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Paradies.

Posted in pacifico, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. Februar 2010 by Jakob

Unweit von meinem Balkon brandet das Meer an. Die Wellen prallen auf den weißen Sand, es rauscht, braust, kracht. Am Himmel rennen die weißen Wolken am hellen Mond vorbei, der sie in ein weißlich-gelbes Licht taucht und am Strand sorgt der Wind da oben für ein rasches Licht-Schatten-Spiel auf dem sandigen Boden. Durch die Palmen weht der warme, abendliche Seewind, es ist so warm, dass ein T-Shirt überflüssig ist und ich liege in der Hängematte auf meinem Balkon und genieße den Abend bei einer frischen und kühlen Flasche Modelo Especial.

Endlich bin ich wieder in Zipolite und auch diesmal habe ich mich in meinem Lieblings-Hostel niedergelassen. Ein bißchen fühle ich mich schon wie ein Stammgast – als ich gestern nacht hier auftauchte, und ich die Treppen hoch durch den parkähnlichen Palmengarten zur Reception ging, strecke mir freudig Toño den Kopf aus dem Häuschen entgegen – ihm und seiner Frau gehört das kleine Paradies hier, sie haben es geschaffen. Erinnerte sich noch an mich und freute sich mich wiederzusehen – ich freute mich auch, wieder da zu sein und auch ihn wiederzusehen. Es ist jetzt knapp ein Jahr her, na gut, drei Monate fehlen dafür noch, dass ich hier war – und es ist noch genau so paradiesisch. Der Strand weit, lang und heiß, unter den Palmen des Lo Cosmico ist es angenehm im Schatten und das Dörfchen hat sich auch nicht wesentlich verändert. Man könnte meinen, die Zeit findet hier keine Anwendung – sie steht hier schlicht still.

Am Montag hatte ich mich von Puebla aus über Oaxaca auf die Reise in mein kleines Paradies gemacht und nach knapp 12 Stunden stand ich da, wo ich hinwollte.

Das Wochenende hatte ich mit Enora und den ehemaligen Mitbewohnern aus unserer Puebla-Wg, der famosen 15, in Puebla weitsgehend feiernd verbracht. Am Freitag waren wir auf den Geburtstag eines Freundes von Lula eingeladen, am Samstag im Haus von Paulinas Eltern zum mexikanischen Asado – von 14 Uhr bis 4 Uhr morgens. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht, neue Leute kamen hinzu, es wurde gespielt (und ich gewann gegen Agos im Jenga und bin damit offizieller Quinze-Jenga-Maestro 2010!) und getanzt.

Am Sonntag fuhren wir dann ins Nachbarstädtchen Cholula, wo der traditionelle Karneval seinen großen Höhepunkt mit viel Gewehrsalven, Musik, Tanz und als Europäer verkleideten Cholultecen fand. Eine interessante Tradition, in denen sich die meisten in Engländer, bzw. Franzosen verkleiden, Gesichtsmasken von Weißen aufhaben und wild in der Gegend mit Salutsalven, die wahrlich durch Mark und Bein gehen, sich über die Europäer lustig machen, natürlich vor dem Hintergrund der Kolonialzeit, und, mehr noch, vor dem Hintergrund der blutigen Schlacht bei Puebla im Jahr 1862.

Kleine Szene vom ruhigeren Teil des Karnevals – der Einzug der Truppen.

Es ihre Art, der Geschichte die Ehre zu erweisen und sie tut weh, in den Ohren. Der Tag fühlte sich an, als hätten wir ihn auf dem Schlachtfeld verbracht – richtig zum Feiern wurde mir vor lauter zusammenzucken unter den Salven nicht zu Mute und meine Ohren hatten auch leiden müssen. Nichts destotrotz – ein sehenswertes Spektakel, auch wenn ich es aus dieser Nähe meinen Ohren nicht unbedingt noch einmal zumuten möchte. Mexikaner sind da Lärmresistenter.

Und nun: Erhole ich mich hier in meinem kleinen Paradies. Werde arbeiten und auspannen miteinander verknüpfen und mich ab morgen wieder in die Politischen Wissenschaften stürzen und in diesem paradiesischen Ambiente versuchen, eine Arbeit für die Uni zu schreiben. Was sollte ich sonst hier tun – und was könnte es besseres geben, als einfach ins Meer springen, wenn man nicht mehr tippen möchte.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen auch noch ein paar Bilder hinzufügen – momentan kommt mir die Internetverbindung dafür hier zu langsam vor – aber ich denke, ich konnte auch schon mit Worten einigermaßen ein Bild dieses herrlichen Fleckchen Erdes geben.

Soweit, bis bis.

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Das Azteken-Stadion bebt.

Posted in Festejando!, mexico city, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 29. März 2009 by Jakob

In den vergangenen Wochen hatte ich immer wieder die einschlägigen Verkaufsseiten für Fußballtickets abgegrast und nach Eintrittskarten für die WM-Quali Mexico gegen Costa Rica gesucht – und: Nichts gefunden. Am Freitag Morgen dann kam die Wende. Ohne große Hoffnung surfte ich mal wieder den Ticketmaster an und baffff: Sie hatten Eintrittskarten freigeschaltet! Mit Roman machte ich mich auf den Weg, die Tickets zu sichern und mit einer gehörigen Portion Glück grifffen wir uns am Ticketschalter in Puebla die letzten fünf Eintrittsttickets für $158 PES – umgerechnet 8,31 €.

Gestern Mittag dann zog ein Hauptteil der Quince los: Thaela und ihr Freund Matthias, der ein paar Tage zu Besuch ist, Roman, Enora und ich. Mit dem Bus gings direkt nach México-Sur, dem Terminal, das am nächsten zum drittgrößten Stadion der Welt liegt – dem Estadio Azteca.

Mit einem Mikro näherten wir uns der Mega-Schüssel, die immerhin 105 000 Fußballfans Platz bietet. Vor dem Stadion wurde es ein wenig dränglig – bevor wir hineinstürmten mussten wir uns noch entprechend einkleiden. An Trikot-Ständen, Fahnenverkäufern und Stirnbandanbietern mangelte es nicht – die Fakes der Trikot waren mal besonders billig verarbeitet, mal ganz gut gemacht – und für $100 PES war die Uniform für alle perfekt: Gruppe Marquéz mit der Nummer 4 zog ins Stadion ein. Nunr fünf Minuten vor Anpfiff bezogen wir die Ränge und genossen den Blick auf das nahezu komplett gefüllte Aztekenstadion. Eine Stimmung – unglaublich – ein Lärm – göttlich – und wenn man nur einen Moment lang inne hielt und auf die Räneg achtete: Das Stadion bebte tatsächlich.

Der Fußball-Tag in Bildern. (Zwei davon sind von Roman)

Die Partie ging ein wenig lahm los, México vergab mehrere Tor-Chancen und setzte die Kugel dann aber doch noch nach einer halben Stunde in das Costa Ricanische Tor und ging mit 1:0 in die Halbzeitpause.

Auch nach der Pause floppten viele Pässe der Mexikaner, keine besonders gute Show, der Torwart war aber sichtlich gut drauf und beschützte das mexikanische Tor vor möglichen Gegentreffern – die allerdings auch nicht gerade zu häufig drohten. Mit einem Foul im Strafraum kassierte Costa Rica beim Elfer den nächsten Treffer und mit 2:0 ging das Spiel dann auch zu Ende. Aus Angst, in rund 100 000 Fans unterzugehen und nicht mehr den Weg nach Puebla zurückzufinden, gingen wir füfn Minuten vor Shcluss und mussten uns so nur mit rund 10.000 Fans wieder auf den Weg ins Zentrum machen.

Gegen halb 11 waren wir wieder in der Quince -dressten uns lange Hosen an und zogen nun mit dem gesamten Haus in einem Taxi (wie immer – da passen doch locker 7 Leute rein) auf eine Studi-Party. Das ging lang und entsprechend lang blieb es heute Morgen dann auch ruhig – in unserem Haus.

…Feiern, Sonne und Pyramiden

Posted in Festejando!, mexico city, puebla, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. März 2009 by Jakob

Nachdem meine Woche noch ruhiger zu Ende gegangen war, als ich mir das eigentlich gewünscht hatte, stand ein Wochenende voller Feier ins Haus der Quince. Ich hatte letztendlich nicht ein Seminar in der vergangenen Woche und war damit auch bei allen Kräften, in eben jenes Wochenende zu starten.

Der Geburtstag meines kolumbianischen Mitbewohners Pedro stand an – und wir hatten einiges vor. Schon Donnerstag Abend hatte Norma, meine Mitbewohnerin aus Nordmexiko, Besuch von einem Freund von ihr bekommen und damit kam langsam Leben in die Quinze.

Am Freitag Abend hatten sich Roman, Enora, Thaela und ich zusammengefunden, um Pedros Geschenk zu bauen, oder besser: Zu basteln. NPedro mit seinem Poker-Geschenkeben einer Fotocollage wollten wir Pedro ein Poker-Spiel zukommen lassen, und weil die Fertig-Sets in Mexiko recht kostspielig und obenrein schwer zu bekommen sind, entschieden wir uns, Karten und Chips einzeln zu kaufen und ein Set selbst zusammenzustellen. Wir kreierten also eine nette Box für Karten und Chips und mir kam die Aufgabe zu, den Spielteppich professionell zu gestalten. Punkt Mitternacht hatten wir alles fertig und belagerten das Zimmer von Pedro, der gerade beim 24-h-Shop OXXO ums Eck Bier kaufen war. Die Überraschung gelang, Pedro war hin und weg über das Gschenk und wir feierten noch ein wenig in seinem Zimmer. Allerdings nicht übermäßig lang, wollten wir doch den Samstag in Teotihuacán auf den Pyramiden verbringen, um dort den Frühlingsanfang mit eine Menge weiterer Sonnenanbeter dort zu feiern.

Ixtazíhuatl im Morgengrauen aus dem Bus heraus nach DFAlso fielen wir bereits am Samstag um halb 5 wieder aus den Betten und die gesamte Quince machte sich auf den Weg nach DF, wo wir gegen 9 mit einem weiteren Bus zu den Pyramiden weiterfuhren.

Die Pyramiden muteten an diesem Tag an, als gäbe es ein Lokal-Derby zwischen Fußballmannschaften, deren Fans sich überhaupt nicht ausstehen könnten: Die mexikanische Polizei zeigte unangenehm und über Gebühr Präsenz, um „Sicherheit“ bei dem starken Andrang auf die archeologische Anlage beim Frühlingsanfang zu gewähren. Also tat sie, was sie immer tut, und was siMex Polizei in Vollmontur auf den Pyramiden, Devise: Abschrecken, Angst machen!e offenbar am Besten kann: Mit großen Waffen herumlungern, böse gucken, als wären die Besucher Verbrecher, die jederzeit einen Anschlag verüben würden und mit gezogenem Schlagstock dafür sorgen, dass man sich an keinem Ort zuviel Zeit für Fotos ließ. Die Schilder, die sie bei sich trugen habe ich bislang noch nicht erwähnt, aber ich denke, man kann sich ganz gut vorstellen, dass es sich unter diesen sicherheitspolitischen Vorkehrungen so richtig wohlfühlen ließ, auf den Pyramiden.

Um auf die Sonnenpyramide zu gelangen, mussten wir uns ungefähr zwei Stunden lang in einer Schlange anstellen. Einige tausend Menschen wollteSchlange stehen vor der Sonnenpyramide - wir sind nicht die einzigen, die rauf wollenn an diesem Tag auf die Pyramide, weil man sagt, dass man dort am Besten die Energie der Frühlingssonne empfangen würde. Wir standen uns also die Beine in den Bauch und kamen nur zögerlich voran und nach oben. Ich persönlich hielt unser gesamtes Vorhaben, an jenem Tag nach Teotihuacán zu fahren, von anfang an für ein wenig übertrieben und hielt auch die tausenden von Sonnenanbeter, die ihre Handflächen der Sonne entgegen reckten, für wunderliche Gesellen. Mir persönlich gefällt Teotihuacán an jedem aEnora und ich auf der Sonnenpyramide mit Blick auf jene des Mondesnderen Tag im Jahr besser, als wenn es überfüllt und mit schwer bewaffneten Polizisten belagert ist – aber gut, Pedro hatte sich den Besuch zum Geburtstag mit uns zusammen gewünscht, also hieß es: Durch da!

Als wir dann endlich oben anlangten, sorgten weitere Polizisten und Anlagenaufseher dafür, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, in dem sie nervös im Sekundentakt zur Eile antrieben und der Polizist genervt seinen Schlagstock auf die Handfläche schlug. Lustige Gesellen – da bin ich Mensch…..

Also war ich letztendlich auch gar nicht so bös, als wir das alles wieder hinter uns gelassen hatten, und nach einem indianischen Tanzspektakel vor Indianer präsentierten ihre Tänze vor den Pyramidenden Pyramiden und langsam gen Puebla wieder aufmachten. Vorher speisten wir noch in einem Strassenrestaurant (Hase – klein, aber lecker!) und fuhren mit dem Bus nach México zurück. Von Da sprangen wir in den nächsten Direktbus nach Puebla, wo wir recht müde gegen 7 Abends aus dem Bus fielen. Alles in allem war es eine witzige Aktion gewesen – aber ich würde keinem empfehlen, es uns gleich zu tun. Auch wenn die Vorhersagen unseres Guides, der uns eine Woche zuvor über die Anlage führte, nicht eintraten und man die angekündigten 2 Millionen Menschen nicht so wirklich auffinden konnte, war es doch genug. Und ohne die mexikanischen Rambos sieht die Anlage auch schöner aus und man fühlt sich irgendwie auch sicherer.

Die gesamte Runde am Ende unseres Sonnen-Anbetungs-Ausflug: Norma, Pedro, Enora, Jakob, Roman, Thaela, Karla, ChristianAm Abend stand dann noch Pedros Geburtstagsfeier an, die entsprechend müde begann. Wir waren alle schon viel zu lange auf, um irgendwie aufgeweckt in Partystimmung zu sein, aber Wodka und Bacardi taten nach einigen Stunden das Ihre und schaukelten noch die Party auf ein sinnvolles Feierniveau.

Heute waren dann alle medium-erschlagen und der Sonntag verlief entsprechend ruhig. Nachdem ich mit Roman einige Raubkopie-DVD-Märkte (Stopp: Es gibt doch gar keine anderen…. hmmpf) abgeklapperte hatte,  schmiss ich mich mit Enora vor den Rechner und fröhnte mit ihr unserer neuen Sucht: LOST (TV-Serie).

La despedida…

Posted in Festejando!, puebla with tags , , , , , , , , on 6. Dezember 2008 by Jakob

Tränenreich und feuchtfröhlich haben wir gestern die letzte große Party mit der alten Mannschaft aus der Quince gefeiert. Lang gings, um 4 Uhr 30 schob ich die letzten (inzwischen schon sehr) alkoholisierten Gäste aus der Tür und kroch auch in mein Bett. Schön war’s, ein bissl traurig auch – aber vor allem lustig. Ein paar Eindrücke:

Erste Ergebnisse und doch keine neue Wohnung!

Posted in puebla with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 3. Dezember 2008 by Jakob

Mir scheint, ich werde zum Mittwochsblogger. Viele meiner letzten, zuegegeben etwas weniger gewordenen, Artikel, habe ich an einem Mittwoch geschrieben und heute ist mal wieder so weit.

Ich bin nun endlich richtig in den Ferien und kann nun wirklich mich auf Reisepläne und Freizeitaktivitäten konzentrieren. Am Mittag gab ich meine letzte Hausarbeit ab, und meine Großkolumbien-Arbeit habe ich bereits am Montag mit einem „Muy bien!“ zurückbekommen. Es läuft also Uni-technisch und ich kann mich nun in die Ferien verabschieden. Nach wie vor ist zwar unklar, wann die Kurse wieder beginnen (ich hatte das bereits im vorhergehenden Artikel erwähnt, dass der akademische Kalender 2009 an der BUAP immer noch nicht raus ist) aber ich werde schon rechtzeitig wieder in Puebla sein. No me preocupo mucho de estas cosas.

Ein weiteres Problem hat sich inzwischen auch in Luft aufgelöst. Ich hatte mir in den letzten Tagen immer wieder Wohnungen und WGs angeschaut, mit dem Ziel, die Quince zu verlassen. Mein Vermieter wollte die ohnehin schon hohe Miete noch einmal um 10 Prozent erhöhen und ich wollte dies nicht einfach so mitmachen. Allerdings musste ich feststellen, dass nahezu alles, was ich mir vorher angeschaut hatte, wirklich in schlechteren Konditionen war – auch wenn die Miete dann teils nur noch halb so viel kostete. Balkon, Gärten und Terassen hatte ich vergeblich in Innenstadtnähe gesucht und so waren die meisten Zimmer, die ich sah, dann meist auch dunkel und teils gar nicht möbliert.

Heute schließlich telefonierte ich dann mit meinem Vermieter, um auszuloten, was für den neuen Vertrag ab 2009 machbar ist. Und recht schnell wurden wir uns einig: ich bot an, meinen Vertrag ohne Wenn und Aber zu verlängern, allerdings zu den alten Konditionen. Er willigte ohne Diskussion ein, und so werd ich wohl morgen für weitere 5 Monate in der Quince unterschreiben. Die Konditionen bleiben gleich, und ich muss mein, inzwischen doch recht liebevoll eingerichtetes, Zimmer nicht ausräumen und gegen ein anderes tauschen. Mir war wohl nicht zuletzt zu Gute gekommen, dass sich bereits einige aus der Quince verabschiedet haben, und es meinem Vermieter wohl bislang noch nicht gelang, die Zimmer neu zu vermieten. Zu teuer, war häufig die Antwort, wenn er den Leuten die Zimmer zu den 2009er Preisen anbot.

Für mich bedeutet das, dass ich weiter meine schöne große Terasse habe, 7 Minuten vom Zócalo wohnen bleibe und mit einer bunten Mischung an Studenten aus México und Gott-weiß-woher zusammenwohne. Ich habe damit auch ein Problem weniger und kann mich umso mehr auf meine Reise konzentrieren, wissend, dass, wenn ich wiederkomme, ich in mein zu Hause wiederkomme. Auch ein schönes Gefühl.

Und damit ihr nicht denkt, dass ich jetzt schon gar keine Bilder mehr in die Artikel einfüge, sei an dieser Stelle versprochen – ab Montag oder Dienstag bin ich auf der Reise – und dann regnet es wieder Bilder im Blog und auch bei Flickr.

Bis dahin, sag ich ciao und ich meld mich vielleicht nocheinmal nach unserer großen Party am Freitag hier wieder – aber ansonsten spätestens von auf-der-Reise.

Einheitsfeier, Manu Chao und die UDAL

Posted in Festejando!, mexico city, puebla, uni, Viajando! with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 9. Oktober 2008 by Jakob

Nachdem ich hier schon seit einer Woche nichts mehr hab von mir hören lassen, will ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir aus Puebla geben.

Nachdem wir ausführlich die Nationalfeiertage Mexicos und Chiles gefeiert hatten, stand am Freitag die Deutsche Einheit zur Feier an. Eine kleine Deutschlandfahne hatte unsere Küche geschmückt und am Abend wollten wir in eine Bar gehen, in der es angeblich deutsches Bier geben sollte. Hach was hatte ich mich auf ein echtes Pils oder ein wunderbar schmackhaftes Weißbier gefreut und dann wurde ich schließlich doch enttäuscht. Die Bar, nicht weit von unserer Quince entfernt und unter belgischer Flagge betrieben, hatte alle internationalen Biere im Angebot, außer: genau! Das Deutsche war aus. Und schon seit zwei Wochen nicht mehr geliefert worden. Also mussten wir notgedrungen belgisches und holländisches Bier trinken, welches aber immernoch bedeutend mehr Geschmack hatte, als das flüssig-wässrige Sol oder Indio.

Später zog ich mit Viviana, Agostina und Enora weiter in eine kleine Bar im Zentrum. Dort wechselten sich ungefähr zehn junge Musiker an den verschiedensten Instrumenten ab. Einen Musiker hatten wir bereits in der Bar kennengelernt, in der wir den chilenischen Nationalfeiertag gefeiert hatten. Und weil er, Leon, uns nicht wiedererkannte, lud er uns später, als die Bar schließen wollte, zu sich nach Hause ein, um dort weiterzufeiern. Also packten sich alle Musiker und wir in diverse Taxen und wir fuhren ein paar Blocks durch die Nacht zu Leons Wohnung. Eines großzügiges Apartment in einem kolonialen Haus, mindestens 100 Quadratmeter, kaum Möbel, aber jede Menge Platz für Gäste, Party und Feiern. Nach einer Weile trafen die letzten Gäste ein und brachten Sixpacks mit, die der Spontanparty die Trockenheit rauben sollten. In der Runde wurde weiter munter die Gitarre rumgereicht, einer nach dem anderen gab teils selbstkomponierte Stücke und Lieder zum Besten und die Feier dauerte ungeplanterweise bis weit in den Morgen hinein.

Das machte uns dann am Samstag das Aufstehen nicht leicht. Wir wollten am Vormittag nach DF durchstarten, um dort am Abend bei Manu Chao vor der Bühne zu stehen. Müde machten sich Enora und ich auf den Weg zum CAPU (Busbahnhof) und schnappten uns den nächsten Service nach DF. Gegen 2 kamen wir an und schlugen uns mit der Metro nach Condesa durch. Dort wohnt eine Freundin von Enora, mit der sie in Frankreich zusammen studiert hat, und sie sollte unsere Gastgeberin für die kommende Nacht werden. Dort warteten bereits die Freundin und zwei weitere Französinnen auf unser Ankommen, damit wir gemeinsam in Richtung Foro Sol (Konzertstadium in DF, dass eigens für große Konzerte gebaut wurde, heute aber auch für Baseball genutzt wird) starten wollten. Es gesellten sich weitere 5 Franzosen zu uns und wir starteten noch in ein anderes Viertel, um dort auf noch mehr Konzertgänger zu stoßen. In einer Wohnung tranken wir einen Schluck und machten uns dann in Hordenstärke auf den Weg ins Foro Sol. Kaum angekommen, zog eine schwarze Wand auf. Punkt 18 Uhr brach dann einer der heftigsten Gewitterstürme los, den ich bislang hier in Mexico erlebt habe. Es schüttete aus Fässern, Bindfäden wurden zu Seilen oder gar zu Tauen, Blitze zuckten rund um das Stadion und schlugen immer wieder in der Nähe ein. Wir hatten uns an die Seiten unter das Dach eines Hamburgerstand geflüchtet und warteten dort auf das nicht absehbare Ende des Unwetters. Schon fast in den Glauben, dass das Konzert bei diesem Wetter abgesagt werden würde, stieg dann doch um 8 Uhr die Vorband auf die Bühne und fing an, den durchweichten Fanaticos, die trotz Blitzen und Regen vor der Bühne ausgeharrt hatten, einzuheizen. Für uns hatte es nach wie vor noch zu sehr geregnet, um sich der Bühne weiter zu nähern und so fädelten wir uns erst mit dem Auftritt von Manu selbst in die Massen ein. Durchweicht und in der Kälte der Nacht wurden dann doch unsere Erwartungen ein wenig enttäuscht und gegen Mitternacht machten wir uns wieder auf den Heimweg.

Am Sonntag bummelten wir dann nicht lang in DF herum und machten uns recht bald auf den Rückweg nach Puebla, wo uns die Sonne hell strahlend erwartete. Na bitte, es geht doch.

Am Montag war ich dann mal wieder als assistierender Dozent in der UDAL. Die UDAL ist die Universidad de América Latina und sitzt unweit der Quince. Einer meiner Kommilitonen hatte mich vor Wochen bereits gefragt, ob ich seinem Bruder, der Deutsch-Prof an der UDAL ist, nicht ein wenig zur Hand gehen könnte. Ich hatte zugesagt und seitdem bereits zwei Mal in seinen Kursen den Unterricht geschmissen. Am Montag wurde ich dann zunächst mit Studenten aus dem 1. Semester konfrontiert, die kaum ein Wort auf Deutsch sprachen. Der Sinn war hier mehr, dass sie so früh wie möglich mal mit einem Muttersprachler in Kontakt kommen, ein wenig Deutsch hören können und sich dann mit mir über Deutschland und alles Mögliche unterhalten können. Nach einer Stunde stand der übliche Fototermin mit vorrangig weiblichen Studentinnen an, die gern ein Foto mit „dem Deutschen“ haben wollten. In der darauffolgenden Stunde gesellten sich Stundenten aus dem dritten Semester dazu und die Runde erhöhte sich auf rund 50 Personen. Paco, der Prof, hatte sich weitesgehend zurückgezogen und sich darauf verlassen, dass ich den Unterricht schmeiße. Die Jungs und Mädels aus dem Dritten hatten dann auch ein paar mehr Worte drauf und ich hielt die Stunde komplett auf Deutsch. Fragte nach Vorurteilen, musste die Deutschen erneut gegen das (in Mexico erstaunlicherweise) allgegenwärtige Rassismusvorurteil verteidigen, Fragen zu Oktoberfest und Nazideutschland, aber auch zu Ausbildung und Austauschmöglichkeiten beantworten. Danach stand erneut der obligatorische Fototermin an und ich machte mich auf den Weg in meine Uni, um dort Seminare zu hören.

An der UDAL werde ich in Zukunft öfter sein und dort mit den Studenten ein wenig Deutsch praktizieren. Der Kontakt, der Paco so verdammt wichtig ist, scheint auch seine Berechtigung zu haben. Die Stundenten haben kaum die Möglichkeit, mit Deutschen zu sprechen, kennen kaum Ausländer und sind auch nicht gerade die Engagiertesten, wenn es darum geht, sich deutsche Medien beispielsweise im Internet zu suchen. Allerdings schien ihnen bislang die Stunden mit mir gefallen zu haben und ich stelle fest, dass es den Jungs und Mädels jedes Mal ein wenig leichter fällt, Hemmungen abzulegen und zu sprechen. Die wichtigsten Fragen für die weiblichen Studentinnen fehlten bislang zumindest noch nie: Bist Du solo? Suchst Du eine Freundin? Wier findest Du die mexikanischen Frauen? Wobei ich bei der letzten Frage immernoch an einer charmant-diplomatischen Antwort feile… 🙂

Coyoacán, Frida Kahlo y la noche de D.F.

Posted in Bienvenidos!, mexico city with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 20. Juli 2008 by Jakob

Die Strassen sind gepflastert, große Pflastersteine, immer wieder fehlt der ein oder andere. Auf dem Fußweg sieht es nicht anders aus. Nur dass hier das Pflaster, dass sich mit Steinplatten abwechselt, immer wieder auftürmt, Wellen bildet und alles andere noch als Plan liegt. Die Wurzeln der alten Bäume arbeiten unter den Steinen, heben sie an, heben sie aus. Auch die Strasse bleibt nicht verschont. Den Autos macht das nichts aus, sie rumpeln trotzdem in hohem Tempo über die Francisco Sosa, die zwischen flachen kolonialen Wohnhäusern hindurch führt.

Die breiten Kronen der großen Bäume sorgen für angenehmen Schatten, ein Viertel wie in einem Film. Das ist Coyoacán. Früher eine eigene Stadt gewesen, doch irgendwann wurde auch dieses koloniale Städtchen von der Krake D.F. geschluckt. Die Stadt frisst früher oder später jede umliegende Ortschaft – wo sollen auch 22 Millionen Menschen hin?!

Die Francisco Sosa ist wohl DIE älteste urbane Strasse in Spanisch-Amerika. Alte Häuser, bunt bemalt, teilweise aus dem 16. Jahrhundert stehen links und rechts. Es wirkt absolut entspannt. Eigentlich möchte ich jedes einzelne Haus fotografieren, so schön sind sie, so urig, so beeindruckend. Aber natürlich kann ich dass nicht. Also laufe ich einfach die Strasse hinunter zum Hidalgo (Hauptplatz), genieße den Schatten, die Ruhe (die immer dann einsetzt, wenn irgendwo am Anfang der Francisco Sosa eine Ampel auf Rot gesprungen ist), die nicht lange währt und staune.

Am Hidalgo angekommen, muss ich leider feststellen, daß die Plaza momentan unter Rekonstruktion steht. Der Park ist geschlossen, die Wege aufgerissen und man muss sich an Bauzäunen vorbei rund um den Platz schieben. Ich entscheide mich, zunächst ein Baguette zu essen und dann meinen Streifzug durch Coyoacán fortzusetzen. Mein Weg führt mich danach in die Calle Allende. Vorbei an Ständen, die jede Menge Ramsch anbieten, bin ich auf der Suche, nach dem Haus der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Der Casa Azul.

Es ist nicht schwer zu finden. Und ich entscheide mich für meinen ersten Museumsbesuch in Mexiko.Bislang hatte ich davon Abstand gehalten, weil ich mir Museen auch später noch anschauen kann, oder wenn es regnet. Aber da ich nun schon einmal vor der Casa Azul stand…. Das Haus ist beeindruckend. Groß. Lichtdurchflutet. Alt. Stellenweise Rustikal. Freundlich. Und ein entspannter Garten, besser Park, gehört zu dem Anwesen, in dem die beiden Maler Frida Kahlo und Diego Rivera einst lebten. Heute beherbergt das Haus viele Werke der Beiden, Fotografien, Briefe und andere Dokumente die aus ihrem Leben erzählen. Ich habe meinen kleinen Rundgang durch das Anwesen in Bewegtbildern festgehalten. Man muss dem heutigen Blog-Leser ja einiges bieten. Und als Medienwissenschaftler weiß ich – Multimedia es lo que cuenta!

Nach diesem Besuch wollte ich eigentlich das Haus aufsuchen, in dem Leo Trotzky ermordet wurde. Mit einem Eispickel. Wohl eher kein schöner Tod. Aber irgendwie war ich zwar in der richtigen Strassen unterwegs, fand das Haus aber nicht. Wahrscheinlich stand ich irgendwo direkt davor – aber konnte es nicht erkennen.

Nach meinen Ausflug nach Coyoacán fuhr ich wieder mit der Metro zurück in Bernhards Wohnung. Paola war schon von der Arbeit zurück und später traf auch Bernhard ein. Und was sollten wir anderes tun, als den Abend zu planen. Schließlich war Freitag.

Una noche en D.F.

Mit dem Auto starteten wir gegen Acht zu Freunden. Paola manövrierte den Honda galant durch den dicken Verkehr, nebenbei plaudernd und immer wieder kurz mit der Faust auf die Hupe, falls sich ein anderer Wagen gefährlich näherte. Und das kommt bei diesem Verkerh häufig vor.

In La Condesa parkten wir den Wagen, liefen an einer Tiendita vorbei und kauften zwei Sixpacks Indio. Mit unseren Mitbringseln unter dem Arm kamen wir in eine ziemlich große Wohnung. Xavier und Freunde warteten dort bereits auf uns. Die Wohnung gehört eigentlich Freunden von Xavier – er passt aktuell auf sie auf und macht eigentlich nieeee Party da. Claaro que si. Wir tranken ein paar Indios, plapperten über kuriose Sachen und rauchten Zigaretten. Ein Tütchen machte die Runde. Schon als wir reinkamen unterhielt sich Jungs und Mädels über absurde Themen. „Ya tuviste sexo con animales..?“ Muhahahahaahaaaa! Immer wieder seltsame Themen, Gelächter und Stories. Wir wollte weiterziehen. Es stand noch Kultur auf dem Plan.

In La Roma gibt es derzeit eine Videoinstallation in einem Café. Wir packten allesamt in inzwischen zwei Autos und starteten wieder über die nächtlichen Strassen durch die Metropole. Die Fenster nach unten, die Türen verriegelt. So macht man das hier, und das wohl irgendwann automatisch. Keiner fährt hier Auto, ohne, dass die Türen verschlossen sind. Zu groß ist die Gefahr, an einer roten Ampel ungebetenen Besuch im Auto zu bekommen und gezwungen zu werden, irgendwo hinzufahren, wohin man nicht will. Erst vor zwei Wochen hatten Bernhard und Paola eine Taxientführung über sich ergehen lassen müssen. Sie sind seitdem vorsichtiger geworden.

In La Roma angekommen dröhnte schon laut elektronische Musik aus einem Patio. Schnelle Bilder wechselten sich mit bunten Farben an einer Wand ab. Dazu gab es Mezcal und weitere Cervezitas. Gegen Mitternacht schloss die Bar und wir starteten wieder in die Nacht.

Nächstes Ziel: Die Wohnung von Umberto. Ein Arzt, der sich eine bescheidene kleine (räusper…. das war wohl das falsche Wort) gegönnt hat. Er hatte bereits Freunde zu Besuch, als wir mit Oxana, Omega, Carlos und Jorge bei ihm klingelten. Mit dem Fahrstuhl ging es in seine Wohnung. Mehr ein Loft. Riesen Wohnzimmer, wenig darin, zwei dicke Couches. Dazu eine große Küche mit einem noch größerem Kühlschrank, den wir mit mitgebrachten Indios füllten. Es wurde gequatscht, erzählt, die Wohnung bewundert und der kleine Perrito von Umberto vorgestellt. Ein kleiner Kampfhund, der momentan beim Laufen noch mehr das Umfallen verhindert. So jung ist er. Er wohnt momentan in Umbertos Kraftraum. Um 2 Uhr packten wir es auch bei Umberto. Umberto versuchte mich noch zu überreden, ich solle in D.F. studieren, weil hier viel mehr los sei. Und mi casa es tu casa und so weiter…

Auf dem Heimweg hielten wir noch kurz bei einer Taco-Bar. Fünf Blocks von unserer Wohnung entfernt. Drei Tacos del Pastor sollten den aufgekommenen Hunger bekämpfen und taten dies auch vorzüglich. Danach parkten wir den Wagen wieder im Parkhaus. Und aus. Einige Bier und der leckere Mezcal ließen uns schließlich friedlich und zufrieden schlafen.

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