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…das Paradies verlassen

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. April 2009 by Jakob

Es gibt auf der Welt bislang genau zwei Orte, an denen ich, vorausgesetzt ich hätte das nötige Kleingeld, mir eine kleine Hütte (Wahlweise auch Hacienda – je nach Klingelbeutel) als Zweitwohnsitz hinsetzen würde: Vilcabamba in Ecuador der Berge und des angenehmen Klimas wegen und Zipolite, des Pazifiks, seiner Buchten und  der Ruhe wegen. Es sind zwei traumhafte Orte auf diesem Teil der Erde, und Zipolite ist wohl der definitv beste Ort Mexikos.

Punta Cometa - Sonneruntergang am südlichsten Punkt Oaxacas

Den Rest der Osterwoche verbachten wir mit Lesen, Schwimmen, Sonnen, Ausruhen (ich) und Arbeiten (Enora). Jeden Tag Meer, jeden Tag aufstehen, wenn man aufwacht, und ins Bett gehen, wenn man müde ist – der Tagesablauf nur von der Helligkeit des Tages abhängig.

La Ventanilla bei Sonnenuntergang - von Punta Cometa aus gesehen

Ich las und vertiefte mich weiter in das Barcelona der 1920er Jahre und tauchte erneut ab auf den Friedhof der vergessenen Bücher. Meine langen Lesephasen unterbrach ich lediglich für einen ausgedehnten Strandspaziergang, zum Schwimmen oder zum Essen. Carlos Ruiz Záfon zieht mich mal wieder in seinen Bann.

Echse auf einem Zweig - auf einem meiner Spaziergänge

Allerdings haben wir uns nicht nur im Umkreis von 30 Metern um unsere Hütte aufgehalten. Am Mittwoch Abend fuhren wir mit dem Collectivo nach Ventanilla um die Ecke, um uns dort eine „Liberación de Tortugas“ – also eine Schildkrötenfreilassung anzuschauen. Am frühen Abend und an einigen Tagen der Woche setzt das ansässige Schildkrötenschutz-Team Baby-Schildkröten aus und wer möchte, kann dabei behilflich sein und dabei zuschauen, wie die kleinen bepanzerten Tierchen, die kaum die Größe einer Zigarettenschachtel haben, in die Freiheit schlürfen.

Ich mit einer der kleinen Panzertierchen

Bei Sonnenuntergang werden sie an einem abgelegenen Strand in Reichweite der Wellen ausgesetzt und schleifen sich dann nach und nach in Richtung Pazifik. Mit ihrer Größe sind sie noch völlig der Gewalt des Meeres ausgesetzt, dass sich die kleinen Schildkröten Welle für Welle einverleibt, und wo sie lernen müssen, allein zu überleben.

...auf dem Weg in die Freiheit

Bei unserer Freilassung gewöhnten sich ungefähr 30 kleine Baby-Schildkröten an die Naturgewalten. Allerdings überleben nur die wenigsten von ihnen, weil Pelikane und Möven nur darauf warten, die wehrlosen Geschöpfe zu verspeisen. Nachdem Mazunte über Jahrzehnte das Zentrum der mexikanischen Schildkrötenjagd war, was seit Anfang der 90er Jahre verboten ist, haben sie nur noch natürliche Feinde – die ihnen allerdings das Leben und Überleben schwer genug machen. Dennoch müssen sie sich so früh wie möglich an die Freiheit gewöhnen, wenn sie lange in Freiheit leben wollen. Und so entscheiden das Schicksal, die Wellen und die Möwen und die Pelikane, welche der Schildkröten schließlich durchkommen.

Sonnenuntergang über dem Pazifik

Am Sonntag gönnte sich dann Enora einen komplett freien Tag und wir fuhren nach Huatulco, was in Mexiko als Öko-Urlaubsparadies mit ruhigen und jungfräulichen Stränden gepriesen wird. Doch wir mussten mal wieder feststellen, dass wie so oft in Mexiko, zwischen Werbung und Wirklichkeit eine kleine Schlucht klafft, etwa in der Größe des Landes. Das einst als Natur-Urlaubsparadies konzipierte Örtchen mit seinen Buchten hat nichts, aber auch gar nichts von dem, was es verspricht. Hotelklötzer säumen die Buchten, überall Neubauten, die meisten im Rohbau wieder fallen gelassen und nur wenig Ruhe. Also waren wir froh, dass wir die Woche doch in Zipolite verbracht und nicht, um mal etwas Neues zu machen, uns von der Werbung für Huatulco den Blick vernebeln ließen.

Pt. Angél - der nächstgrößere Ort neben Zipolite

Am Montag, nach einer guten Woche Ruhe und Entspannen, packten wir dann am frühen Vormittag unsere Rucksäcke zusammen und machten uns mit einem Van auf den Weg zurück nach Oaxaca. Unser Fahrer war so sehr die Ruhe selbst, dass wir leider 8 statt wie geplant 5 Stunden bis Oaxaca brauchten und wir so einen Zwangsstopp in der Stadt einlegen mussten. Wir quartierten uns erneut im Chocolate ein, einem Hotel, deren Besitzer sich dem Herstellen traditioneller Chocolate Oaxaceña widmen und in dem es stets nach dem frisch gemalenem, braunem, süßen Pulver riecht. Die Zimmer sind einfach und günstig und wir entschieden uns für eine verkürzte Nachtruhe.

am Meer - Kleinod in Bahía del Camarón

Bereits um 5 Uhr saßen wir am gestrigen Morgen dann schon wieder im Bus nach Puebla, durchquerten die Sierra mit ihren hohen, felsigen Bergen und ihren schroffen Tälern und kamen am Vormittag wieder in Puebla an.

Zurück im Tal von OaxacaMorgensonne über den Bergen in Richtung Puebla

Heute war ich dann bereits schon wieder in der Uni und mein Prof bemerkte auch schon, dass uns nur noch wenige Seminare bis zum Ende des Semesters blieben – und entschied, ab sofort ein wenig den Plan abzuarbeiten. Dass wir das schaffen, wage ich zu bezweifeln, hinken wir doch zu sehr hinterher – aber sei es drum – mir geht es gut und den letzten Wochen mexikanischer Uni sehe ich entspannt entgegen – folgt doch dann der wohl längste Sommer meiner Studienzeit – Mai bis Oktober – wirklich frei.

Nordmexico-Trip 1 – Los Mochis-Creel

Posted in mexico city, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 28. Februar 2009 by Jakob

sn859854So, nach über einer Woche komme ich nun endlich dazu, auch hier einen längeren Bericht über unsere Tour mit Norman, Sally und Enora im Norden Mexicos zu verfassen. Unsere Reise startete, wie ich schon im vergangenen Artikel angekündigt hatte, mit Enora und mir auf den Weg nach DF, wo wir gegen 6 unsere beiden deutschen Gäste erwarteten. Nachdem die beiden bereits unfreiwillig in Madrid 24 Stunden hängen geblieben waren, erwarteten wir sie zunächst pünktlich am Aeropuerto Internacional in Mexico Stadt. Aber als der Flieger aufsetzen sollte, verschwand er erstmal von den Bildschirmen. Seltsam, keine Verspätung, einfach weg. Enora suchte einen Iberia-Schalter auf, um mehr Infos zu bekommen, und nach einer halben Stunde war er wieder auf dem Bildschirm und wurde mit 2 Stunden Verspätung erwartet. Also landeten die Beiden letztenDer Nevado de Toluca aus dem Flugzeugdlich um halb 8 und wir konnten sie eine halbe Stunde später in Empfang nehmen.

Wir zogen dann mit der Metro in die Stadt, Kurs auf Katinkas WG, eine ehemalige Mitbewohnerin aus der 15 in Puebla, die uns für die Nacht beherbergen wollte. Die WG hat 9 Mitbewohner und bekam im Laufe des Abends noch mindestens 20 Besucher/Freunde hinzu und so kamen wir erst recht spät zur Ruhe. Aber letztendlich sogar in einem einzelnen Zimmer für uns vier.

Anflug auf Los Mochis - links von uns der PazifikAm Samstag klingelte dann schon um 6 Uhr der Wecker und wir verließen die noch ruhig-liegende Wohnung im Morgengrauen. Am Flughafen checkten wir bei Interjet ein und frühstückten noch ein wenig. Dann ging es pünktlich um neun Uhr in die Luft und wir schwebten über den Nevado de Toluca (4650m) in Richtung Norden nach Sinaloa an den Pazifik. In Los Mochis landeten wir auf einem klitzekleinen Flughafen und die Landschaft hatte sich bemerkbar verändert: Wüste, grau, kaum Bäume, karge Berge am Horizont und einige Felder, die offenkundig den Luxus der Bewässerung genießen durften und von daher in saftigem grün standen.

Enora bei der Ankunft in Los MochisWir sprangen in ein völlig überteuertes Taxis, dass gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit war, vom Flughafen in die Stadt zu kommen. Ein leider weit verbreitetes Phänomen in Mexico, dass die Taxislobby in vielen Städten zu verhindern wusste, dass es öffentlichen Nahverkehr zu Busbahnhöfen oder Flughäfen gibt, die irgendwo in der Pampa sind, und Touristen und Passagiere die willkürlich festgelegten Preise bezahlen müssen, wenn sie denn nicht stundenland laufen wollen.

Meiner, Norman, Sally und Enora am Bahnhof von Los MochisLos Mochis hatte an sich nicht viel zu bieten, wir checkten in ein Hotel im Stile der 70er Jahre ein und machten uns auf Erkundungstour zum Bahnhof und später nach Topolobampo an die Pazifikküste, um das Meer zu sehen. Der Bahnhof lag ruhig und verlassen in der Staubwüste außerhalb der Stadt und ein einzelner Sicherheitsmann bewachte den Eingang der Bahnhofshalle, die nur früh am Morgen, wenn der CHEPE startet (CHEPE= CH-P= Chihuahua al Pacifico-Zug) und spät abends, wenn die beiden Züge aus Chihuahua (Primera Clase und Segunda Clase) eintreffen Leben eingehaucht bekommt.

Pelikane am Pazifik in SinaloaAlso schossen wir ein/zwei Bilder und fuhren mit dem nächsten Bus an den Pazifik, der mich zunächst mit seinem grauem Strand und flachem, wellenlosem Wasser an den mexikanischen Golf erinnerte. Dort, wo ausschließlich mexikanische Familien vereinzelt herumschlenderten, aßen wir und spazierten ein wenig am Strand entlang, bevor wir wieder am Abend nach Los Mochis fuhren und früh ins Bett fielen. Denn am nächsten Morgen sollte es schon wieder früh losggehen.

Der Trip Teil 1 in einer Dia-Show

5:30 Uhr standen wir am Sonntag Morgen auf, und schnappten uns den nächsten Colectivo zur Estación. Dort hatte der Erste-Klasse-Zug Los Mochis bereits noch in der Dunkelheit verlassen und wir stellten uns mit ausschließlich mexikanischen Passagieren, die mit ihren Cowboy-Hüten original zur Landschaft passten, in die Schlange, um unsere Tickets für den heiß-ersehnten Zugtrip vom Pacifico nach Chihuahua aCHEPE - Zweite Klasse am Bahnhof von Los Mochism Schalter zu kaufen.

Als der Uhrzeiger sich bedrohlich der Abfahrtszeit näherte (7 Uhr), schickte die Ticketschalter-CHEPE-Fahrkarten-Verkaufsfrau uns weg und meinte, wir sollten die Tickets im Zug kaufen. Sie hatte ohnehin für den Verkauf eines einzelnen Tickets jeweils mindestens 3 bis 5 Minuten gebraucht, und so schien diese Lösung auch sicherer, als mit ihr das eher langwierige Geschäft abzuschließen.

Also stiegen wir in einen der grün-rot angestrichenen Waggons und ließen uns vom Schaffner einen Platz zuteilen. Inzwischen schob sich die Sonne über den Rand des Horizontes, und als diese sich vom Rand des Horizontes löste und die ersten Sonnenstrahlen flach über das Land schickte, setzte sich unsere Lokomotive lärmend in Bewegung. Und es ging los.

Langsam zog das flache Land an uns vorbei, die Morgensonne tauchte es in ein warmes, rötliches Licht, und die Strecke führte uns zunächst durch Felder. Langsam schob sich der CHEPE durch das Land, und Landschaft in Sinaloa - Berge am Horizontwir hatten zunächst das Gefühl, dass man nebenher laufen könnte. Ich begann hier und da, neben den selbstverständlichen Digibildern, Videos aufzunehmen, weil ich in Kürze gern ein Video hier einstellen möchte, dass die Fahrt komplett von Los Mochis bis Creel bebildern soll.

Der Zug bestand aus fünf Waggons, die rot bepolsterte, weiche und angenutzte Sitze hatten und mit einer Klimaanlage auf frische Temperaturen heruntergekühlt wurden. Zwischen den Waggons waren die jeweiligen Türen zweigeteilt, und den oberen Teil konnte man aufmachen. Und so konnte man während der Fahrt fast das Gefühl bekommen, draussen zu stehen. Ein Bistro-Wagen teilte den Zug in genau zwei Hälften, und auf einem karierten A4-Blatt standen handschriftlich die Öffnungszeiten, mit einem Tesa an die Wand über die Bar geklebt. Der Bar-Mann schwatzte bevorzugt mit den Schaffnern und mit den Sicherheitsleuten, die mit Maschinengewehren auf dem Rücken sich Trocken und karg - wir schnaufen bergauf in die Sierra Madrewahleise wichtig machten, oder faulenzend für ein abschreckendes Bild sorgten. Einer jener schwer-bewaffneten Gesellen kam recht bald zu uns und fragte, woher wir kämen, wohin wir führen und was wir so trieben. Allerdings mehr aus persönlichem Interesse, als aus Sicherheitsaspekten heraus, und außerdem, wie wir später mitbekamen, um uns bereits ein Hotel in Creel aufzuschwatzen, in dem er angeblich vor einiger Zeit mit seiner Familie ein paar tolle Tage verbracht hätte. Als später weiteres Zugpersonal mit den gleichen Visitenkarten bei uns auftauchte, schien uns die Familien-Urlaubsgeschichte nicht mehr glaubwürdig. Wir entschieden uns, dieses Hotel auf jeden Fall zu meiden und die Verkaufsstrategie, die wahrscheinlich ein findiger Hotelbesitzer mit dem CHEPE-Personal abgekatert hatte, nicht zu unterstützen.

Begeistertes Photographieren - Normi fällt fast aus dem ZugNach wenigen Stunden Fahrt veränderte sich allmählich die Landschaft, die an unserem Fenster vorbeizog. Die Felder wurden weniger, bis sie ganz verschwanden und das Land wurde karger. Gelbes, verbranntes Gras und Bäume ohne Blätter zogen draussen vorbei, dazwischen immer wieder Kakteen und die Berge begannen sich zunehmend weiter in die Höhe zu recken. Häufig gekrönt von schroffen Felsen, auf denen ebenso wenig wuchs.

Je weiter wir in die Sierra mit dem Zug eindrangen und uns Höhenmeter um Höhenmeter langsam schnaufend nach oben arbeiteten, um so spektakulärer wuDer CHEPE schraubt sich in die Höhe - und überquert immer wieder Tälerrde das, was an uns vorbeizog. Die Berge wurden höher und höher, die Strecke schlängelte sich schmal durch die Landschaft, mal eng an den Hang einer Schlucht gepresst, mal über atemberaubend hohe Brücken, die uns einen Blick in Wasser gefüllte Täler ermöglichten, bevor wir mit dem Zug in den nächsten Tunnel eintauchten.

Am Nachmittag hatte sich die Landschaft gänzlich in die Kulisse eines Westerns oder Indianerfilms verwandelt. Die Schluchten wurden schroffer, In 360 Grad-Windungen gewinnt der CHEPE schnell an Höheenger und tiefer, die Felsformationen standen schnurgerade und wie Wände in der Landschaft. Ausgetrocknete Flußbetten durchzogen kleine, zart bewaldete, aber trockene Täler und hier und da hatte die Zivilisation ihre Spuren in Form von einfachen Holzhäusern oder urigen Ranches hinterlassen.

Gegen 4 rollten wir in Divisadero ein. Divisadero – das ist DER Aussichtspunkt für die Barranca del Cobre – die Kupferschlucht. Keine 1Tarahumara-Indianerin versucht ihre geflochtenen Körbe an die Zugpassagiere zu verkaufen00 Meter vom Bahnhof, der von Verkaufsständen mit Essen und Handwerkskunst der Tarahumara überflutet ist, steht man am Rande der Schlucht und blickt in 1800 Meter in die Tiefe in das weit verzweigte Schluchtensystem, das die beiden Flüsse Otero und Urique über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben haben. Der Canyon ist über 50 Kilometer lang und gilt als einer der größten Nordamerikas – größer, tiefer und länger als der Grand Canyon. Der Blick schweift über die kilometerweite Schlucht bis er am anderen Ende wieder auf schroffe Felsen trifft und dort die Schlucht mit den Bergen der Sierra Madre Occidental wieder Eins wird. Die Abendsonne ließ die Luft diesig erscheinen und man konnte zuweilen nicht bis zum Boden schauen. Ein faszinierendes Panorama, dass sich dort vor uns erschloß.

Barranca del Cobre - von Divisadero aus gesehenLeider blieb uns bei diesem kurzem Zwischenstopp nicht viel Zeit, den Blick zu genießen, und wir schossen nur erste Fotos, um am Montag Nachmittag mit Ruhe zurückzukehren.

Bald setzte sich unser Zug wieder in Bewegung und eine Stunde später kamen wir in Creel an. Die „Stadt“ erinnerte mich zunächst an San Carlos de Bariloche in den Anden Argentiniens. Häuser einer Bergstadt, spitze Dächer, holzverkleidet. Klein und beschaulich zieht sich der Ort an den Schienen des 1907 eingeweihten CHEPE entlang.

Wir schafften es, den Hotelhäschern zu entkommen und suchten uns ein kleines Hotel im Zentrum auf eigene Faust. Nach einem ausgiebigem Abendessen, in einem Restaurant, dass in der nächtlichen Frische glücklicherweise über einen entfachten Kamin verfügte, fielen wir in unsere Betten. Reisen kann anstrengend sein.Der CHEPE rollt weiter -wir bleiben. In Creel.

Und lesen auch. Und Blogschreiben ebenso. Deshalb mache ich hier fürs Erste Schluss und reiche morgen den zweiten Teil der Reise nach. Bis dahin, buenas noches!

PSs:

PS: Bald folgt auch das CHEPE-Video. Ich brauch nur die Zeit, es zu schneiden.

PPS: Stefan, Maike, Jonas, Gunnar: Was ein geiles Geschenk! Ich war den Tränen nahe. Ich freu mich, Euch wiederzusehen – und mit Euch auf dem Kreuzberg oder dem Anleger ein Bierchen zu genießen! Kriegt auch gleich noch ne Mail.

PPPS: Mehr Bilder zum ersten Teil der Nordmexiko-Reise gibts hier!

PPPPS: Normi hat seit heute sein eigenes Zwitschergewitter zur Mütterberuhigung auf der Reise ohne mich. Wo? Hier in der rechten Seitenleiste unter meinem Twittergewitter und hier komplett.

Weiter nach Sueden… und schon fast raus aus México

Posted in Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Dezember 2008 by Jakob

Ja, die Artikel sind einmal wieder ein wenig haeufiger und das liegt daran, dass ich nun in einer Kleinstadt namens Comitán haenge und darauf warte, morgen frueh mit einem PickUp an die guatemaltekische Grenze bugsiert zu werden. Ich habe meinen Plan, Weihnachten in der Karibik zu verbringen, geaendert und werde nun morgen in aller Fruehe nach Guatemala einreisen und dann irgendwie mich zum Lago de Atitlán durchschlagen. Der See gilt, laut Aldous Huxley, als „der schoenste See der Welt“, und ist umgeben von hohen Vulkanen. Ich werde wohl zwei drei Tage dort verbringen und dann wieder nach México zurueckreisen.

Meine Planveranederung ergab sich, weil Paola und Bernhard Silvester an den Lagunas de Montebellos verbringen wollen und ich sie dort aufsuchen moechte. Die Lagunas sind hier von Comitán nicht allzuweit entfernt, und so entschied ich mich, nicht weiter in Richtung Palenque und Yucatán weiterzuziehen, sondern nach Sueden zu gehen, um dann auf dem Rueckweg bei den Beiden vorbeizuschauen.

Meiner im Sumidero CanyonNach meiner eher unerfreulichen Ankunft in San Cristóbal de las Casas in Chiapas habe ich meine drei Tage schliesslich doch noch sehr genossen. Nachdem ich mich vorgestern zunaechst in der wunderbaren Stadt, die mich an Cajamarca (Perú), Cuenca (Ecuador) und Cúzco (Perú) zugleich erinnerte, umgesehen hatte, hatte ich eine Tour fuer den Sumidero-Cañon klargemacht. Gestern Morgen startete ich mit einer kleinen Gruppe in einem Van in Richtung Tuxtla de Gutierrez und kurz davor stiegen wir in ein Boot um. Zwei Stunden wurden wir durch den Cañon geschippert, der beeindruckend hohe und steile Felswaende hat. Was weniger beeindruckend war, war der Muell, der zu Hauf im Wasser schwamm, Plastikflaschen ueber Plastikflaschen – und das in einer aérea protegida.

Nachdem wir wieder in San Cristóbal waren, kaufte ich mir ein Ticket fuer die Abendvorstellung im Theater. „Palenque Rojo“ stand auf dem Programm und das Stueck sollte die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Staedten Palenque und Tonina im 10. Jahrhundert erzaehlen. Letztendlich war es eine sehr lebendige Vorstellung, mit lustig verkleideten Menschen, vielen Trommeln und schoen gemachten Tierkostuemen.

Cañon del SumideroAls ich dann aus dem Theater rausging, hoerte ich von der Seite ein „Mexico ist klein! Sehr klein!“. Christine und Julia, zwei Maedels, die wir auf der Waal- und Delphin-Tour in Mazunte kennengelernt hatten, standen neben mir. Ja, es sind eben alle immer auf der gleichen Strecke unterwegs. Die beiden studieren auch in Puebla, aber auf einer anderen Uni. Naja, ich hab dann den Abend mit denen und noch einer ganzen Menge mehr Leute in ihrem Hostel verbracht und bin heute morgen dann erst etwas spaeter rausgekommen.

Am Vormittag bin ich dann mit einem VW-Bulli-Colectivo in das kleine Doerfchen San Juan Chamula gefahren und hab mich dort auf dem bunten Markt umgeschaut. Die indigene Bevoelkerung hat dort einen ganz eigenen Kleidungsstil: Die Frauen tragen schwarze Roecke aus einer Art Plueschfell mit langen Zottelhaaren und die Maenner haben den gleiche Stoff als Jackets an. Die Gesichter der Menschen waren beeindruckend, aber mit Fotos habe ich mich zurueck gehalten. Denn, aehnlich wie bei einigen Voelkern in Asien, glauben auch die Bewohner von Chamula, dass ein Foto ihnen die Seele rauben koennte. Krokodile im Sumidero CanyonMan muss mit der Kamera also eher in der Tasche halten. Ausserdem ist das Doerfchen fuer seine kleine Kirche San Juan bekannt. Man darf sie als Tourist nur mit einer Genehmigung des Tourismusbueros betreten, fuer die man 20 Peso bezahlt. Drinnen herrscht ebenso stricktes Fotoverbot. In dieser Kirche praktizieren die Menschen von Chamula einen Mix aus katholischen und althergebrachten Indigenen Ritualen. Es stehen keine Baenke in derf Kirche, dafuer flankieren die Seiten aber tausende Kerzen. Auch in der Mitte und ueberhaupt auf fast jedem Fleck. Egal ob wegen Krankheiten, anderer schlechter Nachrichten oder um Fuerbitte zu halten, kommen die Menschen in Familie in die Kirche, bauen auf dem Boden einen kleinen Altar aus mindestens zehn Kerzen auf und beginnen dann gfemeinsam zu beten, opfern Coca Cola, Fanta, Kekse oder auch schon mal Eier oder ein Huhn. Ich selbst bekam nur Cola und Fanta-Opfer zu sehen, Christine und Julia hatten mir aber schon von einem halbtoten Huehnchen erzaehlt, dass sie in der Kirche gesehen hatten.

Die Ruinen der San Sebastians-Kirche und der Friedhof von ChamulaNachdem ich mir dann noch den doerflichen Friedhof anschaute, auf dem man weder wusste, ob man auf einem Weg oder auf einem Grab geht (so eng lagen die Graeber), schnappte ich mir einen etwas moderneren VW-Colectivo zurueck nach San Cristóbal. Der VW-Bus wurde von einem Jungen gelenkt, der kaum mit den Fuessen an die Pedalen kam, Arme und Haende wie ein zwoelfjaehriger hatte, aber den Wgen doch behaend durch den Verkehr manoevrierte. WAhrscheinlich erschien er auch nur so jung – aber am Anfang hatte ich da wirklich meine Zweifel, ob er nicht heute nur seinen Papa vertritt….

Ja, und dann wollte ich eigentlich direkt an die guatemaltekische Grenze nach Ciudad Cuathémoc fahren, erfuhr aber am Bus-Terminal, dass es fuer heute keine Tickets mehr gaebe. Also kaufte ich mir mein (erstes) Studententicket und dueste fuer einen Euro nach Sueden nach Comitán, wo ich jetzt hocke. Eine Grenzueberquerung ueber Nacht wollte ich mir ersparen, zumal auch voelligunklar ist, wie ich von der Grenze weiter zum Lago de Atitlán komme. Also bin ich jetzt in einer Stadt, in der es eigentlich nichts (!) gibt und warte nur auf den naechsten Morgen. Das tolle daran: Ich habe nichts besseres zu tun, als einen neuen Blogartikel zu verfassen und ihr muesst Euch am heiligen Abend nicht vor Rechner langweilen. Ausserdem bleibt so fuer Weihnachten nicht meine schlechter-Erlebnisbericht als letzter Blogeintrag stehen.

Ich hoffe, dass ich morgen bereits am Nachmittag am See ankomme und eine Unterkunft finde und dann doch ein bisschen Weihnachten auf guatemaltekische Weise (wer weiss, was das bedeutet?!) feiern kann.

Bis dahin, von mir so weit! Ich wuensche allen ein gesegnets und frohes Weihnachtsfest, wo auch immer ihr seid. Vor 2009 gibts hier bestimmt nocheinmal Neuigkeiten von mir. Feiert schoen, ciao ciaooooo!

Empieza el viaje – a Oaxaca

Posted in Viajando! with tags , , , , , , , , , on 12. Dezember 2008 by Jakob

Aktualisiert am 21.12. mit Fotos. 

Am Montag habe ich meine sieben Sachen gepackt und mir ein Busticket gekauft. Um 5 Uhr abends wollte ich in Richtung Oaxaca starten. Nach einer Weile entschied ich mich um: Ich tauschte mein Ticket auf Dienstag Morgen, damit ich ein letztes Mal meine argentinische Mitbewohnerin sehen konnte.

Musikgruppe auf dem Zócalo in OaxacaAm Dienstag morgen dann startete ich mit dem Bus die 330 Kilometer nach Sueden in den Bundesstaat Oaxaca. Die autopista von Puebla aus fuehrt durch karge und schroffe Felslandschaft – schlangelt sich durch Taeler und schmiegt sich an Bergen entlang – und die Vegetation ist trocken und verbrannt – Agaven, Kakteen und vertrocknetes Gras wechseln sich ab und dekorieren die Berge an den Seiten. Es ist Trockenzeit in Mexiko und die macht ihrem Namen alle Ehre: Seit anderthalb Monaten kein Tropfen Regen mehr und die Natur schaut entsprechend aus.

In Oaxaca angekommen checkte ich mal wieder im Magic Hostel ein. Hier war ich bereits mit Martin im August abgestiegen – basic but friendly, waere eine kurze und treffende Beschreibung. Nach einem Stadtspaziergang durch die wunderschoenen kolonialen Strassen und Gassen Oaxacas schloss ich auf der Dachterasse Bekanntschaft mit zwei australischen Jungs, mit denen ich dann spaeter Essen ging. Mit dabei noch im Gepaeck: eine Amerikanerin aus Wisconsin, Ex-Volunteer fuer Obama. Schlechte Gesellschaft fuer jemanden, der es inzwischen vorzieht Spanisch statt Englisch zu reden, aber was will man machen. Die Englisch-Fraktion war ganz froh, mich als Dolmetscher gefunden zu haben und so verbrachten wir den Abend erst in einem Restaurant und spaeter in einigen billigen Bars.

Mitla in der MittagssonneGestern dann stand bei mir Kultur auf dem Programm. Mit Martin hatte ich mir in Oaxaca eigentlich nur die Stadt und die Ruinen von Monte Alban angschaut – es fehlte mir also noch eine Menge. Nachdem ich mich gegen eine organsierte Tour und fuer lokalen Bustransport in die Region entschieden hatte,schloss ich Bekanntschaft mit dem bisher runtergekommendsten Busterminal, dass ich in Mexiko gesehen habe: Terminal de Segunda Clase Oaxaca. Dreckig, wenige Menschen, der Bushof eine Staubpiste und an den Seiten Buswracks – eine malerische Busstation. Ich schwang mich in einen Lokalbus nach Mitla und schaute mir dort die Rueckstaende der alten Totenstadt der Mixteken an. Spaeter sprang ich wieder in einen Bus und liess mich auf halber Strecke an der Strasse nach Yagul herausschmeissen. In Yagul war das religioese Zentrum der Mixteken und heute sind dort noch Ueberreste von Palaesten, und von einem traditionellen Ballspielplatz zu finden. Das schoene an diesem Ort ist: Ich war komplett allein. Fast kaum jemand schaut sich die Ruinen, die etwas oberhalb des Oaxaca-Tals liegen, an. Und ausserdem hat man einen wunderbaren Blick ueber das gesamte breite Tal von Oaxaca.

Nachdem ich mir Yagul angeschaut hatte, wollte ich mir eigentlich noch den Arbol de Tule anschauen. Das ist der wahrscheinlich aelteste Baum der Welt mit 2000 Jahren und einem Gewicht von rund 550 Tonnen. Er ist nicht nur 42 Meter hoch, sondern hat auch einen aehnlichen Umfang.

Auf jeden Fall hatte ich dies dann letztendlich nicht mehr geschafft und bin zurueck nach Oaxaca gefahren. Wieder im Hostel bekam ich eine Nachricht von Nestor, meinem Oaxaceño, mit dem ich in Puebla zusammen wohne. Ich traf mich mit ihm auf ein paar Chelas und machte mit ihm eine kleine Wandertour fuer gestern aus. Gestern morgen, nch erheblichen Problemen mit dem Aufstehen, was wohl an dem ein oder anderen Bierchen mit nestor gelegen haben koennte, trafen wir uns um 8 an meinem Hostel und starteten nach San Felipe de las auguas. Hier wollten wir eigentlich einem kleinen Weg zu ein paar Wasserfaellen folgen, aber auch mein lokaler Guide versagte und wir irrten 3 Stunden ziemlich durchs Unterholz.

Arbol de Tule - 2000 Jahre LebenAm Nachmittag kam Enora nach Oaxaca und wir schlenderten nocheinmal ein wenig durch die Stadt. Eigentlich wollten wir nun den Arbol de Tule besuchen, aber mal wieder war es zu spaet geworden. Also standen wir heute frueh auf und fuhren schlussendlich nach Tule. Der Baum ist wirklich beeindruckend, ein Stamm, dass hab ich vorher noch nie gesehen – wie eine Holzwand. Oder besser: Mauer!

Inzwischen warten wir im Sueden Oaxacas auf einen Van, der uns nach San Josè bringen soll. Hier wollen wir Zwischenstation auf dem Weg zum Meer machen. Und morgen abend soll es dann schliesslich endlich wieder an den Pazifik gehen – Meer Meer Meer, Sonne Palmen und noch mehr….. Bis dahin soweit von hier in die Kaelte. Geniesst den Advent, ich hab hier nicht en bisschen weihnachtliches Gefuehl!

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