Archiv für popocatepetl

WG-Revival, Pizzas und unglaublich klare Sicht

Posted in Bienvenidos!, Festejando!, mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 10. Februar 2010 by Jakob

Witzigerweise habe ich am Samstag Morgen nur ganz kurz meinen Jetlag bemerkt: Ich wachte pünktlich um 7 Uhr morgens auf und hätte sofort in den Tag starten können. Allerdings entschied ich mich dazu, ein bißchen zu lesen, was mich nach einer Stunde wieder ausreichend müde machte, um mich wieder umzudrehen und mich an die mexikanische Uhr zu gewöhnen.

Am späten Vormittag gings dann also doch aus dem Bett und Enora und ich machten uns auf den Weg zum TAPO, einem der großen Busterminal in D.F. Dort „frühstückten“ wir noch schnell im Taco Inn und schnappten uns den nächsten Bus nach Puebla. Der Verkehr raus aus D.F. war mal wieder unglaublich dick. Und dann kam es noch besser: Die Autobahn zwischen D.F. und Puebla ist dicht – sie ist auch von den heftigen Überschwemmungen der letzten Tage betroffen und wird wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder aufgemacht. Wir fuhren also einen großen Umweg und brauchten so für die Strecke gut die doppelte Zeit. Das wunderbare: Die Luft ist in dieser Jahreszeit so klar, dass die Sicht auf die Berge rund um das Valle de México unglaublich beeindruckend ist. Wir genossen atemberaubende Blicke auf die beiden 5000er Ixta und Popo, die sich in der Abendsonne und schneebedeckt stolz präsentierten.

Wir fuhren erst am frühen Abend in Puebla ein und schnappten uns ein Taxi, daß uns direkt vor Agos Wohung im Zentrum absetzte. Und irgendwie fühlte sich das alles an, als wär ich erst gestern aus Puebla weg. Alle Straßen so vertraut, der Taxipreis noch im Kopf und irgendwie hat sich kaum etwas verändert, so dass man meinen könnte, man war doch nur kurz im Urlaub und kommt gerade wieder.

In der Wohnung erwarteten uns bereits Agostina, Luciana und Mónica. Wobei Mónica und Lula uns schon im Eingang abpassten und die Freude war riesig. Unglaublich! Wir alle nach einem guten Jahr wieder zurück und vereint in Puebla. Großartig. Enora und ich sprangen schnell zum OXXO, dem altbekannten 24/7-Laden mexikanischer Herkunft, und besorgten leckeren José Cuervo, zwei Six und Limetten beim Elote-Verkäufer (Maiskolben) im Hauseingang. Paulina stieß inzwischen auch zu uns und so war die alte WG aus 2008 auch schon fast vollständig. Néstor hatte aus irgendwelchen Gründen ab- bzw. nie so richtig zugesagt (man(oder besser frau) munkelte, er stehe jetzt unter gewissen Pantoffeln)  und Vivi blieb verhindert, weil sie mit ihrem Baby ein bißchen weniger flexibel geworden ist. Wir tranken also Chelas und Tequila, spaßten, erzählten lachten viel und später holten uns Freunde von Pau mit dem PickUp ab – auf in eine Bar. Dort machten wir das weiter, was wir schon den ganzen Abend getan hatten. Spät fuhren uns die beiden Jungs wieder in Agos‘ Wohnung, wir sprangen von der Ladefläche und fielen in die Betten.

Am Sonntag gönnten wir uns dann erstmal ein klassisch mexikanisches Frühstück in der brennenden Sonne des Zócalos. Huevos a la mexicana – Rührei also mit verschiedenen Chillisorten, schön pikant und verpackt in Tortillas, begleitet vom üblichen Bohnenbrei.

Danach sprangen wir in einen Colectivo und rumpelten über die Straßen Pueblas stadtauswärts nach Tonantzintla. Tonantzintla ist bekannt für seine reich dekorierte Kirche, die allerdings nicht dem üblichen katholischen Verzierungsregeln gehorcht, sondern komplett nach indianischer Tradition gestaltet wurde. Und so sind die Gewölbe mit tausenden indianischen Figuren, Gesichtern, Chilis, Kaffee, Heiligen und anderen Bildern verziert, bunt angemalt und wunderschön zu betrachten. Ein Kirche, in der auch dann nicht langweilig wird, wenn die Predigt mal wieder zu lang ausfällt.

Nach diesem kurzen Stop wanderten wir quer über Felder auf einen kleinen Hügel, wo das Haus von Mónicas Freund steht – wir wurden dort zum Pizzabacken erwartet. Schon auf dem Weg zum Hügel bot sich uns wieder ein majestätischer Blick – rundrum schneebedeckt Popocatépetl, Ixtaccíhuatl, der Citlaltépetl (auch Pico de Orizaba – Mexicos höchste Spitze mit 5747m) und mein persönlicher Hausberg La Malinche.

Bei Toño angekommen war der Steinofen bereits angefeuert, die Beläge geschnipselt und die ersten Pizzaböden wurden dem Ofen bereits wieder entzogen – bereit dafür belegt zu werden. Wir machten uns also alle an die Arbeit, belgten die Pizzen nach Herzenslust, eine nach der anderen wanderte in den Ofen und kam nach 3 Minuten knusprig wieder heraus. Bestimmt zehn Pizzen schoben wir durch den Ofen und am Ende schafften wir gut zwei Drittel. In der Nachmittagssonne machten Lula, Móni, Enora, Negro (Mónis Hund) und ich einen kleinen Verdauungsspaziergang über den Hügel und genossen die wunderbare Aussicht.

Am Abend wollte Toño uns dann mit seinem alten VW-Bus wieder nach Puebla bringen. Allerdings machte der gute alte Bulli nach wenigen Kilometern die Hufe hoch, so daß wir schlussendlich doch mit dem Colectivo zurück zum Busbahnhof und später nach DF weiterreisen mussten. Auch die Rückfahrt dauerte wieder 4 Stunden und so kamen Enora und ich erst spät wieder in D.F. an – den ersten Sonnenbrand im Gepäck.

Montag und Dienstag hab ich eher ruhig verbracht, gestern bin ich mal wieder ins Zentrum, hab nachgeschaut, ob der Zócalo, die Kathedrale und der Präsidentenpalast, Bellas Artes und der Torre Latino noch steht – und ja – es steht noch. Und es fühlt sich wirklich an, als wär man zu Haus. Die komplette Orientierung ist da, das Metrosystem vertraut (wenn auch jetzt einen Peso teurer, also 3 Peso pro Untergrund-aufenthalt) und die Freunde wohnen um die Ecke. Hatt‘ ich ganz vergessen: Bernhard und Paola, welche mich ja zu Anfang meines Mexiko-Aufenthaltes 2008 und zum Ende vergangenes Jahr sehr lange beherbergt hatten, wohnen von uns hier nur zwei Straßen entfernt, so dass wir vorgestern Abend mit Ihnen Essen waren und danach noch bei ihnen auf ein Weinchen vorbeischauten. Ist schon wunderbar und ich genieße es sehr, wieder hier zu sein.

So. Jetzt aber Kaffee und Frühstück, der Magen knurrt.

Nordmexico-Trip 2 – Creel-Chihuahua-Puebla

Posted in mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 4. März 2009 by Jakob

Am Montag Morgen ging es wieder früh raus. Wir hatten am Abend noch eine Tour durch die Landschaft rund um Creel gebucht, und nach dem Frühstück trafen wir den Mittfünfziger Luis-Enrique, der uns mit seinem grünen Ford-Jeep das Land zeigen wollte.

Auf dem Plan standen zunächst die verschiedenen Täler in der Nähe von Creel, die vor allem durch bizarre Felsformationen bekannt sind: Valle de los Hongos (Tal der Pilze), Valle de las Ranas (Tal der Frösche) und das Valle de los Monjes (Tal der Mönche).

Wir fuhren aus Creel heraus und fuhren in das Gebiet des Ejido San Ignacio ein, ein Territorium, dass einer Comunidad von Tarahumara-Indianern zur gemeinsamen Bewirtschaftung überlassen wurde. Zunächst fuhren wir zur Cueva Sebastián, einer Grotte, in der bis vor wenigen Jahren der Heiler und Schamane Sebastián wohnte und lebte, und der ein erhebliches Ansehen bei den Indianern in der Gegend genoß. Die Grotte diente ihm zugleich als Lebens und Arbeitsraum und heute wohnt dort seine Wittwe, die Körbe und andere Sachen flechtet, oder Tortilla-Wärmer bestickt. Mit ihr wohnen in der Grotte ihre Hühner und andere Tiere und alles wirkt sehr rustikal und naturverbunden.

Nachdem wir uns in der Cueva Sebastián umgeschaut hatten und einen Tortilla-Wärmer erstanden hatten, setzten wir uns wieder in den großen, grünen, und alten Ford-Jeep und rumpelten über die Staubpiste weiter hinein in das Gebiet des Ejido. Unweit von der Cueva entfernt, vielleicht zwei, drei Kilometer weiter bogen wir rechts von der Holperpiste ab und parkten den Wagen vor den ersten bemerkenswerten Steinformationen. Große Steinplatten waren wie Pilzköpfe auf längliche Felsformationen gelegt, die in die Höhe ragten. Wir kamen uns vor, wie Zwerge in einem Pilzwald der Riesen. Die Pilzköpfe überragten uns teilweise leicht um 1 bis 2 Meter – und wir? Wir staunten und schossen Fotos. Irgendwann vor langer Zeit mussten die Steine bei einem Erdbeben von ihren ursprünglichen Plätzen gelöst worden, ins Rollen gekommen und schließlich als „Stein“-pilze verharrt sein. Beeindruckend und dies war erst der Anfang.

Nach ausgiebigem Füllen der Digi-Speicherkarten, rumpelten wir nur wenig weiter ins Tal der Frösche, oder das Valle de las Ranas. Schon von Weitem zeigte sich eine Felsformation, die aussah, wie der Froschkönig, ungefähr 3 Meter groß und vor ihm hockten seine Untergebenen, wie bei einer versteinerten Froschversammlung. Wer weiß, was hier einstmals geschehen war, und vielleicht waren sie ja wirklich bei einer ihrer Sitzungen versteinert. Aus der Nähe sahen die Gebilde wieder mehr wie von-irgendwo-her-gekullerte Felsbrocken aus – aber gerade aus der Ferne ergab sich das Bild der Froschversammlung.

Wir sprangen wieder in den Wagen, und Luis-Enrique umschiffte mit unserem Jeep gekonnt Riesen-Löcher. Er hatte diese Holperstrecke im Blut, wußte, wo er den Wagen trotz wiedriger Strassenverhältnisse auf 70 Stundenkilometer beschleunigen konnte, und wo er ihn wieder verlangsamen musste, um langsam sich über einen Felsbrocken zu schieben. Es schien ihm Spaß zu machen, uns durch diese Gegend zu manövrieren – bestimmt kein alter Mann, der Gewackel im Auto nicht ausstehen kann.

Die nächste Schotterpiste bogen wir ein, ließen den Ejido Ignacio hinter uns und zahlten bei einer einsamen Indianerin an einem Feldrand den Eintritt in den nächsten, in ihren, Ejido. Jener Ejido, der wohl über das Spektakulärste der verschiedenen Täler verfügt – das Tal der Mönche.

Schon von Weitem sahen wir Felsnadeln in die Höhe ragen und als wir endlich nahe gekommen waren, erstreckte sich vor uns das gesamte Panorama dieser bizarren Felsformationen – dem Tal der Mönche, oder vielleicht doch treffender: dem Tal der Penisse. Bis zu 30 Meter ragten die Kalk-Vulkangestein-Säulen (irgendwie sowas, erklärte mir Luis-Enrique, der bestimmt kein Geologe ist, war und jemals noch sein wird) in die Höhe und wir bahnten uns unseren Weg durch die versteinerten Riesen. Die Landschaft war nach wie vor karg, ein paar Nadelbäume, die sich über die Trockenheit ihr becheidenes Grün behielten, Büsche und Gräser. Wir schlenderten durch die Felsen, wußten nicht mehr, was wir schon fotografiert hatten, und was noch nicht und erklommen schlußendlich eine der Nadeln, die von hinten leicht zu besteigen war.

Trotz aller Begeisterung ging es Enora leider nicht so gut, wie uns restlichen Dreien. Sie war mit Rücken- und Gelenkschmerzen aus den Federn gekrochen und hatte mit sich zu kämpfen. Als wir schließlich an den Lago Arareko kamen, entschied sie sich, den Trip abzubrechen und wir brachten sie zurück ins Hotel. Allerdings jedoch nicht, ohne vorher noch eine Runde mit den Federalen (Policía Federal) Bekanntschaft zu schließen.

Lago ArarekoDer Lago Arareko liegt zurückgezogen und wenige Kilometer von der Straße entfernt, und als wir gerade mit unserem Jeep uns den Weg über Wurzeln und anderes Gehölz heraus aus dem Waldstück bahnten, verstellte uns ein moderner Dodge-Pickup der Policía Federal den Weg. Hinten drauf, wie immer, die mexikanischen Rambos. Schwarz gekleidete Polizisten, die Skimasken über das Gesicht gezogen, und die viel zu großen Waffen im Anschlag. Drei, vier von ihnen sprangen von ihrer Ladefläche und bedeuteten Luis-Enrique auszusteigen. Ich hatte den Beifahrerplatz, und mir wurde ein wenig mulmig. Wissend, dass mexikanische Polizisten und Sicherheitsgefühl bei mir keine Begriffspaare sind, die ich automatisch zusammen verwenden würde, dachte ich mir: Oh Mann, dass die die Situation hier in der Einsamkeit mal jetzt nicht ausnutzen. Drei der schwerbewaffneten umstriffen das Auto, als wären wir Drogenkuriere, schauten hinein, wünschten uns buenas tardes, fragten uns, ob alles okay sei, und ein anderer durchwühlte die wenigen Sachen im Kofferraum. Luis-Enrique sprach währendessen mit einem unmaskierten Polizistn, zeigte seine Guide-Papiere und nach ein-zwei Minuten war der Spuk vorbei. Die Polizisten ließen uns weiterziehen – und ich fragte Luis-Enrique nach dem „Weshalb?“. Er erklärte knapp, dass gerade im Norden Mexikos solche Kontrollen normal wären, weil die Drogenmafia über sämtliche Wege versuche, Rauschgift in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Dass die Mafia aber bestimmt keine Pause am Lago Arareko macht und sich auf dem Weg in diesem einsamen Gebiet aufhält und schmutziges Geld wäscht oder Drogen verlädt, darüber waren wir uns auch beide schnell einig. Reine Schikane also. Macht zeigen, Stärke demonstrieren, Angst verbreiten. Offenbar ein zum Grundsatz erhobenes Prinzip der mexikanischen Polizei.

Auf dem Weg zum Hotel befragte ich Luis-Enrique noch zum Vetrauen der Menschen, das sie in die Polizei haben. Anfangs zögerlich, und dann doch nach einigem Nachhaken etwas offener, erklärte er mir folgende Rangfolge: Mit den Federalen hat man besser keine Probleme. Sie kontrollieren die Strassen und spielen die Rambos. Nicht selten willkürlich. Die Policía Estatal (also die Landespolizei des jeweiligen Staates) mache ihre Arbeit ganz gut. Wenngleich auch sie käuflich seien, sei es doch allemal einfacher, mit ihnen zu Verhandeln. Und die Policía Municipal? Faulenzer! Von denen ginge weder Gefahr aus, noch täten sie viel für die Sicherheit. Faulenzen, quatschen, und ein wenig Sherrif spielen – vor allem Letzteres im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten.

Am Hotel ließen wir Enora zurück. Ich sprang noch schnell in die Farmacía und besorgte ihr etwas gegen ihre Gliederschmerzen, machte ihr die Heizung an und setzte mich mit Norman und Sally wieder in den grünen Jeep, der uns bereits erwartete.

Eigentlich wollten wir uns am Nachmittag einen Wasserfall in der Region anschauen, aber mit Luis-Enrique wurden wir uns schnell über eine Planänderung einig. Wir fuhren in die entegegengesetzte Richtung an die weiten und schroffen Ausläufer des Kupfer-Canyons, um uns allmählich – Aussichtspunkt für Aussichtspunkt, der Hauptschlucht mit dem Rio Urique am Fuße der Felsen zu nähern.

Ausläufer der Kupferschlucht - 1000 m unter uns der Rio OteroLuis-Enrique steuerte zunächst nach ein paar Kilometern den Wagen über eine staubige Landepiste zu einem ersten Aussichtspunkt, von dem aus wir ein erstes Panorama einer der Schluchtausläufer genießen konnten. Der Rio Otero hatte dieses Tal über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben, und in der Regenzeit könnte man auf ihm mit einem Kanu bis zum Pazifik fahren, erklärte uns Luis-Enrique. Oder besser: Mir. Und ich erklärte es dann Norman und Sally. Ich war zum Übersetzer unserer Tour geworden und Luis-Enrique, der anfangs sehr ruhig und zurückhaltend erschien, taute langsam auf.

Später fuhren wir zum Divisadero, dem Aussichtspunkt, an dem wir schon wenige Minuten mit dem Zug gehalten hatten, und genossen erneut das Piedra volada 2000m über dem Rio Uriqueunbeschreiblich weite Panorama der Barranca del Cobre, oder der Barranca del Urique, wie die Tarahumara seit jeher die Schlucht nennen. Wir verzehrten ein paar Quesadillas am Bahnhof, der, ohne einen Zug, bedeutend weniger geschäftig wirkte, und fuhren die weiteren Aussichtspunkte ab. Durch Nadelwaldgebiet und häufig über Wurzeln und holprige Waldwege chauffierte uns Luis-Enrique an die spektakulärsten Punkte, bis zur Piedra Volada – dem fliegenden Stein. Ob Luis-Enrique auf der Piedra volada - kippelndwir etwas wirklich kribbelndes sehen wollten, fragte Luis-Enrique, und kaum bejahte ich, sprang erschon durch die Büsche los in Richtung der Piedra Volada, die ungefähr einen Meter über dem 2000m-tiefem Abgrund schwebt. Auf dem Felsvorsprung liegt ein weiterer Felsbrocken und Luis-Enrique erklomm den Stein, stellte sich breitbeinig mit dem Rücken zur Schlucht darauf und belastete seine Beine abwechselnd, bis der Stein ins Kippeln geriet. Qué loco!

Danach kam er wieder zu uns, und forderte uns auf, es ihm gleich zu tun. Als Einziger traute ich mich auf den Felsen, aber zum Kippeln fehlte auch mir der Mut, flößte die mir die unter mir liegende Tiefe doch gehörig Respekt ein.

Das Ende unseres Trips bildete eine Rundfahrt durch die anliegenden Ortschaften und unser Guide zeigte uns die besten und einladensten Hotels, die teils mit einer spektakulären Aussicht an den Schluchtrand gebaut worden waren.

Auf dem Heimweg hatte es Luis-Enrique dann eilig. Das Gaspedal drückte er auf der neuen, asphaltierten Strasse durch sobald er konnte und unterschätzte doch hier und da den Neigungswinkel einiger Kurven, was uns gehörig in die Seiten oder wahlweise, bei schroffen Bremsmanövern, in den Gurt presste.

Als die Sonne unterging kamen wir wieder in Creel an. Voller Eindrücke und völlig beeindruckt. Schade, dass Enora den zweiten Teil unserer Tour nicht hatte mitmachen können, aber ihr war es im Bett besser ergangen, als es ihr beim bleifüßigem Fahrstil Luis-Enriques auf dem Rücksitz ergangen wäre.

Am nächsten Morgen packten wir unsere kleinen Rucksäcke zusammen, schauten uns ein eher unspektakuläres Regionalmuseum zur Geschichte an und sprangen in den Bus nach Chihuahua. Den Zug wollten wir nicht nehmen, weil der erst spät Creel passieren würde, und uns erst nach Mitternacht in Chihuahua auspucken würde.

Die karge Landschaft Chihuahuas - wie aus einem WesternDie Busfahrt führte uns heraus aus den felsig-trockenen Bergen der Sierra Madre Occidental und nach einigen Stunden gab es nur noch die Strasse, die die Steppe links und rechts in zwei teilte. Am Himmel verirrten sich vereinzelt ein paar Cirrus-Wölkchen, die dem Land mit dem tiefblauem Himmel darüber, erst seine ganze tiefe verliehen. Es fehlte nur der Strohballen, der vom Wind durch die Strasse gerollt wird, damit wir auch den Rest des kompletten Western-Feelings gehabt hätten.

Gegen vier rollten wir in Chihuahua ein, und wir verließen den Bus nah am Zentrum. Hinter der Bushaltestelle sah es aus, als hätte man gerade ein gesamtes Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Schutt und Staub, keine Gebäude und hinter der nächsten Häuserzeile, die fast einsam da stand, erblickten wir die Kathedrale. Wir dirigierten uns in ihre Richtung und hofften in der Nähe ein Hotel zu finden. Doch die Hotelsuche sollte schwerer werden, als geglaubt.

Eingeschlagene Fenster, Leerstand - Gebäude am Zócalo ChihuahuasDer Lonley Planet hatte uns bereits verraten, dass Preis und Leistung in Chihuahua zuweilen weit auseinander gehen könnten, und das es kaum günstige Herbergen gäbe. Nachdem wir stundenlang durch die Stadt geirrt waren, schon das Zimmer eines Hotels nahezu gebucht, betreten und dann doch wieder verlassen hatten, checkten wir in das von außen sehr schäbige Bal-Flo ein. Innen war es dann gar nicht so schlimm – der Preis allemal überhöht für das Gebotene, aber immernoch die günstigstes Option in der Stadt, in der man zwei Tage zuvor ein Anschlag auf den Gouverneur verübt hatte, und die mir seit unserer Ankunft ausgestorben, leer und tot erschien.

Idyllischer als die Realität - die Fußgängerzone in der InnenstadtWir drehten am Abend eine Runde über den Zócalo, der interessanter Weise im Norden auch Plaza de Armas (wie in vielen lateinamerikanischen Ländern) genannt wird, besuchten die Kathedrale und schossen in der Fußgängerzone einige Bilder, die eine Realität wiedergaben, die wir nicht vorfanden. Bilder wirken häufig doch idyllischer, als die Realität.

Am Mittwoch klingelte dann mal wieder der Wecker zu unchristlicher Zeit und wir bestellten uns ein Taxi zum Flughafen. Erst jetzt teilten Norman und ich unsere nächtlichen Beobachtungen insektiösem Lebens im Bad mit, was den Mädels doch recht gelegen kam, dass wir bisher damit hinter dem Berg gehalten hatten.

Der Flugplatz lag rund 20 Kilometer außerhalb der Stadt, der Taxifahrer war ein freundlicher, älterer Herr, der zunächst glaubte, wir seien Amerikaner, weil wir uns zu Viert auf Englisch unterhielten.

Unser kleiner Volaris-Airbus kommt in Chihuahua anPünktlich drehte unser kleiner Airbus aus Toluca kommend herein, und wir entschwebten ebenso pünktlich der kargen Wüstenlandschaft Nordmexikos. Noch aus der Luft war die trockene Weite gut zu  sehen – sind doch in der Trockenzeit kaum Wolken am Himmel. Und so schwebten wir bei klarstem Himmel wieder nach Süden, über den 4600m-hohen Nevado de Toluca in die gleichnamige Stadt ein, die 60 Kilometer nordwestlich von DF liegt.

Nur mit Handgepäck beladen steuerten wir den Ticket-Verkaufsstand von Caminante an und kruz darauf saßen wir in einem Shuttle nach Ciudad de México. Eine gute Stunde später verließen wir den Van an einem Centro Comercial, und ich hatte das Gefühl, dass in Mexiko Frühling geworden war. Viele der Bäume hatten lila Blüten und strahlten geradzu zwischen der teils grauen Tristesse alter Hochhäuser Mexico Citys. Und nach den wüstenhaften Eindrücken des Nordens erschien alles Grün noch tausendmal grüner.

Der Ixtazíhuatl zeigt sich in seiner vollen SchönheitNach einem Stopp über Katinkas Wohnung, wo Norman und Sally ihre großen Rucksäcke wieder an sich nahmen, fuhren wir zum Tapo, dem zentralem Busbahnhof Mexicos. Hier bestiegen wir den nächsten Bus in Richtung Puebla und fuhren in den von der Sonne in ein goldenes Licht getauchten, Abend hinein nach Haus. Erstmals bei dieser Fahrt, durften wir Popocatépetl und Ixtazíhuatl, die beiden Riesen, die man sowohl von Mexico, als auch von der anderen Seite von Puebla aus bewundern kann, in ihrer vollen Schönheit sehen – von den weiten begrünten Ausläufern bis hin zu ihren über 5000m-hohen Spitzen zeigten sie sich bei klarer Luft in ihrer vollen Pracht. Wunderschön. Und ein gelungenes Ende mit beeindruckenden Bildern vom Anfang bis zum Ende unseres Nord-Mexiko-Trips.

Donnerstag, Freitag und Samstag mit Normi und Sally in Puebla

Am Donnerstag sollte nun für Norman und Sally endlich der erste Tag kommen, an dem sie, seit ihrer Ankunft, einmal ohne Wecker aufstehen konnten. Und so frühstückten wir in aller Ruhe bei prasselnder Sonne auf dem Sonnendeck der Quinze und brachen am späten Vormittag zu einem Stadtrundgang auf. Ich zeigte ihnen die Kathedrale, die mit ihren (bescheidenen) 69m-hohen Türmen die Höchste Mexikos ist, später den vor grün strotzenden Zócalo und meine Uni, deren Hauptgebäude sich in einem ehemaligen Jesuitenkloster breit gemacht hat. Später zogen wir über den Handwerksmarkt El Parian und endeten schließlich auf der einzigen Fußgängerzone der Stadt, der 5 de Mayo. Am Nachmittag verspeisten wir ein paar Tacos und Normi und Sally erkundeten weiter die Stadt, shoppten nach Herzenslust Handwerkskunst, Töpferei-Artikel und Fußballtrikots, während ich mal wieder meiner Fakultät einen „Arbeits“besuch abstattet.

Ex-Convento de Tecali - Gemäuer, die ihre Besitzer und Erbauer längst überdauert habenFreitag sollten sich die beiden, laut Plan, eigentlich an den Golf nach Veracruz aufmachen, aber Pläne sind dazu da, verändert zu werden, und so blieben sie in Puebla und ich fuhr mit ihnen in den Süden der Stadt – hinaus aufs Land, zu den wunderschönen ehemaligen Franziskaner-Klöstern, deren Ruinen wir uns bei Kaiserwetter und idealen Photobedingungen zu Gemüte führten. Auch für mich sind diese alten Gemäuer nach dem dritten Mal noch immer wieder einen Besuch wert. Immernoch beeindruckend, die hohen, steinernen Mauern und Säulen, die über die Jahre allen klimatischen Bedingungen getrotzt haben.

Am Samstag dann erlebten wir einen kleinen poblanischen „Höhepunkt“. Bei unserem Kathedral-Besuch am Donnerstag war ich mit einer der Aufsichtsdamen ins Gespräch gekommen und hatte sie gefragt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, die Glockentürme zu besteigen. Offiziell wird dies nirgends angeboten und es existiert diese Möglichkeit auch nicht, aber sie zeigte sich bereit, am Samstag schließlich gegen eine kleine Spende (zur Erhaltung der Kathdrale selbstverständlich), uns auf einen der Glockentürme hinauf zu führen. Und so trafen wir uns um 9 Uhr morgens mit ihr in der Kathedrale und wir erklommen die höchsten Türme einer Kirche in Mexiko.

Popo, Ixta und die historische Altstadt Pueblas - Blick vom GlockenturmUnter uns der saftig-grüne Zócalo, die kolonialen Häuser der unter dem Schutz der UNESCO stehenden Altstadt und am Horizont La Malinche, Ixtazíhuatl und der sanft rauchende Popocatépetl. Ein wahrer Höhepunkt meines Puebla-Aufenthaltes und eine Turmbesteigung, die sich lohnte. Neben dem Hauptglockenwerk mit der 8,5 Tonnen schweren Hauptglocke, genossen wir das Panorama der Stadt mit ihren Vulkanen rund herum.

Nach einem Frühstück in der brennden Sonne am Zócalo trennte sich Enora von uns und ich wollte den beiden noch eine Töpferwerkstatt zeigen, in der man den kompletten Herstellungsprozess der traditionellen poblanischen Töpferkunst bewundern kann. Aber wer denken kann, ist klar im Vorteil, würde mein guter Freund Daniel J. sagen, und so mussten wir auf diesen Rundgang verzichten, weil Samstag nicht gearbeitet wird.

Norman posiert auf einem alten Chihuahua-Pacifico-WaggonWir ersetzten den Rundgang mit einem Rundgang über den Alten Bahnhof Pueblas, der inzwischen zum Eisenbahnmuseum umfunktioniert ist, und kletterten auf verrosteteten Lokomotiven und Waggongs herum, was uns auch viel Spaß machte. Am Abend verspeisten wir die Reste der am Vorabend gebackenen Pizza und Enora und ich setzten Norman und Sally in einen Micro zum Busbahnhof, wo sie in einen Nachtbus nach Palenque stiegen.

Ich ordnete meine Sachen in meinem Zimmer, räumte auf und nutzte den Sonntag komplett, mein CHEPE-Video zu schneiden, was seit gestern in meinem Blog online steht.

Gestern verlief dann ruhig, heute besuchte ich mal wieder die Uni, mit dem Resultat, dass ich mir mit meinem Philosophie-Prof einig war, dass es in jenem Seminar zuginge, wie in der Schule, und er bot mir an, in einen etwas konzentrierteren Kurs von ihm zu wechseln. Und das werde ich auch machen.

Am Donnerstag Abend werde ich dann wieder in einen Nachtbus fahren und Norman und Sally am Pazifik wiedertreffen. Ich freue mich, auf eine langes Wochenende, auf Strand, Palmen, Holzhütten, Cocktails, warme Seeluft am Abend und ein entspanntes, langes Wochenende. Ist ja nicht alles Arbeit hier, in Mexiko.

🙂

Buena vista – impressionante!

Posted in puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on 2. September 2008 by Jakob

Bueno viel Neues zu erzählen gibt es nicht, aber dafür ein bißchen Futter für die Augen. Für alle, die wissen möchten, wie ich mich in den letzten zwei Monaten verändert habe, gibt’s ein Vorher-Nachher-Bild. War heute das erste Mal beim mexikanischen Friseur und hab mir die blonden Härchen stutzen lassen. War doch dringend nötig geworden….

Vorher….

Nachher!

Aber genug der bildlichen Selbstdarstellung. Als ich am Nachmittag aus der Uni kam, roch die Luft nach guter Aussicht. Die Sonne schien in vollen Zügen, warmes Abendlicht fiel durch die Strassen, und kaum ein Wölkchen hielt sich am Himmel auf. Meine Vermutung, dass bei diesem Wetter der Blick von unserer Terasse besonders gut sein müsste, fand dann auch kurze Zeit später seine volle Bestätigen. Aber schaut selbst…. es ist beeindruckend!

Der Blick von meiner Terasse auf die Kathedrale Pueblas (höchste Mexikos, um mal mit Superlativen zu protzen) vor dem Hintergrund von La Malinche (4.461 m).

Und schließlich der Blick in Richtung D.F. – der wilde Popocatepetl (5.465 m) zeigt sich in seiner vollen Schönheit. Ein Jammer, dass man ihn nicht besteigen kann.

Aber La Malinche steht bereits auf dem Bergprogramm. Sobald die Regenzeit vorüber ist, wird er mein erster Akklimatisierungsgipfel werden… es wird Zeit, Zeit zum Gipfelstürmen, Zeit für Mexico von oben.

El Sol de Cholula.

Posted in Bienvenidos!, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 27. Juli 2008 by Jakob

(Bild: Aguacero in Puebla) Der Vermieter, Dein Freund und Helfer. Irgendwie komisch – seit zwei Tagen wohne ich jetzt bei Gerardo und seiner Mama. Okay, daran ist jetzt nichts wirklich komisch, wenn man in Deutschland auch einfach so für die Zeit, bis die angemietete Wohnung frei ist, beim Vermieter einziehen würde. Aber wir sind eben nicht in Deutschland. Der Jakob und ich. Also ich.

Allerdings fühle ich mich bei den beiden wirklich sehr wohl. Ich habe mein Zimmer (also das von Gerardo, der für die Zeit ins Büro gezogen ist), kann machen und lassen, was ich will, kann kochen und entspannen. Eben wie ich will. Gestern bin ich dann, nach einer gehörigen Mütze Schlaf (Okay, länger als bis halb zehn wollte es auch ohne Wecker nicht werden), wieder ins Zentrum aufgebrochen. Ah ja, natürlich: Ich wohne momentan ein wenig außerhalb – aber mit dem Camion ist das kein Problem. Ich wollte meine Registrierung bei der Uni in geordnete Bahnen bringen. Jetzt, da ich einen Mietvertrag habe, kann ich das tun, weil ich damit auch eine eigene mexikanische Adresse habe. Und die wollen die haben. Für das Ausländerregister. Also dachte ich mir, besser jetzt, als später und ging erstmal zur Bank. (Bild: Strassenzug in Puebla) Dort musste ich 600 Pesos abdrücken für ein Formular, dass sich „Hoja de Ayuda“ nennt, aber nichts anderes ist, als ein Beleg dafür, dass ich vorab schon mal Geld für das Registrieren im Ausländerregister bezahlt habe. Auch in Mexiko kostet die Bürokratie Geld. Und wofür die 606 (genau, es waren 6 mehr) Pesos waren, konnte mir bisher aber keiner plausibel erklären. Danach machte ich kräftig Kopien. Mein Pass, mein mexikanisches Aufenthaltsdokument, der FM3 (alle Seiten, auch die leeren, jahaaa), Mietvertrag, Strom und Gasversorgung, „Hoja de Ayuda“ und eine Kopie des Ausweises meiner Vermieterin (oder besser Gastgeberin) rauschten in einem kleinen Copy-Shop neben der Uni in der Altstadt durch den Kopierer. Das Kopieren kostet zum Glück fast nix. Über 30 Seiten – 3 Pesos. Ja, der Kurs ist immernoch 1:16. Mit dem Stapel Papier und meinen Originalen flitzte ich wieder ins Edificio Carolino. Das ist das beeindruckende Hauptgebäude der BUAP, wo zum einen die Internationalen Beziehungen sitzen (jepp, die wohnen da) und zum anderen die Uni-Anwälte sitzen, die die Registrierung der ausländischen Studenten im Ausländerregister übernehmen. (Bild: Mein Campus an der BUAP) Die staunten auch nicht schlecht, als ich zwei Tage nach meinem ersten Aufkreuzen bereits mit allen erforderlichen Dokumenten wieder in der Tür stand. Nachdem ich meine Unterlagen dort hinterließ (das ging ihnen zu schnell – sie wollen die Registrierung con tranquilidad im August machen – bienvenidos en México!), hab ich das erste mal so etwas wie Sightseeing in Puebla gemacht. Dafür hatte ich zuvor nicht die Ruhe gefunden. Also schlenderte ich einige Strassen entlang, bewunderte die kolonialen, bunten und flachen Gebäude. Puebla ist nicht zu unrecht Welterbe der UNESCO, dachte ich mir und suchte mir den Weg zu meiner neuen Casa Colonial. In Vorfreude sozusagen, schaute ich mir mein Viertel genau an und setzte dann meinen Weg durch ein Künstlerviertel ins Zentrum fort. Auf einem Markt bestaunte ich Handwerkskunst und merkte mir schon mal, wo ich die Dekoration für mein Zimmer kaufen werde.  Als ich des Laufens müde geworden war, versuchte ich wieder mit dem Bus nach Hause zu finden. Erstaunlicherweise klappte das auch ohne größere Probleme und ich stieg tatsächlich an der Ecke aus, an der ich die Strasse nur noch ein paar Meter runterlaufen musste – zum Haus von Gerardo und seiner Mama. Ich ging ein wenig ins Internet und lud mir Reportagen und Podcasts beim Deutschlandfunk runter. Obama, Lufthansa-Streik, Kontaktlinsen, Egon Bahr zu Obama, Internationale Presseschau und und und. Und zu guter Letzt: den aktuellen Radiotatort. (Bild: Artensania in Puebla) Mit ausreichend Futter für den MP3-Player und für News-Hirn haute ich mich auf mein Bett und lauschte. Später tauchten Gerardo und seine Mama auf. Sie mussten noch zum Artz und machten sich auf den Weg.

(Irgendwann muss ich auch mal noch ein paar mehr Worte zu den beiden fallen lassen – aber dann wir das wieder sooo lang. Nur soviel: Die Familie liebt Deutschland, eine Tochter lebt in Essen mit ihrem Mann. Jan aus Dresden. Alle waren schon in Leipzig und Gerardos Novia studiert in Münster. Ebenso Deutsche. Noch Fragen? Gut. Mehr dazu später.)

Nachdem die beiden nach Einbruch der Dunkelheit zurückgekommen waren, schlug mir Gerardo vor, noch auf ein zwei Cervezas in eine „richtig mexikaische“ Kneipe zu gehen. Toller Vorschlag! Wusste gar nicht, dass Abendprogramm auch zur Betreuung designierter Mieter gehört. Aber cool. Gerardo fuhr seinen gelben Crossfox vom Hof, ich sprang ihm zur Seite und wir rauschten über die nächtlichen Strassen Pueblas. Stolz schob Gerardo eine CD in den Player – mit mindestens zehn deutschen Songs. Als als erstes „Du hast die Haare schön!“ aus den Lautssprechern plärrte, klärte ich ihn auf, dass das nicht wirklich typisch-deutsche Musik sei. Er erklärte sich glücklicherweise einverstanden, und spulte zu „Wir sind Helden“. Danach folgten glücklicherweise wieder lateinamerikanische Klänge: Maná, Café Tacuba, Juanes, Reggeaton. Hat sich nicht viel geändert seit 2005. Blaues FensterWir kamen in der Juarez an und parkten den Fox in eine Mini-klitzekleine Parklücke. Gerardo bewies Talent. Ganz ohne chocar – also anstoßen. Am Ende hatten wir vor 15, hinten 10 Zentimeter zum nächsten Wagen. Wir spazierten in die Cantina de los Remedios. (Bild: Buntes Fenster in Puebla)

Am Eingang versperrte zunächst eine Kette den direkten Zugang. Ein Schild prangte neben der Tür: „Keinen Zutritt haben: Bewaffnete, Besoffene, unter Drogen Stehende, Angehörige der Fuerzas Armadas in Uniform und Polizei.“ Kein Spaß. Wir wurden eingelassen und bestellten ein Tisch für zwei Personen beim Mesero. Der Laden war voll mit Menschen bis unter die Decke. Bunte Wände, bunte Decken, ein paar Säulen dazwischen, richtig groß. Wir schlugen uns zur Bar durch und warteten bei einer Runde Kauf-1-bekomm-2-Cervezas auf unseren Tisch. Irgendwann bekamen wir ihn auch im Gewühl, setzten uns, mampften ein paar Chips, mit Chilli und Limonen und ein bißchen Popcorn. In dieser Kantine waren fast so viele Kellner beschäftigt, wie Besucher. Aber mit einer beeindruckenden Aufmerksamkeit. Kaum war ein Bier alle, stand der Mesero Gewehr bei Fuß und öffnete das nächste Flasche, die bereits in einem mit Eis gefüllten Metalleimer auf ihren Verzehr wartete. Als dann um halb elf die Mariachis ihren Auftritt hatten kochte die Stimmung weiter hoch. An allen Tischen wurde getrunken, gegessen, gespielt. Eine wahnsinnig bunte Mischung an Menschen, Bürohengste, einfache Arbeiter, Jugendliche, Paare, Alte und Familien – alle vereint in diesem Laden. Toll. Nach drei Bier machten wir uns wieder auf den Weg. Gerardo setzte den Wagen aus der noch enger gewordenen Parklücke und wir rauschten davon.

Es ist in Mexiko üblich, dass man trinkt und fährt. Das hatten wir schon in D.F. Aber wo keine Kontrolle, da fährt man eben nach der Party. Normal. Darüber darf man sich nicht wundern. Schließlich kann man, sollte man doch einmal in eine Kontrolle geraten, den Polizisten auch ein paar Pesos in die Hand drücken. Asi funciona! Auf dem Heimweg hielten wir noch an einer Taqueria, schoben uns leckere Tacos Especial mit Limonen, Fleisch, Tomate, Zwiebeln und Salsa verde rein und fuhren nach Haus.

(Bild: Kirche am Zocalo von Cholula) Heute habe ich dann erneut versucht, auszuschlafen. Allerdings bin ich dafür offenbar zu ausgeruht. 8 Uhr war Schluss. Ich nahm eine Dusche (auch diesem Phänomen muss ich bei Gelegenheit einen eigenen Blogeintrag widmen – mexikanischen Duschen) und machte mir ein paar Rühreier mit Champignons, Zucchini, Tomaten und Zwiebeln. Gerardo war schon außer Haus gewesen und hatte frisch gepressten Orangensaft und Mangosaft mitgebracht. Nach den Frühstück ließ ich mir von ihm den Weg nach Cholula erklären.

Zwei Busse, also hier Camiones, musste ich nehmen, Ich versuchte mir seine Beschreibung zu behalten und schaffte es tatsächlich auch nach Cholula. Auch, wenn mir mein Stolz einen kleinen Umweg einbrockte. Ich hatte es nicht für nötig gehalten, den Chofer zu fragen, wo ich aussteigen müsste und als ich es dann doch für nötig hielt, waren wir ein bissl zu weit. Aber ich bin ja gut zu Fuß und wanderte den Weg zurück, hinein nach Cholula. Cholula ist eine Nachbarstadt von Puebla und bekannt für ihre große Pyramide. Mehr ein Berg, der von Menschhand geschaffen wurde und mit einer Kirche gekrönt wurde – dem Santuario de la Virgen de los Remedios. Ansonsten ist die Stadt klein und übersichtlich und, wer hätte daran gezweifel, mit einem großzügigen Zocalo ausgestattet.

Ich nahm Platz in einem Cafe unter den Balustraden der Municipalidad und bestellte eine Latte. (Bild: Pyramide von Cholula) Beobachtete die Menschen, sah einem Mädchen beim Taubenjagen zu, ließ die Gedanken schweifen und genoß die Sonne. Ein toller Moment. Wie gemacht für die Jever-Werbung. Keine Termine, keine Autos, kein Stress….

Später suchte ich mir den Weg hinauf auf die Pyramide und genoß von oben den tollen Blick über die Weite des Landes. Überall kleinere Kirchen, viel grün und leider noch kein Blick auf die Berge. Die hüllten sich weiter in Wolken. Als ich später wieder hinabstieg beobachtete ich ein interessantes Treiben. Auf einem Platz hatten indianische Mexikaner einen Mast zu einem Menschen-Karussell umfunktioniert, kletterten hinauf, gürteten sich mit Seilen und stürzten sich nach unten. Drehend. Dabei auf ihren Flöten spielend. Los Voladores de Cholula. Die fliegenden Menschen von Cholula – eine Bewegtbilderimpression gefällig? Bitte.

Später schlenderte ich durch die Strassen zurück zur Bushaltestelle. Vorbei an Kunsthandwerksläden, in denen man hätte alles kaufen können. Bunte Wandteppiche, Monde und Sonnen aus Ton, bunt angemalt, freundlich lachend, Masken, Schädel, Vasen und und und – ich hätte glatt in ganzes Haus neu einrichten mögen. (Bild: El Santuario de la Virgen de los Remedios) Wunderschöne Sachen. Ich hielt mich allerdings zurück und kaufte mir nur meine Sol de Cholula. Ein gelbe Sonne mit orangenen Strahlen – eine Art Plüschtier, nur eben ohne Plüsch, aber dafür handbemalt. Sie leistet jetzt meinem Herrn Knigge Gesellschaft. Knigge? Das ist der kleine braune Bär, den mir meine Mama 2005 vor meinem Südamerikatrip schenkte – damit einer auf mich und mein gutes Benehmen aufpasst. Und weil ich finde, dass er das bisher sehr gut gemacht hat, hat er sich meine kleine Sol de Cholula wirklich verdient. Sobald ich in mein eigenes zu Hause gezogen bin, werde ich wieder nach Cholula fahren und die ein oder andere Maske für meine Wände kaufen. Überleg‘ schon, wie ich die tollsten Sachen nach Deutschland exportieren kann. Ohh Mann, das wird nicht einfach – aber die Sachen sind unglaublich schön. Später schnappte ich mir wieder ein Camion Directo nach Puebla und meisterte den Weg nach Hause, als wär ich ihn schon immer gefahren. So entwickelt sich das hier.

PS: Es gibt mehr Bilder – zum Klicken, F11 drücken und geniessen: Rechts in der Seitenleiste, unter „…mehr Mexico“ -> Puebla und Cholula. Zeitnehmen, geniessen, mitreis(s)en lassen. Euer Jakob.

%d Bloggern gefällt das: