Archiv für Waffen

Zum Jahresausklang: zwei Reportagen zu Mexiko

Posted in am Rande with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 14. Dezember 2010 by Jakob

Ich selbst vernachlässige in letzter Zeit ein wenig dieses Blog, was damit zusammenhängt, dass ich selbst nicht mehr in Mexiko lebe. Trotzdem möchte ich auf dieser Seite weiter mir interessant scheinende Nachrichten oder Artikel zu Mexiko posten. Auch alte Artikel von mir erfreuen sich noch großem Interesse, was mich auch freut. Allerdings kann es sein, dass inzwischen der ein oder andere Link nicht mehr aktuell ist. In diesem Fall würde es mich freuen, wenn Du mir einen Kommentar schreiben könntest, wenn Dir sowas auffällt.

Heute möchte ich eigentlich nur eine Sache zu Mexiko empfehlen:

SWR Report Mainz hat Hinweise auf illegale Waffenexporte aus Deutschland nach Mexiko aufgespürt. Der komplette Beitrag (Video) hier.

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…Feiern, Sonne und Pyramiden

Posted in Festejando!, mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. März 2009 by Jakob

Nachdem meine Woche noch ruhiger zu Ende gegangen war, als ich mir das eigentlich gewünscht hatte, stand ein Wochenende voller Feier ins Haus der Quince. Ich hatte letztendlich nicht ein Seminar in der vergangenen Woche und war damit auch bei allen Kräften, in eben jenes Wochenende zu starten.

Der Geburtstag meines kolumbianischen Mitbewohners Pedro stand an – und wir hatten einiges vor. Schon Donnerstag Abend hatte Norma, meine Mitbewohnerin aus Nordmexiko, Besuch von einem Freund von ihr bekommen und damit kam langsam Leben in die Quinze.

Am Freitag Abend hatten sich Roman, Enora, Thaela und ich zusammengefunden, um Pedros Geschenk zu bauen, oder besser: Zu basteln. NPedro mit seinem Poker-Geschenkeben einer Fotocollage wollten wir Pedro ein Poker-Spiel zukommen lassen, und weil die Fertig-Sets in Mexiko recht kostspielig und obenrein schwer zu bekommen sind, entschieden wir uns, Karten und Chips einzeln zu kaufen und ein Set selbst zusammenzustellen. Wir kreierten also eine nette Box für Karten und Chips und mir kam die Aufgabe zu, den Spielteppich professionell zu gestalten. Punkt Mitternacht hatten wir alles fertig und belagerten das Zimmer von Pedro, der gerade beim 24-h-Shop OXXO ums Eck Bier kaufen war. Die Überraschung gelang, Pedro war hin und weg über das Gschenk und wir feierten noch ein wenig in seinem Zimmer. Allerdings nicht übermäßig lang, wollten wir doch den Samstag in Teotihuacán auf den Pyramiden verbringen, um dort den Frühlingsanfang mit eine Menge weiterer Sonnenanbeter dort zu feiern.

Ixtazíhuatl im Morgengrauen aus dem Bus heraus nach DFAlso fielen wir bereits am Samstag um halb 5 wieder aus den Betten und die gesamte Quince machte sich auf den Weg nach DF, wo wir gegen 9 mit einem weiteren Bus zu den Pyramiden weiterfuhren.

Die Pyramiden muteten an diesem Tag an, als gäbe es ein Lokal-Derby zwischen Fußballmannschaften, deren Fans sich überhaupt nicht ausstehen könnten: Die mexikanische Polizei zeigte unangenehm und über Gebühr Präsenz, um „Sicherheit“ bei dem starken Andrang auf die archeologische Anlage beim Frühlingsanfang zu gewähren. Also tat sie, was sie immer tut, und was siMex Polizei in Vollmontur auf den Pyramiden, Devise: Abschrecken, Angst machen!e offenbar am Besten kann: Mit großen Waffen herumlungern, böse gucken, als wären die Besucher Verbrecher, die jederzeit einen Anschlag verüben würden und mit gezogenem Schlagstock dafür sorgen, dass man sich an keinem Ort zuviel Zeit für Fotos ließ. Die Schilder, die sie bei sich trugen habe ich bislang noch nicht erwähnt, aber ich denke, man kann sich ganz gut vorstellen, dass es sich unter diesen sicherheitspolitischen Vorkehrungen so richtig wohlfühlen ließ, auf den Pyramiden.

Um auf die Sonnenpyramide zu gelangen, mussten wir uns ungefähr zwei Stunden lang in einer Schlange anstellen. Einige tausend Menschen wollteSchlange stehen vor der Sonnenpyramide - wir sind nicht die einzigen, die rauf wollenn an diesem Tag auf die Pyramide, weil man sagt, dass man dort am Besten die Energie der Frühlingssonne empfangen würde. Wir standen uns also die Beine in den Bauch und kamen nur zögerlich voran und nach oben. Ich persönlich hielt unser gesamtes Vorhaben, an jenem Tag nach Teotihuacán zu fahren, von anfang an für ein wenig übertrieben und hielt auch die tausenden von Sonnenanbeter, die ihre Handflächen der Sonne entgegen reckten, für wunderliche Gesellen. Mir persönlich gefällt Teotihuacán an jedem aEnora und ich auf der Sonnenpyramide mit Blick auf jene des Mondesnderen Tag im Jahr besser, als wenn es überfüllt und mit schwer bewaffneten Polizisten belagert ist – aber gut, Pedro hatte sich den Besuch zum Geburtstag mit uns zusammen gewünscht, also hieß es: Durch da!

Als wir dann endlich oben anlangten, sorgten weitere Polizisten und Anlagenaufseher dafür, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, in dem sie nervös im Sekundentakt zur Eile antrieben und der Polizist genervt seinen Schlagstock auf die Handfläche schlug. Lustige Gesellen – da bin ich Mensch…..

Also war ich letztendlich auch gar nicht so bös, als wir das alles wieder hinter uns gelassen hatten, und nach einem indianischen Tanzspektakel vor Indianer präsentierten ihre Tänze vor den Pyramidenden Pyramiden und langsam gen Puebla wieder aufmachten. Vorher speisten wir noch in einem Strassenrestaurant (Hase – klein, aber lecker!) und fuhren mit dem Bus nach México zurück. Von Da sprangen wir in den nächsten Direktbus nach Puebla, wo wir recht müde gegen 7 Abends aus dem Bus fielen. Alles in allem war es eine witzige Aktion gewesen – aber ich würde keinem empfehlen, es uns gleich zu tun. Auch wenn die Vorhersagen unseres Guides, der uns eine Woche zuvor über die Anlage führte, nicht eintraten und man die angekündigten 2 Millionen Menschen nicht so wirklich auffinden konnte, war es doch genug. Und ohne die mexikanischen Rambos sieht die Anlage auch schöner aus und man fühlt sich irgendwie auch sicherer.

Die gesamte Runde am Ende unseres Sonnen-Anbetungs-Ausflug: Norma, Pedro, Enora, Jakob, Roman, Thaela, Karla, ChristianAm Abend stand dann noch Pedros Geburtstagsfeier an, die entsprechend müde begann. Wir waren alle schon viel zu lange auf, um irgendwie aufgeweckt in Partystimmung zu sein, aber Wodka und Bacardi taten nach einigen Stunden das Ihre und schaukelten noch die Party auf ein sinnvolles Feierniveau.

Heute waren dann alle medium-erschlagen und der Sonntag verlief entsprechend ruhig. Nachdem ich mit Roman einige Raubkopie-DVD-Märkte (Stopp: Es gibt doch gar keine anderen…. hmmpf) abgeklapperte hatte,  schmiss ich mich mit Enora vor den Rechner und fröhnte mit ihr unserer neuen Sucht: LOST (TV-Serie).

Nordmexico-Trip 2 – Creel-Chihuahua-Puebla

Posted in mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 4. März 2009 by Jakob

Am Montag Morgen ging es wieder früh raus. Wir hatten am Abend noch eine Tour durch die Landschaft rund um Creel gebucht, und nach dem Frühstück trafen wir den Mittfünfziger Luis-Enrique, der uns mit seinem grünen Ford-Jeep das Land zeigen wollte.

Auf dem Plan standen zunächst die verschiedenen Täler in der Nähe von Creel, die vor allem durch bizarre Felsformationen bekannt sind: Valle de los Hongos (Tal der Pilze), Valle de las Ranas (Tal der Frösche) und das Valle de los Monjes (Tal der Mönche).

Wir fuhren aus Creel heraus und fuhren in das Gebiet des Ejido San Ignacio ein, ein Territorium, dass einer Comunidad von Tarahumara-Indianern zur gemeinsamen Bewirtschaftung überlassen wurde. Zunächst fuhren wir zur Cueva Sebastián, einer Grotte, in der bis vor wenigen Jahren der Heiler und Schamane Sebastián wohnte und lebte, und der ein erhebliches Ansehen bei den Indianern in der Gegend genoß. Die Grotte diente ihm zugleich als Lebens und Arbeitsraum und heute wohnt dort seine Wittwe, die Körbe und andere Sachen flechtet, oder Tortilla-Wärmer bestickt. Mit ihr wohnen in der Grotte ihre Hühner und andere Tiere und alles wirkt sehr rustikal und naturverbunden.

Nachdem wir uns in der Cueva Sebastián umgeschaut hatten und einen Tortilla-Wärmer erstanden hatten, setzten wir uns wieder in den großen, grünen, und alten Ford-Jeep und rumpelten über die Staubpiste weiter hinein in das Gebiet des Ejido. Unweit von der Cueva entfernt, vielleicht zwei, drei Kilometer weiter bogen wir rechts von der Holperpiste ab und parkten den Wagen vor den ersten bemerkenswerten Steinformationen. Große Steinplatten waren wie Pilzköpfe auf längliche Felsformationen gelegt, die in die Höhe ragten. Wir kamen uns vor, wie Zwerge in einem Pilzwald der Riesen. Die Pilzköpfe überragten uns teilweise leicht um 1 bis 2 Meter – und wir? Wir staunten und schossen Fotos. Irgendwann vor langer Zeit mussten die Steine bei einem Erdbeben von ihren ursprünglichen Plätzen gelöst worden, ins Rollen gekommen und schließlich als „Stein“-pilze verharrt sein. Beeindruckend und dies war erst der Anfang.

Nach ausgiebigem Füllen der Digi-Speicherkarten, rumpelten wir nur wenig weiter ins Tal der Frösche, oder das Valle de las Ranas. Schon von Weitem zeigte sich eine Felsformation, die aussah, wie der Froschkönig, ungefähr 3 Meter groß und vor ihm hockten seine Untergebenen, wie bei einer versteinerten Froschversammlung. Wer weiß, was hier einstmals geschehen war, und vielleicht waren sie ja wirklich bei einer ihrer Sitzungen versteinert. Aus der Nähe sahen die Gebilde wieder mehr wie von-irgendwo-her-gekullerte Felsbrocken aus – aber gerade aus der Ferne ergab sich das Bild der Froschversammlung.

Wir sprangen wieder in den Wagen, und Luis-Enrique umschiffte mit unserem Jeep gekonnt Riesen-Löcher. Er hatte diese Holperstrecke im Blut, wußte, wo er den Wagen trotz wiedriger Strassenverhältnisse auf 70 Stundenkilometer beschleunigen konnte, und wo er ihn wieder verlangsamen musste, um langsam sich über einen Felsbrocken zu schieben. Es schien ihm Spaß zu machen, uns durch diese Gegend zu manövrieren – bestimmt kein alter Mann, der Gewackel im Auto nicht ausstehen kann.

Die nächste Schotterpiste bogen wir ein, ließen den Ejido Ignacio hinter uns und zahlten bei einer einsamen Indianerin an einem Feldrand den Eintritt in den nächsten, in ihren, Ejido. Jener Ejido, der wohl über das Spektakulärste der verschiedenen Täler verfügt – das Tal der Mönche.

Schon von Weitem sahen wir Felsnadeln in die Höhe ragen und als wir endlich nahe gekommen waren, erstreckte sich vor uns das gesamte Panorama dieser bizarren Felsformationen – dem Tal der Mönche, oder vielleicht doch treffender: dem Tal der Penisse. Bis zu 30 Meter ragten die Kalk-Vulkangestein-Säulen (irgendwie sowas, erklärte mir Luis-Enrique, der bestimmt kein Geologe ist, war und jemals noch sein wird) in die Höhe und wir bahnten uns unseren Weg durch die versteinerten Riesen. Die Landschaft war nach wie vor karg, ein paar Nadelbäume, die sich über die Trockenheit ihr becheidenes Grün behielten, Büsche und Gräser. Wir schlenderten durch die Felsen, wußten nicht mehr, was wir schon fotografiert hatten, und was noch nicht und erklommen schlußendlich eine der Nadeln, die von hinten leicht zu besteigen war.

Trotz aller Begeisterung ging es Enora leider nicht so gut, wie uns restlichen Dreien. Sie war mit Rücken- und Gelenkschmerzen aus den Federn gekrochen und hatte mit sich zu kämpfen. Als wir schließlich an den Lago Arareko kamen, entschied sie sich, den Trip abzubrechen und wir brachten sie zurück ins Hotel. Allerdings jedoch nicht, ohne vorher noch eine Runde mit den Federalen (Policía Federal) Bekanntschaft zu schließen.

Lago ArarekoDer Lago Arareko liegt zurückgezogen und wenige Kilometer von der Straße entfernt, und als wir gerade mit unserem Jeep uns den Weg über Wurzeln und anderes Gehölz heraus aus dem Waldstück bahnten, verstellte uns ein moderner Dodge-Pickup der Policía Federal den Weg. Hinten drauf, wie immer, die mexikanischen Rambos. Schwarz gekleidete Polizisten, die Skimasken über das Gesicht gezogen, und die viel zu großen Waffen im Anschlag. Drei, vier von ihnen sprangen von ihrer Ladefläche und bedeuteten Luis-Enrique auszusteigen. Ich hatte den Beifahrerplatz, und mir wurde ein wenig mulmig. Wissend, dass mexikanische Polizisten und Sicherheitsgefühl bei mir keine Begriffspaare sind, die ich automatisch zusammen verwenden würde, dachte ich mir: Oh Mann, dass die die Situation hier in der Einsamkeit mal jetzt nicht ausnutzen. Drei der schwerbewaffneten umstriffen das Auto, als wären wir Drogenkuriere, schauten hinein, wünschten uns buenas tardes, fragten uns, ob alles okay sei, und ein anderer durchwühlte die wenigen Sachen im Kofferraum. Luis-Enrique sprach währendessen mit einem unmaskierten Polizistn, zeigte seine Guide-Papiere und nach ein-zwei Minuten war der Spuk vorbei. Die Polizisten ließen uns weiterziehen – und ich fragte Luis-Enrique nach dem „Weshalb?“. Er erklärte knapp, dass gerade im Norden Mexikos solche Kontrollen normal wären, weil die Drogenmafia über sämtliche Wege versuche, Rauschgift in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Dass die Mafia aber bestimmt keine Pause am Lago Arareko macht und sich auf dem Weg in diesem einsamen Gebiet aufhält und schmutziges Geld wäscht oder Drogen verlädt, darüber waren wir uns auch beide schnell einig. Reine Schikane also. Macht zeigen, Stärke demonstrieren, Angst verbreiten. Offenbar ein zum Grundsatz erhobenes Prinzip der mexikanischen Polizei.

Auf dem Weg zum Hotel befragte ich Luis-Enrique noch zum Vetrauen der Menschen, das sie in die Polizei haben. Anfangs zögerlich, und dann doch nach einigem Nachhaken etwas offener, erklärte er mir folgende Rangfolge: Mit den Federalen hat man besser keine Probleme. Sie kontrollieren die Strassen und spielen die Rambos. Nicht selten willkürlich. Die Policía Estatal (also die Landespolizei des jeweiligen Staates) mache ihre Arbeit ganz gut. Wenngleich auch sie käuflich seien, sei es doch allemal einfacher, mit ihnen zu Verhandeln. Und die Policía Municipal? Faulenzer! Von denen ginge weder Gefahr aus, noch täten sie viel für die Sicherheit. Faulenzen, quatschen, und ein wenig Sherrif spielen – vor allem Letzteres im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten.

Am Hotel ließen wir Enora zurück. Ich sprang noch schnell in die Farmacía und besorgte ihr etwas gegen ihre Gliederschmerzen, machte ihr die Heizung an und setzte mich mit Norman und Sally wieder in den grünen Jeep, der uns bereits erwartete.

Eigentlich wollten wir uns am Nachmittag einen Wasserfall in der Region anschauen, aber mit Luis-Enrique wurden wir uns schnell über eine Planänderung einig. Wir fuhren in die entegegengesetzte Richtung an die weiten und schroffen Ausläufer des Kupfer-Canyons, um uns allmählich – Aussichtspunkt für Aussichtspunkt, der Hauptschlucht mit dem Rio Urique am Fuße der Felsen zu nähern.

Ausläufer der Kupferschlucht - 1000 m unter uns der Rio OteroLuis-Enrique steuerte zunächst nach ein paar Kilometern den Wagen über eine staubige Landepiste zu einem ersten Aussichtspunkt, von dem aus wir ein erstes Panorama einer der Schluchtausläufer genießen konnten. Der Rio Otero hatte dieses Tal über die Jahrtausende in die Landschaft gegraben, und in der Regenzeit könnte man auf ihm mit einem Kanu bis zum Pazifik fahren, erklärte uns Luis-Enrique. Oder besser: Mir. Und ich erklärte es dann Norman und Sally. Ich war zum Übersetzer unserer Tour geworden und Luis-Enrique, der anfangs sehr ruhig und zurückhaltend erschien, taute langsam auf.

Später fuhren wir zum Divisadero, dem Aussichtspunkt, an dem wir schon wenige Minuten mit dem Zug gehalten hatten, und genossen erneut das Piedra volada 2000m über dem Rio Uriqueunbeschreiblich weite Panorama der Barranca del Cobre, oder der Barranca del Urique, wie die Tarahumara seit jeher die Schlucht nennen. Wir verzehrten ein paar Quesadillas am Bahnhof, der, ohne einen Zug, bedeutend weniger geschäftig wirkte, und fuhren die weiteren Aussichtspunkte ab. Durch Nadelwaldgebiet und häufig über Wurzeln und holprige Waldwege chauffierte uns Luis-Enrique an die spektakulärsten Punkte, bis zur Piedra Volada – dem fliegenden Stein. Ob Luis-Enrique auf der Piedra volada - kippelndwir etwas wirklich kribbelndes sehen wollten, fragte Luis-Enrique, und kaum bejahte ich, sprang erschon durch die Büsche los in Richtung der Piedra Volada, die ungefähr einen Meter über dem 2000m-tiefem Abgrund schwebt. Auf dem Felsvorsprung liegt ein weiterer Felsbrocken und Luis-Enrique erklomm den Stein, stellte sich breitbeinig mit dem Rücken zur Schlucht darauf und belastete seine Beine abwechselnd, bis der Stein ins Kippeln geriet. Qué loco!

Danach kam er wieder zu uns, und forderte uns auf, es ihm gleich zu tun. Als Einziger traute ich mich auf den Felsen, aber zum Kippeln fehlte auch mir der Mut, flößte die mir die unter mir liegende Tiefe doch gehörig Respekt ein.

Das Ende unseres Trips bildete eine Rundfahrt durch die anliegenden Ortschaften und unser Guide zeigte uns die besten und einladensten Hotels, die teils mit einer spektakulären Aussicht an den Schluchtrand gebaut worden waren.

Auf dem Heimweg hatte es Luis-Enrique dann eilig. Das Gaspedal drückte er auf der neuen, asphaltierten Strasse durch sobald er konnte und unterschätzte doch hier und da den Neigungswinkel einiger Kurven, was uns gehörig in die Seiten oder wahlweise, bei schroffen Bremsmanövern, in den Gurt presste.

Als die Sonne unterging kamen wir wieder in Creel an. Voller Eindrücke und völlig beeindruckt. Schade, dass Enora den zweiten Teil unserer Tour nicht hatte mitmachen können, aber ihr war es im Bett besser ergangen, als es ihr beim bleifüßigem Fahrstil Luis-Enriques auf dem Rücksitz ergangen wäre.

Am nächsten Morgen packten wir unsere kleinen Rucksäcke zusammen, schauten uns ein eher unspektakuläres Regionalmuseum zur Geschichte an und sprangen in den Bus nach Chihuahua. Den Zug wollten wir nicht nehmen, weil der erst spät Creel passieren würde, und uns erst nach Mitternacht in Chihuahua auspucken würde.

Die karge Landschaft Chihuahuas - wie aus einem WesternDie Busfahrt führte uns heraus aus den felsig-trockenen Bergen der Sierra Madre Occidental und nach einigen Stunden gab es nur noch die Strasse, die die Steppe links und rechts in zwei teilte. Am Himmel verirrten sich vereinzelt ein paar Cirrus-Wölkchen, die dem Land mit dem tiefblauem Himmel darüber, erst seine ganze tiefe verliehen. Es fehlte nur der Strohballen, der vom Wind durch die Strasse gerollt wird, damit wir auch den Rest des kompletten Western-Feelings gehabt hätten.

Gegen vier rollten wir in Chihuahua ein, und wir verließen den Bus nah am Zentrum. Hinter der Bushaltestelle sah es aus, als hätte man gerade ein gesamtes Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Schutt und Staub, keine Gebäude und hinter der nächsten Häuserzeile, die fast einsam da stand, erblickten wir die Kathedrale. Wir dirigierten uns in ihre Richtung und hofften in der Nähe ein Hotel zu finden. Doch die Hotelsuche sollte schwerer werden, als geglaubt.

Eingeschlagene Fenster, Leerstand - Gebäude am Zócalo ChihuahuasDer Lonley Planet hatte uns bereits verraten, dass Preis und Leistung in Chihuahua zuweilen weit auseinander gehen könnten, und das es kaum günstige Herbergen gäbe. Nachdem wir stundenlang durch die Stadt geirrt waren, schon das Zimmer eines Hotels nahezu gebucht, betreten und dann doch wieder verlassen hatten, checkten wir in das von außen sehr schäbige Bal-Flo ein. Innen war es dann gar nicht so schlimm – der Preis allemal überhöht für das Gebotene, aber immernoch die günstigstes Option in der Stadt, in der man zwei Tage zuvor ein Anschlag auf den Gouverneur verübt hatte, und die mir seit unserer Ankunft ausgestorben, leer und tot erschien.

Idyllischer als die Realität - die Fußgängerzone in der InnenstadtWir drehten am Abend eine Runde über den Zócalo, der interessanter Weise im Norden auch Plaza de Armas (wie in vielen lateinamerikanischen Ländern) genannt wird, besuchten die Kathedrale und schossen in der Fußgängerzone einige Bilder, die eine Realität wiedergaben, die wir nicht vorfanden. Bilder wirken häufig doch idyllischer, als die Realität.

Am Mittwoch klingelte dann mal wieder der Wecker zu unchristlicher Zeit und wir bestellten uns ein Taxi zum Flughafen. Erst jetzt teilten Norman und ich unsere nächtlichen Beobachtungen insektiösem Lebens im Bad mit, was den Mädels doch recht gelegen kam, dass wir bisher damit hinter dem Berg gehalten hatten.

Der Flugplatz lag rund 20 Kilometer außerhalb der Stadt, der Taxifahrer war ein freundlicher, älterer Herr, der zunächst glaubte, wir seien Amerikaner, weil wir uns zu Viert auf Englisch unterhielten.

Unser kleiner Volaris-Airbus kommt in Chihuahua anPünktlich drehte unser kleiner Airbus aus Toluca kommend herein, und wir entschwebten ebenso pünktlich der kargen Wüstenlandschaft Nordmexikos. Noch aus der Luft war die trockene Weite gut zu  sehen – sind doch in der Trockenzeit kaum Wolken am Himmel. Und so schwebten wir bei klarstem Himmel wieder nach Süden, über den 4600m-hohen Nevado de Toluca in die gleichnamige Stadt ein, die 60 Kilometer nordwestlich von DF liegt.

Nur mit Handgepäck beladen steuerten wir den Ticket-Verkaufsstand von Caminante an und kruz darauf saßen wir in einem Shuttle nach Ciudad de México. Eine gute Stunde später verließen wir den Van an einem Centro Comercial, und ich hatte das Gefühl, dass in Mexiko Frühling geworden war. Viele der Bäume hatten lila Blüten und strahlten geradzu zwischen der teils grauen Tristesse alter Hochhäuser Mexico Citys. Und nach den wüstenhaften Eindrücken des Nordens erschien alles Grün noch tausendmal grüner.

Der Ixtazíhuatl zeigt sich in seiner vollen SchönheitNach einem Stopp über Katinkas Wohnung, wo Norman und Sally ihre großen Rucksäcke wieder an sich nahmen, fuhren wir zum Tapo, dem zentralem Busbahnhof Mexicos. Hier bestiegen wir den nächsten Bus in Richtung Puebla und fuhren in den von der Sonne in ein goldenes Licht getauchten, Abend hinein nach Haus. Erstmals bei dieser Fahrt, durften wir Popocatépetl und Ixtazíhuatl, die beiden Riesen, die man sowohl von Mexico, als auch von der anderen Seite von Puebla aus bewundern kann, in ihrer vollen Schönheit sehen – von den weiten begrünten Ausläufern bis hin zu ihren über 5000m-hohen Spitzen zeigten sie sich bei klarer Luft in ihrer vollen Pracht. Wunderschön. Und ein gelungenes Ende mit beeindruckenden Bildern vom Anfang bis zum Ende unseres Nord-Mexiko-Trips.

Donnerstag, Freitag und Samstag mit Normi und Sally in Puebla

Am Donnerstag sollte nun für Norman und Sally endlich der erste Tag kommen, an dem sie, seit ihrer Ankunft, einmal ohne Wecker aufstehen konnten. Und so frühstückten wir in aller Ruhe bei prasselnder Sonne auf dem Sonnendeck der Quinze und brachen am späten Vormittag zu einem Stadtrundgang auf. Ich zeigte ihnen die Kathedrale, die mit ihren (bescheidenen) 69m-hohen Türmen die Höchste Mexikos ist, später den vor grün strotzenden Zócalo und meine Uni, deren Hauptgebäude sich in einem ehemaligen Jesuitenkloster breit gemacht hat. Später zogen wir über den Handwerksmarkt El Parian und endeten schließlich auf der einzigen Fußgängerzone der Stadt, der 5 de Mayo. Am Nachmittag verspeisten wir ein paar Tacos und Normi und Sally erkundeten weiter die Stadt, shoppten nach Herzenslust Handwerkskunst, Töpferei-Artikel und Fußballtrikots, während ich mal wieder meiner Fakultät einen „Arbeits“besuch abstattet.

Ex-Convento de Tecali - Gemäuer, die ihre Besitzer und Erbauer längst überdauert habenFreitag sollten sich die beiden, laut Plan, eigentlich an den Golf nach Veracruz aufmachen, aber Pläne sind dazu da, verändert zu werden, und so blieben sie in Puebla und ich fuhr mit ihnen in den Süden der Stadt – hinaus aufs Land, zu den wunderschönen ehemaligen Franziskaner-Klöstern, deren Ruinen wir uns bei Kaiserwetter und idealen Photobedingungen zu Gemüte führten. Auch für mich sind diese alten Gemäuer nach dem dritten Mal noch immer wieder einen Besuch wert. Immernoch beeindruckend, die hohen, steinernen Mauern und Säulen, die über die Jahre allen klimatischen Bedingungen getrotzt haben.

Am Samstag dann erlebten wir einen kleinen poblanischen „Höhepunkt“. Bei unserem Kathedral-Besuch am Donnerstag war ich mit einer der Aufsichtsdamen ins Gespräch gekommen und hatte sie gefragt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, die Glockentürme zu besteigen. Offiziell wird dies nirgends angeboten und es existiert diese Möglichkeit auch nicht, aber sie zeigte sich bereit, am Samstag schließlich gegen eine kleine Spende (zur Erhaltung der Kathdrale selbstverständlich), uns auf einen der Glockentürme hinauf zu führen. Und so trafen wir uns um 9 Uhr morgens mit ihr in der Kathedrale und wir erklommen die höchsten Türme einer Kirche in Mexiko.

Popo, Ixta und die historische Altstadt Pueblas - Blick vom GlockenturmUnter uns der saftig-grüne Zócalo, die kolonialen Häuser der unter dem Schutz der UNESCO stehenden Altstadt und am Horizont La Malinche, Ixtazíhuatl und der sanft rauchende Popocatépetl. Ein wahrer Höhepunkt meines Puebla-Aufenthaltes und eine Turmbesteigung, die sich lohnte. Neben dem Hauptglockenwerk mit der 8,5 Tonnen schweren Hauptglocke, genossen wir das Panorama der Stadt mit ihren Vulkanen rund herum.

Nach einem Frühstück in der brennden Sonne am Zócalo trennte sich Enora von uns und ich wollte den beiden noch eine Töpferwerkstatt zeigen, in der man den kompletten Herstellungsprozess der traditionellen poblanischen Töpferkunst bewundern kann. Aber wer denken kann, ist klar im Vorteil, würde mein guter Freund Daniel J. sagen, und so mussten wir auf diesen Rundgang verzichten, weil Samstag nicht gearbeitet wird.

Norman posiert auf einem alten Chihuahua-Pacifico-WaggonWir ersetzten den Rundgang mit einem Rundgang über den Alten Bahnhof Pueblas, der inzwischen zum Eisenbahnmuseum umfunktioniert ist, und kletterten auf verrosteteten Lokomotiven und Waggongs herum, was uns auch viel Spaß machte. Am Abend verspeisten wir die Reste der am Vorabend gebackenen Pizza und Enora und ich setzten Norman und Sally in einen Micro zum Busbahnhof, wo sie in einen Nachtbus nach Palenque stiegen.

Ich ordnete meine Sachen in meinem Zimmer, räumte auf und nutzte den Sonntag komplett, mein CHEPE-Video zu schneiden, was seit gestern in meinem Blog online steht.

Gestern verlief dann ruhig, heute besuchte ich mal wieder die Uni, mit dem Resultat, dass ich mir mit meinem Philosophie-Prof einig war, dass es in jenem Seminar zuginge, wie in der Schule, und er bot mir an, in einen etwas konzentrierteren Kurs von ihm zu wechseln. Und das werde ich auch machen.

Am Donnerstag Abend werde ich dann wieder in einen Nachtbus fahren und Norman und Sally am Pazifik wiedertreffen. Ich freue mich, auf eine langes Wochenende, auf Strand, Palmen, Holzhütten, Cocktails, warme Seeluft am Abend und ein entspanntes, langes Wochenende. Ist ja nicht alles Arbeit hier, in Mexiko.

🙂

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