Archiv für sonne

Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

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La Paz, BCS – plantschen im warmen Golf von Californien

Posted in Adios México, baja california, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 17. Juni 2009 by Jakob

Die knapp einhundert Kilometer von Todos Santos ueber die MEX19 legten wir in einer guten Stunde zurueck und dann erreichten wir die industriellen Auslaeufer und Gewerbegebiete von La Paz. Die Mittagshitze hatte inzwischen voll aufgedreht und ohne die Klimaanlage im Wagen waeren wir wahrscheinlich an Hitzeschlag gestorben – die Luft stand in La Paz und die Sonne im Zenit.

Die Seebruecke von La Paz - hinaus ins tuerkisblaue Wasser

Wir fanden recht schnell, was wir suchten – ein guenstiges Hotel, zentrumsnah und nicht zu laut, und machten uns auf Spaziergang, La Paz zu erkunden. Die Stadt hat kaum mehr historisches zu bieten, alles scheint in den letzten 50 Jahren mal aufgezogen und wieder abgerissen worden zu sein, aber der Malecon, die Strandpromenade blitzt und blinkert – sie scheint nur wenige Jahre alt zu sein und saeumt die gesamte Bucht vor der Stadt. Das Wasser des Golfes oder des Mar de Cortez liegt tuerkisblau in der Bucht vor der Stadt, kaum Bewegung gibt es auf der Oberflaeche und es ist warm. Schoen warm.

Wir beschlossen also, nach unserem Spaziergang, sofort zum Strand zu fahren und fuhren die Bucht nach Sueden aus, auf der Suche nach Zugaengen zum blauen Waesserchen.

Endlich waaaarmes Wasser.

Schon kurz hinter dem Stadtausgang fanden wir die erste Playa Publica, wir parkten den Wagen und schmissen uns ins Badewannenwasser des Golfs.

Der Mann und der Sonnenuntergang

Spaeter reisten wir weiter ans Ende der Bucht von La Paz und fanden einen Strand mit ganz wenigen Menschen. Hier kauften wir uns ein grosses Pacifico, stellten uns die Stuehle ins Wasser und genossen das kuehle Bier mit den Fuessen im lauwarmen Wasser.

Pelikane am Abendhimmel ueber dem Golf von Kalifornien

Wir blieben an diesem Ort, bis die Sonne hinter den Bergen verschwand und machten uns auf die Rueckreise zu unserem Hotel.

Von D.F. nach Baja California – der naechste Road-Trip

Posted in Adios México, baja california, mexico city, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 16. Juni 2009 by Jakob

Vater war puenktlich gelandet und hatte als erster meiner Besucher das Pech, beim Zoll sich durch die Sachen wuehlen zu lassen. Das bedeutete das Aus fuer meine heiss-ersehnte Salami aus Deutschland, weil die Mexikaner solcherlei Delikatessen direkt am Flughafen in den Muell befoerdern. Schade.

Father and son - auf dem Weg nach Baja California

Mit dem Taxi ging es zu Bernhard in die Wohnung und die kommenden Tage gab ich meinem Vater eine Tour durch D.F. von der gruensten Seite. Am Donnerstag ging es durch Coyoacán und San Angel und wir schauten in die Wohnhaeuser von Frida Kahlo, Diego Rivera und Leon Trotzky. Schon fast Standard-Programm. Am Freitag lernten wir im Castillo Chapultepec ein wenig ueber mexikanische Geschichte und genossen den schattigen Park rundherum. Am Abend assen wir leckerst beim Argentinier Bife de Chorizo zu mundendem Malbec und am Samstag hoben wir mal wieder ab.

Unser Jet auf dem Flughafen von San José del Cabo

Um kurz nach 3 stieg unsere Embraer 145, eine kleine Maschine der AeroMexico Connect, in die Luefte und brachte uns einige hundert Kilometer weiter Nordwestlich auf Baja California wieder sicher auf den kargen Wuesten-Boden. Mangels Touristen war ein Leihwagen zu einem unanstaendig guenstigem Preis schnell verhandelt und wir konnten uns bereits vom Flughafen mit einem „eigenen“ Auto wegbewegen. In den kuenstlichen Touristenhochburgen von den Los Cabos wollten wir uns nicht lang aufhalten und nahmen bereits ueber die Westkante der Halbinsel in den Abend hinein Kurs auf La Paz. Ueber eine weite, gerade Strasse fuhren wir bis in die Dunkelheit hinein, umgeben von Duerre, karger Landschaft, hohen Bergen im Osten und Kakteen.

Die MEX 19 von Los Cabos nach La Paz

Bei Dunkelheit rollten wir in Todos Santos ein, wo wir momentan immernoch sind. Nach einigem Gesuche fanden wir ein Hotel, dass uns die Reisekasse nicht auf einem Schlag pluenderte und checkten ein. Tacos standen noch auf dem naechtlichen Speiseprogramm und dann begann schon die Nacht in BC.

Gottesdienst in Todos Santos - Verstaerker zu laut gedreht

Am Sonntag schauten wir nach dem Fruehstueck in einen Gottesdienst hier im Ort vorbei, eine sehr lebhafte Veranstaltung – viel und laut wurde gesungen und mitgeklatscht, den Pfarrer konnte man allerdings kaum verstehen, weil sich der Schall der viel zu laut gedrehten Lautsprecher doppelte. Am Nachmittag entschieden wir, das Hotel noch weitere zwei Tage zu halten und das Zimmer auf eine Nummer groesser zu wechseln und dann fuhren wir ein wenig die Strecke zurueck und suchten Zugang zum Pazifik.

Die Strasse, die zum Pazifik fuehrt.

Strand von Todos Santos - zu wild fuer die Pelikane

Der war bald gefunden und den Nachmittag verbrachten wir in der prasselenden Sonne am Strand. Eine kuehle Brise liess es frisch erscheinen und das Wasser war fuer mich, nach Zipolite-Warmwasser-Pazifik und Piswarmen Golf eindeutig  zu eisig, um laenger drin zu bleiben, als zum Befeuchten.

...und endlich - am wilden, rauhen Pazifik. Mal wieder.

Den Abend verbrachten wir Fisch-essend in einem kleinen Restaurant im Zentrum von Todos Santos und heute machten wir eine rund 120km lange Tour in den noerdlichen Kuestenbereich der Stadt.

Nicht gerade ein Jeep - aber er schlaegt sich nicht schlecht.

Asphaltierte Strassen sah unser Leihwagen kaum, dafuer unendlich viel Staub, Kakteen, Sand und vertrocknete Graeser – und einmal mussten wir ihn auf einer Staubpiste zu einem wirklich einsamenn, kilometerlangen Strand auch wieder freibuddeln, weil er sich im Sand eingegraben hatte.

Krebs - zum Sterben in die Sonne gelegt - kein schlechter Ort dafuer.

Am Strassenrand der MEX 19

Am Nachmittag schauten wir an der Lagune und am Strand von Todos Santos vorbei, wo man leider nicht schwimmen kann, weil die Wellen zu hoch, zu wild und zu heftig auf den Strand knallen.

Leben in der Wueste

Und weil mir hier gerade die Zeit im Internetcafé weglaeuft, mach ich es kurz – wir wollen gleich noch was zum Abend essen und morgen ziehen wir weiter noerdlich nach La Paz. So weit – aus der Wueste!

Grippe weg, Wetter schlecht, Besucher da.

Posted in Adios México, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 22. Mai 2009 by Jakob

Grau, trüb und ziemlich verregnet. Klingt nicht besonders nach Mexiko, aber  so präsentiert sich aktuell hier das Wetter in Puebla und ich muss mich meinem Besuch gegenüber entschuldigen, dass das Wetter momentan überhaupt nicht mitmacht. In meiner gesamten Mexiko-Zeit hab ich bislang nicht soo miserables Wetter erlebt und ich hoffe, daß sich das sofort ändert.

Denn: am Dienstag Abend ist mein erster Besuch eingetrudelt und heute nachmittag soll Daniel auch in Mexiko landen. Und während das Auswärtige Amt schon nicht mehr wegen der Grippewelle von Reisen nach Mexiko „dringend abrät“, fange ich gleich an, wegen akut schlechtem Wetter vor „nicht unbedingt erforderlichen Reisen“ nach Mexiko abzuraten. Aber Spaß bei Seite.

Ich bin wirklich froh darüber, dass ich Recht behalten habe, und das Auswärtige Amt (und die Grippe) sich so verhalten haben, wie ich mir das schon vor drei Wochen gedacht habe. Damals hatte ich noch ängstliche Mails beantworten müssen, ob man denn jetzt wirklich mich noch besuchen kommen könnte, und ich sagte: Klar fliegst Du – in 3 Wochen erinnert sich hier keiner mehr an die Panik von Anfang Mai. Und genauso ist es jetzt auch und ich kann meinen Besuchern ein von Touristen leergefegtes Mexiko präsentieren. Mich störts nicht. Und der paradiesischen Ruhe an der Küste kommt das nur zu Gute.

In den vergangenen Tagen war ich mit Thaela und ihrem Freund (auch trotz aller Grippewarnungen und „Du wirst sterben müssen!“ nach Mexiko gekommen – und lebt noch) mal wieder bei der Lucha Libre und am Dienstag sind wir in vollständiger deutscher WG-Runde auf Safari in den Süden von Puebla gegangen. Mit einem Taxi ließen wir uns durch den Africam-Safari-Park kutschieren und fuhren in nur wenigen Metern Entfernung an Begalischen Tigern, Löwen, Gazellen, Giraffen, Bisons und Kamelen vorbei. Alles in allem hatte ich mir die Anlage ein wenig natürlicher vorgestellt – aber für gute Fotos hatte die Safari alle mal gereicht. Auch ein kleiner Zoo, der am Ende zu Fuß zu durchlaufen war, war echt nett gemacht und unser kleiner Ausflug auf ein kleines Fleckchen Afrika mitten in Mexiko hatte sich gelohnt (siehe Photo-Auswahl).

In den nächsten Tagen war ich damit beschäftigt, wenn es nicht gerade regnete, Kathi Puebla und Cholula zu zeigen. Nicht so einfach, die Stadt und das Land besonders schön erscheinen zu lassen, wenn man jeden Nachmittag dabei eingeregnet wird. Aber während ich das hier schreibe, schaut die Sonne schon wieder durchs Fenster und ich hoffe, dass sie sich jetzt endlich halten wird. Aber gut, der See-Urlaub ist ja auch keine 3 Tage mehr entfernt.

Kathi ist inzwischen heute Morgen auf DF-Entdeckungstour gegangen und kommt hoffentlich morgen Abend gesund und munter gemeinsam mit ihrer Freundin (die morgen Abend landet) wieder nach Puebla zurück, damit wir alle gemeinsam am Sonntag morgen in den Leihwagen steigen können und Richung Küste brausen können. Ach, watt freu ich mich auf Sonntag – ich muss raus aus Puebla. Weg hier. Zum Strand. Zur Sonne.

Nordmexico-Trip 2 – Creel-Chihuahua-Puebla

Posted in mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 4. März 2009 by Jakob

Am Montag Morgen ging es wieder früh raus. Wir hatten am Abend noch eine Tour durch die Landschaft rund um Creel gebucht, und nach dem Frühstück trafen wir den Mittfünfziger Luis-Enrique, der uns mit seinem grünen Ford-Jeep das Land zeigen wollte.

Auf dem Plan standen zunächst die verschiedenen Täler in der Nähe von Creel, die vor allem durch bizarre Felsformationen bekannt sind: Valle de los Hongos (Tal der Pilze), Valle de las Ranas (Tal der Frösche) und das Valle de los Monjes (Tal der Mönche).

Wir fuhren aus Creel heraus und fuhren in das Gebiet des Ejido San Ignacio ein, ein Territorium, dass einer Comunidad von Tarahumara-Indianern zur gemeinsamen Bewirtschaftung überlassen wurde. Zunächst fuhren wir zur Cueva Sebastián, einer Grotte, in der bis vor wenigen Jahren der Heiler und Schamane Sebastián wohnte und lebte, und der ein erhebliches Ansehen bei den Indianern in der Gegend genoß. Die Grotte diente ihm zugleich als Lebens und Arbeitsraum und heute wohnt dort seine Wittwe, die Körbe und andere Sachen flechtet, oder Tortilla-Wärmer bestickt. Mit ihr wohnen in der Grotte ihre Hühner und andere Tiere und alles wirkt sehr rustikal und naturverbunden.

Nachdem wir uns in der Cueva Sebastián umgeschaut hatten und einen Tortilla-Wärmer erstanden hatten, setzten wir uns wieder in den großen, grünen, und alten Ford-Jeep und rumpelten über die Staubpiste weiter hinein in das Gebiet des Ejido. Unweit von der Cueva entfernt, vielleicht zwei, drei Kilometer weiter bogen wir rechts von der Holperpiste ab und parkten den Wagen vor den ersten bemerkenswerten Steinformationen. Große Steinplatten waren wie Pilzköpfe auf längliche Felsformationen gelegt, die in die Höhe ragten. Wir kamen uns vor, wie Zwerge in einem Pilzwald der Riesen. Die Pilzköpfe überragten uns teilweise leicht um 1 bis 2 Meter – und wir? Wir staunten und schossen Fotos. Irgendwann vor langer Zeit mussten die Steine bei einem Erdbeben von ihren ursprünglichen Plätzen gelöst worden, ins Rollen gekommen und schließlich als „Stein“-pilze verharrt sein. Beeindruckend und dies war erst der Anfang.

Nach ausgiebigem Füllen der Digi-Speicherkarten, rumpelten wir nur wenig weiter ins Tal der Frösche, oder das Valle de las Ranas. Schon von Weitem zeigte sich eine Felsformation, die aussah, wie der Froschkönig, ungefähr 3 Meter groß und vor ihm hockten seine Untergebenen, wie bei einer versteinerten Froschversammlung. Wer weiß, was hier einstmals geschehen war, und vielleicht waren sie ja wirklich bei einer ihrer Sitzungen versteinert. Aus der Nähe sahen die Gebilde wieder mehr wie von-irgendwo-her-gekullerte Felsbrocken aus – aber gerade aus der Ferne ergab sich das Bild der Froschversammlung.

Wir sprangen wieder in den Wagen, und Luis-Enrique umschiffte mit unserem Jeep gekonnt Riesen-Löcher. Er hatte diese Holperstrecke im Blut, wußte, wo er den Wagen trotz wiedriger Strassenverhältnisse auf 70 Stundenkilometer beschleunigen konnte, und wo er ihn wieder verlangsamen musste, um langsam sich über einen Felsbrocken zu schieben. Es schien ihm Spaß zu machen, uns durch diese Gegend zu manövrieren – bestimmt kein alter Mann, der Gewackel im Auto nicht ausstehen kann.

Die nächste Schotterpiste bogen wir ein, ließen den Ejido Ignacio hinter uns und zahlten bei einer einsamen Indianerin an einem Feldrand den Eintritt in den nächsten, in ihren, Ejido. Jener Ejido, der wohl über das Spektakulärste der verschiedenen Täler verfügt – das Tal der Mönche.

Schon von Weitem sahen wir Felsnadeln in die Höhe ragen und als wir endlich nahe gekommen waren, erstreckte sich vor uns das gesamte Panorama dieser bizarren Felsformationen – dem Tal der Mönche, oder vielleicht doch treffender: dem Tal der Penisse. Bis zu 30 Meter ragten die Kalk-Vulkangestein-Säulen (irgendwie sowas, erklärte mir Luis-Enrique, der bestimmt kein Geologe ist, war und jemals noch sein wird) in die Höhe und wir bahnten uns unseren Weg durch die versteinerten Riesen. Die Landschaft war nach wie vor karg, ein paar Nadelbäume, die sich über die Trockenheit ihr becheidenes Grün behielten, Büsche und Gräser. Wir schlenderten durch die Felsen, wußten nicht mehr, was wir schon fotografiert hatten, und was noch nicht und erklommen schlußendlich eine der Nadeln, die von hinten leicht zu besteigen war.

Trotz aller Begeisterung ging es Enora leider nicht so gut, wie uns restlichen Dreien. Sie war mit Rücken- und Gelenkschmerzen aus den Federn gekrochen und hatte mit sich zu kämpfen. Als wir schließlich an den Lago Arareko kamen, entschied sie sich, den Trip abzubrechen und wir brachten sie zurück ins Hotel. Allerdings jedoch nicht, ohne vorher noch eine Runde mit den Federalen (Policía Federal) Bekanntschaft zu schließen.

Lago ArarekoDer Lago Arareko liegt zurückgezogen und wenige Kilometer von der Straße entfernt, und als wir gerade mit unserem Jeep uns den Weg über Wurzeln und anderes Gehölz heraus aus dem Waldstück bahnten, verstellte uns ein moderner Dodge-Pickup der Policía Federal den Weg. Hinten drauf, wie immer, die mexikanischen Rambos. Schwarz gekleidete Polizisten, die Skimasken über das Gesicht gezogen, und die viel zu großen Waffen im Anschlag. Drei, vier von ihnen sprangen von ihrer Ladefläche und bedeuteten Luis-Enrique auszusteigen. Ich hatte den Beifahrerplatz, und mir wurde ein wenig mulmig. Wissend, dass mexikanische Polizisten und Sicherheitsgefühl bei mir keine Begriffspaare sind, die ich automatisch zusammen verwenden würde, dachte ich mir: Oh Mann, dass die die Situation hier in der Einsamkeit mal jetzt nicht ausnutzen. Drei der schwerbewaffneten umstriffen das Auto, als wären wir Drogenkuriere, schauten hinein, wünschten uns buenas tardes, fragten uns, ob alles okay sei, und ein anderer durchwühlte die wenigen Sachen im Kofferraum. Luis-Enrique sprach währendessen mit einem unmaskierten Polizistn, zeigte seine Guide-Papiere und nach ein-zwei Minuten war der Spuk vorbei. Die Polizisten ließen uns weiterziehen – und ich fragte Luis-Enrique nach dem „Weshalb?“. Er erklärte knapp, dass gerade im Norden Mexikos solche Kontrollen normal wären, weil die Drogenmafia über sämtliche Wege versuche, Rauschgift in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Dass die Mafia aber bestimmt keine Pause am Lago Arareko macht und sich auf dem Weg in diesem einsamen Gebiet aufhält und schmutziges Geld wäscht oder Drogen verlädt, darüber waren wir uns auch beide schnell einig. Reine Schikane also. Macht zeigen, Stärke demonstrieren, Angst verbreiten. Offenbar ein zum Grundsatz erhobenes Prinzip der mexikanischen Polizei.

Auf dem Weg zum Hotel befragte ich Luis-Enrique noch zum Vetrauen der Menschen, das sie in die Polizei haben. Anfangs zögerlich, und dann doch nach einigem Nachhaken etwas offener, erklärte er mir folgende Rangfolge: Mit den Federalen hat man besser keine Probleme. Sie kontrollieren die Strassen und spielen die Rambos. Nicht selten willkürlich. Die Policía Estatal (also die Landespolizei des jeweiligen Staates) mache ihre Arbeit ganz gut. Wenngleich auch sie käuflich seien, sei es doch allemal einfacher, mit ihnen zu Verhandeln. Und die Policía Municipal? Faulenzer! Von denen ginge weder Gefahr aus, noch täten sie viel für die Sicherheit. Faulenzen, quatschen, und ein wenig Sherrif spielen – vor allem Letzteres im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten.

Am Hotel ließen wir Enora zurück. Ich sprang noch schnell in die Farmacía und besorgte ihr etwas gegen ihre Gliederschmerzen, machte ihr die Heizung an und setzte mich mit Norman und Sally wieder in den grünen Jeep, der uns bereits erwartete.

Eigentlich wollten wir uns am Nachmittag einen Wasserfall in der Region anschauen, aber mit Luis-Enrique wurden wir uns schnell über eine Planänderung einig. Wir fuhren in die entegegengesetzte Richtung an die weiten und schroffen Ausläufer des Kupfer-Canyons, um uns allmählich – Aussichtspunkt für Aussichtspunkt, der Hauptschlucht mit dem Rio Urique am Fuße der Felsen zu nähern.

Ausläufer der Kupferschlucht - 1000 m unter uns der Rio OteroLuis-Enrique steuerte zunächst nach ein paar Kilometern den Wagen über eine staubige Landepiste zu einem ersten Aussichtspunkt, von dem aus wir ein erstes Panorama einer der Schluchtausläufer genießen konnten. Der Rio Otero hatte dieses Tal über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben, und in der Regenzeit könnte man auf ihm mit einem Kanu bis zum Pazifik fahren, erklärte uns Luis-Enrique. Oder besser: Mir. Und ich erklärte es dann Norman und Sally. Ich war zum Übersetzer unserer Tour geworden und Luis-Enrique, der anfangs sehr ruhig und zurückhaltend erschien, taute langsam auf.

Später fuhren wir zum Divisadero, dem Aussichtspunkt, an dem wir schon wenige Minuten mit dem Zug gehalten hatten, und genossen erneut das Piedra volada 2000m über dem Rio Uriqueunbeschreiblich weite Panorama der Barranca del Cobre, oder der Barranca del Urique, wie die Tarahumara seit jeher die Schlucht nennen. Wir verzehrten ein paar Quesadillas am Bahnhof, der, ohne einen Zug, bedeutend weniger geschäftig wirkte, und fuhren die weiteren Aussichtspunkte ab. Durch Nadelwaldgebiet und häufig über Wurzeln und holprige Waldwege chauffierte uns Luis-Enrique an die spektakulärsten Punkte, bis zur Piedra Volada – dem fliegenden Stein. Ob Luis-Enrique auf der Piedra volada - kippelndwir etwas wirklich kribbelndes sehen wollten, fragte Luis-Enrique, und kaum bejahte ich, sprang erschon durch die Büsche los in Richtung der Piedra Volada, die ungefähr einen Meter über dem 2000m-tiefem Abgrund schwebt. Auf dem Felsvorsprung liegt ein weiterer Felsbrocken und Luis-Enrique erklomm den Stein, stellte sich breitbeinig mit dem Rücken zur Schlucht darauf und belastete seine Beine abwechselnd, bis der Stein ins Kippeln geriet. Qué loco!

Danach kam er wieder zu uns, und forderte uns auf, es ihm gleich zu tun. Als Einziger traute ich mich auf den Felsen, aber zum Kippeln fehlte auch mir der Mut, flößte die mir die unter mir liegende Tiefe doch gehörig Respekt ein.

Das Ende unseres Trips bildete eine Rundfahrt durch die anliegenden Ortschaften und unser Guide zeigte uns die besten und einladensten Hotels, die teils mit einer spektakulären Aussicht an den Schluchtrand gebaut worden waren.

Auf dem Heimweg hatte es Luis-Enrique dann eilig. Das Gaspedal drückte er auf der neuen, asphaltierten Strasse durch sobald er konnte und unterschätzte doch hier und da den Neigungswinkel einiger Kurven, was uns gehörig in die Seiten oder wahlweise, bei schroffen Bremsmanövern, in den Gurt presste.

Als die Sonne unterging kamen wir wieder in Creel an. Voller Eindrücke und völlig beeindruckt. Schade, dass Enora den zweiten Teil unserer Tour nicht hatte mitmachen können, aber ihr war es im Bett besser ergangen, als es ihr beim bleifüßigem Fahrstil Luis-Enriques auf dem Rücksitz ergangen wäre.

Am nächsten Morgen packten wir unsere kleinen Rucksäcke zusammen, schauten uns ein eher unspektakuläres Regionalmuseum zur Geschichte an und sprangen in den Bus nach Chihuahua. Den Zug wollten wir nicht nehmen, weil der erst spät Creel passieren würde, und uns erst nach Mitternacht in Chihuahua auspucken würde.

Die karge Landschaft Chihuahuas - wie aus einem WesternDie Busfahrt führte uns heraus aus den felsig-trockenen Bergen der Sierra Madre Occidental und nach einigen Stunden gab es nur noch die Strasse, die die Steppe links und rechts in zwei teilte. Am Himmel verirrten sich vereinzelt ein paar Cirrus-Wölkchen, die dem Land mit dem tiefblauem Himmel darüber, erst seine ganze tiefe verliehen. Es fehlte nur der Strohballen, der vom Wind durch die Strasse gerollt wird, damit wir auch den Rest des kompletten Western-Feelings gehabt hätten.

Gegen vier rollten wir in Chihuahua ein, und wir verließen den Bus nah am Zentrum. Hinter der Bushaltestelle sah es aus, als hätte man gerade ein gesamtes Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Schutt und Staub, keine Gebäude und hinter der nächsten Häuserzeile, die fast einsam da stand, erblickten wir die Kathedrale. Wir dirigierten uns in ihre Richtung und hofften in der Nähe ein Hotel zu finden. Doch die Hotelsuche sollte schwerer werden, als geglaubt.

Eingeschlagene Fenster, Leerstand - Gebäude am Zócalo ChihuahuasDer Lonley Planet hatte uns bereits verraten, dass Preis und Leistung in Chihuahua zuweilen weit auseinander gehen könnten, und das es kaum günstige Herbergen gäbe. Nachdem wir stundenlang durch die Stadt geirrt waren, schon das Zimmer eines Hotels nahezu gebucht, betreten und dann doch wieder verlassen hatten, checkten wir in das von außen sehr schäbige Bal-Flo ein. Innen war es dann gar nicht so schlimm – der Preis allemal überhöht für das Gebotene, aber immernoch die günstigstes Option in der Stadt, in der man zwei Tage zuvor ein Anschlag auf den Gouverneur verübt hatte, und die mir seit unserer Ankunft ausgestorben, leer und tot erschien.

Idyllischer als die Realität - die Fußgängerzone in der InnenstadtWir drehten am Abend eine Runde über den Zócalo, der interessanter Weise im Norden auch Plaza de Armas (wie in vielen lateinamerikanischen Ländern) genannt wird, besuchten die Kathedrale und schossen in der Fußgängerzone einige Bilder, die eine Realität wiedergaben, die wir nicht vorfanden. Bilder wirken häufig doch idyllischer, als die Realität.

Am Mittwoch klingelte dann mal wieder der Wecker zu unchristlicher Zeit und wir bestellten uns ein Taxi zum Flughafen. Erst jetzt teilten Norman und ich unsere nächtlichen Beobachtungen insektiösem Lebens im Bad mit, was den Mädels doch recht gelegen kam, dass wir bisher damit hinter dem Berg gehalten hatten.

Der Flugplatz lag rund 20 Kilometer außerhalb der Stadt, der Taxifahrer war ein freundlicher, älterer Herr, der zunächst glaubte, wir seien Amerikaner, weil wir uns zu Viert auf Englisch unterhielten.

Unser kleiner Volaris-Airbus kommt in Chihuahua anPünktlich drehte unser kleiner Airbus aus Toluca kommend herein, und wir entschwebten ebenso pünktlich der kargen Wüstenlandschaft Nordmexikos. Noch aus der Luft war die trockene Weite gut zu  sehen – sind doch in der Trockenzeit kaum Wolken am Himmel. Und so schwebten wir bei klarstem Himmel wieder nach Süden, über den 4600m-hohen Nevado de Toluca in die gleichnamige Stadt ein, die 60 Kilometer nordwestlich von DF liegt.

Nur mit Handgepäck beladen steuerten wir den Ticket-Verkaufsstand von Caminante an und kruz darauf saßen wir in einem Shuttle nach Ciudad de México. Eine gute Stunde später verließen wir den Van an einem Centro Comercial, und ich hatte das Gefühl, dass in Mexiko Frühling geworden war. Viele der Bäume hatten lila Blüten und strahlten geradzu zwischen der teils grauen Tristesse alter Hochhäuser Mexico Citys. Und nach den wüstenhaften Eindrücken des Nordens erschien alles Grün noch tausendmal grüner.

Der Ixtazíhuatl zeigt sich in seiner vollen SchönheitNach einem Stopp über Katinkas Wohnung, wo Norman und Sally ihre großen Rucksäcke wieder an sich nahmen, fuhren wir zum Tapo, dem zentralem Busbahnhof Mexicos. Hier bestiegen wir den nächsten Bus in Richtung Puebla und fuhren in den von der Sonne in ein goldenes Licht getauchten, Abend hinein nach Haus. Erstmals bei dieser Fahrt, durften wir Popocatépetl und Ixtazíhuatl, die beiden Riesen, die man sowohl von Mexico, als auch von der anderen Seite von Puebla aus bewundern kann, in ihrer vollen Schönheit sehen – von den weiten begrünten Ausläufern bis hin zu ihren über 5000m-hohen Spitzen zeigten sie sich bei klarer Luft in ihrer vollen Pracht. Wunderschön. Und ein gelungenes Ende mit beeindruckenden Bildern vom Anfang bis zum Ende unseres Nord-Mexiko-Trips.

Donnerstag, Freitag und Samstag mit Normi und Sally in Puebla

Am Donnerstag sollte nun für Norman und Sally endlich der erste Tag kommen, an dem sie, seit ihrer Ankunft, einmal ohne Wecker aufstehen konnten. Und so frühstückten wir in aller Ruhe bei prasselnder Sonne auf dem Sonnendeck der Quinze und brachen am späten Vormittag zu einem Stadtrundgang auf. Ich zeigte ihnen die Kathedrale, die mit ihren (bescheidenen) 69m-hohen Türmen die Höchste Mexikos ist, später den vor grün strotzenden Zócalo und meine Uni, deren Hauptgebäude sich in einem ehemaligen Jesuitenkloster breit gemacht hat. Später zogen wir über den Handwerksmarkt El Parian und endeten schließlich auf der einzigen Fußgängerzone der Stadt, der 5 de Mayo. Am Nachmittag verspeisten wir ein paar Tacos und Normi und Sally erkundeten weiter die Stadt, shoppten nach Herzenslust Handwerkskunst, Töpferei-Artikel und Fußballtrikots, während ich mal wieder meiner Fakultät einen „Arbeits“besuch abstattet.

Ex-Convento de Tecali - Gemäuer, die ihre Besitzer und Erbauer längst überdauert habenFreitag sollten sich die beiden, laut Plan, eigentlich an den Golf nach Veracruz aufmachen, aber Pläne sind dazu da, verändert zu werden, und so blieben sie in Puebla und ich fuhr mit ihnen in den Süden der Stadt – hinaus aufs Land, zu den wunderschönen ehemaligen Franziskaner-Klöstern, deren Ruinen wir uns bei Kaiserwetter und idealen Photobedingungen zu Gemüte führten. Auch für mich sind diese alten Gemäuer nach dem dritten Mal noch immer wieder einen Besuch wert. Immernoch beeindruckend, die hohen, steinernen Mauern und Säulen, die über die Jahre allen klimatischen Bedingungen getrotzt haben.

Am Samstag dann erlebten wir einen kleinen poblanischen „Höhepunkt“. Bei unserem Kathedral-Besuch am Donnerstag war ich mit einer der Aufsichtsdamen ins Gespräch gekommen und hatte sie gefragt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, die Glockentürme zu besteigen. Offiziell wird dies nirgends angeboten und es existiert diese Möglichkeit auch nicht, aber sie zeigte sich bereit, am Samstag schließlich gegen eine kleine Spende (zur Erhaltung der Kathdrale selbstverständlich), uns auf einen der Glockentürme hinauf zu führen. Und so trafen wir uns um 9 Uhr morgens mit ihr in der Kathedrale und wir erklommen die höchsten Türme einer Kirche in Mexiko.

Popo, Ixta und die historische Altstadt Pueblas - Blick vom GlockenturmUnter uns der saftig-grüne Zócalo, die kolonialen Häuser der unter dem Schutz der UNESCO stehenden Altstadt und am Horizont La Malinche, Ixtazíhuatl und der sanft rauchende Popocatépetl. Ein wahrer Höhepunkt meines Puebla-Aufenthaltes und eine Turmbesteigung, die sich lohnte. Neben dem Hauptglockenwerk mit der 8,5 Tonnen schweren Hauptglocke, genossen wir das Panorama der Stadt mit ihren Vulkanen rund herum.

Nach einem Frühstück in der brennden Sonne am Zócalo trennte sich Enora von uns und ich wollte den beiden noch eine Töpferwerkstatt zeigen, in der man den kompletten Herstellungsprozess der traditionellen poblanischen Töpferkunst bewundern kann. Aber wer denken kann, ist klar im Vorteil, würde mein guter Freund Daniel J. sagen, und so mussten wir auf diesen Rundgang verzichten, weil Samstag nicht gearbeitet wird.

Norman posiert auf einem alten Chihuahua-Pacifico-WaggonWir ersetzten den Rundgang mit einem Rundgang über den Alten Bahnhof Pueblas, der inzwischen zum Eisenbahnmuseum umfunktioniert ist, und kletterten auf verrosteteten Lokomotiven und Waggongs herum, was uns auch viel Spaß machte. Am Abend verspeisten wir die Reste der am Vorabend gebackenen Pizza und Enora und ich setzten Norman und Sally in einen Micro zum Busbahnhof, wo sie in einen Nachtbus nach Palenque stiegen.

Ich ordnete meine Sachen in meinem Zimmer, räumte auf und nutzte den Sonntag komplett, mein CHEPE-Video zu schneiden, was seit gestern in meinem Blog online steht.

Gestern verlief dann ruhig, heute besuchte ich mal wieder die Uni, mit dem Resultat, dass ich mir mit meinem Philosophie-Prof einig war, dass es in jenem Seminar zuginge, wie in der Schule, und er bot mir an, in einen etwas konzentrierteren Kurs von ihm zu wechseln. Und das werde ich auch machen.

Am Donnerstag Abend werde ich dann wieder in einen Nachtbus fahren und Norman und Sally am Pazifik wiedertreffen. Ich freue mich, auf eine langes Wochenende, auf Strand, Palmen, Holzhütten, Cocktails, warme Seeluft am Abend und ein entspanntes, langes Wochenende. Ist ja nicht alles Arbeit hier, in Mexiko.

🙂

Sonne, Palmen, Meer und 25 Grad…

Posted in pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 14. Dezember 2008 by Jakob

… und ich rede hier natuerlich nicht von Luft-, sondern von Wassertemperatur. Ja ja ja, ich weiss, waehrend Ihr im kalten Deutschland sitzt und Euch den Hintern wegfriert, faellt mir mal wieder nichts anderes ein, als Euch von Palmen, hohen Wellen, blauem Wasser und strahlender Sonne vorzuschwaermen. Und da will ich den schicken kleinen Pool in unserem Hotel gar nicht erwaehnen, der da still im Halbschatten der Palmen auf Geaeste wartet.

Atlantida-Van von Oaxaca nach Pt. EscondidoIhr seht, es geht mir wunderbar und ich geniesse mal wieder Puerto Escondido. Diesmal ist das Wetter noch bestaendiger, als im August, aber auch das liegt an der Trockenzeit.

Wir sind am Donnerstag mit einem Van nach San José hoch in die Sierra gefahren und haben uns dort eine Nacht in einer kleinen Huette gegoennt. Die Vegetation erinnerte dot eher an Suedfrankreich – Pinienwaelder, Laubbaeume, Straeucher und, na gut, auch Palmen und Agaven. Blick ueber die Berge bei San JoséWir haben die Freitag Vormittag fuer eine Wanderung in den Bergen genutzt und sind am Nachmittag mal wieder in einen dieser dicken, weissen Ford-Vans gesprungen, der uns dann schlussendlich an den Pazifik brachte. Mit einem Micro wackelten wir dann noch eine gute Stunde die Kuestenstrasse von Pochutla nach Puerto Escondido hinauf und checkten dann in eben jenem oben beschriebenen kleinen Hotel ein.

Ich neben einer Riesen-AgaveDas Hotel hatte ich schon im August mit Martin besucht und ich hatte es in guter Erinnerung behalten – und die Besitzer erkannten mich schliesslich auch wieder. Hier werden wir noch anderthalb Tage am Strand verbringen, bevor wir wieder nach Sueden, oder besser, Osten starten und uns nocheinmal an einem anderen Strand in Mazunte niederlassen. Die Saison der Waale und Delfine ist angebrochen, und so wollen wir uns die springenden Riesen und die lustigen kleinen Kerle nicht entgehen lassen.

Was die Fotos angeht, so muss ich mal wieder enttaeuschen: Das letzte Inet-Cafe hat auf meinem USB-Stick meine Fotoordner zerstoert und so musste ich ihn eben ersteinmal neu formatieren. Das ist hier eine echte Plage: steckst Du einmal einen USB-Stick in einen oeffentlichen Rechner, ist er voll mit Wuermern, Trojanern und Viren. Das passiert mir schon jedes Mal, wenn ich in Puebla drucken muss, aber zerstoert wurde bislang noch nichts. Auch diesmal habe ich Glueck im Unglueck: Alle Bilder, dich ich auf meinem USB abgelegt hatte, sind noch in meiner Kamera. Hatte wohl irgendwie den richtigen Riecher, als ich sie nicht direkt nach der ersten Sicherung von der SD-Karte loeschte. Aber: Ich hab sie nicht hier.

Also, das naechste Mal mit mehr Zeit – und hoffentlñuch einer besserbn Tastatur, diese hier raubt mir den letzten Nerv – jede dritte Taste schreibt wann sie will – ist also nich meine Schuld…. i

Al Pacífico… und ein unglaubliches Treffen.

Posted in Bienvenidos!, pacifico, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 12. August 2008 by Jakob

Mit Cola und Zwieback sitz ich vor meinem Notebook und versuche ein wenig den Magen zu beruhigen. So langsam scheint das auch zu klappen. Irgendwas hab ich mir gestern am Pazifik noch als Andenken eingesteckt. Und so konnte ich mich um so glücklicher schätzen, dass ich mit dem besten aller Nachtbusse von Puerto Escondido zurückfuhr. Einer, der ordentliche Toiletten hatte. Was bei anhaltenden Magenkrämpfchen schon wirklich was wert war. Aber der Reihe nach. Und bevor sich gleich wieder jemand Sorgen macht: Es ist nur der Magen – der bekommt sich schon wieder ein…

🙂

Am Mittwoch war ich letztendlich mit Martin in den Bus gestiegen. Es war erst gegen Abend Einer geworden, weil unsere Wäsche noch trocknen musste. Dann ging es knapp 5 Stunden nach Süden und am späten Abend fuhren wir in Oaxaca ein.

Oaxaca ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und zum einen wegen des örtlichen Kunsthandwerkes, zum anderen wegen des nahe gelegenem Zeremonialzentrums Monte Albán (Bild links: Teil Monte Albáns) bekannt. Monte Albán war eine der ältesten Städte Mesoamerikas und einst lebten hier 200.000 Menschen. Heute ist das auf dem „weißen Berg“ gelegene Zeremonialzentrum ein Anziehungspunkt – und wohl eine der beeindruckendsten Pyramidenanlagen in Mexiko. Im Reiseführer hatte die gesamte Anlage ein wenig trist und trocken gewirkt, aber wir hatten offenkundig Glück (Vergleicht mal mit den Bildern bei Wikipedia – Link etwas weiter oben…).

Nach dem Aufstehen am Donnerstag (zugegeben nicht sooo früh) machten wir uns auf den Weg durch die Innenstadt Oaxacas (es ist müsig, zu erwähnen, dass diese natürlich auch auf der UNESCO-Welterbeliste steht – ebenso wie Monte Albán und eine Hand voll anderer Sehenswürdig- und Beeindruckenswürdigkeiten). Wir sprangen an einem Hotel in einen großen amerikanischen Van, der uns hinauf zur Anlage bringen sollte. Am Parkplatz wurden wir rausgeworfen und sollten in drei Stunden wieder abgeholt werden. Ich hatte anfangs geglaubt, dass wir niemals so viel Zeit auf dieser Anlage verbringen würden – am Ende erwies es sich allerdings als gerade so ausreichend. Wenn nicht zu kurz. Die gesamte Anlage zeigte sich uns in einem saftigen grün. Pyramiden, Tempel, Überreste von Sonnenuhren und Kalender zogen uns auf dem künstlich planierten Berg mit seinem ebenso nicht weniger beeindruckenen Panorama in seinen Bann. Um einen wenigstens kleinen Eindruck von der Größe der Anlage zu bekommen, habe ich ein kleines Panorama-Video (58 sek.) gedreht. Weitere photographische Eindrücke gibts auch in der flickr-Diashow hier als Teil der Mexico-Impressionen.

Nachdem wir wieder zurück in Oaxaca waren, verbrachten wir den Abend auf dem Zócalo. Eigentlich hatten wir uns nur für ein kleines Bierchen niedergelassen, dann aber doch so die Stimmung auf diesem wunderbaren Hauptplatz genossen, dass wir einfach eine halbe Ewigkeit sitzen blieben und das Personal sich wohl schon bald wunderte, ob wir denn je wieder gehen würden…

Der Nachtbus drängte uns dann zum Verlassen unseres entspannten Plätzchens in Oaxaca. Wir hatten nur einen Tag für das Städtchen geplant – im Nachhinein wären auch 2 oder 3 nicht zu viel gewesen – es hätte noch viel zu tun gegeben. Aber: Der Pazifik rief!

Also wieder 9 Stunden in Bussitze gedrückt und am nächsten Morgen in noch grünerer Landschaft aufgewacht. Gegen Acht erreichten wir dann unseren Zielort – Puerto Escondido. Ein kleines Städtchen, ein Surferparadies mit einer der längsten Wellen der Welt (da von meinen Lesern hier ja kaum einer surft, muss ich das wohl erwähnen – ich wusste es vorher auch nicht), viele Hostels, ein langer Strand und – baden verboten

🙂

Nunja, dass sollte uns den Spaß nicht nehmen. Es war Freitag Morgen und ein langes Wochenende lag vor uns. Wir hatten uns vorher natürlich keine Bleibe rausgesucht und ließen uns von einem Mädel am Terminal OCC (Busbahnhof) einen Flyer in die Hand drücken – El Barco del Armor – Más que un hostal… Die Preise klangen gut, die Ausstattung ebenso und es sollte direkt in der Nähe des Strandabschnittes sein, an dem man eben doch baden konnte. „Schwimmen verboten“ heißt in Mexiko ja noch lange nicht, dass man nicht ins Wasser darf. Also schnappten wir uns ein Taxi, dass uns weit in die Peripherie Pto. Escondidos fuhr und an besagtem Hostal ‚rauswarf. Ich brauchte keine 30 Sekunden und keinen Blick ins Hostel zu werfen, um zu entscheiden: Hier bleiben wir nicht – zu weit ab vom Schuss.

Also schlurften wir an den Strand und stapften durch den heißen Sand wieder in Richtung Stadt. Irgendwann fing dann wieder ein bißchen mehr Zivilisation an und wir fanden die Casa Bastin. Ein kleines familiengeführtes Hotel mit Apartements – einen feinen und warmen Pool und dem Surfer Miquele (17 Jahre, sonnengebleichtes, blondes lockiges Haar) – der schlicht und ergreifend alles und jeden in Pto. Escondido kannte. Wenn man was wissen musste – musste man ihn fragen – und man bekam den gewünschten Tipp.

Nachdem wir eingecheckt hatten gönnten wir uns ein Frühstück und den Rest des Tages verbrachten wir am Strand. Badender Weise. Schwimmen war auf Grund der hohen Wellen wirklich nicht drin und zu nahe sollte man ihnen auch nicht kommen, wenn sie brechen. Teils auf 5 Meter bäumen sie sich auf, saugen massenweise Sand vom Grund herauf und wirbeln dann alles was sich ihnen in den Weg stellt wie in einem Zementmischer durch die Gegend. Einmal hineingeraten, vergißt man schnell, wo oben und wo unten ist – man wartet einfach nur, dass die Gewalt nachlässt. Ein Mega-Wellenspaß – und nicht ganz ungefährlich.

Die Sonne brannte erbarmungslos und so war auch der einzige Ort, an dem man sich aufhalten konnte, entweder der Pazifik (mit vielleicht 27 Grad) oder der Pool (mit vielleicht 28 Grad Wassertemperatur).

In unserem Nachbar-Apartement weilten drei Jungs aus Puebla. Oder besser: Zwei aus Puebla und einer, der zwar Mexikaner war und in Puebla noch sein zu Hause hatte, aber seit Jahren in Kanada arbeitete – Roberto, der sich auch in der komfortablen Lage befand, eine kanadische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Die acht  Jahre Kanada hatten auch schon sein Spanisch lädiert – ein Gringo-Akzent, und das als Mexikaner – schon fast eine Strafe. Die beiden anderen, David und Richy (auch Bob Marley genannt), machten den ganzen Tag nichts. N I C H T S. Na gut, morgens einen Joint, Mittags Zeug organisieren, rauchen, husten, chillen, Schlafen. An den Strand gehen. Rauchen. Schlafen. Roberto hatte kein Bock darauf (was ich gut nachvollziehen konnte) und wir boten ihm an, sich uns anzuschließen und so verbrachten wir die ganze Zeit eigentlich zu Dritt.

Samstag stiegen wir alle auf die Body-Boards und ließen uns stundenlang von den Wellen hin- und herwirbeln – genossen Schussfahrten auf brechenden Wellen und versuchten, uns nicht allzusehr die Haut zu verbrennen. Abends genossen wir Cocktails in der Bar Fly mit Roberto und ließen die Nacht in einer Tanz-Strand-Bar mit Feuerspektakel ausklingen. Leider mit dem Ergebnis einer offenen Lippe bei Roberto. Ein offenbar zu betrunkener Surfer hatte sich durch irgendetwas provoziert gefühlt und einfach mal draufgehauen – kein schönes Ende für einen schönen Abend – aber glücklicherweise war kein Doktor von Nöten. Jaja, das Temperament, der Alkohol, die Hitze und lateinamerikanisches Blut – da fliegt schon mal schnell eine Faust.

Am Sonntag entschied ich dann spontan, doch erst am Montag Abend die Küste zu velassen und dies erwies sich als gut. Ein Tag mehr Pool, Strand, schlafen, Entspannen, Nichtstun…. Mein Busticket für den Montag-Nachtbus schon in der Tasche bekam ich dann das Angebot, mit den Nachbarjungs wieder nach Puebla zu düsen – aber das Ticket für den Bus war zu teuer und die Jungs wollten irgendwo noch bei einem Dorf mit Zauberpilzen vorbei – also blieb ich bei Bus. Hinzukam, dass mich am Montag dann traf, was Martin seit Sonntag plagte – der Magen machte schlapp. Martin hatte es ein wenig heftiger erwischt – Montag mit ein wenig Fieber, hatte ich ein Erste-Hilfe-Set in der Farmacia gekauft und Electrolyte-Lösung. Martin wollte ohnehin noch an der Küste bleiben und so buchte er noch eine Nacht länger in unserem Doppelzimmer. Er wird dann weiter vom Pazifik in die Karibik fahren und dann wieder nach Puebla kommen – der Weg über Puebla wäre für ihn unsinnig gewesen.

Ich setzte mich am Nachmittag in ein Taxi und ließ mich zum Terminal bringen. Dort angekommen, kaufte ich mir eine große Flasche Wasser und Kekse und hatte zum Dritten mal in relativ kurzer Zeit eine unglaubliche Begegnung. Ein blondes Mädel saß, als ich ins Terminal kam, auf einer Bank und lächelte kurz. Nachdem ich mir ein Wasser gekauft hatte, kaufte sie sich ebenso eines und kam danach auf mich zu und fragte mich: „Sorry, where are you from?“ Ich antwortete knapp und kurz: „Germany!“ Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter und sie fragte weiter: „Jakob?“ Ich: „Ähhmmm, ja! Nee, oder?!!?!“ – vor mir stand Alex. Sie hatte vor ungefähr zwei Jahren bei mir in Bonn übernachtet. Ich hatte sie als Gast über den Hospitalityclub bei mir aufgenommen. Sie war damals auf einer Konferenz in Bonn und hatte sich auch kurz vor Mexico noch einmal via Mail gemeldet. Sie wollte auf die AIDS-Konferenz nach D.F. und wir hatten dann aber nicht noch einmal Kontakt. Und plötzlich, mitten im nirgendwo an der Pazifikküste steht sie vor mir. Unglaublich. Ich wollte eigentlich einen Tag früher fahren, so wären wir uns nie begegnet und sie hatte sich gerade einmal eine halbe Stunde zur Weiterfahrt aufgehalten – wahnsinn, was der Zufall so alles kann …. Ja, wir freuten uns und konnten gar nicht so richtig glauben, dass wir uns jetzt sooo wiedergesehen hatten. Nach unserer kurzen Begegnung trennten sich wieder unsere Wege und ich ließ mich mit Magen über 16 Stunden zurück nach Puebla schaukeln.

Oder besser schütteln. Die Strassenverhältnisse schienen so schlecht, dass ich mir zeitweise wie auf der Ladefläche eines LKWs vorkam, der viel zu schnell über eine Schotterpiste raste. Nur der weiche Sitz federte das Ruckeln ein wenig ab. Heute wollte ich nun eigentlich endlich meine Tramites Migartorios machen – aber mein Magen hat mir zunächst Ruhe verordnet. Morgen ist auch noch ein Tag. Und wie sagt man so schön hier: Mañana, mañana! Und so brachte ich es heute außer vom Busbahnhof nur noch kurz zum Super – Kamillentee, Cola und Zwieback kaufen und auf Besserung hoffen. Der Kurztripp zum Pazifik war es dennoch wert. Aber das nächste Mal flieg ich. Hab grad gesehen, dass ich für das gleiche Geld (wie mein Busticket) von Puerto Escondido auch hättte zurückfliegen können. 16 Stunden Schaukel-Rumpel-Ersparniss – naja, danach ist man immer schlauer.

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