zurück im Tal von OaxacaMorgensonne über den Bergen in Richtung Puebla

Heute war ich dann bereits schon wieder in der Uni und mein Prof bemerkte auch schon, dass uns nur noch wenige Seminare bis zum Ende des Semesters blieben – und entschied, ab sofort ein wenig den Plan abzuarbeiten. Dass wir das schaffen, wage ich zu bezweifeln, hinken wir doch zu sehr hinterher – aber sei es drum – mir geht es gut und den letzten Wochen mexikanischer Uni sehe ich entspannt entgegen – folgt doch dann der wohl längste Sommer meiner Studienzeit – Mai bis Oktober – wirklich frei.

Osterwoche in Zipolite

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on 14. April 2009 by Jakob

Ich bin also schliesslich aus dem voellig ueberlaufenem Puerto Escondido wieder abgereist, als am Sonntag alle wieder ihre Sachen packten und habe mich knapp 70 km weiter sued-oestlich an der Kueste mal wieder in Zipolite eingenistet.

Enora hatte bereits die reservierte Cabaña bezogen und bei meinem dritten Besuch der Palmenhuettenanlage ist die Huette wieder einmal paradiesischer ausgefallen. Wir haben Strom, WLAN vom Café etwas weiter weg und sogar diesmal ein kleines Bad mit in der Huette, was uns die langen Wege ueber die parkaehnliche Anlage erspart.

Das schoene ist damit, dass Enora wie geplant ihre Arbeiten machen kann und trotzdem am Meer ist. Gerade einmal dreissig Meter trennen uns vom Pacificwasser und so sind Strand und Arbeit fuer sie gut zu vereinbaren.

Das Entspannteste hier ist mal wieder die Ruhe. Nur das Meer schaeumt und rauscht laut neben uns, sonst hoert man tagsueber nur die Voegel zwitschern, den Seewind durch die Palmen fahren oder Geckos ueber den Sand schleichen  und jetzt gerade auch mal die Nachbarn schnacken, die sonst aber eher ausser Haus sind.

Beine hoch in Zipolite - Blick aus meiner Hängematte

Und so verbringen wir die Tage sehr in Ruhe und geniessen das kleine Paradies hier, dass ich zuletzt vor einem Monat mit Norman und Sally besucht hatte.

Ich selbst mache nicht viem, liege am Strand, mach Einkaeufe oder verschlinge ein Buch nach dem naechsten und nach Isabel Allendes „Zorro“, der mich in den letzten Tagen um so mehr in seinen Bann gezogen hatte, da er zum Grossteil in Mexico spielt, werde ich mit Carlos Ruiz Zafon nach Barcelona zurueckkehren, durch dass ich mich auch schon it dem jungen Zorro bewegt hatte und nun mir „Das Spiel des Engels“ zu Gemuete fuehren. Ich bin froh, dass ich mir die beiden dicken Buecher mitgenommen hab, denn einen angenehmeren Ort, als die Haengematte, die mir den Blick aufs Meer und die Felsen freigibt, gibt es kaum.

La Ventanilla - Bucht in der Nähe von Zipolite

Beschauliche Ostern also und in diesem Sinne noch an alle, die dies hier lesen, ein angenehmes Osterfest aus meinem kleinen mexikanischen Paradies.

An’s Meer

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 11. März 2009 by Jakob

Wie ja schon im letzten Artikel ins kalte Deutschland angedroht, bin ich tatsächlich am Donnerstag in den Nachtbus gesprungen. Über eine elend lange Fahrt, auf der mir die brutal zufallende Busklotür auch noch den kleinen Finger einklemmte (Ihr wollt gar nicht an den Pazifik, ist alles nur Leiden, Schmerzen und Autsch!), kam ich endlich am Freitag gegen Mittag in Pochutla an, wo bereits meine zwei deutschen Reisenden, Norman und Sally, mit einem Schild in der Hand mit meinem Namen darauf auf mich warteten.

Sicht aufs Meer - von unserer Hütte ausWir sprangen geschwind auf den nächsten Pick Up und ließen uns durch die Mittagshitze die letzten 20 Kilometer hinunter nach Zipolite an den Pazifik bringen. Zielgerichtet, weil ja schon mal dagewesen, steuerte ich das Lo Cosmico an, ein malerisches Hostel mit kleinen Palmenhütten zu unvernünftig günstigen Preisen. Wir checkten ein, nahmen ein Hüttchen mit Meerblick und ca. 30 m bis zum Strand und wechselten sofort auf Kurz. Ich hatte nicht mit einer so langen Fahrt gerechnet und somit war ich obendrein hungrig. Wir einigten uns auf ein kurzen Sprung in den 26 Grad kühlen Pazifik, plantschten in den eher ungewöhnlich ruhigen Wellen und Sally bekam eine Antwort auf ihre Frage, die sie am Abend zuvor eher retorisch an Normi stellte: Kommt der Jagger nur jetzt für ein Badewochende an den Pazifik? Jepp – nur für ein Badewochenende – aber in paradiesischer Umgebung! Es war nun keine Frage mehr. Nachdem wir ausgiebig das Wasser getestet und festgestellt, dass es doch gar nicht so frisch war, suchten wir nach einem Restaurant, um den Hunger zu bekämpfen. Wir wurden nach einem „Stadtrundgang“ durch das Straßendorf (100m Länge) Zipolite recht schnell fündig und setzten uns in den Freisitz einer wirklich guten Pizzeria – der 7 de Diciembre. Hier verspeisten wir die leckersten Pizzen Mexicos, die obendrein auch noch von einem Mexikaner gebacken wurden und genossen den Abend. Die milde Luft. Und das Gefühl, keine Termine und nichts weiter zu tun zu haben. Mit ein paar (in meinen Augen zu wenigen) Mojitos verabschiedeten wir den Tag in einer Strandbar und schlichen uns in unsere Palmenhütte. Den Rückweg hatten wir über den Strand zurückgelegt.

Am Samstag klingelte kein Wecker, trotzdem blieben wir nicht ewig in den Federn. Gestärkt mit einem Frühstück gingen wir die paar Meter zum Strand und genossen das Plantschen in den Wellen.

Blick auf den paradiesischen Strand von MazunteSpaeter wollten wir herausfinden, wie es denn mit einer Waal- Beobachtungs-Tour ausschaut und machten uns auf den Weg in das uebernaechste Stranddoerfchen Mazunte. Dort hatte ich mit Enora im Dezember eine ziemlich gute Tour gebucht und auch eine Menge Wale, Delphine, Schildkroeten und Flugrochen gesehen.

Also steuerten wir den Strand in Mazunte an, sprangen ins Wasser, wieder raus und liefen in das RLa Ventanillaestaurant von Carmelo, bei dem ich das letzte Mal die Tour gebucht hatte. Er zeigte sich erfreut, dass ich mit neuen Leuten kam, wir machten die Tour fuer Sonntag Morgen um 8 Uhr klar und zogen an den naechsten Nachbarstrand, La Ventanilla. La Ventanilla, was nichts anderes heisst, als das Fensterchen, verdankt ihren Namen einer Felsformation, die auf der linken Seite des Strandes an den Felsen aus dem Wasser ragt, und einem Fensterchen aus Felsgestein dominiert wird.

Mangroven hinter dem Strand von La VentanillaUnser Ziel hier: Eine Bootstour durch die hinter dem Strand liegenden Mangroven-Suempfe. Wir fanden recht schnell jemanden, der uns eine solche Tour anbot, wir legten die Schwimmwesten an (die wohl mehr als Beissschutz vor den Krokodilen dienen, als uns beim Schwimmen unterstuetzen sollten) und stiegen in ein langes Boetchen. Mit uns an Bord war eine mexikanische Familie und die zwei Bootsjungs, die uns durch das Gebiet ruderten. Kaum hundert Meter unterwegs, entdeckten die beiden Chicos auch schon das erste Krokodil, dass seinen kaltbluetigen Koerper in der warmen Nachmittagssonne am Ufer an den Baeumen auf Temperaturen brachte. Nachdem es sich vom Schlagen eines Fliflops auf die Wasseroberflaeche voellig unbeeindruckt zeigte, zog einer der Jungs ein blutiges Stueck Fischfleisch durch das Wasser. Wir waren ungefaehr 10 Meter entfernt – und das wirkt. Das Krokodil liess sich ruhig rueckwaerts ins Wasser gleiten und steuerte auf unser Boot zu. „Keine Haende ins Wasser!“, lautete der Befehl unserer Jungen und das Kroko schwamm dicht an uns heran, stiess mit dem Kopf an unser Boot und beobachtete uns aus den Mr. Kroko zeigt Zähne - Photo: Norman DöhlertAugen, die neben einem wirklich furchteregenden Maul mit scharfen Zaehnen aus dem Wasser illerten. Die Laenge des gefraesigem Monstrums wurde uns eindrucksvoll klar, denn ungefaehr ein Meter hinter dem Kopf ragte ein zackiger Rückenkamm aus dem Wasser, der sich bis zum Schwanz ausdehnte. Rund 3 Meter war das Reptil lang – ein kleines Krokodil, stellte einer unserer (erfahrenen oder schlicht leichtsinnigen) Bootsjungen fest. Er warf nun dem Krokodil ein/zwei Fichfilets aufs Maul, und das Monster schnappt blitzschnell zu, gewährte uns einen kurzen Blick in seinen tiefen Rachen und auf die weiteren Messerscharfen Zähne und schlang die nicht wirklich kleinen Fischstücke herunter.

Ich hatte mich inzwischen von meinem Platz im Boot erhoben – die Bootswand trennte mich keinen halben Meter von diesem respekteinflößendem Tier und mit einem schnellen Schnapper hätte ich wahrscheinlich mindestens einen Arm weniger gehabt. Wenn es gut gekommen wäre. Ich stand also im Boot, und beobachtete die Fütterungszeremonie aus dem Stand. Weil mich das erste Schnappen nach dem Fisch doch ordentlich beeindruckt hatte, hatte ich ganz vergessen, auch auf den Auslöser der Kamera in meiner Hand zu drücken. Es lief mir anderes durch den Kopf.

Palmen und ein Vogel - in der Nähe von La VentanillaAls wolle er uns zeigen, wie ungefährlich diese wirklich niedlichen Tierchen seien, nahm der Jüngere der beiden Bootsjungen sein Ruder und drückte das Tier mit dem Ruder auf die Schnauze und eben jene samt Krokodilskopf unter Wasser. Ich bin mir sicher, dass das nur gut ging, weil Mr. Kroko einen verdammt guten Tag hatte. Ich an seiner Stelle hätte mir das Früchtchen von Bootsjungen geschnappt und ihm eine Lektion erteilt, dass er kuenftig den ordnungsgemäßen Abstand hält – sollte er nocheinmal dazu kommen, ein Ruder in den Arm zu nehmen.

Nachdem wir also unsere etwas zu nahe Krokodilbegegnung ohne Verluste hinter uns gebracht hatten, ruderten uns die zwei Jungs weiter in die Mangroven hinein. Mr. Kroko hatte inzwischen Gefallen an uns gefunden und schwamm unserem Boot seelenruhig hinterher – wahrscheinlich in der Hoffnung, dass noch jemand auf die Idee käme und sich im Wasser erfrischen wolle.

Wir nahmen einen Wasserweg, der durch die Mangroven immer enger Rote Mangroven - färben das Wasser schwarzwurde und sahen große, weiße Vögel an uns vorbeiziehen. Das Wasser war schwarz – gefärbt von den Wurzeln der roten Mangroven, die von den Ästen in das Wasser hängen und dort ihre Flüssigkeit an das Wasser abgeben. Wir machten hinter einem Termitennest halt und die Jungs meinten, wir könnten hier ein wenig auf den roten Mangroven herumklettern. Sally und ich ließen sich nicht lange bitten und zack waren wir raus aus dem Boot und standen auf den zerbrechlich wirkenden, aber ultraharten Wurzeln der Mangroven.

Später ließen wir uns weiter durch die Mangrovensümpfe rudern, sahen eine Süßwasserschildkröte, die sich den Panzer in der Sonne wärmte und zogen, mit Kroko im Schlepptau zurück zur Einstiegsstelle.

Mr. Kroko war ein wenig langsamer, als unsere Ruderjungs und so konnten wir uns sicher wieder an Land begeben. Wir schlenderten über den Strand Jakob, Sally und Normi auf Tour durch die Mangrovenschließlich wieder zurück und am Ausgang des Strandes hielt uns nocheinmal einer der Männer, die die Mangroventouren anbieten, an. Er hielt einen Magneten in der Hand und fragte uns, ob wir wüssten, warum der Strand hier so schwarz sei?! Wir verneinten und er ließ seinen Magneten in den Sand fallen. Blitzschnell sog der Magnet all die schwarzen Sandteilchen auf sich, sah nun aus, wie ein Stachelschwein und der Mann meinte: „Alles Metall.“ Fasziniert säuberten wir den Magneten und versuchten es selbst, und schau an – auch bei uns funktionierte es (Video guggen!). Wir zogen zurück nach Zipolite mit der Frage im Kopf: Warum machen die mit einem Mega-Magneten nicht einfach den Strand weiß?!

Punta Cometa - Am frühen Morgen vom Strand von Mazunte aus fotografiertAm Sonntag ging es früh raus. Wir steuerten zielstrebig unser Nachbardorf Mazunte an und begaben uns zum Treffpunkt mit Carmelo für die Waal-Tour. Die zwei weiteren Passagiere kamen nicht, also verscherbelte uns Carmelo an die Tour seiner Nachbarn und wir fuhren mit anderen Leuten aufs Meer. Zunächst ging es um Punta Cometa herum in Richtung Ventanilla und dort erblickten wir die ersten Schildkröten. Es waren bedeutend weniger, als bei meiner letzten Tour im Dezember. Danach steuerten wir das abgestürzte Flugzeugwrack am Strand von Ventanilla an, über das ich jetzt schon die dritte Story erfahren durfte (Einig sind sich alle, dass es 2005 Schildkröte im Pazifik vor La Escobillaabstürzte und wahrscheinlich zu Narcotrafikanten gehörte.). Danach begaben wir uns auf die Suche nach Walhaien, die sich ein wenig rar machten. Schließlich entdeckten wir zwei auf der gesamten Tour, sahen sie mehr aus der Ferne, und wenn mir mit tösendem Motoremlärm auf die Stellen zu fuhren, an denen sie gerade aufgetaucht waren, waren sie auch schon wieder weg. Ich hätte da als Waal auch kein Bock dauf!

Obligatorisch sprang noch einer unserer GuidesVogel entspannt auf dem Panzer einer Schildkröte ins Wasser, schnappte sich eine Schildkröte und ließ uns mit dem recht hilflosem Panzertier posieren. Ich sparte mir das Posieren, nutzte den Aufenthalt im Wasser, mich von der brennenden Hitze auf dem Boot zu erfrischen und mit einem Schnorchelögang in eher trüben Gewässern beendeten wir die Tour. Normi und Sally hatte es trotzdem gefallen und ich war froh, dass das so war.

Am Nachmittag liehen wir uns noch in San Augustinillo ein paar Boogie-Boards aus und versuchten eine Stunde lang, die Wellen herunterzureiten – was zuweilen auch mit mörderischem Spaß gelang.

Der Abend war für den Sonnenuntergang in Punta Cometa reserviert, der südlichste Punkt der Küste von Oaxaca. Wir genossen bei einem mitgebrachten Bierchen, wie die Sonne erst als roter Feuerball das Meer berüherte und dann recht schnell in den Fluten am Horizont verschwand.

Aufgeschreckte Vögel verlassen ihren "Kack"-Felsen der durch sie blendend weiß geworden istAm Montag frühstückten wir ein letztes Mal in einem Restaurant am Strand und machten uns auf den Rückweg. Um 12 Uhr stiegen wir in einen Van in Pochutla und ließen uns über die kurvenreiche Gebirgsstrecke sechs Stunden lang zurück nach Oaxaca Stadt fahren. Dort angekommen, suchten wir ein Hotel für Norman und Sally, fanden recht schnell ein preiswert und zentral Gelegenes und genossen das abendliche Treiben, Musik und Tanz auf dem Zócalo, während wir zu Abend aßen.

Ich machte mich kurz darauf in einem Taxi auf zum Busbahnhof, sprang in meinen Direktbus nach Puebla und kam schließlich gegen ein Uhr morgens wieder in Puebla an. Norman und Sally hatte ich in Oaxaca zurückgelassen, sie wollten sich gestern noch Monte Albán anschauen und Oaxaca noch ein wenig genießen, was sich ja auch in jedem Falle lohnt.

Gestern ging ich dann mal wieder in die Uni und freute mich, dass ich, dank Frühling am Pazifik - so schaut das aus, wenn alles zu blühen anfängtmeiner wirklich vorausschauenden Stundenplanung, für meinen Kurzurlaub keinen Tag blau machen musste. Heute schob ich mich dann morgens vergebens in die Uni. Erst war der Prof, der mir außergewöhnlicherweise in einer nächtlichen Mail (Privileg eines deutschen Austauschstudentens) noch zugesichert hatte, dass er sein Seminar geben würde, nicht zum Seminar erschienen, und dann ließen mich auch noch meine mexikanischen Studienkollegen sitzen, mit denen ich eigentlich an einer Gruppenarbeit feilen wollte. Egal, somit hatte ich Zeit, diesen Artikel zu schreiben und jetzt noch gleich ein Mittagsschläfchen zu halten, bevor Normi und Sally in Puebla am Abend wieder einreiten.

PS: Wer meine Bilder und Videos mag, kann mich gern mit einer kleinen Spende beim Kauf einer neuen Kamera unterstützen. Meiner Kamera hat das feuchte mexikanische Klima einen Linsenpilz (ja, gibts wirklich) versorgt, der nun für häßliche Flecken in den Photos sorgt und nicht zu bereinigen ist, weil er auf den Innenlinsen sitzt und sich stetig ausbreitet. Also muss ich mich nach einer neuen Knipse umschauen. Und das bei meinem schmalem Austauschstudentenbudget…

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