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Dschungel-Palaeste, See-Festungen, tiefblaues Wasser und tropisceh Temperaturen

Posted in Caribe, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 8. Januar 2009 by Jakob

Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich mal wieder Zeit und Muse gefunden habe, hier mal wieder etwas zu schreiben. Und die Gefahr im seltenen Schreiben liegt darin, dass die Artikel, je seltener, um so ausfuehrlicher ausfallen. Aber gut, was solls.

Palenque - tief in der SelvaJetzt sind schon wieder fuenf Tag vergangen, und es sind fuenf Tage, in denen wir so unglaublich viel Neues zu Gesicht bekommen haben. Ich dachte, ich wuerde eines Tages muede werden, mir staendig neue Ruinen, Pyramiden und Palaeste anzuschauen, aber die, die man hier in México an den verschiedensten Stellen vorfindet, stehen in so unterschiedlichen Landschaften und haben so unterschiedliche Bauweisen, beeindruckende Ausmasse und geniale Settings, dass es einfach nicht langweilig wird.

Am Samstag Morgen war Enora (uebrraschenderweise) puenktlich aus Puebla gekommen und wir suchten uns zunaechst eine bessere Bleibe, als das schaebige Loechlein, in dem ich die Nacht verbracht hatte. Nachdem wir was gefunden hatten, gefruehstueckt und in wenig gebummelt waren, machten wir uns auf den weg in den Dschungel zu den Maya-Ruinen von Palenque. Riesenblaetter im DschungelWeil wir gluecklicherweise unter die Kategorie „mexikanische Studenten“ fallen, geniessen wir das grosse Glueck, saemtliche archeologische Staetten in México, seien sie noch so touristisch, kostenlos besuchen zu koennen. Das ist uebrigens in meinen Augen der groesste Vorteil meines Auslandsstudium bislang, was das reine Studium angeht.

Wir betraten die Ruinen durch den Haupteingang, bahnten uns den Weg durch dschungelartige Wege, mit grossen und hohen Baeumen, von denen Lianen herunterhaengen, und erreichten den Hauptplatz der alten Maya-Stadt. Die geamte Ausstrahlung dieser Ruinen erinnerte mich zunaechst an Angkor in Kambodscha: Dschungel, uberwucherte Ruinen, Palaeste und Tempel – aber es ist dennoch anders.

Hauptplatz PalenqueDer Hauptplatz ist umgeben von hohen Pyramiden, die auf dem oberen Plateau zumeist einen Tempel beherbergen. Weite und steile Treppen fuehren nach oben und hat man sich einmal den Weg nach oben gebahnt, hat einen weiten Blick ueber den umliegenden Dschungel, ueber das vergangene Reich der Maya und man kann sich lebhaft vorstellen, wie dieses Reich gerade von Palenque aus regiert und dominiert wurde. Palenque stammt der Legende nach aus knapp 1000 vor Christus und erlebte seine Bluetezeit in 8. bis 10 Jahrhundert, bevor es mit dem allgemeinen Kollaps der Mayas seinen Untergang fand. Der Kollaps der Maya ist bis heute kaum erklaerbar und heftig umstritten und erscheint um so fragwuerdiger, wenn man die elaborierten, kunstvollen und maechtigen Bauwerke dieser Zivilisation besucht. Sie strahlen nach wie vor etwas mysthisches aus. Palenque ist einmal mehr ein Beweis dafuer, dass man nach Monte Albán, Teotihuacán, Mitla und Yagul, Tula de Allende und Cholula eben noch laengst nicht alles dieser reichhaltigen Zivilisationen Méxicos gesehen hat, und dass man immernoch immer wieder auf Neue ueberrascht und beeindruckt werden kann. Leider waren wir erst am Nachmittag an den Ruinen angekommen und wurden schon nach anderthalb Stunden von den Ruinenaufsehern wieder rausgeschmissen, aber da wir ja Studenten sind, sind wir zwei Tage spaeter einfach noch einmal hin und haben uns den Rest der Staette, diesmal von einer anderen, noch viel verwachseneren Seite, angeschaut. Ein zweites Mal in den gleichen Ruinen und erneut ein voellig neuer Eindruck. Palenque ist grossartig. Nicht die Stadt von heute (die kann man in der Tourismuspfeife rauchen!), aber die alte erhabene Metropole der Mayas.

Aguas AzulAm Tag darauf hatten wir uns von zivilisierten Attraktionen wieder einmal mehr den Naturattraktionen zugewendet und waren mit einer Tour nach Misol-Ha, einem hohen und wunderbaren Wasserfall, unter dem man durchlaufen kann, und Aguas Azul gefahren. Aguas Azul war definitiv DIE Attraktion des Tages. Aguas Azul, das ist ein Fluss, der sich seinen Weg durch die Selva bahnt, von Wasserfall zu Wasserfall springt, mal gemaechlich weiterfliesst, bevor er sich immer wieder in natuerlichen Pools ausruht. Das Wasser ist unglaublich blau und tuerkis, es ist erfrischend kuehl und wir haben uns ausgiebig an der Erfrischung erfreut.

In der Nacht zum Dienstag haben wir uns dann schlussendlich auf den Weg nach Yucatán und in die Karibik gemacht. Der Nachtbustrip durch Chiapas war gekennzeichnet von Militaer-Checkpoints alle 10 Kilometer und so kamen wir mit dem Bus anfangs nicht wirklich voran.

Dschungel um PalenqueDiese Checkpoints fuehren einem ausserdem immerwieder die gespannte Situation in México vor Augen. Schwerstbewaffnete Militaers, behangen mit Maschinenpistolen und mit ihren amerikanischen Militaerjeeps stehen an den Seiten, schauen boese, und auf dem Dach des Jeeps liegt ein Soldat schussbereit hinter einem Maschinengewehr. NIcht die angenehmste Reiseatmospaehre. Aber die offizielle mexikanische Version lautet ja immer: No pasa nada. Mexico gehts gut. Das Gegenteil an Gefuehlen ist der Fall, vor allem, wenn man durch Chiapas reist. Der Bundesstaat ist seit dem Aufstand der Zapatisten 1994 unter Subcomandante Marcos foermlich abgefuellt worden, mit mexikanischem Militaer. Die politische Situation ist und bleibt angespannt und der Dialog zwischen Aufstaendischen in CHiapas und Regierung in DF sieht so aus, dass die Zapatisten die Waffen niedergelegt haben, Rfeormvorschlaege zur Verbesserung der Lage der indigenen Bevoelkerung in Chiapas gemacht haben und die Bundesregierung als Antwort Militaer und Repression gesandt hat. Auch in Palenque durften wir in der nacht schlendernd die kleinen Angst-Mac-Manoever des Militaers miterleben: Gegen Mitteracht kreuzte ein Mliitaerkonvoi, bis an die Zaehne bewaffnet und mit eben jenen Maschinengewehren auf den Daechern der Militaer-Hummer durch die Stadt. Schnell ruppig, finster blickend. Sicherheitsgefuehl vermitteln sieht in meiner Vorstellung anders aus. UNd scheint auch gar nicht die Intention. In solchen Situationen unterscheidet sich México wohl kaum von anderen herkoemmlichenKrisengebieten auf der politischen Landkarte. Aber soweit zu diesem Exkurs.

Disfrutando Caribe!Wir waren nach Tulúm gekommen und wollten uns eine Cabaña am Strand in der Naehe der alten Maya-Ruinen suchen und wurden sofort mit karibischen Preisen konfrontiert. Hatten wir bislang pro Nacht zwischen 200 und 300 Peso bezahlt, kamen hier die aermlichsten Versionen von Cabañas (ohne Bett, und ohne Haengematte) schon 500 bis 600 Pesos. Wir hatten Glueck und fanden einen vergleichsweise nette mit Bett fuer 500 und genossen den ersten Tag am Meer. Weisser Sand, tuerkisblaues Wasser: Es stimmt, es ist faszinierend! Und noch viel mehr bei Mondschein in der Nacht. Da schaut der Strand wie unter einer Schneedecke aus. Der Sand reflektiert das Mondlicht so beeindruckend, dass ich mich beinahe im deutschen Winter gefuehlt haette. Waer da nicht dieser Temperaturunterschied von 40 oder mehr Grad gewesen waere. (Hab grad aus Leipzig gehoert, dass es dort der zweite Tag unter -20 war…. also sind wir sogar 50 Grad waermer hier…)

Templo de Frescos - TulúmTulúm wollten wir auf Grund ueberhoehter Preise nach einer Nacht wieder verlassen. Allerdings nicht, bevor wir uns die faszinierenden Palaeste der Maya, die direkt ueber dem tuerkisblauen Wasser herausragen, angeschaut haben. Tulúm hatte seine Bluete im 13. und 14. Jahrhundert und war seiner Zeit die groesste Stadt af Yucatán. Bis heute stehen die alten Stadtmauern, durch die man hereinkommt und die die Palaeste und Tempel schuetzten.  Der Ort – einmal mehr – komplett anders. Ruinen auf Felsen, ueber weissem Strand und tuerkisblauem Wasser. Herrlich. Die Maya hatten ein gutes Auge fuer nette Plaetze, kann man da nur sagen. Auch hier durften wir wieder studentisch-kostenlos flanieren gehen und spaeter schnappten wir uns einen Colectivo nach Playa del Carmen. Hier sind wir seit gestern Abend und der Vorteil ist, weil groesser, gibt es eine groessere Auswahl an auch guenstigeren Herbergen. Wenngleich man jeden Verlgeich mit der Pazifikkueste unterlassen sollte. Die Karibik kostet definitiv das Doppelte. Und das liegt wohl auch daran, dass wir uns hier nur wenige Kilometer suedlich einer der Tulúm vom Meer aus gesehenbekanntesten Touri-Spots weltweit aufhalten: Cancún. Diese Stadt werden wir uns wohl nur fuer einen Tagesausflug goennen. Und am Montag von dort zurueckfliegen. Ja! Fliegen! Wir hatten das grosse Glueck, einen Flug von Cancún nach DF zu finden, der uns fuer rund 50 Dollar guenstiger wieder in die poblanische Heimat befoertdert, als der regulaere Bus. Und das auch noch in 20 Stunden weniger. Wenn das nichts ist. Alsdenn, ich zerfliess im Internetcafe und muss wieder an die Luft, an den Strand, in den Sand.

Was für ein Regen! Lluviando en Puebla.

Posted in Bienvenidos!, puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Juli 2008 by Jakob

Ich bin da. Ja. Angekommen, an meinem eigentlichen Ziel: Puebla. Oder schöner noch: Angelópolis. Heute vormittag habe ich bei Bernhard und Paola meine Sachen gepackt und bin dann mit einem Taxi zum TAPO, dem Busterminal im Norden von D.F., gefahren. Vorher hatte ich bei den beiden noch den Abwasch gemacht, mir einen leckeren O-Saft frisch gepresst und noch die ein oder andere Mail geschrieben.

Dann jagte ich mit dem Taxi quer über die Stadtautobahn in den Norden. Eine halbe Stunde benötigten wir bei frünachmittaglichem Verkehr über die vierspurigen Trassen und mein Chofer entließ mich dann am Eingang vom Terminal. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er mich über das Ohr gehauen hatte. Auf meine Frage vor der Fahrt, was die Fahrt zum TAPO kosten würde, sagte er mir 110 Peso. Kam mir schon viel vor, aber er verwies mich darauf, ich könne ja auch in der Oficina nachfragen. Geschenkt. Trotz allem schaltete er das Taximeter ein und siehe da, am TAPO standen da 58 Peso. Er verlangte trotzdem die angekündigten 110. Keine Ahnung, was das sollte, aber gut. Schließlich bin ich hier ja der reiche Tourist, und den kann man ab und zu einmal über das Ohr hauen, oder einfach das Doppelte abziehen. Vielleicht bin ich aber auch zu mißtrauisch und es gibt irgendwelche besonderen Tarife zum TAPO, von denen ich nichts weiß, und das Taximeter wurde nur eingeschaltet, damit ich das System ja nicht blicke und verwirrt meinen Weg fortsetze.

Am TAPO lief ich direkt zum Ticketschalter und kaufte mir ein Ticket 1. Klasse nach Puebla. Das sind 10 Peso mehr, als der normale Servicio – dafür aber mit mehr Platz, Komfort und überhaupt…

Der Bus quälte sich eine halbe Stunde durch die vollen Trassen D.F.s. Teils nur im Schneckentempo kamen wir auf der vierspurigen Ausfallstrasse voran, bis sich endlich der Verkehr lichtete und wir an Fahrt gewannen. Dann hatten wir das Stadtgebiet verlassen und es ging durch grüne Landschaft hinauf in die Berge. Der Blick schweifte am Horizont zu Gipfeln und Vulkanen, wobei ich mir mehr vorstellen musste, als ich sehen konnte. Wolken hingen tief und dunkel über dem Land und die Sicht war damit eingeschränkt. Später sorgten die Wolken für feuchte Strassen, nur ein bißchen regnete es während der Fahrt.

Nach 2 Stunden erreichte der Bus das Terminal de los Autobuses in Puebla. An einer Boleteria für offizielle Taxis kaufte ich mir ein Ticket und sprang in den nächsten Wagen. Im Internet hatte ich mir ein Hostel rausgesucht, aber als mich das Taxi davor ausspuckte, musste ich feststellen, dass sie keine Zimmer frei hatten. Und Dormitorio – lo siento – mit meinem Gepäck: Nein Danke. Will meine Sachen noch ein wenig behalten. Das Mädel an der Rezeption war nicht wirklich hilfreich, als ich sie nach weiteren Hostales fragte: Siga caminando – hay muchos acá! Was so viel heißen sollte, wie: Du brauchst kein Tipp – es gibt hier an jeder Ecke ein Hostel. Naja, aber immer dann, wenn man mal wirklich eins braucht, liegt keines auf dem Weg. Nach einer halben Stunde gut bepackt durch viel zu volle Strassen fand ich endlich eines: Hotel Centro Historico. Ich hatte keine Lust mehr, mit meinen Sachen durch das Gewühl der Leute zu laufen und checkte ein. Das Zimmer ist so lala, aber es gibt WLAN – naja, wenigstens kann ich mir den Abend mit Bloggen versüßen.

Nach dem ich mein Zimmer bezogen hatte, wollte ich mich ein wenig mit dem Centrum bekannt machen. Ein paar Blocks runter liegt der Zócalo und ich lief directamente dahin. An einer Plaza Celullar kaufte ich mir einen Mobilfunkchip, der bis jetzt noch nicht so richtig funktionieren will. Wär auch zu schön.

Als ich dann aus dem Geschäft kam, hatten sich die Wolken über Puebla zum Tanze versammelt. Mit einem Mal schoss es aus allen Rohren. Ein Regen, von dem Filmemacher nur träumen können und wenn sie einen solchen nachmachen wollten, müssten sie alle Löschfahrzeuge der Stadt Köln zusammentrommeln. Es goss in Bindfäden, Tonnenweise fiel Wasser vom Himmel, binnen Minuten standen Strassen unter Wasser, das Wasser schoss den Rinnstein entlang, Menschen flüchteten sich zu hauf unter Vordächer. Wer sich nicht binnen Sekunden rettete, ward klitschnass. Blitze zuckten über der Innenstadt, Donner, Groll. Ich drehte meine Runde unter den Vordächern der kolonialen Gebäude rund um den Zocalo und verweigerte mich den plötzlich und in Massen auftauchenden Regenschirmverkäufern (PARAGUAS – solo 20 Pesos…!!). Der Blick auf die Kathedrale von Puebla aus der Trockenheit heraus ließ mich erstmals begreifen, warum Wasserspeier an Dächern, Wasserspeier heissen: Mit einem enormen Druck presste sich das Wasser aus diesen Figuren heraus, dass es Meterweit sprühte. Die Treppe vor der Kathedrale war inzwischen zu einem Wasserfall geworden – was für ein göttlicher Regen. Einer, der wirklich den Namen Aguacero verdient. Beeindruckend – Chapeau!

Ich hatte mir die (Regen)-Zeit in einem Hamburgerschuppen verkürzt und verstand ab sofort, warum es so viele fette Mexikaner gibt. Das ist jetzt nicht bös gemeint; Es entspricht einfach nur den Fakten meiner Beobachtung. Was den Körperumfang angeht, gibt es offenbar nur schmale, kleine mexikanische Kinder. Aber das wird ihnen schön beim Burger-Schuppen ausgetrieben. Ganze Familien, von der Oma bis zum Baby, werden hier mit literweise Cola, fettigen Pommes und kalorienreichen Burgern abgespeist. Burger, Cola, Burger, Pommes, Burger, Cola – fett, fettiger am fettigsten – naja, und so sehen viele eben auch aus. Lo siento mis amigos mejicanos – pero así es.

Nach einer halben Stunde kam die Sonne wieder raus, der Regen hatte noch nicht aufgehört. Ich beschloss, mir ein Corona zu besorgen, und mich auf den Heimweg zu begeben.

Jetzt habe ich noch die Liste mit den angebotenen Unterkünften für Studenten gecheckt und dabei festgestellt, dass das mit dem mobil Telefonieren doch leider noch nicht so klappt, wie es soll. Egal, dann werde ich eben morgen weitersehen.

Handy checken, Alojamientos anrufen, anschauen und bei der BUAP „Hallo“ sagen und für irgendwelche Trámites Migratorios Geld bezahlen, dafür, dass ich registriert bin. Así es – mi vida por el momento en Puebla.

PS: Vielen lieben Dank für die lieben Kommentare und die Blumen im digitalen Format zu meinem Blog. Es freut mich sehr, wenn es Euch Spaß macht, meine Erlebnisse zu lesen und wenn Euch die Texte gefallen. Und im Allgemeinen nach Deutschland: Der Sommer kommt schon wieder – nicht neidisch sein, hier regnets auch schon wieder…

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